Machine Gun Preacher

11.05.2018  |  Text: Wolfgang Stach/Tilmann Ziegenhain  |   Bilder: Wolfgang Stach/Archiv Machine Gun Preacher
Machine Gun  Preacher Machine Gun  Preacher Machine Gun  Preacher Machine Gun  Preacher Machine Gun  Preacher Machine Gun  Preacher Machine Gun  Preacher Machine Gun  Preacher Machine Gun  Preacher Machine Gun  Preacher Machine Gun  Preacher
Machine Gun  Preacher
Alle Bilder »
In einem früheren Leben war Sam Childers ein drogensüchtiger Krimineller. Heute rettet er afrikanischen Kindern das Leben – und greift dafür auch zur Waffe
Jedes Jahr sterben Tausende Kinder in Afrika durch Hunger und Krieg. Sam Childers, amerikanischer Biker und Prediger, widmet sein Leben seit über zwanzig Jahren dem Kampf gegen dieses Elend. Zusammen mit seiner Sicherheitsfirma, die als eine von wenigen ausländischen im Sudan arbeiten darf, befreit er Kinder sogar aus den Händen von Rebellen, die sie als Soldaten einsetzen. Zwar wurde dem „Machine Gun Preacher“ für die Arbeit seiner Organisation „Angels of East Africa“ 2013 als bislang einzigem Amerikaner der Mutter-Teresa-Preis überreicht, doch weil er und seine Helfer auch Waffen einsetzen, zählt er ebenfalls zu den weltweit umstrittensten Verkündigern der Bibel.


Vom Dealer zum Gut-Biker

Sam war nicht immer der engagierte christliche Prediger und Gut-Biker und hätte in seiner Jugend wohl eher darüber gelächelt, hätte man ihm diese Zukunft prophezeit. Er wird 1962 als eines von vier Kindern in North Dakota geboren. Seine Eltern, der Vater ist Stahlarbeiter und ehemaliger Marine, ziehen berufsbedingt oft von einer Stadt in die nächste. Nachdem sich die Familie Anfang 1974 in Minnesota niedergelassen hat, kommt Sam als Jugendlicher erstmals in Kontakt mit Drogen. Damals wächst auch sein Interesse an Motorrädern und der Rockerszene.

In den Achtziger- und Neunzigerjahren ist der damals schwer heroinabhängige Childers dann nicht nur in Drogenhandel verwickelt („Ich dealte nicht mit ein paar Pfund, sondern mit ganzen Wagenladungen“), sondern liefert auch Waffen an Gangs. Nachdem er in Notwehr fast einen Mann tötet, nimmt er 1992 an einer Massenevangelisation der pfingstlerischen „Assemblies of God“ teil und wendet sich dem christlichen Glauben zu.



Das Projekt „Angels of Africa“

Doch der christliche Glauben ist für ihn nicht nur die entscheidende Hilfe, um aus seinem alten Umfeld auszubrechen; er versteht ihn auch als Auftrag, anderen aktiv zu helfen: Nachdem er sich als Bauhandwerker selbstständig gemacht hat, besucht er 1998 im Rahmen eines Hilfsprojekts zum ersten Mal den Sudan. Während dieser und weiterer Reisen wird er Zeuge der von der LRA („Lord’s Resistance Army“, eine christlich-indigene, bewaffnete Organisation, die von einem UNO-Vertreter 2005 als „wohl brutalste Rebellengruppe der Welt“ bezeichnet wurde, Anm. d. Red.) verübten Gräuel, die Kinder als Soldaten zwangsrekrutiert und wahllos mordet und vergewaltigt. Vor dem Hintergrund dieser Eindrücke gründen er und seine damalige Frau Lynn im Südsudan das Waisenhaus „Angels of Africa“. Mit Unterstützung der Streitkräfte des Landes befreien er und seine Mitarbeiter bis heute Waisenkinder aus den Fängen der LRA, die sie dann im Kinderdorf ernähren, ausbilden und erziehen.


Autobiografie und Verfilmung

2011 wird Hollywood auf ihn aufmerksam und verfilmt mit Gerard Butler in der Hauptrolle sein Leben – Childers meint, nur zwanzig Prozent von „Machine Gun Preacher“ entsprächen der Wahrheit; vielleicht auch ein Grund, warum seine Firma drei Jahre später eine Dokumentation mit dem gleichen Titel produziert und er beim zweiten Teil, der derzeit in Arbeit ist, am Drehbuch mitarbeitet. Doch nichtsdestotrotz macht der Spielfilm ihn und seine Arbeit noch bekannter, sodass das Spendenvolumen aus der ganzen Welt deutlich ansteigt.



