Fat Bob 240

24.08.2012  |  Text: Kim Koschorreck  |   Bilder: Volker Rost
Fat Bob 240
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Die Fat Bob macht schon serienmäßig was her. Customized von Harley-Davidson Bielefeld ist sie schnittiger, fetter und lauter Wir wollten selbst wissen, ob es wahr ist, nun können wir bestätigen: Bielefeld gibt es wirklich. Wäre auch schade wenn nicht, …
Die Fat Bob macht schon serienmäßig was her. Customized von Harley-Davidson Bielefeld ist sie schnittiger, fetter und lauter

Wir wollten selbst wissen, ob es wahr ist, nun können wir bestätigen: Bielefeld gibt es wirklich. Wäre auch schade wenn nicht, denn dann gäbe es auch keinen Harley-Vertragshändler in Bielefeld, auf dessen Bikes wir scharf waren. Harley-Davidson Bielefeld ist, wie so viele Vertragshändler, auch gleich noch im Customizing tätig, und baut ohne Reue die Serientechnik aus Milwaukee nach Wünschen des Kunden um. Ein solches Moped wollten wir mal unter den Hintern nehmen.

Fat Bob 240

Fat Bob – ein Verkaufskracher

Wir schnappten uns eine umgebaute FXDF Fat Bob, deren serienmäßige Basis schon eine ganz eigene Erfolgsgeschichte erzählen kann. Im Jahr 1979 stellte Harley sie das erste Mal offiziell vor. Doch erst mit dem Erscheinen der Neuauflage 2008 wurde sie zum Verkaufskracher. Mit dem T-Bar-Lenker und als einziges Modell mit Doppellampen kommt sie rau und eigenständig rüber. So wollen das die Kunden, das sagen zumindest die Verkaufszahlen.
Unsere gepimpte Version ist in harley-typischen Farben lackiert, statt im sonst so oft gesehenen Dunkelblau oder Schwarz. Das Custompainting schmeichelt dem Auge und ist von AHA Design brillant umgesetzt.
 

Der Hypercharger:  Beim originalen Hypercharger  öffnen sich die Klappen während  der Fahrt und versorgen  den Motor mit Fahrtwind
Der Hypercharger:
Beim originalen Hypercharger
öffnen sich die Klappen während
der Fahrt und versorgen den Motor mit Fahrtwind

Hypercharger gibt es wirklich

Wie bei fast allen Custombikes ist natürlich auch das Luftfiltergehäuse ein anderes. H-D Bielefeld hat eines im Hypercharger-Stil drangeschraubt. Der ist eleganter als der klobige Standard-Luftfilter der Fat Bob, auch wenn es sich natürlich um keinen echten Hypercharger handelt.
Bei dieser Gelegenheit sind es die Bielefelder, die uns über das aufklären, was es wirklich gibt: Echte Hypercharger sind auf deutschen Straßen nicht zugelassen, weil sie, durch den fehlenden Luftfilter innerhalb des Kastens, die Motorcharakteristik beeinflussen und das Bike lauter machen. Den Unterschied kann auch der Laie leicht erkennen. Ein echter hat ein – bis auf die Klappen – geschlossenes Gehäuse und innen keinen Luftfilter. Er öffnet seine Klappen während der Fahrt, um durch erhöhte Luftzufuhr die Leistung des Motors zu steigern. Ein Fake-Hypercharger ist unten am Gehäuse offen und beherbergt einen Filter. Er saugt Luft während der Fahrt durch diese Öffnung, statt durch die vorderen Klappen.

Das Heck hat die meiste Aufmerksamkeit der Schrauber von Harley-Davidson Bielefeld bekommen
Das Heck hat die meiste Aufmerksamkeit der Schrauber von Harley-Davidson Bielefeld bekommen

Die Fat Bob von hinten

Roberts Bobtail-Heck haben die Customizer gechopped und den Sitz gekürzt. So wird die Maschine zwar zu einem Solo-Gerät, aber der Coolness-Faktor steigt ungemein. An so einem schönen Hintern wollten die Jungs von H-D Bielefeld natürlich weder Kennzeichenhalter noch das Rücklicht befestigen. Deswegen griffen sie auch hier in die Zubehörkiste. Nun thront der Seitenkennzeichenhalter von MSP an der Schwinge, und die Rücklichter sind in die 2-in-1 Colorado-Lights mit integrierten Blinkern gewandert.
Der 96er-TwinCam strahlt uns hochglanzpoliert, aber technisch unverändert entgegen. Danach fällt unser Blick auf die mattschwarze Jekill & Hyde-Auspuffanlage. Sofort macht sich unsere kindliche Vorfreude breit, um das Ding anzuschmeißen. Also: Helm auf, Sonnenbrille und ab auf die Kiste. „Fä ä ä ä ä ä t, bob bob, bob bob, bob bob“. Das Bike blubbert seinen Namen im passenden Rhythmus, wenn auch am Anfang eher etwas kleinlaut. Aber so verlangen es die deutschen Behörden nunmal. Wie immer im Leben ist es auch hier wichtig zu wissen, welche Knöpfe man drücken muss. Und so beeilen wir uns aus der Innenstadt von Bielefeld rauszukommen.

