Hells Angels Hannover Interview

20.01.2012  |  Text: Jenser63  |  
Hells Angels Hannover Interview
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Die deutschen Hells Angels haben ihr bislang schwierigstes Jahr hinter sich. Wir sprachen darüber mit Frank, President des Charters Hannover BN: Ein turbulentes Jahr für den Hells Angels MC ist vorüber. Wenn du zurückblickst: Was …
Die deutschen Hells Angels haben ihr bislang schwierigstes Jahr hinter sich. Wir sprachen darüber mit Frank, President des Charters Hannover


BN: Ein turbulentes Jahr für den Hells Angels MC ist vorüber. Wenn du zurückblickst: Was bleibt vor allem in Erinnerung?

Frank: Vor allem Negatives. Die Willkür gegen mich und unsere Member nimmt zu, man wird kriminalisiert, in eine Ecke gestellt. Die Presse verbreitet ständig Unwahrheiten über uns, jeder Schwachsinn wird sofort aufgegriffen. Stichwort „Walsrode“ ist das beste Beispiel: Wie gegen einen anständigen Mitbürger, wie Wolfgang Heer – der in den letzten Jahren nur durch eins aufgefallen ist, nämlich dass er ständig für wohltätige Zwecke und Bedürftige gespendet hat – und seine ganze Familie eine beispiellose Hetzjagd in Gang gesetzt wurde. Und das alles nur, weil ein geltungssüchtiger Frühpensionär Langeweile hat und auf Kosten des Herrn Heer die Möglichkeit sieht, auch endlich einmal bemerkt zu werden. Was der Saubermann aber gern unter den Tisch fallen lässt ist, dass er selbst und nachweislich Spendengelder vom Herrn Heer angenommen hat. Plötzlich wird auf das Haus eines Rechtsanwaltes geschossen und auch hier wird Herr Heer sofort wieder damit in Verbindung gebracht. Dass dieser Rechtsanwalt Mandantengelder veruntreut hat – und somit auch andere Täter in Frage kommen, scheint hier niemanden auch nur im geringsten zu interessieren.
Positiv ist, dass wir ständig weiterwachsen und noch stärker geworden sind.

BN: Hannovers Polizei-Vize Rochell hatte vor kurzem dazu aufgerufen, die Bürger sollten ihr Geld nicht dort ausgeben, wo Hells Angels profitieren. Kritiker monieren, dass dies stark an einen ähnlich gearteten Aufruf vor über 70 Jahren erinnert. Welche Folgen hatte dieser Aufruf und wie erklärst du dir diesen Frontalangriff?


Frank: Wer ein solches Amt bekleidet, darf sich auf gar keinen Fall in einer solchen Art und Weise in der Öffentlichkeit äußern, und im übrigem sollte sich niemand so äußern. Im Wiederholungsfall werden wir uns mit allen juristischen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, zur Wehr setzen.
Über zehn Jahre wurden wir hochgejubelt, weil wir das Steintor so positiv entwickelt haben. Ich konnte mich vor Schulterklopfern kaum retten. Presse und Behörden hatten sich gegenseitig hochgeschaukelt, wie toll das doch alles wäre – genauso, wie sie jetzt das Gegenteil propagieren. Die Journaille behauptet irgendetwas, keiner recherchiert mehr richtig, das Schubladendenken wird bedient. So wird was in die Welt gesetzt, ob es stimmt oder nicht, einer schreibt vom anderen ab, und es entsteht ein gewisses Bild. Einmal gefestigt, kann man es kaum revidieren. Nur so ist es für mich erklärbar, dass auch die Behörden in ihrer Meinung umschwenken. Der öffentliche Druck ist da, und Politiker reagieren darauf. So sehe ich das.
Aber dennoch gibt es einige wenige Journalisten, die ihren Job ernst nehmen, gründlich recherchieren und beide Parteien anhören. Und nur noch solchen Journalisten werde ich in Zukunft Interviews geben.

„Ich habe einen Top-Job am Steintor gemacht.“

BN:
Ist so auch dein erklärter Rückzug aus dem Steintor zu erklären?

Frank:
Es gab keine andere Wahl für mich, um Schaden von den Wirten und Clubbesitzern abzuwenden, die im Steintor aktiv sind. Viele sind Freunde von mir, die ich hergeholt habe. Die will ich nicht mit reinziehen, wenn ich schon offenbar zum neuen Feindbild der Behörden geworden bin. Meine gastronomischen Beteiligungen habe ich verkauft. Und meine Securityfirma aus dem Viertel abgezogen.

BN:
Fällt das nicht schwer nach all den Jahren?

Frank: Auf jeden Fall, denn es steckt viel Herzblut drin. Ich habe in fast drei Jahrzehnten einen Top-Job am Steintor gemacht, das Ergebnis spricht ja für sich. Vor allem, weil es so viele Jahre genau gleich lief, nichts war anders als jetzt.