Der Machine Gun Preacher zu Besuch in Niedersachen

Lars Petersen aka „Obelix“, Betreiber des Blogs „Bikes, Music & More“ und selbst Onepercenter, hat den Machine Gun Preacher am 7. April zu einem Vortrag ins niedersächsische Ganderkesee eingeladen. Leider sind an diesem ersten schönen und warmen Wochenende des Jahres viele Biker offensichtlich lieber cruisen, sodass nur knapp 50 Gäste zum Vortrag in den Schützenhof kommen.

Eine Stunde lang erzählt Childers von seiner Arbeit in Afrika und den Problemen vor Ort – wobei er betont, dass die Regierung des Südsudans ihn sehr unterstütze. Stolz ist Sam insbesondere auf die Bescheinigung der US-Finanzbehörden, dass über siebzig Prozent der von ihm gesammelten Spenden in die aktive Arbeit vor Ort fließen. Das ist ein sehr großer Anteil, einige der weltweit bekannten Wohltätigkeitsorganisationen kommen auf gerade einmal achtzehn Prozent!

Durch Spenden und den Verkauf seiner beiden Bücher sowie einer Videodokumentation kommt auch an diesem Samstag ein vierstelliger Betrag in die Kasse. Dieses Geld komme, wie Childers versichert, zu hundert Prozent seiner Arbeit in Afrika zugute, nichts würde in Verwaltung oder Spesen fließen. Der Machine Gun Preacher betont dabei stolz und selbstbewusst, als Mann ohne Schulabschluss und Ausbildung mehrere Unternehmen mit einem Millionenumsatz aufgezogen zu haben. „Ich selbst habe aber nur 5.000 Dollar auf dem Konto.“

Obwohl seine Ehe aufgrund der Arbeit für Afrika scheiterte und auch die Zeit für seine Tochter darunter leidet, will Childers weitermachen. „Die Arbeit für die Kinder in Ostafrika und der Kampf gegen die dortigen korrupten Politiker, vor allem gegen den Präsidenten des Nordsudans, al-Baschir, wird auch weiterhin den Schwerpunkt meines Lebens bilden“, betont Childers, der während seiner Aktionen bereits mehrfach verwundet wurde.

Nach seinem Vortrag steht Sam den Gästen offen und geduldig Rede und Antwort. So charismatisch er während des Vortrags auftrat, so ruhig und fast schüchtern wirkt er in den anschließenden Gesprächen in kleiner Runde.

Sam ist leidenschaftlicher Biker. In Pennsylvania betreibt er den Motorradladen „MGP Rat Bikes“. Auch das Bike, auf dem er hier sitzt, ist gerade für 22.000 Dollar zu haben. Mehr Infos unter www.mgpratbikes.org


„Gott will, dass Männer Männer sind.

Gott will, dass Männer Krieger sind“




Sam Childers im Interview mit BIKERS NEWS



BIKERS NEWS: In welchem Alter wurde deine Leidenschaft für Motorräder geweckt? Was war dein erstes Bike und welches fährst du heute?

Sam Childers: Mein erstes Motorrad bekam ich im Alter von sieben Jahren. Es war eine kleine Honda 50. Ich werde im Juni 56 Jahre alt, fahre jetzt also schon seit 49 Jahren. In den USA gehört mir eine Motorradfirma, in der wir selbst Bikes bauen. Im Moment haben wir etwa dreißig Maschinen; wobei ich ganz oldschool bin, ich mag die alten Panheads – aber wenn ich unterwegs bin, fahre ich eine Street Glide.



„Immer, wenn ich Zeit habe, nutze ich sie, um aufs Motorrad zu steigen“


Die meisten Biker fahren, um ihren Kopf freizukriegen. Wie sieht das bei dir aus? Wie viel Zeit hast du für dieses Hobby übrig?

