Biker Union

22.04.2016  |  Text: Tilmann Ziegenhain  |   Bilder: Archiv BIKERS NEWS, Archiv Biker Union
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Seit dreißig Jahren setzt sich die Biker Union für die Interessen von Motorradfahrern und Rockern in Deutschland ein. Das Jubiläum wird im Mai auf der traditionellen Saisoneröffnung gefeiert Vor dreißig Jahren organisiert die Kriminalpolizei eine …
Biker Union ColourSeit dreißig Jahren setzt sich die Biker Union für die Interessen von
Motorradfahrern und Rockern in Deutschland ein.
Das Jubiläum wird im Mai auf der traditionellen Saisoneröffnung gefeiert


Vor dreißig Jahren organisiert die Kriminalpolizei eine Kampagne für mehr Sicherheit. Teil dieser Kampagne ist ein Plakat, auf dem den unbescholtenen Bürgern drei bewaffnete Rocker finster entgegenblicken – darüber prangt die suggestive Frage „Sind Sie sicher vor Gewalt?“. Es ist der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt – die MCs haben endgültig genug von der Diskriminierung und schließen sich zusammen. Bereits zuvor hat es von verschiedenen Seiten wiederholt Bestrebungen gegeben, die Entscheidungsträger der Motorradclubs an einen Tisch zu bringen – ohne Erfolg. Nach der Plakatkampagne ändert sich das, am 15. November 1986 findet die Gründungssitzung der Biker Union statt. Daran ist auch die BIKERS NEWS nicht unbeteiligt, denn die Rockerprominenz trifft sich seinerzeit in Räumlichkeiten von Verlagsgründer Fips.


Die Rolle der BIKERS NEWS

Angsteinflößende, bewaffnete Rocker: 1986 gibt ein Plakat der Polizei den Anstoß zur Gründung der Biker UnionHeute, drei Jahrzehnte nach der historischen Zusammenkunft, ist die Biker Union eine andere. Als eingetragener Verein versteht sie sich schon lange nicht mehr als gemeinsame Plattform und Sprachrohr der Clubs, sondern als Interessenvertretung aller Motorradfahrer, egal ob mit oder ohne Kutte. Für das heutige Selbstverständnis der Biker Union steht auch ihr Vorsitzender Rolf Frieling aka „Hilton“, der seit 1998 im Vorstand mitarbeitet. Dabei wird er erst spät bekehrt: „Meine Frau und ich sind Spätberufene. Ich hatte meinen Einser zwar bereits mit 18 Jahren gemacht, bin aber nie gefahren. Als meine Frau dann 1993 mit ihrem Einser-Führerschein anfing, kauften wir uns die ersten Motorräder. Damals haben wir die BIKERS NEWS schon regelmäßig gelesen, einmal auch einen Artikel über die geplante Sternfahrt der Biker Union. Das wollten wir uns mal anschauen und haben uns gedacht ,Wenn’s uns nicht gefällt, biegen wir rechts ab und machen Urlaub‘.“
Gesagt, getan: Als die BU-Sternfahrt 1995 in Frankfurt Halt macht, stoßen Hilton und seine Frau auf dem Clubgelände der Bones dazu. „Gute Gespräche mit interessanten Leuten“, erinnert sich Hilton noch heute. Das negative Bild der Biker und Rocker, das die Presse mehrheitlich verbreitet, wird nicht bestätigt. Also fahren die beiden mit nach Berlin. Da Hilton als Unternehmensberater tätig ist, hat er einige Ideen, was anders besser geplant gewesen wäre und bietet seine Hilfe an. Mit seinem Angebot stößt er bei den Vertretern der Biker Union zunächst auf taube Ohren. Nachdem die eigentlich für das Folgejahr geplante nächste Sternfahrt aufgrund von Meinungsverschiedenheiten im Vorstand ausgefallen war, ruft ihn Biker-Union-Macher Manfred „Tedy“ Bach 1997 an und fragt, ob das Angebot noch steht. Es steht noch – und es bleibt nicht bei der einmaligen Unterstützung.


