Bandidos MC Allersberg

15.04.2016  |  Text: Jens Plackner  |   Bilder: Jens Plackner
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Bandidos MC Allersberg
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Der Bandidos MC Allersberg feierte sein 15-jähriges Jubiläum. Wir erzählen die Geschichte des Rocker-Clubs und sprachen mit Präsident Käse
Das Chapter Allersberg ist eines der ältesten des Bandidos MC in Deutschland. Die Wurzeln des Clubs in der fränkischen Kleinstadt südlich von Nürnberg reichen noch weiter zurück bis in die Anfangszeit der Szene. Im Jahr 1978 hatte sich der MC Albatross gegründet, seine zahlreichen Member fuhren meist japanische Bikes und steuerten die erreichbaren Treffen in der Rhein-Ebene an. Die Fahrt zu den Bones unternahmen alle, die sich als ernstzunehmende Biker profilieren wollten. Die Mannen des MC Albatross nahmen darüber hinaus noch alle Termine des verpflichtenden Rallykalenders wahr. In den Jahren 1983 und 1984 wurde der MC Albatross selbst zum Gastgeber im Rallykalender.

Auch die Allersberger steuerten die Treffen der Bones an
Auch die Allersberger steuerten die Treffen der Bones an

Einige Brothers besaßen damals schon eine eigene Harley, während normale Biker gerademal die Kohle für Japaner zusammenbrachten. 1984 fuhren drei Brothers zur Harley-Superrally nach Brighton in England, das war damals fast schon eine halbe Weltreise. In den folgenden Jahren gehörten die Superrallys in Paris, Dänemark, Holland, Belgien und Italien zum Jahresablauf und im Club bildete sich eine ganz eigene Schrauberkultur aus, die stets das Machbare mit dem Schönen verband. 1985 fuhren Brothers des MCs zur Kent Custom Show nach England. Sie unternahmen viele weitere Fahrten dorthin und festigten so den Kontakt zur europäischen Bikerszene.

Während eines Urlaubs in Ungarn im Jahr 1986 lernten die Brothers den Black Birds MC aus Magdeburg kennen. Die Allersberger besuchten die Black Birds auch in den folgenden Jahren, was in der DDR schwer genug war. Ein gemeinsames Treffen am 1. Mai im tschechischen Cheb gehörte ebenfalls zur Freundschaft. Die Magdeburger fuhren allesamt noch auf AWOs in die Tschechei. Die AWOs waren die Harleys des Ostens, die der Black Birds waren allesamt Kunstwerke, denn im Osten zeigte eine aktive Schrauberszene viel Einfallsreichtum, Engagement und handwerkliches Geschick.
Das war wie eine Vorwegnahme der Wende. Im Jahr 1989 zogen deshalb viele Member der Black Birds nach Franken und verstärkten den fränkischen MC. Schon kurz vor der Wende waren ein paar Brothers aus Magdeburg über Ungarn in den Westen geflüchtet. Auch sie hatten eine herzliche Aufnahme in Allersberg gefunden.

In der DDR pflegten die Allersberger eine Freundschaft mit dem Black Birds MC Magdeburg
In der DDR pflegten die Allersberger eine Freundschaft mit dem Black Birds MC Magdeburg

Im Jahr 1986 trat der MC Albatross nach langjähriger Freundschaft zum Road Eagle MC über. Die Allersberger wurden eines seiner aktivsten Chapter. Unter dem Colour des Road Eagle MC richteten sie in Allersberg in den Jahren 1989 und 1997 die Presi-Rallys aus, auf denen sie bis zu 10 000 Besucher empfingen.
In den Neunzigerjahren steigerte sich die Reiseaktivität des Clubs. Mehrmals schaffte es das Chapter, komplett nach Daytona und Sturgis zu fahren. Die Isle of Man wurde ein beliebtes Sommerziel, das die Allersberger ausschließlich mit Harleys anfuhren.
Schon immer führte der Club ein eigenes Clubhaus. Anfangs war es ein alter Doppeldeckerbus, um den sich ein wildes Hüttenwerk mit einer großen Holzterrasse bildete. 1993 folgte das großzügige eigene Clubhaus im Allersberger Industriegebiet. Der Club hatte das Gelände gekauft, die Member bauten es innerhalb von einem Jahr aus. Es setzte echte Maßstäbe in Größe und Ausstattung. Auch die Bürger suchten es zu den verschiedensten Anlässen, wie offene Abende oder Fasching, auf. Das festigte das gute Verhältnis zur Bevölkerung und stärkte das Image des MCs.

