Hamburg Harley Days

Hamburg Harley Days
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Riesenparty in Hamburg. Der Sound von Big Twins beschallt die Straßenschluchten. Aber das gefällt in der Hafenstadt nicht jedem Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und 25 Grad. Am Abend, wenn die Sonne untergeht, bleibt es mild. Aber die Hamburger, die schlafen wollen, tun gut daran, ihre Fenster zu schließen. Wie ein gigantischer Hornissenschwarm sind Zehntausende von Harley-Fahrern über Hamburg hergefallen.
Riesenparty in Hamburg. Der Sound von Big Twins beschallt die Straßenschluchten. Aber das gefällt in der Hafenstadt nicht jedem

Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und 25 Grad. Am Abend, wenn die Sonne untergeht, bleibt es mild. Aber die Hamburger, die schlafen wollen, tun gut daran, ihre Fenster zu schließen. Wie ein gigantischer Hornissenschwarm sind Zehntausende von Harley-Fahrern über Hamburg hergefallen. Sie machen die Stadt zur Party-Location, und nachts brüllen die Motoren ihrer Big Twins erbarmungslos durch alle Straßenschluchten.

Beschwerdebriefe von genervten Hamburgern

Für Christian Rudolph wird das wieder Folgen haben. Er ist Regierungsoberinspektor des Bezirksamts von Hamburg Mitte. Auf seinen Schreibtisch flattern die Beschwerdebriefe der genervten und übermüdeten Hamburger. Des Einen Freud ist des Anderen Leid, und Rudolph kriegt von beiden Seiten alles mit.
 
Wirklich alles, denn Rudolph ist selbst Motorradfahrer, der aus privater Leidenschaft jeden Tag auf den Harley Days vorbeischaut. Und auch für die Ride In Bikeshow in der Mönkebergstraße zeigt er reges technisches Interesse.
Aber es hilft nix. Die Ride In Bikeshow steigt mitten auf der Einkaufsmeile Hamburgs. Die Veranstalter mussten alle Teilnehmer diesmal warnen: Burnouts seien unerwünscht, sie würden die Bikeshow für’s nächste Jahr gefährden, weil Anwohner sich davon belästigt fühlten.
Und die neue Partymeile der Hamburg Harley Days an den St. Pauli Landungsbrücken ist sowieso ein Ergebnis langwieriger Verhandlungen zwischen Christian Rudolph vom Bezirksamt, Harley-Davidson, der Event-Agentur U.B.A. und der Polizei. Das Konzept mehrerer Locations vom letzten Jahr wurde aufgegeben. Zu viele Harley-Treiber jagten unter Radau und unter Burnouts zwischen diesen Locations hin und her. Das sollte durch die Konzentration an einem Ort diesmal vermieden werden. Harley-Davidson nahm den Kompromiss mit zwei lachenden Augen hin. Zu schön liegt der neue Platz im Schatten der altehrwürdigen Landungsbrücken.
 
Eine halbe Million Besucher treten auf der Stelle

Das Konzept ging auf. Schon bis zum Samstag Nachmittag waren über diese zwei Kilometer nach polizeilichen Schätzungen 400.000 Besucher gepilgert. Was die Besucher vor allem mit einem Mordsgeschiebe zu spüren bekamen. Für zwanzig Meter konnten sie da schon mal eine Viertelstunde auf der Stelle treten.
Die Ordner bemühten sich, wenigsten die Applauskurve an der Helgoländer Allee frei zu halten. Aber auch dort stockte schließlich der Verkehr. Die Freiheit auf zwei Rädern war woanders zu finden, nicht hier, im Herzen Hamburgs.
 
Und doch schwärmen die Teilnehmer von den Harley Days. „Die Polizei lässt uns an der langen Leine“, freut sich ein Biker. Und schon kommt es wieder zum Vergleich mit München, wo die Harley Days einst hätten gefeiert werden sollen. Damals hatten die Münchener HOG-Chapter dringend von einer Party vor ihrer Haustür abgeraten. Die dortige Polizei stand im Ruf, ausgerechnet Harley-Fahrer mit Vorliebe aus dem Verkehr zu ziehen.
Im weltoffenen Hamburg war das nicht zu befürchten. Auch wenn der Einsatzleiter, 1. Polizeihauptkomissar Guse, das uns so offen nicht sagen durfte: „Wenn wir verkehrstechnische Mängel sehen, sind wir verpflichtet, einzuschreiten.“ Ein einfacher Wachtmeister vor Ort erklärt es uns anders: „Ich habe sowieso keine Ahnung von Motorrädern. Wo sollte ich da einschreiten?“ Und so brüllten die Harleys wieder mit geöffneten Schalldämpfern durch die Stadt, und ihre Fahrer trugen natürlich wieder keinen Helm …

Solidarität für die Hells Angels

Gnadenlos zeigte Einsatzleiter Guse sich nur, als wir ihn auf die Hells Angels ansprachen. Die sind seit 1983 in Hamburg verboten. Und da, so Guse, „gibt es nur ein Recht. Das gilt auch für die Hells Angels aus anderen Gegenden.“ Die Abzeichen der Hells Angels konnte in Hamburg also wieder keiner sehen. Und andere Clubs übten sich in Solidarität. Einzig das Abzeichen der HOG (Harley-Davidson Owners Group) wurde in Hamburg auf dem Rücken getragen. Nur kleinere Clubs verstießen gegen diese Etikette.
 
Es hinderte uns nicht daran, auch mal im „Other Place“ in der Davidstraße ein Bierchen zu ordern. Dort, wo auch auf diesen Hamburger Harley Days das Biker-Leben tobte. Biker lieben eben die Freiheit und lassen sich nicht auf einen einzigen Ort zusammenpferchen.
Die Hamburger hatten also wieder schlaflose Nächte. Und sie wussten noch nichts von den neuen Harley-Modellen, die ausgerechnet an diesem Wochenende in den USA vorgestellt wurden. Die haben nicht nur noch mehr Hubraum, sondern ein elektronisch geregeltes Soundmanagement. Das ist legal, aber nicht wirklich leiser. Mehr darüber in diesem Heft an anderer Stelle.
 
Und überhaupt: Am Sonntagmorgen um halb Acht wurden wir von einer Sirene aus dem Schlaf gerissen, die ebenfalls ganz Hamburg beschallte: Laaang – kurz – kurz – laaang. Die „Queen Mary 2“ lief in den Hafen ein. Und weil ihre Maschinen nicht so laut sind wie die von zehntausend Harleys, musste sie eben auf andere Weise auf sich aufmerksam machen. Die darf das. Aber vielleicht landet deswegen ja noch eine weiterer Beschwerdebrief auf Rudolphs Schreibtisch.

Text: Michael Ahlsdorf
Fotos: Ratering / Ahlsdorf
 


Der Artikel steht auch in der BIKERS NEWS 9/06.
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Stand:19 June 2018 14:09:02/motorrad/berichte/hamburg+harley+days_068.html