Ich bin Geschäftsmann und arbeite rund um die Uhr. Doch für zwei Monate im Jahr bin ich in den USA, halte im ganzen Land meine Vorträge und habe andere Arbeit zu erledigen. Wir fahren mit Lkws und haben die Motorräder auf dem Anhänger. Immer, wenn ich Zeit habe, nutze ich sie, um aufs Motorrad zu steigen. So fahre ich dann in diesen zwei Monaten mindestens um die 6 000 Meilen (knapp 10 000 Kilometer, Anm. d. Red.) – mehr als die meisten Biker.




Was für Bikes genau baut ihr in deinem „Rat Bike Shop“ in Pennsylvania und wer sind deine Kunden?

Wir verkaufen dort Motorräder aller Art, haben aber mit „MGP“ auch eine eigene „Machine Gun Preacher“-Bekleidungslinie. Sie besteht aus Kleidung, aber auch aus Brillen und Sonnenbrillen. Unser Umsatz liegt bei rund 800.000 Dollar im Jahr, also doch recht viel. Zu unseren Kunden gehören Biker aller Art, auch Onepercenter, aber auch Leute aus der ganzen Welt, die von meiner Arbeit als Machine Gun Preacher gehört haben und einfach mal reinschauen und meine Arbeit unterstützen wollen; manche wollen auch einfach nur Fotos machen, denn der Rat-Bike-Shop ist ein total cooler Store.



„Ich habe nie ein Patch von irgendeinem Club getragen“


Stimmt es, dass du einige Jahre Member im Outlaws MC warst? Wenn ja: Gibt es Dinge, die du damals gelernt hast und die heute noch nützlich für dich sind?

Nein, das stimmt nicht ganz. Ich war ein enger Supporter von ihnen und bin jahrelang zusammen mit ihnen gefahren. Aber ich habe nie ein Patch von irgendeinem Club getragen, erst recht nicht von den Hells Angels (Sam hat mehrfach versucht, einen entsprechenden Eintrag auf der deutschen Wikipedia-Seite entfernen zu lassen, Anm. d. Red). Du darfst eins nicht vergessen: Ich bin schon lange Prediger und ich bin für alle Clubs da. Viele Leute verbinden mich mit den Outlaws, mit denen ich, wie gesagt, ja viele Jahre auch gemeinsam unterwegs war. Aber wenn man für alle Onepercenter da sein will, und ich sehe mich auch weiterhin als Onepercenter, ist es schwierig, nur mit einem Patch zu fahren.

Es gibt einen Punkt in der Bikerszene, der besonders wichtig ist: Respekt! Ich bin fest überzeugt, dass, wenn alle Clubs anfangen, sich gegenseitig zu respektieren, dies der Moment ist, dass wir endlich Frieden in der Szene haben werden. Das friedliche Nebeneinander aller Clubs ist neben Afrika auch ein Schwerpunkt meiner Arbeit. Und wir können das erreichen, wenn wir uns alle gegenseitig respektieren. Dazu gehört auch, die Reviere der anderen zu respektieren – der old school way.




Hast du noch Kontakt zu deinen Brüdern von früher?

Ja, auf jeden Fall. Wir haben jedes Jahr in der letzten Juniwoche einen großen Biker-Event in den USA, Thunder in the Valley. Rund 300 000 Biker kommen dort zusammen. Ich besuche dort viele Clubs, vor allem auch die großen. Viele bezeichnen die Member dieser Clubs als „bad asses“, doch dem muss ich energisch widersprechen. Viele Member genau dieser Clubs haben eigene Wohltätigkeitsfahrten für mein Projekt organisiert und durchgeführt.



„Ich glaube, das rassistische Denken befindet sich auf dem Rückzug“


Du hast gerade von Respekt gesprochen. Wie verträgt sich das damit, dass einige der Clubs ein rassistisches Image haben? Vor allem auch deswegen, weil sie nur weiße Mitglieder erlauben. Wie stehst du dazu?

Ich glaube, das rassistische Denken befindet sich auf dem Rückzug. Es ist bei Weitem nicht mehr so ausgeprägt wie zu der Zeit, als ich noch ein junger Biker war. Man sieht immer mehr Ehen oder Beziehungen zwischen Menschen verschiedener Hautfarben und ich bin guter Hoffnung, dass der Rassismus bald ganz verschwunden ist.

Und auch die Clubs haben sich über die Jahre sehr verändert. Die US-Regierung wollte die Clubs wie die Mafia ausschalten, auch mit Gewalt. Doch ich kenne Member, die Chiropraktiker sind oder Zahnärzte und auch welche, die Parkhäuser, Tankstellen oder Supermärkte betreiben. Es wird der Regierung niemals gelingen, uns zu vernichten. Wir werden immer da sein.