Im Jahr 1986 trat der MC Albatross nach langjähriger Freundschaft zum Road Eagle MC über
Im Jahr 1986 trat der MC Albatross nach langjähriger Freundschaft zum Road Eagle MC über

Die größte Veränderung folgte im Jahr 2000, als die Allersberger sich der Bandido Nation anschlossen. Den Kontakt hatten die Allersberger schon ein paar Jahre zuvor mit den Luxemburgern gepflegt, die sie von der Superrally kannten. Die Luxemburger Bandidos hatten einfach mal angefragt, ob sie auf ihrem Weg von Luxemburg nach Italien eine Nacht in Allersberg verbringen konnten. Die eher zufällige Begegnung führte zur engen Freundschaft.
Im April 2000 trugen die Allersberger das erste Prospect-Patch in Deutschland, nach nur zehn Monaten erlangten sie den Status des Probationary-Chapters. Seitdem zählt die Zeit der offiziellen Mitgliedschaft im Bandidos MC.
Batzen war ein Member der Allersberger, er wurde im Jahr 2002 einer der ersten Nationals des Bandidos MC. President Käse amtierte seit 1978 in Allersberg. Seit fast 14 Jahren ist er darüber hinaus einer der National Vice Presidentes in Deutschland.
Die Allersberger haben nie ihre Bodenständigkeit und ihren Kontakt zur nordbayrischen Szene verloren. Die Chapter Allersberg und Nürnberg sind beispielsweise Mitglied der „Nürnberg-Fürth-Runde“, die regionale Termine abspricht. Auch auf den Partys vieler kleiner Clubs in der Region sind die Member des Bandidos-Chapters regelmäßig zu Gast. Mit dem Übertritt zum Bandidos MC folgte für die Allersberger darüber hinaus die Zeit der weltweiten Aktivität und Reisen auf fast alle Kontinente.

Führende Bandidos im Clubhaus von Allersberg
Führende Bandidos im Clubhaus von Allersberg

Die Jubiläums-Party in Allersberg feierten die Bandidos in echtem Biker-Stil. Die Strip-Show war wieder mal eine der schärfsten der Saison, die Stimmung prägten Kameradschaft und Respekt. Zahllose bekannte Clubs aller Größen aus dem gesamten süddeutschen Raum waren zu Gast. Auch trübten keine Behördenaktionen die Biker-Community.
Die Brothers freuten sich über den Empfang des 15-Jahres-Patches durch Peter. Der National Vice Presidente erwähnte ausdrücklich, dass acht von neun Membern den langen, schweren Weg zum Club mit Bravour absolviert hatten. Im Rahmen dieser Ehrung erhielten auch Member der Chapter Bamberg, Bad Königshofen und Weiden ihr Fünf-Jahres-Patch. Sie waren vor fünf Jahren vom Trust MC zu den Bandidos gewechselt.

Das war wohl schon im Februar der schärfste Strip des Jahres
Das war wohl schon im Februar der schärfste Strip des Jahres
 

„Bandido sein ist was Besonderes“

Wir sprachen mit Käse vom Bandidos MC Allersberg. Käse ist darüber hinaus einer der National Vice Presidentes des Bandidos MC

Käse (National Vice Presidente): „Kriminalität ist ein Thema, das immer wieder diskutiert wird. Wenn wir merken, dass jemand solche Aktionen in den Club gezielt reinbringen will, verleihen wir ihm Flügel."
Käse (National Vice Presidente): „Kriminalität ist ein Thema, das immer wieder diskutiert wird. Wenn wir merken, dass jemand solche Aktionen in den Club gezielt reinbringen will, verleihen wir ihm Flügel."

BN: Käse, du bist einer der dienstältesten Presis und Funktionsträger der Szene. Nach all den Jahrzehnten – hast du immer noch nicht genug von dieser Verantwortung und Arbeit?

Käse: Ich bin jetzt fast 60 Jahre alt, doch ich bin immer noch gerne unterwegs. Jedes Wochenende und im Sommer ausschließlich auf meiner Harley. Das wird sich nicht ändern, solange ich irgendwie den Weg auf das Bike finde. Ja, der Job als „Funktionsträger“, wie du es nennst, macht immer noch Spaß. Ich könnte mir kein anderes Leben vorstellen.


Fünfzehn Jahre in der großen Bandido Nation sind doch eine Sache. Zuvor aber bist du über zwei Jahrzehnte unter den Farben von MC Albatross und Road Eagle MC gefahren. Fiel der Wechsel zu den Bandidos nicht schwer?

Klar fiel der schwer. Aber auch nicht. Der Road Eagle MC war ein toller Club, eine tolle Zeit. Doch eine Weiterentwicklung war nicht mehr möglich. Wir hatten das Ende der Fahnenstange erreicht. Mehr ging nicht mehr unter diesem Colour. Die Erste Liga ist eben international. Der Sprung war notwendig; und er war gut so – für unsere Gemeinschaft, aber auch für jeden Einzelnen. Nicht umsonst sind heute noch acht der neun Brothers, die diesen Sprung machten, beim Club dabei.


