„Wir brauchen keine Mode-Rocker“

26.03.2014  |  Text: Michael Ahlsdorf  |   Bilder: Volker Rost
„Wir brauchen keine Mode-Rocker“
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Wir sprachen mit dem Bandidos MC über das 15-jährige Bestehen des Bandidos MC Germany BN: Vor 15 Jahren wechselte der Ghostrider’s MC seine Farben, mit ihm ein Chapter des Road Eagle MC sowie der Destroyers MC. Sie fuhren fortan …
Wir sprachen mit dem Bandidos MC über das 15-jährige Bestehen
des Bandidos MC Germany



BN: Vor 15 Jahren wechselte der Ghostrider’s MC seine Farben, mit ihm ein Chapter des Road Eagle MC sowie der Destroyers MC. Sie fuhren fortan als Bandidos MC Germany. Michael, du bist nun Sprecher des PR-Teams der Bandidos. Warst du am 21. November 1999 zur Stunde des Patchovers dabei? Wie hatte die Meldung dich erreicht? Oder wusstest du vorher Bescheid?

Bandidos MC: Ich war beim Patchover in Aachen dabei und wusste, wie alle anderen auch, schon Wochen vorher von dem geplanten Schritt. Das war eine gemeinschaftliche Entscheidung, und wir alle kannten den Bandidos MC gut. Schließlich bestand der Kontakt, einschließlich gegenseitiger Besuche, schon
Jahre.

BN: Wie hattet ihr das aufgenommen? Es war ja zumindest klar, dass sich von nun ab eine Menge für euch verändern würde.

Bandidos MC:
Da gab es keinen Gruppenzwang. Jeder, der mitgegangen ist, und das waren 95%, war und ist natürlich voll überzeugt vom Bandidos MC weltweit.

Michael vom PR-Team des Bandidos MC im Gespräch mit BIKERS NEWS
Michael vom PR-Team des Bandidos MC im Gespräch mit BIKERS NEWS

„Wir haben die Support-Clubs im großen Stil eingeführt.“

BN: Nach 15 Jahren ist klar: Für euch hat sich eine Menge verändert. Nennen wir nur mal die Schlagwörter: Support-Clubs, Migranten, Rockerkrieg, Clubverbote, Polizeikontrollen.

Bandidos MC: Stimmt, all das ist mit unserem Club verknüpft. Ich denke, wir haben die Support-Clubs im großen Stil eingeführt, zum Teil natürlich mit vielen Migranten. Das war aber nicht, sozusagen von oben, geplant gewesen. Es hat sich durch die Autonomie und Entscheidungen der einzelnen Chapter so ergeben. Vielleicht haben wir da eine Tür geöffnet. Und für den ganzen Medienrummel sind wir natürlich auch mit verantwortlich.
Die Sachen, die passiert sind, hat es früher aber auch schon gegeben. Es hat nur damals keinen interessiert. Ein paar schlaue Kerlchen haben dann gemerkt, dass man mit uns und der Szene schön Wählerstimmen sammeln kann, und dass die Medien mit dramatischen Schlagzeilen gutes Geld kassieren können.

BN: Das hat wiederum eine ganze Szene reingezogen, nicht immer zum Vorteil. Lässt sich das wieder richten?

Bandidos MC: Die Öffentlichkeit und die Medien sind nicht mehr in der Lage zu differenzieren. Deshalb sitzen auch alle im selben Boot – heute wir, morgen ihr. Das war natürlich so nicht beabsichtigt oder gewollt. Nur leider ist sogar in der Szene das Bild total verrutscht, da glauben ja auch schon einige, was in der Zeitung steht. Und das muss sich als Erstes mal ändern.

BN:
Ihr hattet mit der Gründung von Support-Clubs und der Aufnahme von Migranten viele Neuerungen eingeführt. Mit euren Neuerungen kamen auch neue Leute. Vor allem kam auch eine neue und jüngere Generation in die überalterte Biker-Szene. Ist wenigstens das als positives Ergebnis zu verbuchen?


Bandidos MC: Die Support-Clubs haben in der Tat viele junge Mitglieder, die aus verschiedenen Gründen nicht direkt bei uns mitmachen. Sie sind auch gut, um neue Leute an die Szene heranzuführen. Wir brauchen aber keine Schlägertruppen, die sich als Rocker verkleiden, und wir brauchen auch keine Mode-Rocker. Bei uns gibt es sehr alte Regeln und Werte, und die sind zu beachten.