2011 wurde deine Autobiografie verfilmt. Wie stark warst du an der Entstehung beteiligt?

Vorweg muss ich sagen, dass der Film nicht sehr treffend ist. Du darfst nicht vergessen, dass sie mehr als dreißig Jahre meines Lebens in einem Zwei-Stunden-Film untergebracht haben. Es gab auch einige Szenen, die einfach fabriziert wurden. Allerdings hat dieser Film mich auf der ganzen Welt bekannt gemacht und es mir erleichtert, in vielen Ländern aufzutreten, um dort mein Projekt vorzustellen. Es wird übrigens bald einen zweiten Teil geben. Er befindet sich gerade in der Produktion und wird in einem bis anderthalb Jahren auf den Markt kommen. Dieser Film wird deutlich näher an der Wahrheit sein, da ich diesmal am Drehbuch beteiligt bin. Meiner Schätzung nach wird er etwa siebzig bis achtzig Prozent der Wahrheit entsprechen. Das ist sehr viel. Du musst bedenken, dass das keine Dokumentation ist, sondern ein Film, der die Leute in die Kinos locken soll – das muss man anders bewerten.


„Ich war sechzehn oder siebzehn Jahre alt, als ich auf einen Indianer einstach“


Im Film gibt es eine Szene, in der du dich entschließt, dein bisheriges Leben hinter dir zu lassen – und zwar, als du fast einen Mann erstochen hast. Ist das wirklich so passiert oder war es nur Teil der Dramaturgie des Films? War deine Verwandlung eher ein Prozess oder kam sie so plötzlich?

Das passierte wirklich. Ich war sechzehn oder siebzehn Jahre alt, als ich auf einen Indianer in einem Wagen einstach, als er versuchte, uns auszurauben. Ich konnte ihm das Messer entreißen, stach auf ihn ein und ließ ihn dann auf der Straße liegen, weil ich glaubte, er sei tot. Einige Tag später flüchtete ich, da ich davon überzeugt war, ich hätte ihn getötet. Erst zwei Jahre später fand ich heraus, dass er es überlebt hatte. Ich bin Gott hierfür wirklich dankbar. Nach den Gesetzen in den USA wäre es Selbstverteidigung gewesen, wäre es zu einem Gerichtsprozess gekommen – doch wie gesagt: Ich danke Gott, dass dieser Mann das überlebt hat und ich hoffe wirklich, dass er noch immer glücklich und gesund lebt.



„Nachdem ich das Drecksloch der Drogen einmal verlassen hatte, bin ich nie wieder zurückgekehrt“


Du warst ja stark drogenabhängig. Nach all deinen schrecklichen Erlebnissen, vor allem auch in Afrika, gab es da einen Moment, wo du wieder rückfällig wurdest?

Nein. Ich trinke ab und zu gerne ein oder zwei Drinks, aber ich hatte nie ein Alkoholproblem. Mein Problem war, dass ich in meiner Jugend gerne gekämpft habe. Und wenn ich ein oder zwei Drinks zu viel hatte, habe ich es mehr als einmal übertrieben. Aber nachdem ich das Drecksloch der Drogen einmal verlassen hatte, bin ich nie wieder dorthin zurückgekehrt. Ich habe nie wieder welche genommen. Und das werde ich auch nie wieder. Und ich werde auch nie wieder so viel trinken, dass ich nicht mehr weiß, was ich tue.

Sam Childers wird von der Regierung des Südsudan unterstützt. An seiner Seite kämpfen nicht Söldner, sondern Regierungssoldaten

Es muss sehr hart sein, einen Mittelweg zwischen deiner Arbeit in Afrika und deiner Familie zu finden. Wie bewerkstelligst du das?

Die meisten würden sagen, dass ich es nicht sehr gut hingekriegt habe. Ich bin seit vier Jahren nicht mehr verheiratet. Doch es war nicht wegen einer anderen Frau oder eines anderen Mannes. Wenn du berühmt wirst, geht sehr viel Geld durch deine Hände. Viele sagen dann, man soll es behalten und sein Leben genießen. Doch das konnte ich nicht, vielmehr habe ich alles für meine Projekte in Afrika ausgegeben. Und das tue ich bis heute. So bleibt für Familie nicht mehr viel Zeit.




