Night Wolves MG im Interview

17.06.2015  |  Text: Andreas Kottlorz  |  
Night Wolves MG im Interview Night Wolves MG im Interview Night Wolves MG im Interview Night Wolves MG im Interview Night Wolves MG im Interview
Night Wolves MG im Interview
Alle Bilder »
Wir sprachen mit den Membern von Night Wolves MG und Wolfpack MG im Clubhaus des Wolfpack MG in Thüringen
BN: Igor, du bist Member des Night Wolves MG. Auf welchem Weg bist du nach Deutschland gekommen?

Abfahrt in Thüringen. Night Wolves MG und Wolfpack MG auf dem Weg zu den GedenkstättenIgor (Night Wolves MG): Ich bin über Tschechien hergekommen. Ich hatte das Angebot, sowohl mit der Truppe zu fahren, als auch direkt hierher zu kommen und gemeinsam mit dem Wolfpack an der Kranzniederlegung in Berlin-Treptow teilzunehmen.
Aber ich möchte nicht über mich selbst reden, sondern nur vom Weg, den der Club gefahren ist. Ich möchte lieber von unseren Bekundungen des Respekts reden, auch gegenüber dem deutschen Volk, das auch gelitten hat. Der Krieg war schlimm für alle. Ich bin hier, um das klarzustellen, das habe ich für meine Pflicht gehalten.
Ich war auf vielen Gedenkstätten gewesen, wo nicht nur russische, sondern auch britische, amerikanische und deutsche Soldaten begraben sind. Es gibt nichts Gutes, was der Krieg bringt. Man darf das einfach nicht vergessen. Das ist besser, als nicht daran zu denken. Freundschaft und Frieden – dafür fahren die Night Wolves!

BN: Ursprünglich ging die Reise in Moskau los?

Der Graue (Wolfpack MG): Es ging in Moskau los, so wie es immer üblich war. Es war wie jedes Jahr eine Truppe von 10 bis 15 Mann. Am Anfang melden sich 100 Mann, und am Ende bleibt ein harter Kern übrig, der dann fährt. Es war auch geplant, dass Leute von Serbien und Mazedonien dazu stoßen, auch das wie jedes Jahr. Kränze legen die Night Wolves dann auch jedes Jahr auf deutschen Friedhöfen nieder.
Alles das erfolgt an verschiedenen Plätzen, meistens an den Gedenkstätten Treptower Park oder Karlshorst, auch mal in Potsdam, wo die Potsdamer Konferenz stattgefunden hatte. Da geht es um Anerkennung, nicht um Publizität.
Ich freue mich dann immer über diesen wahnsinnigen Zuspruch, der von allen Seiten unseren russischen Brüdern entgegengebracht wird. Ich kann sie ruhig mal als „Brüder“ bezeichnen, auch wenn das die Night Wolves sind, und wir sind das Wolfpack.
Zur Anreise in diesem Jahr: Bis Polen ging es gut. In Polen in Brest wurden die Brüder rausgeholt. Da kam der Chirug noch runter und hatte eine große Pressekonferenz abgehalten. Dann ging es weiter. Die Motorradfahrer Katyn fahren jedes Jahr nach Katyn und gedenken dort der toten polnischen Soldaten.

BN: Katyn? Das steht nicht auf dem Ruhmesblatt der Sowjetarmee. Sie hatte dort 5000 polnische Offiziere erschossen.
Links der Graue (Wolfpack MG), rechts Igor (Night Wolves MG)
Der Graue: Auch dort legten die Night Wolves einen Kranz nieder. Wir sind nicht so stalin-treu, wie ihr denkt.
Die Motorradfahrer Katyn setzten dann die Reise für die Night Wolves etappenweise fort. Das polnische Wolfpack hatte sich auch angeschlossen. Auch die Night Wolves hatten immer wieder versucht, diesen Weg in Etappen weiterzufahren, auch wenn ihnen von staatlicher Seite viele Hindernisse in den Weg gelegt wurden.
Die Presse bediente sich ständig bestimmter Worte: Die Night Wolves seien „nationalistisch“, „homophob“, „konservativ“ und „rechte“ Rocker. Viele Menschen wussten da überhaupt nicht mehr, ob die jetzt rechts oder links sind: Die Night Wolves würden doch aus Russland kommen. Russland sei doch kommunistisch, warum seien die Night Wolves dann Nationalisten? Das häufigste Schimpfwort lautete „Putinrocker“. Dabei sind sie das nicht.
Da kamen viele Missverständnisse zusammen. Die Biker in Dachau waren zum Beispiel keine Night Wolves sondern Unterstützer, Supporter der Night Wolves. Deren Colours waren speziell für die Fahrt gefertigt, das waren gar keine Night Wolves-Colours.
Tja, und gestern Abend (am 8. Mai, Anm. d. Red.) sind dann die Jungs hier in unserem Clubhaus in Thüringen aufgeschlagen.