Wie hat es damals euer Umfeld aufgenommen? Was sagte die Szene dazu?

Am Anfang war es plötzlich still um uns rum: Bandidos? Unbekannt, doch durch die Presse mit wilden Geschichten umrankt. In den ersten Monaten zeigten sich nur wenige Clubs und auch die Gäste aus der Ortschaft waren weg. Das legte sich erst im Laufe der ersten zwei, drei Jahre. Dann begriffen die Menschen, dass wir uns nicht geändert haben und keine Mafiosi geworden sind. Doch bis das in den Köpfen der Leute angekommen war, dauerte es eine Zeit. Jetzt ist es wie zuvor. Du siehst die vielen Clubs, die heute da sind. Das waren auch die Clubs, die unter dem Road Eagle MC hier zu Gast waren. Auch die Gäste aus der Ortschaft an den Clubabenden sind wieder da. Viel Aufregung um nichts. Alles wie gehabt.

Unten rechts: Käse unter seinen Brüdern
Unten rechts: Käse unter seinen Brüdern

Da dürfte wohl viel euer Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit beigetragen haben. Die Bandidos sind als ausgesprochen diszipliniert und sehr bestimmt bekannt.

Klar, ein großer MC, ein großer Name, das erfordert Respekt. Diesen Respekt muss man sich verdienen. Da gehört ein stimmiges Erscheinungsbild dazu. Die Zeiten, in denen der Rocker als dreckig, besoffen und nicht zurechnungsfähig bekannt war, sind vorbei. Es fängt an mit der Sauberkeit der Klamotten und des Clubhauses, geht weiter über das Auftreten der Brothers und schließt auch die echte Verinnerlichung dessen ein, was Respekt bedeutet. Will ich Respekt von jemand anderem haben, muss ich auch dem anderen meinen Respekt erweisen. Das gilt für den Umgang der Brothers untereinander, aber auch nach außen. Respekt bekommt man nicht geschenkt, er resultiert aus harter Arbeit.


Diesen Respekt erweist ihr ja auch den Gästen.

Klar. Wie sollen wir Würde und Respekt ausstrahlen, ohne sie dem Gast zu erweisen?


Manchmal scheint es, dass das Benehmen der Bandidos besser ist als das der übrigen Gesellschaft. Woher kommt das?

Wenn du das so siehst … ja, es stimmt auch. Da sind wir wieder beim Thema. Ein großer Name verpflichtet. Bandido zu sein ist eben nicht nur Bandido zu spielen. Bandido ist eine umfassende Philosophie, die alle Bereiche des Lebens umfasst. Es ist einfach undenkbar, dass ein Brother sich irgendwo gehen lässt, dass er andere Menschen anpöbelt oder besoffen im Graben liegt. Das geht nicht. Das erkennen wir frühzeitig. Deshalb haben wir die lange Probezeit. Und wer das nicht kapiert, wird nie Member werden.


Was wir hier sehen und hören, widerspricht dem, was in den Medien über euch berichtet wird. Der häufigste Begriff ist da die „Kriminalität“. Habt ihr eine Kultur der Unterwelt?

Kultur der Unterwelt? Na ja, wenn man da von „Kultur“ sprechen kann … Und Kriminalität? Haben wir nicht mehr als in jedem Sportverein, nur dass die normalen Medien es hochspielen, um ihre Auflage oder ihre Zuschauerzahl zu erhöhen. Eigentlich ist es eine ganz große Schweinerei, was da abgeht. Vergleicht man die Zahl von Straftaten unserer Member und auch von anderen großen Clubs mit der Zahl an Straftaten der Gesamtbevölkerung, entsprechen sie dem Durchschnitt. Wir unterscheiden uns da überhaupt nicht.
Kriminalität ist bei uns im Club ein Thema, das immer wieder diskutiert wird. Wenn wir merken, dass jemand solche Aktionen geziehlt in den Club reinbringen will, verleihen wir ihm Flügel. Der geht – ohne Ansehen der Person. Wir lassen uns den Club durch nichts kaputtmachen und unseren Namen lassen wir durch keine Typen beschmutzen, die ihr Leben anders nicht auf die Reihe bringen. Wie schon gesagt: Bandido zu sein, ist was Besonderes und das Besondere muss geschützt werden. Aber es ist doch traurig, dass sich beim Namen der Bandidos immer wieder der Blick auf die angebliche Rolle in der Unterwelt richtet. Unsere Welt besteht eigentlich viel mehr aus der Freude am Leben und am Biker-Dasein. Und natürlich aus dem Stolz auf den Club, auf uns selbst. Das bringen wir heute auf unserer Feier wohl deutlich zum Ausdruck. Lass uns lieber dazu übergehen. Was magst du trinken?
 

Kontakt
Bandidos MC Allersberg
Industriestraße 18
90584 Allersberg
www.bandidos-allersberg.de

 
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