Im Film gibt es nur wenige Szenen, die auf deine Glaubenskrise hindeuten. Die Frage, wie der Glauben an einen guten und allmächtigen Gott mit einer Welt voller Leid und Schmerz vereinbart werden kann, ist eine der ältesten und von Gläubigen am häufigsten diskutierten. Was ist deine persönliche Antwort?

Die meisten Leute stellen diese Frage, wenn sie die Bibel nicht wirklich kennen. Keine Tränen, keine Schmerzen, keine Krankheiten: Das sind alles Versprechen für die Zeit nach unserem Leben – nicht für die Zeit, in der wir auf dieser Welt leben. Wir müssen begreifen, dass in dieser Welt an Gott zu glauben nicht bedeutet, keine Sorgen, keine Tränen und keine Schmerzen zu haben, sondern dass es ewiges Leben ohne all diese Einschränkungen nach dem Tod geben wird. In der Bibel steht, dass wir durch Stürme und Entbehrungen gehen werden, doch wir müssen unseren Glauben behalten. Und ich glaube fest daran, dass es ein ewiges Leben nach dem Tod gibt.




Du hast so viel Elend in Afrika gesehen. Was ist es dann für ein Gefühl, wieder in die USA oder andere reiche Länder der westlichen Hemisphäre zurückzukehren?

Es ist schwer für mich, in westlichen Ländern zu leben. Das ist auch der Grund, warum ich mein Leben Afrika widme. Ich fliege am 19. April direkt aus Deutschland nach Afrika zurück. Nach fünf Tagen in der Hauptstadt geht es dann wieder in den Busch. Und wenn ich vom Busch rede, meine ich, drei bis vier Stunden vom nächsten Krankenhaus entfernt. Das ist mein Leben: Ich bin ein Buschmann. Ich liebe es, im Busch zu leben, aus meinem Haus herauszutreten und Elefanten oder andere Wildtiere zu erleben.



„Gott will, dass Männer Männer sind. Gott will, dass Männer Krieger sind“


Du setzt auch Waffen ein, um Kinder zu retten. Man sagt, der Zweck heilige die Mittel – aber die Bibel sagt, man solle nicht töten …

Die Bibel sagt nicht, du sollst nicht töten – sie sagt, du sollst nicht morden. Und das ist ein großer Unterschied. Wir müssen erkennen, dass Gott ein starker und strenger Gott ist. Gott will, dass Männer Männer sind. Gott will, dass Männer Krieger sind. Ich rede nicht vom Töten, da Töten von Jesus Christus nicht glorifiziert wird. Ich rede auch nicht von Gewalt. Gott braucht aber Männer und Frauen, die für das einstehen, was gut und richtig ist.

Ich frage Leute, was sie denn machen würden, wenn ihre Mutter oder ihre Kinder entführt würden. Wie sie sie denn befreien wollten, ohne auch Gewalt anzuwenden, wenn es nötig ist. Ich war an vielen Rettungsaktionen beteiligt und habe Kinder gerettet. Ich bin einer der ganz wenigen Ausländer, die in Ruanda die Erlaubnis für eine eigene Sicherheitsfirma bekommen haben. Unser Grundsatz besteht aus drei Wörtern: Diene und beschütze („serve and protect“). Und genau das ist, was wir machen. Nicht nur in Bezug auf Kinder, sondern allgemein in der Gesellschaft. Und das gilt nicht nur für Afrika, sondern kann in der ganzen Welt und auch hier in Deutschland umgesetzt werden: Diene und beschütze.

Sam Childers im Waisenhaus „Angels of Africa“ im Südsudan, das er und seine Ex-Frau Lynn gegründet haben (2013). Etwa 300 Kinder leben derzeit dort, Sams Organisation kümmert sich um Nahrung, Bildung und Erziehung. Viele der Mitarbeiter sind ebenfalls Waisen und Witwen

„Ich bin nicht in Afrika, um einen Krieg zu führen. Ich will die Kinder retten“


Du hast im Vorgespräch erwähnt, dass auf deinen Rettungsaktionen nicht Söldner an deiner Seite stehen, wie mancher Kinobesucher glaubt, sondern Regierungssoldaten.

