Harley-Friends Würzburg auf großer USA-Tour

07.03.2018  |  Text: Peter Fuchs  |   Bilder: Harley-Friends Würzburg
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Harley-Friends Würzburg auf großer USA-Tour
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Biker, die sich ihren Traum von der Route 66 im Sattel einer Harley erfüllen, sind nichts Ungewöhnliches. Doch hier begaben sich acht Menschen mit Behinderung auf ihre Western-Dream-Tour
Ein Jahr intensive Vorbereitung benötigten die Harley-Friends Würzburg für ihren Mammuttrip. 4000 Kilometer in 18 Tagen durch die USA – gemeinsam mit acht mehr oder weniger behinderten Beifahrern. Die Behinderungen der „Co-Piloten“ reichten von fast kompletter Einschränkung der Sehkraft bis zum Rollstuhlfahrer. Seit 2011 nehmen die Würzburger Harley-Friends in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe einmal im Jahr Menschen mit Handicap zu dreitägigen Touren mit in den Sattel. Daraus entwickelten sich zahlreiche Freundschaften. Zu ihrem zehnjährigen Bestehen plante die Truppe nun diesen Roundtrip durch die USA mit ihren behinderten Freunden.
Peter Fuchs, Sprecher der Harley-Friends und Chef-Organisator der Tour hatte im Vorfeld bereits ein Date mit Angel Delgadillo vereinbart. An der legendären „Motherroad“ Route 66 betreibt Angel im kleinen Ort Seligman einen urigen Barbershop mit Kultstatus. Die Rasur in Angels Barbershop war für die Harley-Biker aber nur eines von unzähligen Erlebnissen, denn die Strecke führte durch fünf Staaten und sieben Nationalparks: Monument Valley und Grand Canyon mit Raftingtour auf dem Colorado River, Las Vegas, Moab, Laughlin, Outman, Huck­berry und durchs Valley of Fire.

Eine ungewöhnliche Tour: Mit Bike und Rollstuhl auf der Route 66
Eine ungewöhnliche Tour: Mit Bike und Rollstuhl auf der Route 66

Schon vor drei Jahren waren Mitglieder der Harley-Friends auf der nahezu gleichen Tour unterwegs. „Das wäre etwas für unser Jubiläum – dann aber gemeinsam mit unseren behinderten Freunden“, hatte Fuchs damals überlegt. Feuer und Flamme für die Idee war Holger Klüpfel. Der Harley-Fahrer ist bei der Lebenshilfe Würzburg unter anderem für den Bereich Urlaub und Freizeit zuständig. Der Amerikatrip war im Nu ausgebucht, trotz der beachtlichen Kosten von 5.200 Euro pro Nase. Neben den Würzburger Harley-Friends nahmen acht Behinderte im Alter zwischen 25 und 45 Jahren mit ganz unterschiedlicher Beeinträchtigung teil. Drei der Teilnehmer waren in ihrem Sehvermögen stark eingeschränkt. Michael Bamford kann nur minimal hell und dunkel unterscheiden: „Nah geht nix. Aber Englisch kann ich als Halbamerikaner, da sollten sich alle bei der Tour an mich halten“, scherzte er. Um mobil zu sein, ist Franz-Josef Pfister auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen. Für den Trip musste ein spezielles, klappbares Gefährt her, denn der Platz im begleitenden Van war knapp. Viel Gepäck war da nicht drin. Den Van steuerten abwechselnd Janina und Dagmar, zwei Betreuerinnen der Lebenshilfe. Auch die Soziusplätze auf den Harleys wurden im Wechsel belegt – denn 4000 Kilometer sind auch im kommoden Sattel einer E-Glide nicht ohne.
Anselm Weierich lebt mit einem Down-Syndrom. Er ist stolz, sich durch seinen Job in einer Würzburger Küche den Amerikatraum erfüllen zu können. Björn Toennies mit leichter Beeinträchtigung sieht’s locker: „Ich will einfach nur geile Maschinen mit geilem Sound erleben“, war sein Wunsch. Für Brigitte Michelbach war es die erste USA-Reise. Erfahrungen auf der Harley hat sie trotz ihrer Sehbehinderung schon früher mit den Harley-Friends gemacht. Für Oliver Koch wurde die Tour zu einer besonderen Herausforderung, da er auf Medikamente angewiesen ist. Die mussten immer im Handgepäck dabei sein, samt Dosierungsvorschrift.

Erinnerungsfoto am Capitol-Reef-Nationalpark
Erinnerungsfoto am Capitol-Reef-Nationalpark

Mit seiner Erfahrung aus vielen USA-Touren hat Peter Fuchs auch diese Reise zusammen mit Holger Klüpfel generalstabsmäßig geplant. Mit Wolfgang Imhof war der Road-Captain ein weiterer erfahrener Amerikakenner. Die Tourteilnehmer flogen von Frankfurt über Atlanta nach Las Vegas, dem Anfang und Ende der Tour. Dazwischen lagen Tagesetappen zwischen 150 und 450 Kilometern und jede Menge Geschichten, gute Laune und viel Spaß.

Fahrer und Beifahrer zeigten Durchhaltevermögen
Fahrer und Beifahrer zeigten Durchhaltevermögen

Als besonders beeindruckendes Erlebnis beschreiben die Biker den Sonnenaufgang am Delicate Arch, einem spektakulären Natursteinbogen. Dafür brachen sie morgens um fünf Uhr zu einem zweieinhalb Kilometer langen und steilen Fußmarsch auf. Auch die anschließende Raftingtour auf dem Colorado River war ein besonderes Highlight, neben dem Besuch im Barbershop bei Angel Delgadillo.
„Da wir in unseren einheitlichen, gesponserten Harley-Shirts aufgetreten und unsere Harleys mit der Frankenfahne beflaggt waren, wurden wir sowohl von anderen Touristen wie auch von vielen Einheimischen angesprochen. Mit Stolz und Freude erzählten wir von unserer gemeinsamen Aktion mit der Lebenshilfe Würzburg“, schwärmt Fuchs.
Glücklich, gesund und munter, mit feuchten Augen und bis in die Haarspitzen beeindruckt kehrten die Harley-Friends mit ihren acht behinderten Begleitern von ihrer Western-Dream-Tour zurück. Aufgeregt warteten Angehörige und Freunde mit Transparenten nervös auf dem Bahnsteig des Würzburger Bahnhofs. „Dass jemand in einer egoistischen Gesellschaft wie heutzutage so etwas macht, ist einfach überwältigend“, zollte Doris Bamford, Mutter eines Teilnehmers, den Harley-Friends Anerkennung und Respekt.
Überrascht von der sensationellen Ausdauer der Teilnehmer war auch Holger Klüpfel. Wir sind als Gruppe gestartet und kommen als echte Biker-Gang zurück“, war Klüpfel überwältigt von den gemeinsamen Erlebnissen. Es soll nicht die letzte Reise diesen Umfangs gewesen sein.
 

Die Tour wurde gesponsert von:
Harley-Village Würzburg, Sendner-Metallbau, CRAMO-Baumaschinenverleih, Lithonplus Betonwaren, Würzburger Pflasterbau

Kontakt:
harley-friends-wue66@gmx.de
www.facebook.com/harleyfriends.wurzburg

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 04/2017
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