Road Eagle MC Arnsdorf

Road Eagle MC Arnsdorf
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„Der Adler ist ein stolzes Tier“, erklären die Member des Road Eagle MC Arnsdorf Es wäre gegen alle Tradition gewesen, wenn das Jubiläum anders verlaufen wäre: Sonnabend leichter Nieselregen am Nachmittag. Am Abend flogen die ersten Zelte im Gewittersturm durch die Gegend. Präsi Blume nahm’s gelassen und lächelte: „Das Festzelt wird neuerdings behördlich geprüft und abgenommen, gegen Gebühr selbstverständlich.“
„Der Adler ist ein stolzes Tier“, erklären die Member des Road Eagle MC Arnsdorf

Es wäre gegen alle Tradition gewesen, wenn das Jubiläum anders verlaufen wäre: Sonnabend leichter Nieselregen am Nachmittag. Am Abend flogen die ersten Zelte im Gewittersturm durch die Gegend. Präsi Blume nahm’s gelassen und lächelte: „Das Festzelt wird neuerdings behördlich geprüft und abgenommen, gegen Gebühr selbstverständlich.“ Im behördlich geprüften Festzelt blieb es also trocken, und alle rückten näher aneinander. Mit Knorkator, „Deutschlands meiste Band der Welt“, krachte es nicht nur draußen, sondern auch im Zelt, und zwar ordentlich.
 

Die „Raindays 2006“ wurden vom Road Eagle MC Arnsdorf unter dem Motto „20 Years in the Wind“ zünftig gefeiert. Ihren Namen tragen die Raindays nicht zufällig. Von 18 vorangegangenen Treffen fielen 16 verregnet aus.
Die Road Eagles gedenken dabei ihres Ursprungs vor 20 Jahren, als drei Motorradfreunde in der Silvesternacht 1986 in einem geheizten Gewächshaus in Arnsdorf die Idee ausbrüteten, einen Motorradclub zu gründen. Sie wollten gemeinsam Motorrad fahren, feiern und zusammenhalten. So begannen in den 80ern die meisten Clubgründungen. Nichts Aufregendes also?

Party unter den Augen der Stasi

Gründungsmitglieder Blume, Siegfried und Schneck gaben sich nach einer ganz eigenen Grundsteinlegung, auf welcher ein Firmenschild von AWO, etwas Geld, nicht aber ihr Enthusiasmus begraben wurde, einen Namen: „AWO Power Club“. Ein von Siegfried mit Textilfarbe auf die Jeanskutte gemalter Adler ist noch heute als Motiv erhalten geblieben. Und was jeder wusste: Allein der Gründungsakt war schon Opposition gegen gesellschaftlich organisierte Freizeit in der DDR.
 

MZ kam als Zweitakter nicht in Frage. „Damals sind wir AWO gefahren“, erinnert sich Präsi Blume. „Das waren keine Motorräder von der Stange. Vieles war selber gebaut und für DDR Verhältnisse ziemlich teuer.“
Im Karswaldbad wurde 1987 das erste Treffen organisiert. Es schüttete wie aus Eimern. Die lange Tradition der Raindays war geboren.
Mittlerweile war der Club auf acht Mitglieder angewachsen. Die wollten weitere Treffen organisieren. Aber schon 1988 genehmigten die DDR-Behörden kein Motorradtreffen. Unabhängige Gemeinschaften waren der Stasi immer suspekt. Dank der Unterstützung des damaligen Bürgermeisters konnte erst 1989 wieder gefeiert werden. Dann schon mit Festzelt, Liveband, Spielen und Händlern. Die Stasi hatte sich unterdessen gemeinsam mit der Polizei im Gemeindehaus einquartiert, um den Umsturz zumindest in Arnsdorf zu verzögern.
Was trotz allem immer hielt, war der dicke Draht zur Gemeinde. Den pflegen die Road Eagles heute noch, denn sie ersparten sich so damals schon jede Menge Ärger. So manche Ausnahmegenehmigung ging auf das Konto der guten Zusammenarbeit.
 