Die Krise der Neunziger

 Foto: Christian D., Schleiz 2004: Party bis es qualmtAls Hilton zur Biker Union stößt, ist der Verein in einem denkbar schlechten Zustand. „Das waren damals so die wilden Zeiten“, erinnert er sich. „Die BU war mehr oder weniger vor die Wand gefahren und schleppte erhebliche finanzielle Altlasten mit sich rum. Man musste also im Prinzip die ganze Orga neu aufbauen. Noch viel wichtiger: Die Führungs-
crew musste anfangen, sich als Team zu verstehen und auch so zu arbeiten.“ Doch wie war die Krise entstanden? Für die Großveranstaltungen und das Magazin „BUM“, mit dem man sich zwischenzeitlich am Zeitschriftenmarkt versucht, hat der Verband die „Biker Union Service GmbH“ gegründet – sie soll das finanzielle Risiko minimieren. Doch die GmbH ist irgendwann pleite, was mit Unregelmäßigkeiten in der Geschäftsführung des Vereins einhergeht. Der Gerichtsvollzieher ist seinerzeit Stammgast in der Hauptverwaltung der BU.
Doch die Biker Union übersteht die Krise und lernt aus den Fehlern. Die Mitgliederversammlung beschließt, dass Transparenz von nun an großgeschrieben werden soll. Seitdem gibt es eine klare Trennung von ehrenamtlichem Mandat und wirtschaftlichen Interessen – wer sich heute in der Biker Union engagiert, tut dies ausschließlich in seiner Freizeit. Und so steht man auch zu den Fehlentwicklungen der Neunziger, nichts soll unter den Teppich gekehrt werden.
Auch die Geschichte der verpatzten Euro-Demo verschweigt niemand. Der Hintergrund: Die Motorrad Initiative Deutschland (MID) war 1997 als Dachverband der deutschen Motorradverbände gegründet worden, auch die Biker Union war dabei. 1998 soll die jährliche Demo der Federation of European Motorcyclists’ Associations (FEMA) in Deutschland stattfinden. Die FEMA ist das Äquivalent der MID auf europäischer Ebene und hatte bei ihrem deutschen „Gegenstück“ angefragt, ob man bereit sei, die Demo zu organisieren. Nach langen und nervenaufreibenden Diskussionen sagt die MID zu. Doch statt der fest eingeplanten 5500 Teilnehmer kamen nur knapp 2000 auf den Campground. Die Verbände müssen deswegen mit Darlehen einspringen, um die offenen Rechnungen zu bezahlen. Während sich zwei Verbände nach dem finanziellen Desaster aus der MID zurückziehen, bleibt die Biker Union dabei. Die MID entwickelt sich im Anschluss zu dem, was sie heute ist: der Runde Tisch der deutschen Fahrerverbände. Mit dem Hambacher Bikerfest hat die MID eine erfolgreiche politische Veranstaltung etabliert, die deutschlandweit Beachtung findet. Mit den Einnahmen aus dem Fest kann sie den Schuldenberg weiter abtragen. Glück für die MID, dass die Gläubiger keine Banken sind und damit auch kein Zeitdruck besteht.


