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Wir begleiten einen Biker auf seinem heißen Ritt an die portugiesische Algarve – bis auf die Bühne zu einer unerwarteten Siegerehrung
Alex versteht sich als Motorradfahrer, in die Biker- oder gar Ratbiker-Schublade will er nicht gesteckt werden. Beim Anblick seines schwarzen Zweirads fällt das allerdings nicht leicht – allein damit setzt er sich von der Masse ab. Außerdem besitzt er gar kein Auto, sein schwarzes Trumm ist ganzjährig im Einsatz – wenn es sein muss mit Schneeketten. Sein Motorrad wächst und gedeiht, von Putzen und Dekorieren hält er rein gar nichts. Während seiner Tour zum 35-jährigen Jubiläum des Moto Clube Faro im letzten Jahr riss er in fünf Tagen rund 6 600 Kilometer ab. Seine Route: Ludwigshafen/Rhein, Porto, Lissabon, Faro – und zurück über das Kap Sankt Vinzenz, Madrid, Malaga und Donostia-San Sebastián bis zum Ausgangspunkt Ludwigshafen/Rhein.

Übernachtung in der Pampa: Was gibt es Schöneres, als wenn morgens das Moped noch da ist
Übernachtung in der Pampa: Was gibt es Schöneres, als wenn morgens das Moped noch da ist

Holpriger Start
So ein Aufbruch ist für Alex Routine. Am Sonntag hat er sein Gefährt bepackt, Montagmorgen nach einer kurzen Verabschiedung braust er los. Schon bald merkt er, dass seine Lieblings-Motorradhandschuhe noch zu Hause liegen. Er wendet, rennt mit den dicken Klamotten im Haus rum und findet diese Scheißdinger nicht. Dann muss er eben die anderen nehmen, über die er sich während der ganzen Fahrt ärgert – sie sind einfach zu groß und sitzen nicht richtig. Egal, es ist schon fast neun Uhr, Alex schwingt sich auf den Bock und braust Richtung Frankreich. Eigentlich wollte er die Strecke durchs Franzosenland an diesem Tag hinter sich bringen, doch die Verzögerung vom Morgen rächt sich jetzt. Nach 1121 Kilometern muss er doch in Frankreich übernachten. Am Ende einer Sackgasse findet er einen kleinen Weiher und schlägt unter mächtigen Eichen sein Nachtlager auf. Sein Bike sichert er mit einem Drahtseil – die Vorrichtung nennt Alex „Wild Camping Security“.

Das Reiseziel heißt Faro und liegt an der Südküste Portugals. Alex schafft die 2600-Kilometer-Strecke in zweieinhalb Tagen
Das Reiseziel heißt Faro und liegt an der Südküste Portugals. Alex schafft die 2600-Kilometer-Strecke in zweieinhalb Tagen

Beim morgendlichen Blick aus dem Zelt steht das Motorrad noch und nach einem mageren Frühstück bricht Alex wieder auf. In Spanien beginnt es zu regnen, in einem Tunnel wirft er seine Regenklamotten über. Fast hätte ihn dabei ein Lkw vom Seitenstreifen gefegt. Erst die Rundumleuchte hält den fließenden Verkehr von ihm fern.

Viva España!
Endlich. Es läuft. 1543 Kilometer von der heimischen Garage entfernt ergibt sich Alex dem Rausch des Kilometerfressens und erreicht am Abend die Stadt Porto im Norden Portugals. Schnell bricht die Dunkelheit herein und er braucht noch einen Schlafplatz für die Nacht. Seinem Gefühl und der Autobahn folgt er, bis die Wohnblöcke kleiner und die Lichter weniger werden. Er findet ein leerstehendes Gebäude und fährt direkt rein in die gute Stube. Am nächsten Morgen sieht er seine Villa bei Tageslicht und ist angenehm überrascht. Die fast neue Bauruine ist relativ sauber und unbewohnt, Alex kann das Quartier nur empfehlen. Keine Anmeldung, keine Miete, keine Nachbarn, beste, ruhige Lage – leider weiß er nicht mehr genau, wo es liegt.

