Roter-Baron-Special: Manfred von Richthofen

13.04.2018  |  Text: Tilmann Ziegenhain  |   Bilder: Diverse
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Roter-Baron-Special: Manfred von Richthofen
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Der Rote Baron war der erfolgreichste Jagdflieger des Ersten Weltkriegs – nach seinem Tod vor 100 Jahren wird er in Popkultur und Customszene zum Überflieger
Schon zu Lebzeiten wird Manfred Alb­recht von Richthofen als Flieger­ass und vermeintliche Verkörperung des ehrenhaften Kriegshelden zum Idol. Dieses Bild hält sich bis heute, unlängst weiter am Leben gehalten durch die deutsche Verfilmung mit Schmalz­locke Schweighöfer in der Hauptrolle. In einer Szene dieses Films trägt Richt­hofen einen Kampf mit einem Engländer aus. Als der offensichtlich Ladehemmung hat, gibt Richthofen ihm per Handzeichen zu verstehen, er solle landen. Kurz darauf sind beide Maschinen am Boden, Richthofen: „Ich mag euch Engländer – denn auch ich liebe ,fair play‘. Als ich sah, dass Sie Ladehemmung haben, konnte ich Sie unmöglich weiter verfolgen – geschweige denn einfach vom Himmel holen.“ Eine schöne Geschichte, die allerdings einen Haken hat: Sie stimmt nicht, vielmehr ist sie „die Summe der gängigsten Vorurteile, Klischees und Wunschvorstellungen über Manfred von Richthofen“, wie der Spiegel seinerzeit urteilte.


Fiktion und Realität

Der Grund für seine Popularität ist nicht nur die beachtliche Zahl von achtzig Luftsiegen, die ihn zum erfolgreichsten Jagdflieger des Ersten Weltkriegs macht, sondern vor allem die Farbe seiner Flugzeuge. Die lässt der 1892 im schlesischen Breslau geborene Adelige rot streichen; manche mehr, manche weniger. In einer Sequenz aus einem anderen, amerikanischen Film von 1971 geht es um diese Umlackierung: Dort erfolgt sie als Protest Richthofens gegen einen Befehl seiner Vorgesetzten, die Flugzeuge in Tarnfarben zu streichen. Richthofen und seine Staffel wollen sich nicht vor dem Feind verstecken und so lackieren auch die anderen, ihm unterstellten Piloten ihre Flugzeuge in leuchtenden Farben. Eine weitere schöne Geschichte, dieses Mal sogar in einem sehenswerten Film – doch leider Hollywood und ebenfalls nicht wahr. Richthofen selbst nennt jedenfalls keinen speziellen Grund für die rote Farbe, er habe sich eines schönen Tages eben einfach dazu entschieden, O-Ton: „Warum auch immer.“ Auch haben die anderen Piloten ihre Flugzeuge damals nicht wie im Hollywood-Film in anderen bunten Farben angemalt, sondern ebenfalls roten Lack benutzt. Offensichtlich, damit ihr Anführer für den Gegner im Rest der Staffel nicht allzu leicht auszumachen ist.

Die deutsche Propaganda kann Richt­hofen gut gebrauchen: „Der rote Kampfflieger“, so der Titel seiner 1917 veröffentlichten Autobiografie, lässt sich gut vermarkten. Und tatsächlich wird der ritterliche Gentle­man hoch oben am Himmel zum Heilsbringer für die Landser in den schlammigen Schützen­gräben. Dort unten, auf dem Boden der Tatsachen, hat der erbarmungslose Stellungskrieg bereits Hunderttausende Opfer gefordert.

