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Das Bundeskriminalamt hat sein aktuelles Lagebild zur Organisierten Kriminalität vorgestellt
Am 1. August hat das Bundeskriminalamt auf einer Pressekonferenz in Wiesbaden das aktuelle Lagebild zur Organisierten Kriminalität vorgestellt. Fazit: Die Zahl der Verfahren gegen MC-Member ist gesunken – anders sieht es bei den sogenannten „rockerähnlichen Gruppierungen“ aus.

Laut BKA-Präsident Holger Münch bleibe das Bedrohungs- und Schadenspotenzial der Organisierten Kriminalität aber unverändert hoch. Insgesamt habe es im vergangenen Jahr 572 Verfahren gegen Gruppierungen der Organisierten Kriminalität gegeben (2016: 563). Rund ein Drittel dieser Gruppierungen sei im Drogenhandel aktiv, der damit das Hauptbetätigungsfeld bleibe.

Holger Münch, Präsident des BKA (Foto: Bundeskriminalamt)
BKA-Präsident Münch auf der gestrigen Pressekonferenz: „Die Organisierte Kriminalität hat viele Gesichter und Betätigungsfelder. Damit ist und bleibt das Bedrohungs- und Schadenspotential, das von Organisierter Kriminalität ausgeht, unverändert hoch.“ (Foto: Bundeskriminalamt)

In dem gut sechzig Seiten starken Bericht werden auch einzelne OK-Gruppierungen in den Fokus genommen, die vom BKA sogenannten „klassischen Bereiche der Organisierten Kriminalität“. Neben der „italienischen Organisierten Kriminalität“ und der „russisch-eurasischen Organisierten Kriminalität“ zählt dazu auch die Organisierte Kriminalität von „Rockergruppierungen“ und „rockerähnlichen Gruppierungen“.

Rockergruppierungen

2017 wurden zwanzig von insgesamt 572 Verfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität gegen MC-Member eingeleitet. Damit setze sich laut BKA der rückläufige Trend der vergangenen Jahre fort (2016: 35 Verfahren). Die Verfahren verteilten sich auf folgende Clubs:

Hells Angels MC: 17 OK-Verfahren (2016: 28)
Bandidos MC: ein OK-Verfahren (2016: 5)
Andere MCs: drei OK-Verfahren (2016: 8)

Dass bei der Summe dieser Auflistung (21 Verfahren) ein weiteres hinzugekommen ist, erklärt sich durch Mehrfachnennungen – das heißt, dass einzelne Verfahren gegen mehrere Gruppierungen geführt werden können. Nicht gelistet sind dagegen andere OK-Verfahren, in denen es „Verbindungen“ zu Rockergruppierungen gab (2017: 46; 2016: 39).

Die Hälfte der oben genannten Verfahren wurden wegen Rauschgifthandels eingeleitet, ein weiterer Schwerpunkt sei die Gewaltkriminalität gewesen.

Rockerähnliche Gruppierungen

Im Gegensatz zu vielen Journalisten und Politikern unterscheidet die Polizei in der Regel zwischen motorradfahrenden Rockern und den sogenannten „rockerähnlichen Gruppierungen“. So definiert das BKA Streetgangs wie die United Tribuns oder die jüngst verbotenen Osmanen BC Germania wie folgt: „Rockerähnliche Gruppierungen sind im Vergleich zu Rockergruppierungen ähnlich hierarchisch strukturiert, haben das gleiche Selbstverständnis und dokumentieren ihre Zusammengehörigkeit durch Kleidung oder Symbole nach außen. Sie betätigen sich in den gleichen Kriminalitätsbereichen und sind genauso wenig bereit, mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Der Unterschied zu Rockergruppierungen besteht in der fehlenden ,Motorradpflicht‘. Das Motorrad spielt nur eine untergeordnete Rolle.“

Folgerichtig widmet sich das Bundeslagebild den rockerähnlichen Gruppierungen auch in einem gesonderten Abschnitt. Im Gegensatz zu den sinkenden Zahlen der OK-Verfahren gegen MC-Member verzeichnet das BKA hier einen Anstieg: Lag die Anzahl der OK-Verfahren gegen Member dieser Gruppen 2016 noch bei insgesamt 15, so stieg sie im Folgejahr 2017 auf 22 an, die sich wie folgt verteilen:

United Tribuns: fünf OK-Verfahren (2016: 5)
Osmanen BC Germania: fünf OK-Verfahren (2016: 4)
Guerilla Nation: vier OK-Verfahren (2016: 1)
Andere rockerähnliche Gruppierungen: acht OK-Verfahren (2016: 5)

Dazu kommen die Verfahren gegen andere OK-Gruppierungen mit „Verbindungen“ zu rockerähnlichen Gruppierungen – wie im Falle der MCs auch (2017: 13; 2016: 9).

Wie bei den Rockergruppierungen wurden die Ermittlungsverfahren auch im Falle der rockerähnlichen Gruppierungen hauptsächlich wegen Rauschgifthandels und Gewaltdelikten eingeleitet.

Ermittlungsverfahren vs. Urteil

Die vom BKA genannten Zahlen sind indes mit Vorsicht zu genießen, denn was von Kriminologen und Juristen wiederholt kritisiert worden ist, setzt sich auch im aktuellen Lagebild fort: Dokumentiert werden Ermittlungsverfahren und nicht rechtskräftige Urteile – wie viele der ohnehin geringen OK-Verfahren gegen MC-Member eingestellt werden oder mit einem Freispruch enden, geht aus dem Lagebild also nicht hervor.




 
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