BN: Auf der Landkarte führt der Weg von Moskau nach Berlin entweder durch Polen oder die Ukraine.
Hatten die Night Wolves auch versucht, durch die Ukraine zu fahren?


Der Graue: Nein! Keiner von den Jungs ist durch die Ukraine gefahren. Das wäre auch Selbstmord gewesen. Meines Wissens sitzt der President der Night Wolves Ukraine im Knast. Die haben jedenfalls keinen leichten Stand in Kiev. In der Ostukraine fahren die Night Wolves natürlich mit wehenden Fahnen durch die Lande.


„Kein Kommentar zu dieser Frage.“

BN: Führen die Night Wolves auf der Krim ein Chapter?

Der Graue: Ja, in Sewastopol. Das hatten sie aber auch schon unter ukrainischer Regierung. Sie hatten auch schon immer Chapter in Luhansk und in Donesk.

BN: Bezeichnen die Night Wolves diese Ecken als „Russland“?

Der Graue: Ja. Ohne wenn und aber.

BN: Igor, sind die Chapter an Kampfhandlungen beteiligt?

Igor: Kein Kommentar zu dieser Frage.

BN: Na gut.
Wie erklärst du dir, warum die deutschen Behörden den Night Wolves soviel Schwierigkeiten gemacht haben?


Igor: Wir möchten auch nicht kommentieren, was die staatliche Macht tut.
Wir können darüber reden, wie befreundet wir von Night Wolves MG und Wolfpack MG sind. Überhaupt sollte der Graue das eigentlich eher kommentieren.

Der Graue: Eigentlich sollten wir als deutsche Nation gastfreundlich sein. Das wird uns durch staatliche Anordnungen sehr schwer gemacht. Das ist sehr schade, denn es gibt ja auch andere Probleme auf der Welt.

BN: Dann lasst uns kurz über das Verhältnis zwischen Night Wolves und Wolfpack reden. Wie steht ihr denn jetzt zueinander. Seid ihr zwei autonome gleichberechtigte Clubs?

Der Graue: Ja. Wir sind befreundete Clubs. Die einen bezeichnen uns als Supporter. Aber wir sind auf Augenhöhe, gleichberechtigt.
Und ja, wir waren mal Night Wolves. Wir sind gegangen, aber die Gründe hatten nichts damit zu tun, das wir plötzlich die Farbe wechseln wollten. Es gibt ja auch Scheidungen im gegenseitigen Einvernehmen. Unsere grundsätzliche Gesinnung hat sich damit nicht geändert.
Deswegen kam auch vom Chirug die Anfrage: „Macht ihr wieder einen Kranz?“ Ja klar, habe ich gesagt, machen wir wieder einen Kranz, wie jedes Jahr. Chirug meinte darauf: „Dann macht bitte einen Kranz, auf dem wir beide draufstehen.“ Da haben wir beschlossen, das dieses Jahr wieder zusammen zu machen. Wir hatten bis dahin getrennte Kränze niedergelegt.

BN: Das heißt, ihr besucht euch nach wie vor gegenseitig? Seid ihr auch mal in Moskau?

Der Graue: Das ist nicht unbedingt Moskau. Eher Kaliningrad oder mal Krasnodar oder Rostov am Don, das kommt drauf an. Früher waren wir dreimal im Jahr dort. Jetzt fahren wir mal ein Jahr nicht, dafür fahren wir im nächsten Jahr zweimal hin. Es ist keine Pflichtfahrt mehr.
Wir legen seit drei, vier Jahren auch auf deutschen Gräbern Kränze nieder. Vor zehn Jahren war das unmöglich. Der Night Wolves MG hat sich da schon geöffnet.

BN: Seit wann gibt es den Run zum Weltkriegsgedenken?

Der Graue: Den Run gibt es seit 2006. Das heißt, wir hatten ihn auch weitergeführt, als wir die Night Wolves 2007 verlassen haben. Dieses Jahr natürlich unter mehr Öffentlichkeit und mit viel mehr Herzblut, es war ja der siebzigste Jahrestag des sowjetischen Sieges. Ich hätte es lieber gesehen, wenn sich die Leute jedes Jahr so engagiert hätten.

„Motorräder vereinigen die Welt.“

Die Night Wolves sind in der russischen Gesellschaft etabliert. Mit einem russischen Motorradhersteller hatten sie sogar einen Chopper entwickelt, die „Ural Wolf“BN: Wie steht ihr zu diesem Medienrummel? Hättet ihr die Reise lieber in Ruhe angetreten?