Ohne schwarze Koffer und Krawatte: die Lobbyarbeit

Kutte statt Anzug: Auch auf den Treffen des Verkehrssicherheitsrates bleibt Hilton authentischIm kollektiven Gedächtnis der Biker-Szene sind diese Vorfälle auch nach fast 20 Jahren noch nicht vollständig abgehakt. Im Gegensatz dazu steht, was die Biker Union in den vielen Jahren politisch erreicht hat und immer noch erreicht. Dem Verein geht es dabei manchmal so wie der Polizei, wegen deren fragwürdiger Plakataktion sie sich einst gegründet hatte: Hört man nichts von ihr, bedeutet das keineswegs, dass sie untätig ist – sondern eher, dass sie erfolgreich arbeitet. Was genau macht die Biker Union also auf der politischen Ebene; insbesondere, seit Hilton die Koordination der politischen Arbeit übernommen hat? „Wir wollten die politische Arbeit vor allem intensivieren und frühzeitig in Entscheidungsprozesse eingebunden werden – und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Es hat gedauert, bis wir ernst genommen wurden. Heute kommt man auf uns zu, wenn es um das motorisierte Zweirad geht. Wir sprechen mit den Verkehrsministern von Bund und Ländern über unsere Themen, arbeiten in verschiedenen Fachgremien mit, sitzen als Experten in Beratergruppen und sind seit drei Jahren Mitglied im Deutschen Verkehrssicherheitsrat. Der arbeitet bundesweit und beschäftigt sich nicht nur mit Zweirädern. Zudem bin ich in einem Arbeitskreis der Straßenbauingenieure zur Motorradsicherheit als Vertreter der Fahrerverbände mit dabei“, erklärt Hilton.


Preisgekrönte Rallye

Die Bitumen-Rallye der BU wird vor drei Jahren mit dem ersten Preis im Ideenwettbewerb „Sicher auf Landstraßen“ ausgezeichnetIn den Arbeitskreisen der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen FGSV werden Merkblätter und Richtlinien erarbeitet, die unter anderem beschreiben, wie Straßen zu bauen sind, um den Verkehrsteilnehmern maximale Sicherheit zu garantieren. Sie definieren damit den Stand der Technik in Sachen Straßenbau. Auch für die Verkehrssicherheit von Motorrädern gibt es ein solches Merkblatt, die bekanntesten Stichworte sind hier Bitumenpfusch und Unterfahrschutz. Und genau hier bringt die Biker Union sich ein. Durch diese Merkblätter besteht für den Verkehrsteilnehmer mittelbar ein Rechtsanspruch, dass eine Straße nach den schriftlich fixierten Standards gebaut wird – was sich im Falle eines Unfalls und etwaiger Gerichtsverfahren dann ganz konkret im echten Leben auswirkt. So könnte ein Rechtsanwalt die Straßenbauer verklagen, wenn sein Mandant verunglückt ist, weil die Straße nicht so gebaut worden ist, wie sie gebaut hätte sein sollen. So einfach kann Politik sein. Bereits seit 2004 ist die Biker Union in dem Arbeitskreis der FGSV zur Motorradsicherheit aktiv. Die Erstauflage des Merkblatts kam 2007 auf den Markt. Nun steht eine Überarbeitung auf der Agenda und auch hier bringen sich Hilton und Co. ein – es ist auf der politischen Ebene momentan das wichtigste Projekt der Biker Union.
Erfolgreich ist die BU auch mit ihren Bitumen-Rallyes: Das Konzept wird vor drei Jahren sogar mit dem ersten Preis im Ideenwettbewerb „Sicher auf Landstraßen“ ausgezeichnet. Der Wettbewerb ist Teil der Kampagne „Runter vom Gas“ des Bundesverkehrsministeriums und des Deutschen Verkehrssicherheitsrates. Die Idee: Man trifft sich für eine gemeinsame Ausfahrt und dokumentiert den Zustand der Straßen. Findet man zum Beispiel Abschnitte mit gefährlichen Anhäufungen von Bitumen, füllt man den Meldebogen des Instituts für Zweitradsicherheit aus, schickt ihn an das Straßenbauamt und füttert parallel eine eigens angelegte Datenbank. Gleichzeitig vereinbart man mit den Verantwortlichen einen Termin, in dem die notwendigen Maßnahmen zur Lösung der gefundenen Probleme besprochen werden.
Wenn Hilton im Ministerium diskutiert, hat er übrigens seine Kutte an. So wie bei anderen offiziellen Anlässen auch. „Die Eintrittsbarriere ist zwar höher, aber wenn sie überschritten ist, hat man schließlich bessere Karten – weil man deutlich als Motorradfahrer erkennbar ist.“ Und zwar als ein bestimmter Typ Motorradfahrer, denn die Biker Union versteht sich nicht als Sprachrohr der Warnwestenträger. Die individuelle Freiheit und Verantwortung des Einzelnen liegt ihr nach wie vor am Herzen. So wird sie Vorstöße seitens der Politik in Richtung Tragepflicht bestimmter Schutzkleidung auch weiterhin bekämpfen. Das ist sozusagen Tradition, schließlich hatte die Biker Union bereits im ersten Jahr nach ihrer Gründung eine große Demo gegen die Helmpflicht auf der Grundlage der ECE-Norm für Helme organisiert.