Auf der rechten Seite fallen sofort das gechoppte Heck, der Hypercharger-Luftfilter  und die Jekill & Hyde-Auspuffanlage ins Auge
Auf der rechten Seite fallen sofort das gechoppte Heck, der Hypercharger-Luftfilter und die Jekill & Hyde-Auspuffanlage ins Auge

Auf „Silent“ Bob durch die City

Auf der Straße ist die Fat Bob die gelungenste Harley. Schon von Hause aus bekommt sie für Harley-Verhältnisse gute Bremsen, ein einwandfreies Fahrwerk und einen V2-Motor mit viel Drehzahlbandbreite, aber ohne leistungshemmende Ausgleichswelle. Auch hat sie im Vergleich zu anderen Modellen viel Kurvenfreiheit. Sie fährt willig in Schräglage und das bei einer beruhigenden Stabilität. Die Fat Bob ist also ein angenehmer Kompromiss zwischen Komfort, Optik und Fahrtechnik. Deshalb haben die Harley-Mitarbeiter nur wenig an den Fahreigenschaften unserer Maschine herumgedoktort. Sie ist im Grunde ihres Herzens immer noch die Alte, hat vor allem Schönheits-Stylings bekommen.
Zwei Dinge gingen ein wenig auf Kosten der Fahrbarkeit: Modifiziert haben die Mechaniker von H-D Bielefeld die hintere Felge. Frisch aus dem Laden rollt die Maschine normalerweise bobbergleich auf zwei 16-Zoll-Felgen mit einem 180er-Reifen am Hintern. Unsere Version hat hinten stattdessen eine verbreiterte Felge mit einem 240er-Schlappen bekommen. Der sieht schön aus und ist von der Breite her die letzte Stufe, bevor das Fahrverhalten wirklich unangenehm beeinflusst wird. Das serienmäßige Fahrwerk wurde hinten tiefer gelegt. Bei beiden Änderungen leidet der Komfort etwas für den Look, aber hey: Erstmal auf einem Starrrahmen ein paar Kilometer abreißen,
dann beschweren.
Harley-Davidson Bielefeld hat das Hauptaugenmerk eindeutig auf das Heck gelegt, denn die Front ist weitestgehend unverändert geblieben. Gabel, Lenker, Hebel und Armaturen sind alle im Originalzustand, genauso wie der Scheinwerfer. Lediglich die Griffe sind customized. Sie sind gut zu fassen und haben denselben Rochenleder-Bezug wie auch der Sitz und der Tankschutz.

Auf der rechten Seite fallen sofort das gechoppte Heck, der Hypercharger-Luftfilter  und die Jekill & Hyde-Auspuffanlage ins Auge
Auf der rechten Seite fallen sofort das gechoppte Heck, der Hypercharger-Luftfilter und die Jekill & Hyde-Auspuffanlage ins Auge
 

Es soll in euren Ohren klingeln!

Kaum aus der Stadt raus, geht der erste Griff natürlich ans Zauberkästchen des Soundmanagements. Das machen wir natürlich nicht im öffentlichen Straßenverkehr, denn da ist es ja verboten. Auf ganz privaten Wegen also legen wir einen Schalter um und drücken einen passenden Knopf, und siehe da: Nun sind die Rohre offen und mit lautem Gebrüll meldet sich der wahre Charakter des TwinCam-Motors. Unterlegt von einem fetten Klangteppich ballern wir mit breitem Grinsen weiter über diese abgesperrten, nicht öffentlichen Straßen im Bielefelder Umland. Wir hätten die Vögel beim Brüten noch bis runter ans Mittelmeer gestört, wenn wir nicht noch einen Fototermin gehabt hätten.
Die Änderungen am Motorrad sind keine grundlegenden, aber das wollten die Jungs von Harley-Davidson Bielefeld auch nicht. Die Fat Bob ist in ihren Wurzeln erhalten geblieben, sieht jetzt aber einfach viel geiler aus. Das Gesamtpaket ist gelungen und gut aufeinander abgestimmt. Außerdem fährt sie gut und hat auf Knopfdruck einen fetteren Sound.
Das Ganze hat seinen Preis: Knapp 30.000 Euro würde das Bike kosten, wenn es nicht schon verkauft wäre. Es gibt noch ein paar mehr Leute, die den Weg nach Bielefeld gefunden haben.

Fat Bob 240

 Technische Daten 

Fat Bob 240

  • Erbauer    H-D-Bielefeld
  • Besitzer    Frido
  • Motor    TwinCam 96A
  • Vergaser    Elektronische Kraftstoffeinspritzung (ESPFI)
  • Zündung    Serie, mit Screamin’ Eagle Pro Race Tuner
  • Luftfilter    Hypercharger
  • Auspuff    Dr. Jekill & Mr. Hyde mit Sound-Verstellung
  • Getriebe    6-Gang, Serie
  • Fahrwerk    Serie mit LA Choppers Tieferlegung hinten
  • Rahmen    Dyna mit modifizierter Serien-Schwinge
  • Gabel    Fat Bob, Serie
  • Fender    H-D-Bielefeld
  • Griffe    Chrome Get-A-Grip/MaikX
  • Fußrastenanlage    Serie mit 3-Slot Rasten
  • Rücklicht    Colorado mit Blink-/Brems-/Rücklicht
  • Sitzbank    H-D-Bielefeld/MaikX
  • Benzintank    18,9 Liter
  • Lack    AHA Design
  • Accessoires    Harley-Davidson Custom Parts, P5 Pulverbeschichtung, MSP Kennzeichenhalter
  • Räder    beide P5 mit Büscher-Linierung
  • vorne    Serie, 3x16 mit 130/90-16
  • hinten    Serie verbreitert, 8x18 mit 240/40-18
Bremsen
  • vorne    Serie, 11,5” mit 4 Kolben
  • hinten    Serie, 11,5” mit 2 Kolben
  • Wert    ca. 29.900,-€

Harley-Davidson Bielefeld
Am Stadtholz 24-26
33609 Bielefeld
Tel 0521 - 523 73 60
www.hd-bielefeld.de


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Stand:21 June 2018 21:30:43/motorrad/berichte/fat+bob+240_128.html