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Die Gilf aller Bike Weeks weckt immer weniger Begehrlichkeiten. Besucher, Händler und Customizer bleiben fern. Ich nächstes Jahr auch. Sicher! Wahrscheinlich. Na ja, mal sehen …
Es wäre meine zwanzigste Bike Week im nächsten Jahr, das erste Mal war noch im alten Jahrtausend. Da war Big Daddy Rat noch am Start, seine Bikeshow die weltweit wichtigste Showbühne für Schrauberwahnsinn.
Heute macht die Nummer sein Sohn Teddy, dessen Performance in etwa an das Niveau eines Pandabärchens heranreicht. Ganze 57 Motorräder waren 2019 auf der Rat’s Hole Show. Gut die Hälfte Schwuchtel-Bagger, keine zehn Mopeds zum Niederknien. Man lässt das werte Publikum natürlich wissen, dass es die „biggest Show with the most bikes ever“ sei. Aha. Na ja, früher waren es an die 200. Egal. 
Nicht anders sieht es auf der Boardwalk-Show aus. Größtenteils belanglose Mopeds, ein paar Kitscheimer mit Drachen oder anderem Fantasygedöns, viel Schund und  eine handvoll zweirädriger Perlchen. 

Die historische Budweiser-Bierkutsche mit acht Pferdestärken beim Main-Street-Cruisin’. Die Bulleneskorte fuhr in den letzten Jahren Victory – jetzt ist man wieder auf Harley unterwegs
Die historische Budweiser-Bierkutsche mit acht Pferdestärken beim Main-Street-Cruisin’. Die Bulleneskorte fuhr in den letzten Jahren Victory – jetzt ist man wieder auf Harley unterwegs


Harleys Ride-in-Show, auf der vor vier Jahren noch Willie G. himself jedem „Runner up“ persönlich die Grätchen schüttelte, wurde erst umgetopft, dann eingedampft. Schließlich sollte sie nur noch im Web steil gehen (was bei einer Ride-in-Show ja irgendwie leicht am Thema vorbeigeht). Nun isse tot. So ist das mit dem Virtuellen – nix als Einsen und Nullen … Das Siechtum der altehrwürdigen Daytona-Bike-Shows schreitet also weiter voran. So weit nix Neues.
Relaxte Zusammenkünfte cooler Jungs mit coolen Bikes wie die Oldschool-Chopper-Show bei Willie’s Tattooladen stehen dagegen in voller Blüte: Reichlich handgemachtes Material, im Vergleich zu den letzten Jahren klar ansteigende Qualität. Selbst am Mikrofon hat man dazugelernt und heißt Gäste und Pokalgewinner nur noch ein- bis zweimal pro Minute „Motherfucker“ – und das im deutlich gedämpften Bariton. Willie hat letztes Jahr geheiratet, da wird man ruhiger. Seine Lady scheint ihren Job zu verstehen …
Ja lassen sich denn nicht gerade auf solch einer Veranstaltung Custom-Trends erkennen? Ja, klar – die Springergabel ist zurück. Als ob sie jemals weggewesen wäre.
Ebenfalls empfehlenswert für Alteisen-Freaks ist die Boogie East Chopper Show im Annie Oakley‘s – dieses Jahr erst zum zweiten Mal am Start. Schöne Mischung aus Easy Going und Rock ’n’ Roll. Die Sause steigt unter Palmen, im trockengelegten Sumpf zwischen Iron Horse Saloon und dem gleichermaßen gigantischen wie spaßbefreiten Kauf-mich-oder-finanzier-mich-Wonderland des örtlichen Harleydealers – des weltweit größten versteht sich.
Hier vielleicht irgendetwas Zukunftsweisendes zu entdecken? Non. Die immer gleichen Tourer und Bagger mitsamt Zubehörschlonz für Leute, die 32-Zoll-Räder in der Forke und doppelmastige Navi-Getränke-Halterungen im Billet-Design am Lenker für ultimativ geil halten.

Dem berühmten Hangin’ Tree im Last Resort geht’s noch schlechter als der Bike Week selbst. Nur noch zwei Joghurtbecher tragen seine morschen Äste, der Rest ist schon lange runtergekracht
Dem berühmten Hangin’ Tree im Last Resort geht’s noch schlechter als der Bike Week selbst. Nur noch zwei Joghurtbecher tragen seine morschen Äste, der Rest ist schon lange runtergekracht

Aus Rücksicht auf unsere Leser zeigen wir die Lady, die vor dieser Wuchtbrumme am Wet-T-Shirt-Contest teilnahm, nicht
Aus Rücksicht auf unsere Leser zeigen wir die Lady, die vor dieser Wuchtbrumme am Wet-T-Shirt-Contest teilnahm, nicht

Tristesse am Ende der Main Street, wo einem nach Überquerung des Halifax-River gähnende Leere erwartet: Hier, in der North Beach Street, stand früher die Crème de la Crème der internationalen Customszene – von Arlen Ness bis Marcus Walz. Vor ein paar Jahren wurde schon das West-Areal von einem Immobilen-Fonds geschluckt und verrammelt, jetzt ist die Ostseite für angeblich achtzig Millionen Dollar weggeschnupft worden. Einzig der Indian-Händler ist übrig geblieben. Auch legendäre Harley-Läden wie Carl’s Speed Shop oder Robison’s, der für Harley früher die XR-Triebwerke getunt hat – dicht. Das Areal rund um Miller’s und den Skaterpark wo die Styler residierten – platt.      
Bleibt nur noch der Speedway als großer Hotspot. Drinnen ballern die US-Superbike-Heroen durch die Steilkurve, driften die weltbesten Flat-Tracker um Ruhm und Kohle, während auf dem weitläufigen Areal des amerikanischen Rennsportmekkas die Hersteller ihre Zelte aufschlagen. In diesem Jahr beschämend mickrig. Egal ob die Japaner, Indian oder Harley: alle Big Player haben ihr Daytona-Engagement extrem eingedampft, karren keine Umbauten mehr an, keine Stuntshows, kein Nix. „Es sind ja keine Leute mehr auf der Bike Week, das lohnt sich für uns nicht mehr“, verrät uns die achselzuckende Honda-Chefin. Sie übertreibt etwas, nur sind es halt keine halbe Million mehr wie in den besten Zeiten, sondern geschätzt drei viertel weniger. 
Sagen wir mal so: Wer heute das erste Mal auf die Bike Week kommt, den dürfte es trotzdem noch umhauen. So viel Motorcycle-Loudness, so viel buntes und verrücktes Mopedtreiben bei so viel Sonne und atlantischem Meeresrauschen gibt es sonst nirgends. Soviele toughe Ladys, die Hayabusas und die dicksten Big Twins lässig durch die Stadt schubsen auch nicht. 
Und wenn du dich abends, mit ein paar Jackys im Hals und unter wüstem Geschrammel einer zweitklassigen Coverband mit Steve aus North Carolina verbrüderst und im besten Fall später noch eine Schwester nagelst, ist es dir auch scheißegal, wieviele Hotspots und Custombikes Daytona noch bietet. Dann weißt du, dass du hier richtig bist. Und dass du nächstes Jahr wieder kommen wirst.  «

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