Igor: Also mir wäre es natürlich lieber, wenn es ruhiger wäre. Aber wir sind freie Menschen. Und Motorräder vereinigen eigentlich die Welt. Diesen Medienrummel brauchen wir nicht. Das ist kontraproduktiv. Lieber hätte den Leuten Ruhe gegeben werden sollen.

BN: Die Reise hat für euch Night Wolves auch einen spirituellen Charakter, oder?

Igor: Ich habe es eigentlich so gesehen, dass Deutschland ein Land ist, wo man an sehr vielen Orten den russischen Geist findet. In Form von Gräbern natürlich, aber auch in anderer Form. Ich als Russe spreche russisch, denke russisch, meine Seele ist russisch. Da möchte ich natürlich auch diese Plätze finden. Keiner kann mir verbieten, als Russe russisch zu denken. Mit meiner Seele fühle ich mich den Orten verbunden, auch den Opfern, die gebracht wurden.
Wir sind freie Menschen. Seit siebzig Jahren leben wir schon in Frieden. Deswegen gedenken wir der Menschen, die für uns gestorben sind, damit das beendet wird. Die Reise ist auch ein Zeichen des Respekts und des Gedenkens an viele Opfer, die gebracht worden sind.


„Ganz wichtig ist unsere russische Mentalität.“

BN: Deutsche Rocker bilden eine Subkultur. Sehen sich die Night Wolves als vollwertiger Teil der russischen Kultur, oder sind die Night Wolves Teil der russischen Kultur?

Igor: Alles fing natürlich damit an, dass wir viel von westlichen Motorradclubs übernommen hatten. Aber dann hat der Club daraus gelernt. Wir haben das westliche übernommen, haben dann aber angefangen, unser Eigenes daraus entstehen zu lassen. Irgendwas bleibt dann aus der westlichen Motorradkultur, dann kommen aber die eigenen Anteile dazu.
Ganz wichtig ist unsere russische Mentalität. Damit bauen wir die eigene Kultur auf. Wir holen uns das Gute rein und bilden damit das Neue aus.

Foto: Link / Ein Memorial Run ist ein ganz normales Ereignis, wenn westliche Clubs ihn veranstalten. Auf dem Honour Run des Army Vets MC besuchen europäische MCs die Kriegsgräber aller Nationen

BN: Wir nehmen die Night Wolves als Club mit einem speziellen Verhältnis zu seinem eigenen Staat wahr. Wie erklärt ihr diese Nähe und das freundschaftliche Verhältnis zu eurem Staat?

Igor: Darauf kann man eigentlich nicht richtig antworten. Das Verhältnis zum Staat, zur Bevölkerung hat sich im Laufe der Zeit entwickelt.

Der Graue: Ich habe verschiedene ihrer Bikeshows miterlebt. Die Leute haben das ganz anders mitgenommen. Das war Feiertag, Volksfeststimmung, komplett anders als hier. Hier besteht eher eine Abgrenzung zwischen Bikerszene und Volk. Man versteht sich ja auch als Outlaw oder als Subkultur. So verstehen die Night Wolves sich nicht.
Die Night Wolves sind ein Teil der russischen Nation und identifizieren sich auch so. Deswegen gehen die auch ganz anders auf die Bevölkerung zu. Deswegen erfahren die auch eine ganz andere Unterstützung, sei es von staatlich oder privat, oder von Firmen.


„Ein Night Wolve muss gerade stehen, und er muss laufen.“

BN: Wie wird man Night Wolve?

Igor: Viele Menschen fragen das, überall. Sie fragen auf der Straße, an der Tankstelle. Also es ist schwer und leicht, aber am Ende ist es auch wieder leicht. Und schwer …
Also du musst volljährig sein, du musst ein Motorrad haben, 500 Kubik. Alles hängt dann von einem selbst ab, wie er sich in den Club einbringt. Er muss gerade stehen, und er muss laufen. Dann wirst du schon sehen, ob du Night Wolve wirst oder nicht.
 
BN: Wie lange ist die Pospect-Zeit?

Igor: Es gibt Zeiten zwischen den einzelnen Stufen. Die sind sehr verschieden. Erste Stufe, zweite Stufe, also Hangaround, Prospect, und dann als Mitglied.
Das dauert ein paar Jahre. Das kann man so genau nicht sagen.

BN: Es gibt Gerüchte, dass Night Wolves-Member regelmäßig die orthodoxe Kirche besuchen müssen. Stimmt das?

Igor und Der Graue: Das stimmt nicht.

Der Graue: Ich war nie orthodoxer Christ gewesen. Es stimmt, wir waren zusammen in der Kirche. Wir haben dort unseren Respekt bekundet. Das wird gepflegt, aber es ist kein Zwang.

