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Am Dienstag war die Polizei beim Bandidos MC Herne East im Einsatz. Sie befürchtete Selbstjustiz im Zusammenhang mit dem Mord am neunjährigen Jaden. Kritische Nachfragen sind unerwünscht
Am Dienstag war die Polizei mit rund 40 Fahrzeugen beim Clubhaus des Bandidos MC Herne East im Einsatz (wir berichteten). Hintergrund war der Mord am neunjährigen Jaden: Da der Ziehvater des Jungen Member des Clubs ist, befürchteten die Beamten Selbstjustiz.
Der Bandidos MC hatte diesen Einsatz in einer Pressemitteilung heftig kritisiert und forderte den Rücktritt des nordrhein-westfälischen Innenministers: „Wären die Einsatzfahrzeuge und die Beamten nicht besser aufgehoben gewesen, dieses Arschloch in der Zwischenzeit zu suchen? Es wird kostbare Zeit verschenkt, nur um einen Kindermörder vor den bösen Bandidos zu schützen? (...) Treten Sie zurück, Herr Jäger!“

Pressestelle schweigt

Offen bleibt, was die Hintergründe dieses Einsatzes waren. Denn kritische Fragen beantwortet die Polizei nicht – Pressesprecherin Nina Vogt: „Wir bestätigen den Einsatz in Herne, den wir aufgrund von Hinweisen auf eine möglicherweise größere Menschenansammlung durchgeführt haben. Weiter werden wir diesen Einsatz nicht kommentieren.“

Öffentlichkeit zeigt Verständnis für die Rocker

Der Verdacht liegt nahe, dass im Rahmen der Zero-Tolerance-Strategie das Standardprogramm abgespult wurde. In NRW finden regelmäßig massive Polizeikontrollen in der Rockerszene statt, auch gänzlich ohne Anlass – so versucht die Politik offensichtlich, den Bürgern ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln, wie kürzlich auch im Zusammenhang mit der Verschärfung des Vereinsgesetzes deutlich wurde.
Im Zusammenhang mit dem Mord könnte diese Taktik allerdings nach hinten losgehen: Die Kommentare in den sozialen Netzwerken, in denen die Pressemitteilung der Bandidos bereits Zehntausende erreicht hat, sprechen dafür.

Unsere unbeantworteten Fragen
 
  • Auf welche Informationen stützte die Polizei ihre Einschätzung, Mitglieder des Bandidos MC könnten Selbstjustiz verüben?
  • Welche konkreten, von Mitgliedern des Bandidos MC durchgeführten Aktionen befürchtete die Polizei?
  • Gab es Hinweise aus mehreren, unabhängigen Quellen? Wie wurde die Glaubwürdigkeit dieser Information überprüft bzw. gesichert?
  • Wie viele Polizeibeamte waren am Einsatz beim Bandidos MC Herne East beteiligt?
  • Ging nach Informationen der Polizei eine unmittelbare Gefahr von den Mitgliedern des Bandidos MC aus, die den vergleichsweise aufwendigen Einsatz gerechtfertigt hat?
  • Wieso hat die Polizei nicht zunächst zu weniger aufwendigen Mitteln gegriffen und – zum Beispiel – eine Gefährderansprache durchgeführt?


 
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