Die drei Säulen der Biker Union

Ehrenamtliche Arbeit für Motorradfahrer und Rocker: der aktuelle Vorstand der Biker UnionDoch nicht nur die politische Arbeit ist wichtig für die Biker Union. Sie ist nur eine von drei Säulen, die das Fundament des Vereins bilden. Neben dem gemeinsamen Fahren und Feiern. Aber die Säulen stehen eng beieinander, um in der bildhaften Sprache zu bleiben: Oft lassen sich diese drei Dinge nämlich gut verbinden. „Die drei Säulen kriegen wir immer perfekt auf der BU-Sternfahrt zusammen“, erklärt Hilton. „Vier Tage durch Deutschland, einen Tag Berlin. Und das nicht nur aus Spaß an der Freude, denn wir sprechen bei jeder Sternfahrt unsere aktuellen politischen Themen an. Und zwar die ganze Palette, bis hin zu Kuttenverboten.“

BU zum Anfassen: die Stammtische

Auch im dreißigsten Jahr ihres Bestehens bemüht sich die Biker Union, keine Organisation mit inaktiven Karteileichen und anonymem Vorstand zu sein. Sie will ein Verein sein, den man sehen und anfassen kann. Das wichtigste Mittel, um das zu erreichen, sind neben den elf Regionalbüros die örtlichen BU-Stammtische. Derzeit sind rund sechzig in ganz Deutschland aktiv. Was ein Stammtisch macht und wie, entscheiden die Mitglieder vor Ort selbst: Es gibt sowohl Stammtische, die sich nur einmal monatlich treffen, als auch solche, die jedes Wochenende Ausfahrten machen und regelmäßig Partys veranstalten. Ihre Aufgabe ist es aber auch, neue Mitglieder zu werben. Das ist nicht nur finanziell wichtig für den Verband, denn mehr Mitglieder bedeuten auch mehr Rückhalt auf der politischen Ebene.


Die BU und die Clubs

Foto: Andreas Kottlorz, Alle zwei Jahre organisiert die BU eine Sternfahrt nach Berlin, um für ihre Anliegen zu demonstrierenDie Clubs spielen heute in der und für die Biker Union nicht mehr eine so große Rolle wie in den ersten Tagen. Dennoch ist sie nach wie vor als neutrale Instanz in der MC-Szene akzeptiert. Die Diskussion, ob der Begriff „Rocker“ aus dem Namen entfernt werden soll, wird vor einigen Jahren auf einer Mitgliederversammlung mit großer Leidenschaft geführt. Die „ehernen Prinzipien“ sind den Mitgliedern aber zu wichtig, die Entscheidung, alles beim Alten zu lassen, fällt nahezu einstimmig. Schließlich sind immer noch etliche der rund 4000 Mitglieder Member eines Clubs, auch die „großen“ sind vertreten.
Für den Vorstand sind die MCs zwar nicht Top 1 auf der Prioritätenliste, aber sie stehen drauf. Um clubpolitische Belange kümmert sich vor allem der „Szenebeauftragte“ und Kassenwart Tedy Bach. Er moderiert auch den Runden Tisch in Berlin und ist nah dran am Szenegeschehen. Auch hier ist die Arbeit im Auftrag der Biker Union nicht immer einfach. Teile der Clubs sehen sie nicht als eigenen, festen Bestandteil der Clubszene – wohl auch ein Grund, warum Tedy erst kürzlich auf der Partyplanung Ost, der Präsidenten-Sitzung Ostdeutschlands, den Saal verlassen muss, nachdem er seine Botschaft losgeworden ist (BIKERS NEWS berichtete).
Hilton formuliert es so: „Wir stehen als Gesprächspartner zur Verfügung, aber wir drängen uns nicht auf. Wir sind nicht mehr der Dachverband der Rocker, aber wir sind auch nicht aus der Szene raus. Wir werden sicher nicht offensiv nach außen kommunizieren, was wir genau machen. Vertraulichkeit gehört zu den Spielregeln der Szene und ist auch für unsere Arbeit wichtig. In den Clubs gibt es zum Teil Strukturen, die uns nicht gefallen, gerade in den großen. Aber wir scheren nicht alle über einen Kamm.“


