20 Jahre Tanks MC

19.06.2018  |  Text: Jens Fuge  |   Bilder: Jens Fuge/Archiv Tanks MC
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20 Jahre Tanks MC
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Hinter den Bergen, mitten im Erzgebirge, haben die Menschen ihren eigenen Kopf. Deshalb fragten die langhaarigen Metal-Freaks auch niemanden, als sie 1993 den Tanks MC ins Leben riefen
Es gab ja damals hier rein gar nichts. Und was im Erzgebirge passierte, hat ohnehin niemanden angehoben“, sagt Matt, President des Motherchapters Schwarzenberg. Die Gründungsmember hatten nicht nur null Ahnung, sondern waren auch niemals einem Motorradclub begegnet. „Damals ging das noch“, meint der letzte im Club verbliebene Gründungsmember Kupfer. Begonnen hat alles 1987 in Antonshöhe, einem Ortsteil von Breitenbrunn – als Metalclub im typischen Outfit: wilde Mähne, Nieten­gürtel, schäbige Jeansweste mit möglichst vielen Aufnähern angesagter Metalbands. Einziger Unterschied: Auf dem Rücken prangte schon damals der Name der Clique – Tanks. „Wir fühlten uns schon wie die Panzer, wenn wir alle zusammen in die Dorfdisco einmarschiert sind“, grinst Kupfer. Leicht hatten sie es damals nicht, vor allem mit der Musik. „Aber wenn lange genug Druck ausgeübt wurde, dann haben die schon ab und an mal was Hartes für uns gespielt“, erinnert sich Kupfer. Ansonsten lebten die Tanks ihr Outsiderleben weitgehend DDR-konform: Tagsüber ging es zur Arbeit, in der Freizeit wurde Vollgas gegeben. Kupfer: „Und das mit allem Drum und Dran, laut und dreckig, mit viel Alkohol und Spaß. Ausgelassen haben wir so gut wie nichts!“ Und auch Motorräder gehörten dazu. Einige der etwa fünfzehn Tanks schworen bereits in der Anfangszeit auf die Freiheit auf zwei Rädern, egal, ob MZ, AWO oder EMW. Ab und an ging es zu den legendären Renn­strecken in Brünn, Most oder Schleiz. Easy-Rider-Feeling auf Ost-Bikes. Die Stasi beobachtete sie, stufte sie als „rebellisch“, aber nicht als „staatsgefährdend“ ein. „Das haben wir aus den Akten entnehmen können, die wir eingesehen haben“, sagt Kupfer.

1987, ein Bild aus DDR-Zeiten. Schon als die Tanks noch ein Metal-Club waren, fuhren einige Member Motorrad. Und das T und die Blitze gab es auch schon
1987, ein Bild aus DDR-Zeiten. Schon als die Tanks noch ein Metal-Club waren, fuhren einige Member Motorrad. Und das T und die Blitze gab es auch schon


Es folgte der Zusammenbruch der DDR, die Wiedervereinigung, eine totale Neuorientierung. Doch die Tanks blieben zusammen, entwickelten sich weiter – und gründeten 1993 den eigenen Motorradclub Tanks MC Schwarzenberg. Mit eigener Satzung, abgewandeltem Colour – das T und die beiden Blitze blieben – und jeder Menge Pläne. Und sie fackelten nicht lange: „Wen hätten wir auch fragen sollen? Damals gab es noch keine Clublandschaft wie heute. Insofern waren wir in weitem Umkreis die ersten und einzigen“, meint Matt. In Dresden gab es die Hell Hounds, in Leipzig die Road Lions, in Döbeln die Highway Wolfes und in Zwickau den Straßenstaub MC. Auch ein paar MF hatten sich in der Umgebung angesiedelt. Die Gründung der Tanks fand im Wikinger Pub in Erla statt. Viele der Biker waren blutjung, keiner hatte Erfahrung. Anfangs schwamm man im eigenen Saft, machte sein eigenes Ding. Szene im eigentlichen Sinne gab es kaum, das kam erst später.
Der Club wuchs schnell, die Member drängten in verschiedene Richtungen. 1997 kam es dann zum Crash, zehn Mann traten aus. „Wir haben da gemerkt, dass viel mehr dazugehört und dranhängt, dass es Rechte und Pflichten gibt“, erinnert sich Matt, der seit damals President ist. Danach rückten die Member enger zusammen, seither klappt vieles besser. Der MC nahm eine gute Entwicklung, das erste Clubhaus in Schwarzenberg in einer alten Doppelgarage entstand. Doch es gab permanent Stress mit den Anwohnern, bis man 2001 das jetzige Clubhaus in Antonsthal günstig erwerben konnte. Die alte Post wurde ausgebaut, ein neues Dach aufgebracht, die Fußböden erneuert, eine Wohnung im Dachgeschoss ausgebaut. Seitdem nehmen die Arbeiten kein Ende, die Pläne für eine neue Heizung, eine neue Fassade und neue Fenster stehen. Das Außengelände mit Bar und kleinem Garten ist bereits fertig.