Der Wild Bunch MC Ibbenbüren (Coal City)  empfängt das neue Hangaround-Patch
Der Wild Bunch MC Ibbenbüren (Coal City) empfängt das neue Hangaround-Patch

„Unsere Leute sollten auf einem Motorrad sitzen.“

BN: Inzwischen mischen aber auch Streetgangs in der Szene mit. Niemand will heute dafür verantwortlich gewesen sein. Dabei hattet doch auch ihr sie gerufen, oder?

Bandidos MC: Das sehe ich nicht so. Das Phänomen der Streetgangs ist ja fast so alt wie die MC-Szene in Deutschland selbst. Vielleicht hat der Medienrummel um die Rockerszene dazu beigetragen, dass die Streetgangs einen enormen Zuwachs, gerade in den letzten Jahren, bekommen haben. Die Strafverfolgungsbehörden und die Medien machen leider keinen Unterschied mehr, ob man Rocker oder Gangmitglied ist.
Aber ganz klar ist bei uns: Unsere Leute sollten auf einem Motorrad sitzen. Bandidos tun es sowieso. Bei den meisten Support-Clubs ist das Motorrad auch Pflicht oder zumindest angestrebtes Ziel für die Mitglieder. Die Streetgangs kopieren unser Format und Aussehen. Es scheint fast so, als würde eine Kutte zu tragen zu einer Massenbewegung. Dachte man vor Jahren die Szene ist tot, so ist sie jetzt bald eine neue Kultur, jeder will eine Kutte.

BN: Manche wissen nicht, wie sie die Geister loswerden, die sie einst gerufen haben. Euch wiederum haben manche Chapter von ganz allein verlassen, um zu anderen Clubs überzutreten. Seid ihr auch ein bisschen glücklich darüber?
 

Bandidos MC: Ja, sind wir. Wer nicht zu uns passt, der muss gehen.

26. Mai 2010: Hells Angels und Bandidos reichen einander öffentlich die Hand.  Von einem echten Frieden war die Szene aber noch immer weit entfernt
26. Mai 2010: Hells Angels und Bandidos reichen einander öffentlich die Hand.
Von einem echten Frieden war die Szene aber noch immer weit entfernt

BN: Im letzten Jahr hattet ihr ein Umdenken in eurer Politik angekündigt: Klasse statt Masse hieß die neue Losung. Funktioniert das, oder rüstet man heimlich nach?

Bandidos MC: Das Interesse ist größer denn je, und wir gucken genau hin. Insgesamt ist die Gründung neuer Chapter aber zurückgegangen –
ganz bewusst und gewollt.

BN:
Aber jetzt kündigt ihr die Gründung von Hangaround-Clubs an. Ist das nicht doch wieder ein heimliches Nachrüsten?


Bandidos MC: Nein, die gab’s schon immer. Das sind bestehende Clubs, die unter ihrem alten Colour erstmal als Hangarounds bei uns mitfahren. Und das Chapter, das ihr meint, nämlich Ibbenbüren, ist uns wirklich bestens bekannt.

Foto: Cherry; Die City Runs waren Motorradveranstaltungen des Bandidos MC
Die City Runs waren Motorradveranstaltungen des Bandidos MC

„Wir sind ein gutes Beispiel für Integration.“


BN: Der Bandidos MC ist ja fast so was wie eine Patchwork-Familie. Viele Bürger verstehen bis heute nicht, dass gleichermaßen ehemalige Nazis wie Migranten unter dem Bandidos-Patch fahren. Wie funktioniert das?

Bandidos MC: Wir sind zumindest ein gutes Beispiel für Integration. Die gemeinsamen Werte verbinden unsere Mitglieder. Politik oder Herkunft spielen da keine Rolle. Wir wollen nebeneinander fahren, da fährt keiner vor oder hinterher.

BN: Sind Rocker-Clubs also ein gutes Beispiel dafür, wie Demokratie funktionieren kann?

Bandidos MC:
Auf jeden Fall! Die Pseudo-Demokratie oder Gesellschaft kann viel von uns lernen. Ich kann es keinem verdenken, wenn er nicht zur Wahl geht. Nach der Wahl macht doch sowieso jeder, was ihm den größten Vorteil bringt. Aber was das Volk will, interessiert dann niemanden mehr.
Man stellt uns immer als Subkultur dar, da stellt sich dann die Frage: Wenn es eine Sub-kultur gibt muss es auch eine „Rein-Kultur“ geben. Welche ist da gemeint? Die Kultur, die sich Doktortitel erschleicht, Schwarzgeldkonten ohne Reue führt, Steuergelder veruntreut oder verschwendet? Die Kultur, die sich den Euro erschleicht, wofür der normale Steuerzahler bluten muss? Da bin ich stolz, in einer sogenannten Subkultur zu leben.