Der Nachwuchs

Es gibt ihn, den Nachwuchs – hier einige Vertreter in Berlin, dem Ziel der Sternfahrt, die die Biker Union alle zwei Jahre organisiertAuf all diesen breitgefächerten Tätigkeitsfeldern lebt die Biker Union vom ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder, inklusive des Vorstands. Genau das kann ein Problem sein, denn die kontinuierliche Arbeit ist manchmal schwierig; von heute auf morgen können wichtige Mitspieler aus beruflichen oder familiären Gründen ihre Arbeit einstellen – ein Problem, das viele Vereine kennen. „Das Führen einer Organisation mit 4000 Mitgliedern gleicht dem Führen eines mittelständischen Unternehmens, nur ohne fest angestelltes Management“, sagt Hilton. „Es ist extrem schwierig, Leute zu finden, die sich längerfristig ehrenamtlich engagieren wollen. Kohle gibt es dafür nicht. Wir erstatten zwar angefallene Kosten, aber nicht die aufgewendete Zeit. Wenn sich Leute melden, stoßen wir immer wieder auf folgende Probleme: Erstens ziehen wir natürlich auch Leute an, die den Verein als Sprungbrett für ihre eigenen Interessen nutzen wollen – und damit die Arbeit erschweren. Zweitens brauchen wir Teamplayer, die sich in ein bestehendes und seit Jahren gut funktionierendes Team einbringen wollen. Begnadete Einzelkämpfer und Selbstdarsteller schaden mehr als sie nutzen. Und natürlich gibt es die Spinner, die denken, dass sie als ,Vorstand‘ Macht haben. Ich sage denen dann immer ,Das Einzige, was ihr habt, ist ein voller Terminkalender.‘“
Momentan hat der Vorstand sieben Mitglieder. Dazu kommen Vorstandsmitarbeiter und Unterstützer für bestimmte Themen –
besonders hier macht es sich bemerkbar, wenn einer wegbricht, denn ein Nachfolger muss erst einmal gefunden, in die Materie eingearbeitet und so „aufgebaut“ werden. „Wir könnten noch viel mehr erreichen, wenn sich mehr Leute engagieren würden. Dabei wären auch kleinere Beiträge hilfreich“, fasst Hilton das Dilemma zusammen. Das Nachwuchsproblem spiegelt sich auch in der Altersstruktur der Biker Union wider. Vor einigen Jahren werden die Mitglieder im Rahmen einer Umfrage in der Verbandszeitschrift unter anderem auch nach ihrem Alter gefragt – eine Standardfrage bei statistischen Erhebungen. Hilton lacht: „Wir sind ein gutes Abbild der Zulassungsstatistik.“ Die Mehrheit der BU-Mitglieder ist also Ende 40, Anfang 50. Trotzdem gibt es sie natürlich, die Jungspunde. Und man bemüht sich um sie. „Zugegebenermaßen sind das manchmal die Kinder von unseren Mitgliedern“, so Hilton. „Die werden von den überzeugten Biker-Eltern dann auch schon mal im Alter von vier Tagen angemeldet, kurz nachdem die frisch gewordene Mama aus dem Krankenhaus entlassen wurde.“