Richthofen ist untrennbar mit dem roten Dreidecker von Fokker verbunden. Die meisten Siege erkämpfte er allerdings auf Albatros-Flugzeugen. Außerdem waren nicht alle seine Flugzeuge komplett rot gestrichen, schon gar nicht in dem leuchtenden Rot, das gerne für Modellflugzeuge oder Repliken wie die hier gezeigten verwendet wirdFoto: Noop1958

Der Baron, der keiner war

Ob nun mit viel rotem Lack oder wenig: Die Gegner hätten wohl auch gänzlich ohne die Signalfarbe gewusst, wo sich Richthofen und Co. gerade befinden, da sie die Bewegungen der gefürchteten Staffel genau verfolgen. Die ist durch schnelle Montage und Demon­tage der Flugzeuge auch am Boden ziemlich mobil und bekommt nicht nur wegen der roten Maschinen und ihren akrobatischen Flugkünsten, sondern auch aus diesem Grund von den Alliierten den Spitznamen „Flying Circus“.
Zu seinem eigenen, bekannten Spitznamen „Roter Baron“ kommt Richthofen dagegen erst, nachdem er gefallen ist. Und er geht vermutlich auf einen Übersetzungsfehler in einem englischen Buch zurück, denn Richthofen ist gar kein Baron, sondern Freiherr – doch diesen Adelstitel kennt man auf der Insel nicht. Während des Krieges nennen ihn die Gegner in seinem Einsatzgebiet Frankreich „den kleinen Roten“ oder „Roter Teufel“.


Kindheit als Kadett

Dass Richthofen Karriere im Militär machen wird, steht schon früh fest. Die Familie hat eine lange militärische Tradition, sein Vater ist Kavallerieoffizier. Und so landet der Rote Baron bereits im Alter von elf Jahren in einer Kadettenanstalt – einer Schule, die auf eine spätere Tätigkeit im Militär vorbereitet. In dieser Zeit entwickelt er auch seine Leidenschaft fürs Reiten. Und für die Jagd, mit der er seine Einsätze später vergleichen wird: „Ich schieße nie in die Maschine, schieße immer gleich den Führer ab. Wenn noch ein Beobachter dabei ist, natürlich den Beobachter zuerst. Es liegt nicht jedem Menschen, im letzten Augenblick noch die volle Geistesgegenwart zu behalten, ruhig zu zielen, über Visier und Korn und Kopf aufsitzen zu lassen. Diese Art Menschenjagd muss tatsächlich geübt werden.“


Vom Pferd ins Flugzeug

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird Richthofen zunächst in einem Kavallerie­regiment eingesetzt und landet 1915 nach einem Intermezzo in der Infanterie schließlich auf eigenen Wunsch bei der Fliegertruppe. Seine ersten Einsätze sind Aufklärungsflüge an der Ostfront, im August wird er dann an die Westfront zur Brieftaubenabteilung Ostende verlegt – eine Tarnbezeichnung, denn in Wirklichkeit handelte es sich um das erste deutsche Kampfgeschwader. In Frankreich schießt er dann nach der Ausbildung zum Piloten am 17. September 1916 auch den ersten feindlichen Flieger ab. Weil ihm die Belohnung seines Kommandanten in Form eines Ehrenbechers nicht reicht, beschenkt er sich selbst mit einem Silberbecher. Den lässt er sich extra von einem Berliner Juwelier anfertigen. Für alle anderen Abschüsse lässt er sich weitere Becher mit Datum und Typ des Flugzeugs aus Berlin schicken. Zum 16. Becher gesellt sich im Januar 1917 der Orden Pour le Mérite, die auch als „Blauer Max“ bekannte, höchste Auszeichnung des preußischen Militärs. Zeitgleich wird ihm das Kommando der Jagdstaffel übertragen. In Briefen berichtet er der Mutter von seinen Heldentaten – eine junge Frau, der er schreiben könnte, gibt es nicht. Doch der Rote Baron zweifelt auch, wie eine Notiz aus dem gleichen Jahr bezeugt: „Mir ist nach jedem Luftkampf erbärmlich zumute. Ich glaube, so ist es wirklich, es ist nicht so, wie die Leute in der Heimat sich das vorstellen, mit Hurra und Gebrüll, es ist viel ernster, verbissener.“

Spätestens nachdem er das britische Fliegerass Major Lanoe Hawker abgeschossen hat, dürfte Richthofen Feindbild Nr. 1 der Briten sein. Ob die aber wirklich ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt haben, ist bis heute unklar. Auch ist nicht geklärt, ob das „Anti-Richt­hofen-Geschwader“ auf die deutsche oder britische Propaganda zurückgeht – existiert hat es jedenfalls nie.