Die Schattenplätze sind heiß begehrt, aber leider auch sehr laut
Die Schattenplätze sind heiß begehrt, aber leider auch sehr laut

Mit leerem Bauch und der Sehnsucht nach einer Dusche bricht er auf nach Lissabon. In der Innenstadt findet er ein kleines Lokal voller älterer Portugiesen mit gegrilltem Fleisch auf den Tellern – hier ist er richtig! Noch immer ungeduscht, aber satt macht er noch einen Abstecher zur Cristo-Statue. Die restlichen 293 Kilometer bis nach Faro wird er auf der linken Backe abreißen.

Polizei im Anmarsch
Richtung Süden brennt die Sonne und auf der Autobahn überholt ihn ein Polizeibus. An der nächsten Raststätte wird er rausgeleitet und Alex denkt, was man in so einem Moment halt so denkt: Scheiße! Doch erstens kommt es anders, als man zweitens denkt. Der freundliche Polizist reicht ihm die Hand und spricht immer wieder die Worte „Problema“ und „Foto“. Er will ein Erinnerungsfoto von sich und Alex’ Motorrad! Tja, Männer, wenn euch die Polizei für ein Erinnerungsfoto von der Autobahn holt, dann habt ihr es geschafft! 

Pi, ein Spanier mit einer Mega-Ratte. Ein cooler, weit gereister Typ
Pi, ein Spanier mit einer Mega-Ratte. Ein cooler, weit gereister Typ

Mit leichtem Muskelkater vom Dauergrinsen kommt Alex endlich in Faro an. Er erwischt noch einen der begehrten Schattenplätze und stellt sein Zelt neben einem Spanier mit einer 600er Shadow auf. Dann genießt er die erste Dusche nach 2700 Kilometern.

Vier Tage und Nächte Party
Während der Nacht wummern die Bässe der Techno-Mucke über den Platz. Dazu kommt der Krawall aus ungezählten Auspuffrohren. Die Südländer fahren gerne nachts, weil es tagsüber zu heiß zum Biken ist. Trotz Ohrstöpsel ist an Schlaf nicht zu denken. Das will sich Alex nicht über vier Nächte antun. Am Donnerstagmorgen sattelt er auf und sucht sich einen Campingplatz an der Küste, wo er ungestört pennen kann. Sein Mittagessen nimmt er beim Moto Malta Faro MC im Clubhaus ein. Die besitzen ein kleines, aber feines Clubgelände in der Stadt und sind bestens auf Gäste vorbereitet. 

Um Alex’ Bike bilden sich schnell Menschentrauben
Um Alex’ Bike bilden sich schnell Menschentrauben

Zurück am Partyplace erhält er für sein Eintrittsgeld von 45 Euro neben dem Eintritts­ticket eine Plastiktüte mit T-Shirt, Aufkleber, Aufnäher, vier Kondomen, drei Essensgutscheinen und einem Event-Pin. Um sein Moped hat sich schon wieder eine Menschentraube gebildet, einige raten ihm doch tatsächlich, an der Bikeshow teilzunehmen. Auf dem Gelände ist es schon reichlich voll geworden, am Ende werden es wohl über 30 000 Biker sein. 