BN: Wer garantiert denn dann für die Sicherheit? Begehrlichkeiten würden geweckt, sagen die einen, ein Kampf um die Vorherrschaft am Steintor würde entstehen, mutmaßen andere. Und der bisherige Garant für die Sicherheit steht daneben und schaut zu? Irgendwie schwer zu glauben...

Frank:
Nach dem Rückzug der Bodyguard Security haben die Steintorclubs nun eigenständige Türsteher, die den Einlass kontrollieren. Die Sicherheit des Steintorviertels ist Aufgabe der Polizei. Meine Puffs habe ich ja behalten, da passe ich selber drauf auf.
Ich hoffe, dass alles gut wird und das Viertel nicht darunter leiden wird. Das Rotlicht ist ja nicht mehr so interessant wie früher für Ganoven. Die Kriminalität hat sich doch heutzutage schwer verlagert. Ein Großteil der Prostitution spielt sich in Privatwohnungen ab, diese Privatwohnungen sind von ihrer Vielzahl her kaum zu kontrollieren. Wenn es Zuhälterei oder Zwangsprostitution gibt, dann dort. Und ein weiterer Teil des Rotlichts hat sich in die Internetportale verlagert.

BN: So wie es aussieht, hat die Polizei Hannover nach deinem Rückzug ganz schön aufgerüstet - 25 neue Polizeibeamte und eine Steintorwache im Container. Scheinbar hast du eine ganz beachtliche Lücke hinterlassen.

Frank:
Sieht so aus.

„Fakt ist, dass wir von fünf Prozessen vier gewinnen.“

BN:
Auffällig ist, dass die hannoverschen Sicherheitskräfte selbst immer wieder Verfehlungen ihrer Mitarbeiter zur Kenntnis nehmen müssen. Sogar die Lokalpresse berichtet darüber: Erzwungener Oralverkehr, Verkehrsdelikte mit Todesopfern, verprügelte Studenten, Drogenbesitz - allesamt richterlich festgestellt und abgestraft. Was denkt man da, wenn man selber – wie du sagst – ungerechtfertigt am Pranger steht?

Frank: Ich gehe da trotz allem von Einzelfällen aus, außerdem wurden diese Beamten angeklagt und verurteilt. Hier erwarte ich dennoch gleiches Recht für alle, denn auch bei uns handelt es sich um Einzelfälle. Deshalb darf auch bei uns nicht gleich der ganze Club kriminalisiert werden – wird er aber. Fakt ist, dass wir von fünf Prozessen vier gewinnen. Aber das kann man kaum in der Öffentlichkeit lesen.
Wo bleibt die Moral in diesem Lande?

BN: Ein anderer Tiefpunkt für dich hatte mit dem Club nichts zu tun. Der Ausbruch deiner Hunde hatte dramatische Folgen. Gibt es dazu neue Erkenntnisse? Es wurde ja spekuliert, dass sich Dritte an der Tür zu schaffen gemacht haben könnten, um die Tiere freizulassen ...

Frank: Mit Sicherheit hat sich kein Dritter zu schaffen gemacht, das wurde von unabhängigen Gutachtern bestätigt. Da wir noch keine Akteneinsicht erhalten haben, kann ich zu diesem Punkt nichts ausführen.

BN: Hast du Kontakt zu den Verletzten?

Frank: Ja, habe ich. Sie sind Gott sei Dank wieder wohlauf.

BN: Inzwischen hast du mit der Gemeinde privatrechtlich geklärt, dass künftige Hunde ordnungsgemäß ausgebildet sind und das Grundstück abgesichert sein wird. War das vorher nicht der Fall?

Frank: Doch, natürlich. Das war eine Good-Will-Aktion von mir. Die Hunde davor waren auch schon einwandfrei ausgebildet, und das Grundstück war abgesichert.


„Beide Seiten wissen, was auf dem Spiel steht.“

BN: Im zurückliegenden Jahr wurde nicht nur in der Szene mit Spannung beobachtet, ob der Friedensschluss zwischen den Hells Angels und den Bandidos halten würde. Eine Reihe gemeinsamer Aktionen fanden statt, aber auch zu Auseinandersetzungen kam es immer wieder. Macht ihr euch Sorgen angesichts der Ankündigungen aus der Politik, dass weitere Clubschließungen diskutiert werden?

Frank: Member beider Seiten sind bemüht, sich an die Dinge zu halten, die wir ausgehandelt haben und dass die Vereinbarung hält. Denn beide Seiten wissen, was auf dem Spiel steht. Bis auf ein paar Einzelfälle, die vor allem durch irgendwelche Supporter ausgelöst wurden, ist, soweit ich das beurteilen kann, alles in Ordnung.…


… weiter geht’s in der BIKERS NEWS 02/12

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