CUSTOMBIKE-SHOW 2017

15.12.2017  |  Text: Michael Ahlsdorf  |   Bilder: Carlos, Heim, Jansen, Ott
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CUSTOMBIKE-SHOW 2017
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Unsere CUSTOMBIKE-SHOW ist immer für Überraschungen gut. Der Schocker dieser Show ereignete sich auf dem Biker Build-Off
Abgedrehte Motorräder aller Klassen und eine Pokalvergabe in achtzehn Kategorien. Das ist die CUSTOMBIKE-SHOW!
Spektakulär: das Finale der Internationalen Deutschen Meisterschaft im Custombike-Building, bei dem gut 300 Teilnehmer mit ihren einzigartigen Bikes um Titel und Trophäen in 18 Kategorien antreten


Plötzlich fehlt ein Banjo. Das komplette Team eines Harley-Davidson-Vertragshändlers hat dieses Motorrad entworfen, seinen Bau geplant und seine Teile zum Biker Build-Off auf die Bühne der CUSTOMBIKE-SHOW in Bad Salzuflen gewuchtet. Und nun fehlt ein Banjo.
Banjos, das sind entsprechend geformte Kupplungen, die Hydraulikschläuche und Geberzylinder an Brems- und Kupplungsarmaturen verbinden. Kleine Teile, ein paar Euro teuer, aber ohne sie kann ein Motorrad weder anfahren noch bremsen. Beides muss das Motorrad am Sonntag, Schlag 14.00 Uhr, können. So verlangt es das Reglement des Biker Build-Offs.
Das Reglement des Biker Build-Offs verlangt einen nackten Rahmen und eine noch nicht zusammengesetzte Elektrik. Einzelne Komponenten, wie Räder oder Getriebe, dürfen schon fertig sein. Alles zusammen muss dann innerhalb von drei Tagen auf der Bühne der CUSTOMBIKE-SHOW vor Publikum zu einem fahrbereiten Motorrad aufgebaut werden. Da sind es die Kleinigkeiten, die jeden Workflow aus dem Schwung bringen. Im Fall des Harley-Dealers aus Würzburg ist es das Banjo. Schon muss wieder ein Mann vom Bühnenteam abgezogen und quer durch die Hallen geschickt werden. Der Stand von „Würzburg Village“ mit weiteren Motorrädern liegt ganz auf der anderen Seite. Da kann der Kampf durch das Geschiebe und Gedränge der Messebesucher schon mal fünf Minuten dauern. Vielleicht hat dort schon ein anderer Mann ein Banjo von einer anderen Harley ausgebaut.

Das System des Biker Build-Off ist bekannt: Die beiden Teams haben drei Tage Zeit, um live vor den Messebesuchern jeweils ein Custombike fertigzustellen
Der Job des Konkurrenten von Würzburg Village ist leichter. Dort fläzen sich ein paar Jungs mit Bärten und Strickmützen auf dem mitgebrachten Sofa. Gelegentlich erhebt sich einer von ihnen, um dann einen Tiegelschmelzofen zu bedienen, aus dem er wie in der „Sendung mit der Maus“ eine Kelle flüssigen Metalls schöpft und in bereitliegende Sandformen gießt. Abgekühlt nimmt er dann Brems­hebel, Luftfilterdeckel oder Rücklichtgehäuse aus der Form.
Der Konkurrent von Würzburg Village heißt „Wannabe Choppers“. Eine Clique jüngerer Biker rund um den Mittzwanziger Enrico de Haas. Die Jungs stehen auf Oldschool, auf alte, auf mittelalterliche Techniken. Sie stehen aber auch auf die Zukunft und das, was sie mit ihren elektrischen Helferlein so alles bringt.
Es herrschte eisiges Schweigen im Publikum, als Enrico de Haas sein Projekt vorstellte, mit dem er gegen den Milwaukee-Eight-Dragstyler von Würzburg Village antreten würde: Enrico wollte ein elektrisch angetriebenes Motorrad bauen.
Schweigen also.
Dabei sah alles so vielversprechend aus: Ein knöcherner Starrrahmen mit selbstgegossenen Muffen, bobberige Ballonreifen und ein luftgekühlter V2-Motor, bei dem es sich ganz offensichtlich um eine Eigenkon­struktion handelt. Aber der Motor ist ein Mock-up, also nur ein Platzhalter ohne Innenleben, und der Rahmen ist aus Aluminium und wiegt keine elf Kilo. Der eigentliche Antrieb des Wannabe-Bikes steckt in der hinteren Radnabe, die Akkus stecken in dem Gehäuse, das man für den Öltank halten würde.
Das Budget dieses Bikes liegt bei unter 1.000 Euro. Materialkosten. „Wenn wir die Arbeitszeit berechnen würden, lägen wir bei 150.000 Euro“, schmunzelt Enrico. Sein Team hat wohl ziemlich viel von dieser Arbeit schon im Voraus geleistet, weshalb er eine ruhige Kugel schiebt, gelegentlich mal ein paar Kabel zusammensteckt und diesen Tiegelschmelzofen bedient.
Die Männer von Würzburg Village sind not amused. Sie üben sich in alter Handwerkskunst, verhochzeiten gerade mit öligen Fingern einen Milwaukee-Eight-Motor mit einem Twin-Cam-Primär und einem Twin-Cam-Getriebe in einen selbstgebauten Rahmen, der dieses schwergewichtige Eisen auch stabil an die 200-km/h-Grenze bringen soll – und da kommt dieser junge, bärtige Hipster und steckt ein Motörchen zusammen, dessen Akkuladung gerade mal bis zur Bühnen­rampe hält. Mehr muss es ja auch nicht, wir erinnern an das Reglement.

