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Im Interview erzählen Hugo (Trust MC) und Löffel (Wild Tigers MC), wie sie sich kennengelernt haben und wie eine feste Freundschaft entstanden ist – und warum ihre Clubs trotzdem nicht zusammengehen
Wer Freunde hat, lebt länger. Anders ausgedrückt: Keine Freunde zu haben, ist genauso ungesund wie das Rauchen. Das ist kein Witz, das sagt der Psychologe Dr. Wolfgang Krüger. Seine Begründung: Freundschaften geben sozialen Rückhalt. Man fühlt sich aufgehoben und kann Stress leichter abfangen. Am leichtesten findet man Freunde in Gruppen mit ähnlichen Interessen, hat Krüger in seinem Buch „Wie man Freunde fürs Leben gewinnt“ geschrieben. MCs sind solche Gruppen. Dort gibt es tausend Gründe, miteinander ins Gespräch zu kommen. Wirklich gute Freunde geben einem das Gefühl der Verlässlichkeit, sagt der Psychologe. Freundschaften unter Rockern sind inniger als die von anderen Leuten, meinen Hugo und Löffel – denn in der Szene kommt es genau darauf an: auf Verlässlichkeit.

Freundschaftsparty im Clubhaus der Ellwangener Wild Tigers

BN: Hugo, was macht eine Freundschaft für dich aus?
Hugo: Sie hat nichts mit Äußerlichkeiten zu tun – dazu gehört auch, dass es keine Rolle spielt, welches Abzeichen man auf dem Rücken trägt. An der Theke einen heben, das kann man mit vielen. Aber ein ernstes Gespräch führen, sein Herz ausschütten oder Rat ein­holen? Dafür sind Freunde da. Im Idealfall geht’s einem nach der Unterhaltung mit einem guten Freund besser als vorher. Mir bringen Freunde Energie. Ich war heute total geschafft von der Woche, dennoch habe ich mich aufgerafft und bin nach Ellwangen gefahren, zur „Hot Night“-Party ins Clubhaus der Wild Tigers. Die Leute hier treffe ich gerne. Wir vom Trust fühlen uns in der Gesellschaft von Löffel und seinen Männern wohl. Dieses Gefühl ist ein Zeichen dafür, unter Freunden zu sein.

Löffel, wann und wo hast du Hugo und die Leute vom Trust MC kennengelernt? Wie wurde Freundschaft daraus?
Ende der Achtzigerjahre haben wir erstmals Member des Trust MC von Donauwörth bei den Wild Tigers in Grafenwöhr getroffen. Damals organisierten die Clubs abwechselnd die legendären Zehn-Mark-Partys. Die Regeln waren einfach: Jeder Teilnehmer zahlte zehn Mark und konnte dafür essen und trinken so viel er wollte – niemand wollte an den Feten etwas verdienen, der Beitrag sollte allein die Kosten decken. Wir waren damals noch der Burning Skull MC, wir sind erst 1994 zum Wild Tigers MC gewechselt. Vom Trust MC haben wir zunächst einzelne Leute kennengelernt, daraus hat sich im Laufe der Zeit eine Freundschaft zu einzelnen und schließlich zu ganzen Chaptern entwickelt. Hugo habe ich erst später kennengelernt, vor etwa 15 Jahren.

Wo war das, Hugo?
Beim Trust MC in Rumänien, auf einem Konzert von Bonfire. Ich hatte die Band bei einer Veranstaltung des Wolfmen MC in Warching getroffen und gesagt: Wenn ihr jemals bei uns spielen solltet, spendiere ich einen Karton Rum. Vor ihrem Auftritt in Rumänien kam die Band zu mir, um mein Versprechen einzufordern. Löffel war mit dabei, er managte die Truppe. Es hat mich gefreut, dass er sie zum Trust MC gebracht hat. So kamen wir ins Gespräch – und wurden im Laufe der Zeit gute Freunde.

Ihr habt euch über eure Clubs kennengelernt. Ist eure Freundschaft nun eine wie unter Arbeitskollegen oder darüber hinaus eine persönliche, eine echte Freundschaft?
Hugo: Uns verbindet inzwischen eine richtige Freundschaft. Das wesentliche Kriterium dafür ist für mich Verlässlichkeit – in jedem Fall und zu jeder Zeit.
Löffel: Das gute Gefühl beruht auf Gegenseitigkeit. Und was man auch bedenken sollte: Freundschaften in der Clubszene sind inniger als in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Wir leben nach den Regeln der Szene. Der Club bestimmt unseren Tagesablauf, das ganze Jahr über. Man trifft jedes Wochenende auf dieselben Leute, zu unterschiedlichen Anlässen. Einer heiratet – man steht Spalier. Einer stirbt – man geht auf den Friedhof. Einer wird 50 – man schenkt zum runden Geburtstag. Dieses Leben hält man nicht Jahrzehnte durch, wenn man es muss. Man muss es lieben und leben. So entstehen tiefe Freundschaften mit Menschen, die ticken wie man selbst. Die ähnliche oder dieselben Werte haben. Das verbindet, oft auf lange Zeit.


