Interview mit Sonny Barger

19.12.2012  |  Text: Jens Fuge  |  
Interview mit Sonny Barger
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„Älter zu werden ist ziemlich fucked up“ Wir sprachen mit Sonny Barger über die alten und über die neuen Hells Angels BN: Sonny, wie lebt es sich als Ikone des berühmtesten Motorradclubs der Welt, wenn man über 70 Jahre alt ist?
„Älter zu werden ist ziemlich fucked up“

Sonny war im Jahr 2010 zu Gast beim deutschen Charter HAMC Dark Side:  „Die deutschen Brüder haben für den Club viel getan. Ich war dort immer gern zu Besuch.“
Sonny war im Jahr 2010 zu Gast beim deutschen Charter HAMC Dark Side:
„Die deutschen Brüder haben für den Club viel getan. Ich war dort immer gern zu Besuch.“


 
Wir sprachen mit Sonny Barger über die alten und über die neuen Hells Angels


BN: Sonny, wie lebt es sich als Ikone des berühmtesten Motorradclubs der Welt, wenn man über 70 Jahre alt ist?

Sonny:
Wie soll ich das erklären? Ich bin alt, und der Club duldet mich. Also steige ich auf mein Motorrad, fahr zur Versammlung und zu Treffen und zu Partys und alle dulden mich. Man sagt Hallo, man lädt mich zu Drinks ein. So ist das nun, aber es ist trotzdem schön. Mein Leben ist eigentlich wie Urlaub, denn Motorradfahren ist ja Urlaub.

BN: Und wie ist das Älterwerden für jemanden, der das Sinnbild schlechthin für das zornige und aufsässige Amerika war?

Sonny: Älter zu werden ist ziemlich fucked up. Ich bin der Meinung, wir sollten alt geboren werden und dann allmählich jünger werden. Und wenn die Zeit kommt, dass man schlau genug ist, sollte man ausreichend Geld verdienen, um das Leben zu genießen, statt anders herum.
Denn wenn man die Zeit erreicht, in der man gestanden genug ist, vielleicht ein schönes Motorrad hat, genug Geld, ein Haus, und glücklich verheiratet ist, ist man meist zu alt, um das genießen zu können. Andererseits ist man nie zu alt, um das Leben zu genießen, aber es macht natürlich mehr Spaß, wenn man jünger ist. Aber es macht mir nichts aus – es ist leider, wie es ist. Die Alternative zum Altwerden ist, jung zu sterben …


„Ich habe gelernt, wie man verhandelt.“


BN: Bist du ruhiger geworden in all den Jahren?
 

Sonny: Vielleicht ein wenig. Als ich jung war, dachte ich, man kann alles mit einer Schlägerei regeln. Ich liebe Boxen, und wenn es eine Auseinandersetzung gab, haben wir es ausgeboxt. Heute geht das gar nicht mehr. Ich habe gelernt, wie man verhandelt, und wenn das nicht hilft, boxe ich, aber das ist sehr, sehr selten. Eigentlich mag ich das überhaupt nicht mehr – aber es passiert manchmal.

BN: Hat sich sonst etwas verändert – bist du gütiger, gerechter, vielleicht sogar spirituell geworden?

Sonny: Ich glaube nicht, dass ich liebens­würdiger als früher bin. Ich war schon immer eher sanft und entspannt. Ich mag keine Rüpel, ich hasse Menschen, die andere schikanieren. Das sind diejenigen, denen ich immer eine auf die Fresse gehauen habe.
Ich hasse Tyrannen! Und das sind meiner Meinung nach Polizisten und Bullen, das sind Tyrannen und Rüpel, das waren die immer. Die nennen uns eine „Gang“, die wollen, dass wir eine Gang sind. Und das sind wir nicht! Wir sind ein Motorradclub.

Sonnys Hunde Hanna und Freedom – „Wenn meine Tiere dich nicht mögen, weiß ich, dass ich dir nicht trauen kann.“
Sonnys Hunde Hanna und Freedom – „Wenn meine Tiere dich nicht mögen, weiß ich, dass ich dir nicht trauen kann.“
 

„Ich glaube an Freundschaft, Loyalität, Ehrlichkeit.“


BN: Glaubst du an Gott?

Sonny: Ich glaube nicht an einen Gott, der alles vorherbestimmt. Es gibt Leute, die rutschen am Bordstein aus und sterben. Und dann gibt’s Leute wie mich, die haben Krebs und Herz­attacken und überleben. Ich bin sicher, da gibt es etwas, das sagt, wann du sterben wirst, aber ich bin mir nicht sicher, was das ist.

BN: Woran glaubst du?

Sonny: An Freundschaft, Loyalität, Ehrlichkeit. Wenn du loyal zum Club bist, nicht lügst, dann bist du mein Freund. Ich bin loyal zum Club und lüge auch nicht. Oder wenn du Tiere nicht magst, kann ich dir nicht vertrauen. Auch wenn meine Tiere dich nicht mögen, weiß ich, dass ich dir nicht trauen kann.
 

BN: Warum haben die Hells Angels einen so schlechten Ruf?

Sonny:
Haben wir den? Das ist das Fazit, wenn man nur auf Presse und Politik hört. Aber es ist anders. Wir haben vielleicht ein, zwei aufregende Tage im Jahr, der Rest ist wie jetzt. Wir sind genau wie du!
Die Menschen wollen das aber nicht wissen. Man denkt, dass wir unterwegs sind, um Menschen umzubringen oder zusammenzuschlagen, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Das ist, was die Menschen hören wollen – aber wir sind nichts anderes als jeder andere auch.

Unser Reporter Jens Fuge im Gespräch mit Sonny Barger
Unser Reporter Jens Fuge im Gespräch mit Sonny Barger

„Die deutschen Brüder haben viel getan für den Club.“


BN: Zum 40-jährigen Bestehen des Hells Angels MC Germany: In Deutschland gibt es Clubverbote, Charter lösen sich selbst auf. Was läuft da schief?

Sonny: Das weiß ich nicht, das ist Sache der Jungs da drüben. Die deutschen Brüder haben für den Club viel getan. Ich war dort immer gern zu Besuch.

BN: Was ist der größte Unterschied, wenn man die Hells Angels von damals mit denen von heute vergleicht?

Sonny:
Das ist schwer zu erklären, es ist ein komplett anderer Lifestyle als früher. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, was ein 50-Jähriger denkt oder gar, was einem 30-Jährigen im Kopf herumgeht! Ich bin einfach froh darüber, dass ich mitfahren darf. Wenn die Jungs Fragen zu etwas haben, kommen sie zu mir und fragen, falls sie meine Meinung wissen wollen.
Ich versuche nicht, die Regeln zu machen, ich bestehe auch nicht darauf. Ich bin nur ein Teil vom Club. Als ich 30 und 40 Jahre alt war und President des Clubs, wusste ich, was alle gedacht haben. Ich wusste, was rund um den Globus los war. Heutzutage habe ich Schwierigkeiten zu verstehen, was ich selber tue! (Sonny lacht)



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