Explosionsgetriebener Dragstyler gegen …
Explosionsgetriebener Dragstyler gegen elektrischen Oldschool-Blender. Wer wird gewinnen?
… elektrischen Oldschool-Blender. Wer wird gewinnen?

Während der öffentlichen Schrauberei stecken die Messebesucher ihre Zettel in eine große Lostrommel. Ihre Stimmen entscheiden darüber, wer aus diesem Biker Build-Off als Sieger hervorgehen wird. Die Entscheidung fällt um 14:30 Uhr, als beide Konkurrenten mit ihren Bikes auf die Bühne rollen. Würzburg Village unter donnerndem Lärm mit einem gewaltigen Dragstyler. Wannabe Choppers ganz ohne Sound. Leise, aber grinsend rollt Enrico die Rampe hinauf.
Wird das die Stunde der Abrechnung? Kassiert Enrico de Haas nun die Quittung dafür, dass er Publikum und Mitbewerber so schlitzohrig vor den Kopf gestoßen hat? Fliegt er achtkantig von der Bühne?
Als wir die Stapel der Stimmzettel ablegen, staunen so einige. Sie sind ziemlich gleich groß. Frau Reuter, unser Bühnenmoderator, kann den Spannungsbogen in die Länge ziehen. Die unbestechlich abgezählten Stimmzettel machen es klar. Sieger des Biker Build-Off 2017 auf der CUSTOMBIKE-SHOW in Bad Salzuflen ist der Milwaukee-Eight-Dragstyler von Würzburg Village! Großer Jubel unter den Oldschoolern auf der Bühne und im Publikum.
Aber das Ergebnis ist knapp: 219 Besucher stimmten für Würzburg Village, aber immer noch 198 Besucher stimmten für Wannabe Choppers. Würzburg siegte mit gerade mal 21 Stimmen Vorsprung. Und Enrico de Haas hat immerhin dafür gesorgt, dass der Name von Wannabe Choppers nicht vergessen wird. Er geht in die Annalen der CUSTOMBIKE-SHOW ein. Sein Bike trägt übrigens den Namen „ALSI9MG“ – die Formel der Aluminium­legierung, aus der sein Rahmen gefertigt ist.
Die Männer rund um Christoph „Chicken“ Repp von Würzburg Village jubeln. Enrico aber rollt ohne Verlierermiene von der Bühne und verrät uns mit leiser Stimme, aber immer noch lauter als sein Motorrad: „Es ist ganz gut, dass wir nicht gewonnen haben.“ Stimmt. Niemand weiß, was in der Halle dann los gewesen wäre. Dabei ist sie doch immer für Überraschungen gut, unsere CUSTOMBIKE-SHOW, immer am ersten Dezember­wochenende in Bad Salzuflen.     «

 

Würzburg Village Motorradhandel Christoph Repp GmbH
Raiffeisenstraße 12
97265 Hettstadt
Tel. 0931 45265990
www.hdwv.de


Wannabe Choppers 
Motorradmanufaktur
Am Surbach 16
35625 Hüttenberg Rechtenbach
Tel. 0641 95089104
www.wannabe-choppers.de
 



„The Art of Racing“ hieß unsere Sonderausstellung im Ober­geschoss diesmal. Joghurtbecher für Knieschleifer zeigten wir nicht, sondern Bikes aus der Geschichte der Rennklassen, die noch viel cooler sind: Hillclimb, Flat Track, High Speed und noch viel mehr. Wer’s verpasst hat, der kann sich viele der ausgestellten Bikes in unserem Buch anschauen:

The Art of Racing
Softcover, Format: 230 x 297 mm, 272 Seiten, 
SzeneShop-Artikelnr. 805448, 19,90 Euro
SzeneShop, Tel. 0621 48361-4700, www.szeneshop.com
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