Kompetenzteam Motorrad

16.12.2011  |  Text: Peter Ilg  |  
Kompetenzteam Motorrad
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Die Polizei von Baden-Württemberg setzt Spezialisten auf Harleys aus der Rockerszene an. Das Modell soll bundesweit Schule machen In Stuttgart hat die Polizei ein „Kompetenz­team Motorrad“ gegründet, und zwar im Januar 2010 auf Grundlage…
Die Polizei von Baden-Württemberg setzt Spezialisten auf Harleys aus der Rockerszene an. Das Modell soll bundesweit Schule machen


In Stuttgart hat die Polizei ein „Kompetenz­team Motorrad“ gegründet, und zwar im Januar 2010 auf Grundlage der vom Landes­kriminalamt Baden-Württemberg ent­­worfenen Konzeption zur Bekämpfung der Rockerkriminalität. Armin Bendix, Landespolizeidirektion Tübingen: „Sinn und Zweck ist die Unterstützung der örtlich eingesetzten Kollegen bei der technischen Überprüfung von Motorrädern.“ Der 38-jährige Polizeiober­kommissar koordiniert das Team. Es besteht aus einer Frau und 23 Männern, die meisten sind bei der Verkehrspolizei tätig, verstreut über das gesamte Bundesland. „Die einsatzführende Stelle fordert bei mir je nach Lage eine gewisse Anzahl an Mitgliedern an, die nach Absprache mit deren Dienstelle entsendet werden.“


Die regionalen Vorläufer des Kompetenzteams. Im Jahr 2010 brachte die Polizei bereits zu den City Runs der Bandidos in Bochum, Gelsenkirchen und Duisburg ihre eigenen Spezialisten mit



Einsätze auf Rockertreffen

Die Einsätze des Kompetenzteams erfolgen auf Rockertreffen, wie Runs oder Partys zu Jubiläen. Die Mitglieder des Teams verfügen nach Angaben von Bendix über Wissen um die Marke Harley-Davidson aus eigenem Engagement und Interesse. Sie nehmen an Schulungen teil, fordern bei Bedarf Zulassungsdaten von Harley-Davidson an und lernen überhaupt bei jedem Einsatz dazu. 2011 waren Teammitglieder auf acht Einsätzen, dabei wurden 214 Motorräder kontrolliert, von denen 14 beschlagnahmt wurden, oder die Weiterfahrt wurde aufgrund gravierender Verstöße gegen die Straßenverkehrszulassungsordnung untersagt. Es gibt Bestrebungen, ein bundesweites Konzept einzuführen, in dem das Modell „Kompetenzteam Motorrad“ eingearbeitet werden soll.


Thomas Tietz, Polizeioberkommissar der Verkehrspolizei Stuttgart, Kradstaffel: „Für mich sind Rocker Verkehrsteilnehmer wie alle anderen auch.“

„Ich habe mich richtig reingekniet“

Wir sprachen mit Thomas Tietz, er ist Polizeioberkommissar der Verkehrspolizei Stuttgart und dort seit 20 Jahren in der Motorradstaffel. Tietz war Markenspezialist, als sich im Jahr 1993 in Baden-Württemberg die „Ermittlungsgruppe Harley-Davidson“ bildete. Der 45-jährige Tietz ist im Kompetenzteam der Rahmenspezialist.

BN: Herr Tietz, was hat Ihr Interesse für Harley-Davidson geweckt?

Tietz: Dafür gab es 1993 eine Initialzündung: Ein Kollege aus der Motorradstaffel hatte eine Harley-Davidson kontrolliert, weil sie ihm zu laut und zu sehr umgebaut vorkam. Er beschlagnahmte sie, ließ die Maschine vom TÜV begutachten und heraus kam, dass nicht nur Mängel vorlagen, die gegen die Straßenverkehrszulassungsordnung verstoßen, sondern dass der Rahmen gefälscht ist. Das habe ich mitbekommen und mich für das Thema begeistert. Ich habe mich richtig reingekniet, mit Sachverständigen gesprochen, mir Literatur besorgt, ich war bei Händlern und hatte einen regen Austausch mit Harley-Davidson Deutschland in Mörfelden. So wurde ich neben dem besagten TÜV-Gutachter Spezialist für die Marke Harley-Davidson in Baden-Württemberg. Inzwischen hat sich mein Wissen verfestigt, und ich habe alles, was ich für meine Arbeit brauche, teilweise direkt aus Milwaukee, der Harley-Davidson Zentrale: Interne Unterlagen über Kurbelgehäuse- und Fahrgestellnummern sowie Schnittzeichnungen von allen Starrrahmen aller Baujahre, um einige Beispiele zu nennen.


BN: Wie nutzen Sie Ihr Wissen?

Tietz:
Beginnend im Sommer 1993 hatten wir zunächst in Stuttgart, dann im gesamten Bundesland, Motorräder der Marke Harley-Davidson intensiv kontrolliert. Viele wurden wegen massiver technischer Mängel, oder weil die Rahmen gefälscht waren, beschlagnahmt. Das stand in den Zeitungen, der Polizeipräsident las die Artikel und initiierte Anfang 1994 die „Ermittlungsgruppe Harley-Davidson“. Als Hauptkontrolleur habe ich mit den Kollegen von der Motorradstaffel Fahrzeuge auf der Straße abgegriffen und kontrolliert. Unser Blickpunkt richtete sich hauptsächlich auf Rahmenfälschungen.



„Nach unseren Erkenntnissen war die Hälfte aller Starrrahmen gefälscht.“


BN: Was kam heraus?

Tietz:
Die Ermittlungsgruppe war bis 1999 aktiv. Zunächst haben wir auf den Straßen kontrolliert, in der zweiten Phase wurden von allen Zulassungsstellen in Baden-Württemberg die Halter von Modellen bis zum Baujahr 1957 angeschrieben, denn nur bis dahin gab es Starrrahmen, und die interessierten uns vor allem. Die Halter mussten bestimmte Datensätze angeben. Diese Merkmale haben wir abgeglichen, beispielsweise gefälschte Fahrgestellnummern. Nach unseren Erkenntnissen waren in Baden-Württemberg die Hälfte aller Starrrahmen Fälschungen und nur jeder zweite ein Original. Die gefälschten Rahmen wurden verschrottet, grob geschätzt lag deren Anzahl im unteren vierstelligen Bereich.…


Hat die Polizei vielleicht doch recht? Ein bayerischer Biker hat „oa Waffn“ in seinem Motorrad versteckt. Mehr dazu in dieser BIKERS NEWS auf Seite 134

… weiter geht’s in der BIKERS NEWS 01/12

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Stand:18 July 2018 04:30:12/motorrad/berichte/kompetenzteam+motorrad_1112.html