Das ist richtig. Man muss nur auf YouTube gehen, sich dort eines der vielen Videos meiner Rettungsaktionen anschauen und dabei auf die Uniformen achten. Die bewaffneten Männer an meiner Seite tragen alle Zeichen von Regierungseinheiten. Man darf auch eines nicht vergessen: Ich bin nicht in Afrika, um einen Krieg zu führen. Ich will die Kinder retten und in unsere Waisenhäuser bringen. Der Sudan befindet sich schon seit vielen Jahren im Bürgerkrieg. Ich schließe mich keiner Seite an. Mein Ziel ist es, die Kinder zu retten und ihnen eine Zukunft zu geben. Ich gebe ihnen ein sicheres Heim und drei Mahlzeiten am Tag – das ist die Motivation für das, was ich tue.




Gab es dabei gefährliche Situationen, in denen du in Lebensgefahr warst?

Ja, mehrfach. In meinem Buch „Machine Gun Preacher“ beschreibe ich mehrfach Szenen, die sehr gefährlich waren, wo die Scheiben unserer Autos zerschossen wurden und viel mehr. Das Buch gibt es in deutscher Sprache und es kann in jedem Buchgeschäft gekauft oder bestellt werden.




Du bist nun seit zweiundzwanzig Jahren im Südsudan tätig. Hat sich die Situation in dieser Zeit verbessert oder ist es womöglich noch schlimmer geworden?

Um eines vorwegzunehmen: Ich bezeichne Uganda als das Land von Milch und Honig. Es ist ein unglaubliches Land. Man kann im Urlaub die Wildnis besuchen. Wenn man Investor oder ein Abenteurer ist, kann man in Uganda eine Firma aufmachen und sich dort betätigen. Im Südsudan ist es komplizierter. Wie erwähnt, befindet sich das Land mitten in einem Bürgerkrieg. Doch ich habe die Hoffnung, dass der Südsudan sich daraus befreien wird.

Man braucht nur zu googeln, dann findet man schnell heraus, dass sieben Millionen Menschen vom Hungertod bedroht sind, wenn nicht bald ein Wunder geschieht. Wir müssen dabei die Regierung Südsudans unterstützen. Das Nachbarland Äthiopien ist auch ein friedliches Land mit vielen Möglichkeiten. Doch das Problem Ostafrikas ist der Nordsudan mit Präsident al-Baschir. Er ist einer der wenigen Regierungschefs der Geschichte, der wegen Kriegsverbrechen, ja sogar wegen Völkermord verurteilt ist und auf den mehrere Haftbefehle ausgestellt sind und der sich dennoch an der Macht hält. Für mich ist er das Hauptproblem für einen Frieden in Ostafrika.



„Eines der wichtigsten Dinge ist: Betet für uns!“


Wie kann man dich, wie können unsere Leser dich und deine Arbeit unterstützen?

Eines der wichtigsten Dinge ist: Betet für uns! Wenn man unsere Arbeit finanziell unterstützen möchte, ganz egal, ob mit einem kleinen oder großen Betrag, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Viele denken sich, wenn ich zehn Euro spende, hilft das nicht wirklich. Doch das ist falsch: Jede Spende, und sei sie vermeintlich noch so klein, hilft. Schaut auf www.machinegunpreacher.org. Dort kann man auf verschiedene Arten spenden, sei es per Kreditkarte oder auch PayPal.     «


www.machinegunpreacher.org

Auf www.machinegunpreacher.org kann jedermann für Sams Projekt spenden. Außerdem verlosen Sam und sein Team auch dieses Jahr wieder ein Motorrad: „Im Juni haben wir unseren zehnten jährlichen Motorcycle-Charity-Event. Dort gibt es auch ein Motorrad zu gewinnen. Die Webseite ist www.mgpmotorcycleraffle.com. Für nur zwanzig Dollar kann man online aus jedem Land der Welt ein Los kaufen. Der Hauptgewinn ist ein Bobber auf Basis einer Harley-Davidson Sportster. Das Interessante ist: Es gibt nur 3000 Lose. Wo hat man schon solch hohe Gewinnchancen? Allerdings gibt es eine Einschränkung: Der Gewinner muss die Überführungskosten selbst zahlen oder die Maschine in den USA verkaufen. Die Gelder der Verlosung gehen zu hundert Prozent an unsere Projekte in Afrika.“
  Teilen
Topseller im Shop
Topseller im Shop
Stand:17 July 2018 04:11:45/magazin/machine+gun++preacher_18502.html