Hightech AWO

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Highend-Customizing muss nicht unbedingt an Harleys erfolgen Die Geschichte der AWO begann 1948 mit einer Anweisung der sowjetischen Militäradministration im thüringischen Suhl. Die dortigen Simsonwerke erhielten den Auftrag, ein Viertaktmotorrad mit 250 ccm zu bauen. Die Werke waren nach dem Krieg als ehemalige Rüstungsbetriebe von den Sowjets beschlagnahmt worden.
Highend-Customizing muss nicht unbedingt an Harleys erfolgen


Die Geschichte der AWO begann 1948 mit einer Anweisung der sowjetischen Militäradministration im thüringischen Suhl. Die dortigen Simsonwerke erhielten den Auftrag, ein Viertaktmotorrad mit 250 ccm zu bauen. Die Werke waren nach dem Krieg als ehemalige Rüstungsbetriebe von den Sowjets beschlagnahmt worden. Bereits vor dem Krieg waren hier Motorräder mit Sachs-Motoren gefertigt worden.
 

Zur Leipziger Frühjahrsmesse 1950 stellten die Suhler die erste AWO aus. Auch wenn sie den 250er BMWs sehr ähnlich sah, war sie doch eine komplette Eigenentwicklung der Suhler. Der Name war die Abkürzung für das russische „Awtowelo“. Mit vollem Namen hieß sie AWO 425, später wieder Simson 425, wobei die 4 für die Takte stand und die 25 auf den Hubraum hinwies. Von 1950 bis 1961 wurden in Suhl rund 124.000 Touren-AWOs und 84.000 Sport-AWOs montiert. Die sportliche Schwester der Touren-AWO hatte einen modernisierten Rahmen mit Hinterradschwinge und Federbeinen sowie einen kräftigeren Motor. Leider kam dann das Aus für die Viertakter zugunsten der Zweitakter aus Zschopau. In Suhl liefen seitdem nur noch Mopeds und Mokicks vom Band.

Kaum Verwandtschaft mit dem Original

Unsere AWO stammt aus dem Jahr 1952, befindet sich aber definitiv nicht mehr im Originalzustand. Ihr Erbauer Pommes hatte schon einige Modelle aus der Suhler Waffenschmiede veredelt. So extrem wie hier ging er aber noch nie vor. Seine einzige Vorgabe: „Schnell soll sie aussehen.“ Mit diesem Projekt wollte er zehn Jahre persönliches AWO-Customizing abschließen. Da sollte es noch mal ein richtiger Knaller weren.
 

Gleich zuerst wurde der Motor gestärkt. Er erhielt Teile der stärkeren Sport-AWO, die Kurbelwelle wurde feingewuchtet, und die Ventile stammen aus einem LKW-Motor. Auch die Verdichtung wurde erhöht. Der Hubraum wuchs von 247 auf 270 ccm. Die originalen 12 PS wurden dadurch mehr als verdoppelt. So war für reichlich Power gesorgt.
Dem sollte die Optik Rechnung tragen. Durch Zufall fiel Pommes eine Honda CB 500 in die Hände. Die war eigentlich zu nichts mehr zu gebrauchen. Nur die Räder hatten es dem eifrigen Bastler angetan. So fanden sie mitsamt der Telegabel ihren Platz am alten Rahmen von 1952.

 Wenn schon radikal, dann richtig

Es war klar, mit Originaloptik hat das nichts mehr zu tun. Wenn schon radikal, dann richtig. Pommes kam prompt die Idee zum klappbaren Scheinwerfer. Auch der Lenker wurde clean gehalten. War gar nicht so einfach. Doch wenn sich Pommes etwas vorgenommen hat, so setzt er es auch um. Zwar verschwand der Kupplungshebel komplett von der Lenkstange, doch die linke Hand wird nicht arbeitslos. Sie ist nun für die Bremse zuständig. Die wird für die Verzögerung wie ein Gasgriff nach vorn betätigt. Für’s kuppeln ist nun der linke Fuß zuständig. Geschaltet wird per Hand. Der Schraubenschlüssel kann im Notfall auch für seine eigentlichen Zwecke genutzt werden. Hört sich kompliziert an, ist aber nur eine Sache der Gewöhnung.
Die vorverlegten Fußrasten und Hebeleien sind ebenso Eigenbau wie Fender, Spoiler und der Sitz. Beim Tank griff Pommes auf ein Modell des Hauses Harley-Davidson zurück. Er passte von der Linienführung optimal. Trotzdem wurde er noch verlängert und der Tunnel sechs Zentimeter tiefer gesetzt.

Interessantes zum Schluss

Interessant zum Schluss finden wir auch die Führung des Auspuffrohres. Es trifft auf seinem Weg zum Fahrzeugende auf ein anderes Teil aus Suhler Produktion. Das gebogene Blech unterm Sitz war früher die Motorabdeckung einer „Schwalbe“. Der kultige DDR-Roller lief ab 1964 im selben Werk vom Band wie die AWO. Und dank des frühen Baujahres brauchte sich Pommes nicht viel Kopfzerbrechen wegen der Geräuschwerte zu machen. Die zusätzliche Dämpferentriegelung für extraharten Klang ist also nur ein weiterer Gimmick auf diesem metallgewordenen Hightech-Kunstwerk.

Text: jm/ahl, Fotos: Horst Rösler


TECHNISCHE DATEN:
Simson AWO-T
Erbauer: Maik „Pommes“ Hintze
Baujahr: 1952/2005
Motor: AWO, modifiziert
Hubraum: 270 ccm
Leistung: 29 PS
Vergaser: Yamaha XS400
Luftfilter: Zubehör
Auspuff: Eigenbau, V2A Edelstahl
Kupplung: 2-Stufen-Reibscheiben
Schaltung: Handschalthebel
22/19er-Ringschlüssel
Räder
vorn: Honda CB 500 100/90-19
hinten: 130/70-18
Bremsen
vorn: Honda Doppelscheibe
hinten: Sport-AWO-Bremstrommel
im Rennkardan
Gabel: Honda CB 500
Scheinwerfer: Eigenbau, klappbar
Rücklicht: Eigenbau
Kennzeichenhalter: Eigenbau
Lack: eigene Mischung
Lackierer: Pommes

KONTAKT:
Maik „Pommes“ Hinze
Kobelner Str. 4
01594 Böhla
Tel 035266 - 848 37
Mobil 0170 - 772 89 60
http://www.pommes-performance.de

Der Artikel steht auch in der BIKERS NEWS 6/06.
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Stand:22 June 2018 05:26:58/motorrad/berichte/hightech+awo_065.html