BN: Also weiter mit der funktionierenden Demokratie: Ihr werdet euer 15-jähriges Bestehen in Germany feiern. Wird das eine öffentliche Veranstaltung sein, darf der Termin verraten werden?

Bandidos MC: Das wird eine interne Feier werden, von der man dann wieder in den Medien lesen wird, wie toll der Polizeieinsatz gelaufen ist.

BN: Mit Polizeikontrollen wird zu rechnen sein. Bei der Gelegenheit müssen wir doch mal unseren Respekt für euer Standing zum Ausdruck bringen. Spätestens wenn man vor jeder Party zwei Stunden lang durchsucht wird, könnte man doch die Lust verlieren. Macht es überhaupt noch Spaß, Onepercenter zu sein?

Bandidos MC: Dass es bei diesen Polizeikontrollen nicht um Gefahrenabwehr geht, hat inzwischen jeder verstanden. Vielmehr geht es den Ordnungsbehörden darum, szeneneutrale Gäste von uns fernzuhalten und uns als sogenannte OMCG, also als Outlaw Motorcycle Gang, zu isolieren.
Anfangs dachten wir, dass unsere Veranstaltungen darunter leiden würden. Aber heute ist sicher, dass unsere Partys noch nie so gut besucht waren. Während die Einsatzhundertschaft der Polizei noch lange im Regen steht, feiern wir bei bester Laune unsere Partys.


Michael, BMC:  „Wahrscheinlich haben wir heimlich die Tabakindustrie unterwandert …“
Michael, BMC:
„Wahrscheinlich haben wir heimlich die Tabakindustrie unterwandert …“

„Wahrscheinlich haben wir heimlich die Tabakindustrie unterwandert …“


BN: Du rauchst gerade. Das einzige Böse, das Onepercenter noch ohne Polizeieinsatz anrichten dürfen, scheint das Rauchen zu sein?

Bandidos MC: Ja, wahrscheinlich haben wir heimlich die Tabakindustrie unterwandert …

BN: Jetzt wieder ernst: Mit diesen Kontrollen wird euch ja auch das Motorradfahren vermiest. Ihr dürft nicht mehr in großen Gruppen fahren. Und dann werden auch noch Spezialeinheiten der Polizei auf die Harleys von Rockern angesetzt.

Bandidos MC: Die Kontrollen gehören ja inzwischen zu unserem Partyablauf und unseren Ausfahrten. Darauf stellt sich bei uns und unseren Gästen jeder ein. Auf keinen Fall vermiest uns das den Spaß am Motorradfahren. Die hohen Kosten der überzogenen Kontrollmaßnahmen werden irgendwann allen Steuerzahlern die Laune vermiesen.

BN: Ist das der Grund, warum der Bandidos MC kaum öffentliche Motorradveranstaltungen ausrichtet? Schließlich hattet ihr mal die City-Runs eingeführt, Veranstaltungen, deren wesentlicher Bestandteil das Motorradfahren sein sollte.

Bandidos MC: Das war eine tolle Sache, ja. Leider systematisch zerstört durch die Behörden.

Ausufernde Kontrollen und auf Harleys angesetzte Spezialteams der Polizei sorgen für schlechte Laune

Bandidos-Bike: „883 Kubikzentimeter sind die unterste Grenze.“

BN: Zum Schluss eine hochaktuelle Frage: Als Bandidos-Member ist man verpflichtet, eine Harley zu fahren. Wäre die neue Harley „Street“ mit ihrem wassergekühlten 750er-Motor auch noch ein zulässiges Bandidos-Bike?

Bandidos MC: Nein, das wird kein Bandidos-Bike werden. 883 Kubikzentimeter sind die unterste Grenze. Und überhaupt ist nicht alles gut, was aus Milwaukee kommt. Dieses Ding schießt wirklich den Vogel ab, fehlt nur noch, dass die alten 250er Harleys wieder gebaut werden. Aber man sieht, Harley ist auch nur ein gewinnorientiertes Unternehmen, das versucht Emotionen zu verkaufen, aber selbst immer weniger davon hat. Das ist aber meine rein persönliche Meinung!

 




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