Manfred von Richthofen 
(* 02.05.1892, † 21.04.1918)
auf einer Postkarte aus dem Ersten Weltkrieg
Foto: C. J. von Dühren

Verwundung und Tod

Unter Richthofens Führung entwickelt sich die Jagdstaffel 11 zu einer Eliteeinheit, die den britischen Fliegern erheblichen Schaden zufügt. Doch im Juli 1917 ist Richthofens Glückssträhne vorbei: Getroffen von einem Kopfschuss muss er notlanden. Er erblindet zeitweise und wird nie wieder völlig genesen. Seine Verwundung könnte auch Grund für seinen Tod am 21. April 1918 sein. An diesem Tag verfolgt Richthofen in seinem Fokker-Dreidecker einen kanadischen Piloten, obwohl dieser sich vom Kampfgeschehen entfernt hatte. Richthofen lässt nicht von ihm ab und fliegt bis hinter die Frontlinie. Vom Boden aus wird er von MG-Schützen beschossen – und eine Kugel trifft. Richthofen muss in der Nähe der MG-Stellung notlanden und stirbt kurz nach dem Eintreffen der feindlichen Soldaten. So zuminddest eine der Geschichten um seinen Tod. Neuro­psychologen stellen später die Theorie auf, ein Hirnschaden infolge des vorherigen Kopfschusses habe dazu geführt, dass der Rote Baron sich entgegen seines früheren Verhaltens zu sehr auf seine „Beute“ fixiert habe. Hätte er dem ritterlichen Ideal entsprochen, hätte er vom flüchtenden Feind abgelassen und wäre er ihm nicht bis hinter die feindlichen Linien gefolgt, wäre er an diesem Tag vermutlich nicht gefallen.


Das Erbe des Roten Barons

Doch gerade durch seinen frühen Tod im Kampf wird Richthofen unsterblich. Auf der zentralen Trauerfeier am 2. Mai in der Hauptstadt nehmen Kaiserin und Militärführung teil, sieben Jahre später wird sein Leichnam in einem großen Staatsakt von Frankreich in ein Ehrengrab nach Berlin überführt. Doch auch dort findet Richthofen keine Ruhe, denn das Grab wird zum Spielball der Ideologien: Während die Nationalsozialisten versuchen, aus dem Mythos Richthofen ebenfalls Profit zu schlagen und das Grab 1937 überdimensioniert neu gestalten, gelingt es den Nachfahren Mitte der Siebziger nur knapp, seine sterblichen Überreste ein weiteres Mal umbetten zu lassen – kurz bevor die DDR-Führung den Invalidenfriedhof, der als Zeugnis der preußischen Militärgeschichte gilt, nahezu komplett einebnen lässt. Seitdem ruht Richthofen im Familiengrab auf dem Wiesbadener Südfriedhof. Der überdimensionierte Nazi-Grabstein wanderte dagegen auf das Gelände des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ der Luftwaffe. Dem hatte Bundespräsident Lübke 1961 anlässlich des 43. Todestages seinen Traditionsnamen gegeben. Bis heute tragen die Offiziere aller Verbände jährlich den „Red Barons Cup“ aus. Auch da wird scharf geschossen – allerdings mit Fußbällen.