Igor: Das muss jeder für sich entscheiden. Es gibt im Club Leute mit verschiedenen Glaubensansichten und auch mit verschiedenen Religionen. Es gibt Christen und Moslems. Es gibt kein Gesetz.

BN: Zum Abschluss der Blick in die Zukunft. Haltet ihr es für möglich, dass es in Europa noch mal einen solch großen Krieg gibt?

Igor: Ich denke, dass das europäische Volk zivilisiert ist. Darum wird es so etwas nicht zulassen. Man muss das den Leuten auch heute erklären.
Man muss ihnen auch erklären, wo wir stehen: Frieden für die Welt. Das ist unsere Mission.

Night Wolves MG und Wolfpack MG sind eng befreundet. Zum Wolfpack gehört in einmaliger Ausnahmeregelung auch ein weiblicher Member mit eigenem Colour
  Teilen
Topseller im Shop
Night Wolves - Der Ritt nach Berlin

Night Wolves - Der Ritt nach Berlin

 

Am 9. Mai hatten Member der russischen Night Wolves gemeinsam mit Membern befreundeter deutscher Clubs die Feierlichkeiten zum siebzigsten Jahrestag der…

Night Wolves - der Ritt nach Deutschland

Night Wolves - der Ritt nach Deutschland

 

Anlässlich der Gedenkfeiern zum Tag der deutschen Kapitulation am 8. und 9. Mai 1945 sind russische Night Wolves unterwegs nach Deutschland. Hier unsere…

Night Wolves in Berlin: „Wir kommen ja nicht, um zu bleiben.“

Night Wolves in Berlin: „Wir kommen ja nicht, um zu bleiben.“

 

Am 9. Mai feiert Russland wieder den Tag des Sieges – auch in Berlin. Die russischen Night Wolves feiern mit …

Aktuell: Keine Waffen für Onepercenter

Aktuell: Keine Waffen für Onepercenter

 

Das Bundesverwaltungsgericht entschied am 28. Januar in höchster Instanz gegen mehrere Member des Bandidos MC: Onepercentern darf der Waffenschein entzogen…

Die Geschichte der deutschen Rockerszene

Die Geschichte der deutschen Rockerszene

 

Mit Unterstützung und Insiderwissen von Huber-Verlags-Gründer Fips und BIKERS-NEWS-Chefredakteur Michael Ahlsdorf hat Spiegel TV eine mehrteilige Serie…

Rocker-Abzeichen. Entscheidung über das Bandidos-Patch

Rocker-Abzeichen. Entscheidung über das Bandidos-Patch

 

Am 11. Juni eröffnete der Bundesgerichtshof in Karlsruhe die Verhandlung über das Colour-Verbot des Bandidos MC. In vielen Bundesländern hatten die Staatsanwaltschaften

BIKERS-NEWS-Bomberjacke im SzeneShop

BIKERS-NEWS-Bomberjacke im SzeneShop

 

Jetzt satte 25 Prozent beim Kauf der coolen Bomberjacke „Independence“ von BIKERS NEWS sparen!

Clubverbot für Satudarah MC

Clubverbot für Satudarah MC

 

24. Februar 2015: Der Bundesinnenminister hat den Satudarah MC Maluku verboten. Das Verbot betrifft nach Auskunft des Bundesinnenministeriums alle Teilorganisationen,…

Lobo MC trennt sich vom Rocker-President

Lobo MC trennt sich vom Rocker-President

 

Das Motherchapter des Lobo MC hat ein neues Clubhaus. Doch die Freude der Rocker wird durch die Trennung von Gründer Joe getrübt Vor gut zwei Jahren…

Interview mit Frank Hanebuth

Interview mit Frank Hanebuth

 

Hells Angel Frank Hanebuth wurde aus der spanischen Haft entlassen. Ein paar Tage später gab der prominenteste Rocker uns ein erstes Interview Im Mai…

Prozess ums Colourverbot

Prozess ums Colourverbot

 

Landgericht Bochum, 28.10.2014: Das Tragen der Bandidos-Colours mit Ortsbezeichnung ist keine Straftat...

Kuttenvergleich

Kuttenvergleich

 

Leder oder Stoff? Maß oder Stange? Wir erzählen die Geschichte der Kutte und stellen ein Dutzend neuer Kutten vor

Keine Waffen für Onepercenter

Keine Waffen für Onepercenter

 

Das Bundesverwaltungsgericht entschied in höchster Instanz: Onepercentern darf der Waffenschein entzogen werden Es begann im tiefen Herzen des Bundeslandes…

Topseller im Shop
Stand:22 June 2018 03:39:52/motorrad/berichte/night+wolves+mg+im+interview_156.html