Freundschaftsparty im Clubhaus der Ellwangener Wild Tigers

„Sympathie hat mit Größe nichts zu tun“

Der Trust MC hat 37 Chapter, der Wild Tigers MC drei. Ist Freundschaft auch eine Frage des ausgewogenen Verhältnisses?
Hugo: Nein, Sympathie hat mit Größe überhaupt nichts zu tun. Wir pflegen auch zu anderen Clubs freundschaftliche Verhältnisse.
Löffel: Der Trust MC ist ein Club, mit dem wir sehr gut können. Ein anderer ist der Schwarze Ritter MC Mittelfranken. Und selbstverständlich pflegen wir auch sehr gute Freundschaften zu vielen anderen Clubs, viele über Jahrzehnte hinweg.


Sind es einzelne Leute oder Chapter, die gut miteinander können, oder muss es immer der gesamte Club sein, wenn solche dicken Freundschaften wie bei euch entstehen?
Hugo: Wir haben allein in Deutschland 29 Chapter, überwiegend in Süddeutschland. Dass die Wild Tigers Ellwangen und Grafenwöhr mit unseren Chaptern so gut harmonieren, liegt einfach an den Leuten. Die verstehen sich eben sehr gut.
Löffel: Heute Abend feiert unser Hauptclub in Merchingen eine Freundschaftsparty mit dem Delegation MC und dem Lions MC. Unsere Brüder von Merchingen kommen eben mit diesen Leuten zusammen und pflegen ihre eigenen Freundschaften, mitunter ihr ganzes Leben lang. So ist das in der Rockerszene.


„Freundschaft setzt Ehrlichkeit voraus“

Wann ist der Punkt gekommen, an dem ihr eine Freundschaft kündigt?
Löffel: Wenn ich hintergangen werde oder ein Freund meine Frau anmacht. Das geht gar nicht und ist nicht wieder gutzumachen. Wer so handelt, ist kein Freund. Die Frau des anderen anbaggern, das macht man als Freund nicht.
Hugo: Man bescheißt Freunde nicht, indem man ihnen zum Beispiel ein Motorrad verkauft und sagt „Das ist im tadellosen Zustand“ und dann fährt die Karre grad mal vom Hof und der Ofen ist aus. So ein Verhalten ist nicht ehrenwert. Freundschaft setzt Ehrlichkeit voraus.


Ihr seid Präsidenten eurer Chapter. Ist eure Freundschaft dann auch für die Member der Clubs verpflichtend?
Hugo: Man kann seinen Jungs eine Richtung vorgeben, aber ihnen nicht vorschreiben, wer ihre Freunde sein sollen. Aber häufig entwickeln sich Freundschaften, wenn sich die Leute der Clubs regelmäßig treffen. Das ist der Lauf der Dinge. Mit den einen versteht man sich mehr, mit anderen weniger. Eine tiefe Freundschaft zwischen allen Jungs zweier befreundeter Clubs ist illusorisch.

Freundschaften funktionieren dauerhaft nur, wenn man sie pflegt. Wie pflegt ihr eure Freundschaft?
Löffel: Durch regelmäßige Freundschaftspartys. Da trifft man sich mit den Leuten, hat einen guten Abend zusammen, ist unter sich. Das festigt die Freundschaft. Neue Leute, die in die Clubs gekommen sind, lernt man auf diesem Weg leichter kennen als auf öffentlichen Partys. Diese Freundschaftspartys veranstalten wir seit den Neunzigerjahren, als Fortsetzung der Zehn-Mark-Feste. In den letzten Jahren leider unregelmäßig. Wir sind aber dabei, zum jährlichen Rhythmus zurückzukehren. Solche Freundschaftspartys machen viele Clubs.
Hugo: Es sind vor allem bodenständige Clubs, die Freundschaftspartys veranstalten, um ganze Clubs oder einzelne Chapter zusammenzubringen.


Wie pflegt ihr eure Freundschaft sonst noch?
Löffel: Wir verabreden uns auf Partys bei anderen Clubs. Neue Freundschaften zu knüpfen, ist in der heutigen Zeit schwer: Den Vorsprung der alten Freundschaften können neue nicht so leicht aufholen.

„Clubvielfalt tut der Szene gut“

Wäre der Höhepunkt einer so tiefen und bewährten Freundschaft nicht, dass ihr zusammen geht, also unter einem gemeinsamen Colour fahrt? Das wäre doch die logische Konsequenz.
Hugo: Clubvielfalt tut der Szene gut. Ich finde, man muss seinen Farben treu bleiben können. Freunde akzeptieren und respektieren das.


Trust MC Weißenburg
Mühlbachstr. 3
86660 Tapfheim
www.trustmcwug.de
Jeden Freitag ab 20 Uhr Open House


Wild Tigers MC Ellwangen
Bahnofstraße 50
73479 Ellwangen
www.mcwild-tigers.de
20.–21. Mai:
Street Meeting: Bike-Show, Tattoo, Live-Musik

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 03/2017
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