Richthofen goes Popkultur

Erstaunlicher als die Anknüpfung der Bundesrepublik an die kaiserliche Militär­tradition ist allerdings der Siegeszug des Roten Barons in der Popkultur. Der beginnt irgendwann im Amerika der Sechzigerjahre. Ausgangspunkt sind wahrscheinlich ein Comic und eine Band. Hund Snoopy stellt sich im bekannten Peanuts-Comic vor, er sei ein Pilot im Ersten Weltkrieg, der gegen den Roten Baron kämpfe. Davon in­spi­riert nimmt die Rockgruppe „The Royal Guardsmen“ 1966 den Song „Snoopy vs. The Red Baron“ auf. Der wird nicht nur in den Staaten, sondern auch in England und Australien ein erfolgreicher Hit. Das veranlasst die Band dazu, im nächsten Jahr mit „The Return Of The Red Baron“ eine weitere Single hinterherzuschieben – Peanuts-Erfinder Charles Schulz dagegen verklagt die Band. In den Achtzigern kommt ein passendes Videospiel für Atari auf den Markt, in dem der Spieler als Snoopy auf einer fliegenden Hundehütte gegen den Roten Baron antreten muss, 2006 folgt die Neuauflage für PlayStation und PC. Das Thema ist das gleiche, allerdings sitzt Snoopy nun in einem echten Flugzeug.

1966 entwarf der ehemalige GM-Designer Tom Daniel für die Modellbaufirma Monogramm einen Pickelhauben-Hot-Rod – er verkaufte sich mehrere Millionen Mal

Fahrende Pickelhauben

Doch 1966 landen nicht nur die Royal Guardsmen einen Volltreffer, sondern auch der ehemalige GM-Designer Tom Daniel. Über seinen Job als Kolumnenschreiber für das „Rod & Custom Magazin“ gelangt der zur Modellbaufirma Monogram. Die beauftragt ihn, seine wilden Designideen für ihre Modellbausätze umzusetzen. Und weil zu dieser Zeit in der Surfer- und Hot-Rod-Szene der Westküste Repliken von deutschen Pickelhauben angesagt sind – Big Daddy Roth lässt grüßen –, entscheidet sich Tom, so einen Helm mit dem legendären Ford Model T zu kreuzen. Und wie nennt er seine rote, fahrende Pickelhaube? Genau, „Red Baron“. Als der Bausatz schließlich auf den Markt kommt, steckt Monogram deswegen gleich noch einen Fokker-Dreidecker mit rein. Das Set wird ein Hit und verkauft sich bis 1973 mehr als zwei Millionen Mal. Zwischenzeitlich hat der Spielzeugkonzern Mattel die Firma aufgekauft und übernimmt das Design für die bekannten „Hot Wheels“-Spielzeugautos. Auch hier verkauft sich der Pickelhauben-Hot-Rod mehrere Millionen Mal.
Und dann wird das Spielzeug Realität: Bob Larrivee Sr., größter Car-Show-Veranstalter jener Zeit, hatte das Modell bereits 1967 auf einer Spielzeugmesse gesehen. Er vereinbart einen Deal mit Monogram und Chuck Miller, ein Customizer aus Detroit, baut das Teil.

Der Überlieferung zufolge soll der ursprüngliche Designer Tom Daniel beim ersten Anblick des echten Gefährts aus der Haut gefahren sein, weil die Auspuffe aus technischen Gründen nicht auf der rechten, sondern auf der linken Seite montiert worden waren. Heute steht der wohl bekannteste Hot Rod der Welt im Smith Collection Museum of American Speed in Nebraska.

Nach diesem Abstecher in der Welt der Spielzeuge und der Custom Cars erobert der Rote Baron  dann auch die Welt des Zweirads. Rund um den Globus entstehen bis heute unzählige Themenbikes, vom muskelbetriebenen Beach-Cruiser-Fahrrad über die gepimpte DDR-Schwalbe bis hin zum großvolumigen V-Twin.Und natürlich hat ein Customizer auch schon einen Flugzeug-Motor in einem Bike verbaut.   
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Stand:18 July 2018 14:52:27/magazin/manfred+von+richthofen_18410.html