Gruppenbild aller Member. Im fünfundzwanzigsten Jahr seines Bestehens unterhält der Tanks MC vier Chapter
Gruppenbild aller Member. Im fünfundzwanzigsten Jahr seines Bestehens unterhält der Tanks MC vier Chapter

Nachdem Ruhe eingekehrt war, wuchs der Club erneut und stetig: Im Jahr 2000 kam das Nomads-Chapter (inzwischen Northside) hinzu, 2002 Annaberg und 2014 Schneeberg. Dadurch kamen auch neue Einflüsse und jüngere Jahrgänge dazu, die das Clubleben beeinflussten. So erlangten beispielweise die legendären Partys der Jungs von Northside zweifelhaften Ruhm – auch dieser Haufen gerade mal Zwanzigjähriger musste sich erst mal die Hörner abstoßen. Doch es lohnte sich: „Es ist ein richtig gutes Chapter daraus entstanden“, findet Matt. Auch sie vertreten und leben die alten Werte, die Matt mit „Treue, Loyalität, Beständigkeit“ umschreibt. Regelmäßig treffen sich alle Chapter zum Meeting und man schafft es immer, auf den Punkt zu kommen – auch wenn es mal Diskussionen gibt. Ein Grund, warum es den Club nun bereits fünfundzwanzig Jahre gibt, ist auch die familiäre Atmosphäre. „Wir treffen uns auch abseits des Clubs, unternehmen was mit den Familien zusammen. Und man hilft sich auch privat“, erzählt Matt. Zuletzt waren die Tanks samt Kind und Kegel in Prag, insgesamt mit fünfzig Leuten. „Das war anstrengend, aber schön“, feixt Matt.
Wichtig ist den Erzgebirglern ihr eigener Stil. Die Motorräder sind szenetypisch, Harley-Pflicht indes gibt es nicht. Die Tanks sind Handwerker, Selbstständige und Angestellte, sie verdienen ihr Geld in jedem Fall sauber. „Wenn’s ums Geld geht, hört es auf. Wir wollen diese asoziale Kriminalität nicht. Drogen verticken oder solche Sachen würden wir nie dulden“, sagt Matt. Ohnehin haben sie ihren ganz eigenen Stolz dort hinten, hinter den Bergen. „Wir wollten nie woanders hin“, sagt Matt. Hier ist es nicht so schnelllebig, man ist heimatverbunden, konservativ, etwas vorsichtig. „Manchmal sind wir auch kritisch Neuem gegenüber“, gesteht Matt, „vielleicht hat uns das auch vor Fehlern bewahrt.“ Auf eines können sich die Tanks auf alle Fälle verlassen: Auf die kompromisslose Loyalität ihrer Member. 
 

Tanks MC
Motherchapter Schwarzenberg
Jägerhäuser Straße 2
08359 Breitenbrunn, OT Antonsthal
www.tmc-erz.de

Clubgelände Chapter Annaberg
Waldweg 2
09456 Annaberg Buchholz, OT Cunersdorf
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Stand:17 July 2018 04:13:20/magazin/20+jahre+tanks+mc_18605.html