Nummer fünf lebt!
Die Bikeshow geht ihm nicht aus dem Kopf und er erkundigt sich bei der zuständigen Jury nach dem Fahrplan. Hört sich nicht schlecht an, man bekommt sogar ein T-Shirt, selbst wenn man nichts gewinnt. Der restliche Tag fliegt dahin, Bars, tausend Leute getroffen, schwimmen, essen – müde. Am Samstag meldet er sein Gefährt schließlich tatsächlich zur Show an und stellt es auf das schöne Areal mit den weichen Matten für die Bikes – alles fein und edel. Dann soll er noch etwas über sein Bike auf eine Tafel schreiben. Ihm fällt nichts ein – und in welcher Sprache überhaupt? Die können doch kaum Englisch – Alex auch nicht. Mit den drei Buchstaben „FTW“ sollte alles erklärt sein. Allerdings steht er jetzt den ganzen Tag ohne Bike da. Zum Glück gibt es heute den kostenlosen Fisch mit köstlichem Rotwein. Außerdem ist immer eine Band auf der Bühne oder die Miss Faro wird gerade nebenan gekürt. Ohne große Hoffnung auf eine Platzierung schlendert Alex zur Ergebnistafel der Bikeshow. Laut Aufkleber auf dem Scheinwerfer ist sein Bike die Nummer 5. Und die lebt nicht nur, sie steht auf dem 2. Platz. Alex darf und muss mit seinem Bike vor dem Riesenpublikum auf die Bühne. Ein unbeschreibliches Gefühl breitet sich unter den versammelten Ratbikern aus, die im Gänsemarsch auf die Bühne stapfen. Alex fühlt sich wie ein Rockstar, kommt aus dem Händeschütteln nicht mehr raus.

Das Sardinenessen geht los
Das Sardinenessen geht los

Die Nacht wird lang, als er in sein Zelt kriecht, ist es schon wieder hell. Nach dem Erwachen fällt ihm das Briefkuvert von der Siegerehrung ein. Es enthält 350 Euro! Sauber, weitere Urlaubstage sind gesichert. Auf dem Partyplatz wird am Sonntagnachmittag über die Eintrittskarte noch eine Reise nach Florida oder eine Harley verlost, hier hat Alex kein Glück. Noch eine Stippvisite ins Clubhaus des Moto Clube Faro in der Stadt und vier geile Partytage sind over. Am nächsten Morgen stehen 740 Kilometer bis Madrid auf dem Plan – ein Katzensprung.



Zurück auf der Piste
Während seiner Rückfahrt wird Alex drei Mal aufgehalten. Als Erstes ist die Schweinebacke von Luftfilter dicht, das Moped bringt keine Leistung mehr. Ausbauen, reinigen – und weiter. In Madrid zwingt ihn das Schild „All you can eat“ zu einem spontanen Stopp. Und rund hundert Kilometer vor der deutschen Grenze überholt er dann eine französische Streife, die ihn mit Fernlicht und Disco auf dem Dach zur Raststätte geleitet. Sein Kennzeichen sei nicht leserlich. Alex: „Sorry, I come from San Sebastian today …“ Polizist: „Oh, France?“ „No, Spain! Today 1345 Kilometers.“ Der ungläubige Polizist zieht flugs einen Alko-Tester aus der Tasche und lässt Alex pusten. Nach der Feststellung seiner Nüchternheit tauschen Alex und die Polizisten noch einige technische Details ihrer Fahrzeuge aus, dann wünschen ihm die Beamten eine gute Reise. Mit einem Dauergrinsen zieht Alex über die nächtliche Autobahn und denkt dabei über sein nächstes Vorhaben nach: eine Fahrt ins Reich von Graf Dracula. 
 

Alex verrät uns ein paar technische Details zu Bike und Tour:
• Das Motorrad fährt 253 Spitze, was 138 PS möglich machen.
• Der Rahmen hat über 450 000 Kilometer runter, der zweite Motor 250 000.
• Seit 12 Jahren hat nur der Regen das Motorrad gewaschen.
• Auf der gesamten Fahrt 31 Mal getankt und für 734 Euro genau 521,85 Liter Benzin auf 6600 Kilometer verbraucht, dazu ein Liter Motoröl.
• 125 Euro betrug die Mautgebühr.
• 1 300 Euro hatte ich mitgenommen – die sind weg, obwohl ich meinen Bedarf von 6000 Kcal/Tag nicht erreicht habe. Die 350 Euro von der Bikeshow habe ich noch.
• Ihr seid noch neugierig auf den Motorrad-Typ? Fragt mich, wenn ihr mich auf der Straße trefft!

20.-23. Juli 2017: 36. Concentração Moto Clube Faro, Portugal, www.motoclubefaro.pt

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 08/2017
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