Die Jubiläumsfeier

Foto: 7iloDas 30-jährige Bestehen feiert die Biker Union im Rahmen ihrer Saisoneröffnungsparty: Vom 6.-8. Mai steht in Gersfeld in der Rhön ein Sportplatzgelände mit fester Infrastruktur für die Party zur Verfügung – samt Halle, falls es regnen sollte. Das Programm steht unter dem Motto „Back to the Roots“. Lange hat der Vorstand überlegt, was er anlässlich der Feier auf die Beine stellen will. Und vor allem kann, denn Höhenfeuerwerke wie noch vor zehn Jahren sind Späße, die sich die Biker Union momentan nicht leisten kann; die Veranstaltung muss auf null rauskommen – und das bei freiem Eintritt und kostenlosem Campground. Dennoch wird die dritte Säule, das gemeinsame Feiern, nicht zu kurz kommen. Auch Live-Musik kommt auf die Bühne. „Das wird dann aber nicht AC/DC sein, sondern eher eine lokale Nachwuchsband“, feixt Hilton.


Legendäre Partys in Schleiz

Ein BIKERS-NEWS-Poster aus der Zeit, als Schleiz noch Partyhochburg warDie Zeiten der legendären Partys in Schleiz sind schon seit Jahren vorbei. Wobei Teile der Legende der Realität ohnehin nur bedingt gerecht werden: Dass jährlich 20 000 Besucher kamen, hält Hilton für ein Gerücht. Zwischen 5 000 und 10 000 stimme wohl eher. Im Laufe der Zeit sind die Besucherzahlen auf jeden Fall rückläufig gewesen, sodass sich der Veranstaltungspartner – der mit dem Event auch Geld verdienen will – aus der Partnerschaft zurückzieht. Hinzu kommen die Bußgelder, die wegen Lärmbelästigung bezahlt werden müssen, denn die große Bühne stand unmittelbar am Rand des Schleizer Ortsteils Oberböhmsdorf. 2005 versucht man einen Neustart auf einem neuen Gelände, doch das finanzielle Risiko will am Ende keiner tragen, denn auch die Tagesumsätze pro Besucher sind in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Aus dem gleichen Grund gibt es auch die traditionelle Saisoneröffnung in Hildburghausen nicht mehr. Hier war die Stadt einer der drei Veranstaltungspartner, hat sich aber 2012 aus Kostengründen zurückgezogen. Ein Problem, mit dem alle Veranstalter zu kämpfen haben, denn die Schere zwischen Arm und Reich wird größer - und hundert Normalverdiener trinken zusammen nun mal mehr Bier als ein Millionär allein.
Ein wichtiger Aspekt der 30-Jahr-Feier soll die politische Arbeit werden. Hilton und seine Mitstreiter werden Minister und Staatssekretäre einladen, die sich der Diskussion mit den engagierten BU-Mitgliedern stellen. Eine lange Schlange mit Dienstwagen und Polizei wird es aber nicht geben, verspricht er. Der Vorstand will nicht nostalgisch in die Vergangenheit, sondern kämpferisch in die Zukunft schauen. Dennoch soll das Thema „30 Jahre Biker Union“ so intensiv wie möglich vermarktet werden, auch von den BU-Stammtischen, denn mit so einem Jubiläum wird man vor Ort besser wahrgenommen, auch von der Lokalpresse. Das wiederum macht die Biker Union auf breiter Basis bekannter – Kapital, das dann wieder in die politische Arbeit investiert werden soll.

Biker Union
6.-8. Mai 2016: 18. Saisoneröffnung und 30 Jahre Biker Union
36129 Gersfeld (Rhön), Sportplatz Ortsteil Hettenhausen
Freier Eintritt, kostenloser
Campground

www.bikerunion.de
www.youtube.com/user/Bikerunion
www.twitter.com/bikerunion
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Stand:23 June 2018 00:52:12/motorrad/berichte/biker+union_164.html