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Nach dreißig Jahren bekam Brösel eine zweite Chance. Er hat sie genutzt
Pünktlich um 16:45 Uhr fällt der Startschuss. Und nach 10,08 Sekunden ist der Spuk auf dem Flughafen im norddeutschen Hartenholm auch schon vorbei. Mit drei Zehntel Sekunden Vorsprung schlägt Rötger „Brösel“ Feldmann auf dem „Red Porsche Killer“ seinen ewigen Konkurrenten Holger „Holgi“ Hübner im 1968er Porsche. Damit ist die Schmach von 1988 wettgemacht: Damals waren die beiden Kontrahenten auf dem legendären ersten Werner-Rennen gegeneinander angetreten, am selben Ort, auf denselben Maschinen. Seinerzeit verschaltete sich Brösel und Holgi gewann. Doch damals wie heute nehmen die beiden Freunde das Duell sportlich: Bereits im Vorfeld hatten sie vereinbart, zusammen auf den „Schmähturm“ steigen zu wollen – egal, wer das Rennen macht. Und so stehen Brösel und Holgi kurz nach dem großen Showdown zusammen in luftiger Höhe, als sich eine volle Ladung „Katzenscheiße“ (Rezept: geheim) über sie ergießt. Im Anschluss, im Blitzlichtgewitter der Fotografen, widmet Brösel den Pokal seiner Frau, die am Ende der Achtelmeile auf ihn gewartet und als Erstes gratuliert hat.

Brösel, Holgi und Andi Feldmann (Brösels Bruder) posieren mit den unvermeidlichen Boxenludern vor Holgis 1968er Porsche

Richtig ernst nimmt natürlich auch das Publikum am Rande der Rennstrecke das Ganze nicht, obwohl beide Piloten ihre jeweiligen Fans haben, die sich lautstark bemerkbar machen. Doch vor und nach dem Rennen feiern beide Lager zusammen in trauter Eintracht. Das fällt den rund 50 000 Besuchern an diesem Wochenende auch nicht wirklich schwer, jagt auf dem 150 Hektar großen Areal doch eine Attraktion die andere: Drag Race auf der Start- und Landebahn, Motocross und Traktor-Pulling auf dem Acker und nicht weniger als achtzig Bands auf mehreren Bühnen, darunter namhafte Gruppen wie Niedeckens Bap, Santiano oder Otto und die Friesenjungs. Das Line-up hält für jedes Alter und jeden Geschmack etwas bereit, doch wesentliche Zielgruppe und Mehrheit auf dem Gelände ist eindeutig die Generation Ü 50, die bereits 1988 dabei war – oder gern gewesen wäre. Eine der witzigen Ideen in der perfekt orchestrierten PR-Maschinerie: Wer mit einem originalen, nicht entwerteten Ticket von damals anreiste, erhielt freien Eintritt.

Klar, die Veranstaltung lebt vom ungebrochenen Kult um Werner und dem legendären Duell, das einst als Comic im Werner-Band „Eiskalt“ begann, bevor es wirklich Realität wurde. Und so dreht sich auf der abschließenden Pressekonferenz natürlich ebenfalls alles um die entscheidenden zehn Sekunden der vier Tage. Auf der kleinen Bühne im Pressezelt sitzen nicht nur Brösel und Holgi, sondern auch die wichtigsten Köpfe des Mechanikerteams, darunter Wolfgang „Ölfuß“ Ussleber, der den legendären, von vier hintereinander verbauten Horex-Motoren gebauten Red Porsche Killer für das erste Rennen gebaut und auch für die heutige, späte Revanche generalüberholt hat.
Während Brösel feixt, dass er nur Halbgas gefahren sei und betont, dass der Sieg nicht ohne sein Team möglich gewesen wäre, erklärt Holgi seine Niederlage mit einem schlechten Start: Die Reifen wären für einen kurzen Augenblick durchgedreht, sodass der Porsche seine Kraft nicht auf den Asphalt gebracht hätte.

Brösel widmete den Pokal seiner Frau – und betonte, dass nicht er, sondern das „Team Red Porsche Killer“ gewonnen habe

Über diese und andere Details werden nicht nur die beiden „Rennfahrer“, sondern auch die alten und neuen Werner-Fans noch lange fachsimpeln. Und wer weiß – vielleicht ist es nun Holgi, der eine weitere Revanche fordert? Schließlich steht es nun, nach den beiden Rennen von 1988 und 2018 unentschieden. Und die Veranstalter, die Firma um Wacken-Betreiber Holger Hübner, haben die ein oder andere Million in die aufwendige Infrastruktur investiert. Auch wenn sie nach eigenem Bekunden selbst eingefleischte Fans sind und kein Profit mit der Veranstaltung gemacht haben: Wenn das Geld durch weitere Events unter dem „Werner“-Label zurückkommt, werden sie sich nicht beschweren. Und so kam weder von ihnen noch von Brösel bezüglich einer weiteren Ausgabe des Werner-Rennes eine Bestätigung oder ein Dementi. Sollten Brösel (68) und Holgi (74) es noch mal tun, werden sie jedenfalls nicht weitere dreißig Jahre warten ...



 
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