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Inhalt der Ausgabe September 2015


Aktuelle Ausgabe PROBELESEN »


  36. Jahrgang • Heft 401 • 9/2015  

 
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Checkpoint September 2015

Wir haben verstanden
 
Unsere Rocker. Sie können’s noch! Kaum hatte das Bundesverwaltungsgericht das Colour-Verbot aufgehoben, schon machten sie wieder Schlagzeilen mit öffentlichen Schlägereien, Sprengstoffanschlägen auf Clubhäuser – und natürlich mit dem Raub von Kutten.
Klug war das alles nicht, aber manche Ereignisse wollen auch richtig eingeschätzt werden. Der Welt hatte ich schon mehrfach zu erklären versucht, dass der Kuttenraub eine Form von ritualisierter Gewalt im gegenseitigen Einverständnis ist. Eine Mensur studentischer Verbindungen, in denen Burschenschaftler sich ganze Fleischlappen aus dem Gesicht hauen, ruft ja auch keinen Staatsanwalt auf den Plan. Darüber hinaus zeigt zur Weiberfastnacht niemand die Buchhalterin an, die ihren Kollegen die Krawatten abschneidet. Schließlich wäre auch das im juristischen Sinne ein Raub, ein bewaffneter Raub sogar.
Aber da draußen will man uns nicht verstehen. Man kann es auch nicht. Das bekam ich jüngst in einer Radiodiskussion mit Kriminologen und Polizeiwissenschaftlern zu spüren. Da saß ich unter Leuten, die mit unseren Steuergeldern Rocker begutachten. Ihr Wissen über uns tragen sie aus Büchern, aus der Presse und aus abgehörten Telefonaten zusammen. Geredet haben sie mit uns nie. Kein Wunder, dass sie so viel Kenntnis über uns haben, wie ein Derrick-Drehbuchautor über das Drogen-milieu, in dem sein Krimi spielt.
Lasst es mich trotzdem mal wieder versuchen, das mit der Erklärung: Das Colour-Verbot war eine juristische Posse. Aber es war lästig genug, um uns dem Tag der Urteilsverkündung in Karlsruhe mit weichen Knien entgegen-fiebern zu lassen.
Mit anderen Worten: Dieses riesige Maßnahmenpaket der Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten gegen die Rockerszene war unterm Strich schon ein gewaltiger Schuss vor den Bug. Ziemlich viel war vorher falsch gelaufen, und so hat dieser Schuss eine Menge Leute aus unserer Szene zum Nachdenken gebracht. Immer wieder habe ich die Formulierung vom „Ausmisten in den eigenen Reihen“ vernommen, als der Freispruch von Karlsruhe die Runde machte.
Diese Worte richten sich deshalb an die Beamten und Politiker, die unsere BIKERS NEWS mit so viel Interesse auswerten: Wir haben verstanden. Könnte da nach Jahren der Razzien, der Kutten- und Colour-Verbote und der kompletten Vernichtung von Biker-Existenzen nicht auch mal Schluss sein mit diesem Programm der Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten gegen unsere Kultur?
Ist nur so ’ne Idee. Friede, Freude und Eierkuchen werden sowieso nicht über Nacht einkehren. Durchgeknallte Heißsporne, die ihre Erfahrungen mit der Exekutive unseres Staates erst noch machen müssen, hatten wir schon immer. Manche von denen wiederholen sogar, was wir vor drei oder vier Jahrzehnten schon hinter uns gebracht hatten. Sie schließen sich in neuen Clubs zusammen. Welche das sind? Den Politikern werde ich das nicht verraten. Aber da sind ja noch so viele andere Dinge, über die man mit uns, mit den echten Rockern, reden kann.
Stand:22 June 2018 05:16:59/magazin/bikers+news/content-20652_40-20634_60.html?s=3