Regelmäßige Treffen mit Clubs aus den alten Ländern in Tschechien oder Ungarn an gemeinsamen Feiertagen prägten erste internationale Freundschaften und gegenseitig Achtung. Damals erfolgten auch die ersten Begegnungen mit dem Road Eagle MC. „Die hatten ganz schön gestaunt, als wir auf der Wiese eine Kurbelwelle wechselten“, erzählt Vize Kascha. „Schön war auch die Story, als Blume mit einer echten AWO-Scheunenratte ohne richtigen Auspuff und angebrochener Nockenwelle unter lauten Fehlzündungen eine Polizeikontrolle unbehelligt passieren durfte, während die blitzenden Bikes der Member ordentlich gefilzt wurden. Irgendwo war dann aber doch Schluss, und die AWO musste bei einem Bauern stehen gelassen werden. Der wollte dafür den Ausweis als Pfand. Er dachte, wir wollten das Teil günstig entsorgen.“
Das war alles noch vor dem Mauerfall. Ab 1990 gab es Whisky statt Wodka, und man konnte sich frei mit allen befreundeten Clubs aus Deutschland treffen. So stand endlich auch ganz internationalistisch „Bikers welcome“ als Motto über den Raindays.
Wegen der neuen, echten Alternativen zur AWO wollte der AWO Power Club nun kein reiner AWO Club mehr sein. „AWO heißt im Westen auch „Arbeiter Wohlfahrt“, stellten wir fest. Den Namen wollten wir gewiss nicht tragen. Den neuen Namen hatten wir mit „Talon’s MC“ gefunden.
„Talons“ sind die Krallen des Adlers. Kurz darauf hatte sich ein Club mit gleichem Namen, nur ohne Apostroph, gemeldet. Wir haben uns mit denen in Haldensleben auf neutralem Boden getroffen. Und wir sind unverrichteter Dinge wieder auseinander gegangen. Kurz darauf hat sich dieser Club selbst aufgelöst. Heute tragen wir den Namen nicht mehr, beanspruchen ihn aber immer noch für uns. Wir haken da auch nach, wenn’s sein muss“, erklärt Präsi Blume.
 

„Es war nicht alles gut, was im vereinigten Deutschland auf uns zu rollte.“ Die Talon’s wollten weiter unabhängig bleiben, und das ohne Kommerz. Das erklärte auch ihre anfängliche Zurückhaltung in Medien und Öffentlichkeit.

Ein Schweinestall wird zum prächtigen Clubhaus

Nach einigen wechselnden Veranstaltungsorten und der Suche nach einer neuen Bleibe wurde 1993 der abgelegene Schweinestall in Kleinwolmsdorf als neues Clubhaus auserkoren. Blume: „Die Bude war vollgeschissen, echt Hardcore. Wir haben alle ganz schön gerackert. Als dann unser Pächter, die LPG, finanziell ins Trudeln kam, hatten wir zusammengelegt und denen die Getreidesaat für das nächste Jahr gezahlt. Damit hatten wir ein Jahr Luft und konnten die Eigentumsverhältnisse zu unseren Gunsten klären.“
Das riesige Grundstück mit Clubhaus ist heute eine Augenweide. Vier Bars auf zwei Etagen, genügend Freifläche und mit Disco und Hexenfeuer auch Veranstaltungen für jedermann. Im Internet könnt ihr euch virtuell durch das Haus bewegen.
Im Februar 1999 schloss sich der Talon’s MC Germany dem lange schon befreundeten Road Eagle MC Germany an. Damit schloss sich der Kreis mit dem Adler der ersten Tage des AWO Power Clubs. Bereits im Juli 1996 war aus der vorherigen Road Crew ein Chapter des Road Eagle MC in Jessen gegründet worden, im März 1999 folgte Rochlitz als drittes Chapter im Osten. Heute führt der ursprünglich bayerische Road Eagle MC 13 Chapter. In Spitzenzeiten zählten die Arnsdorfer 28 Member, heute sind es 15.
Diese 15 hatten zum Jubiläum alle Hände voll zu tun. Als ein Hinkelstein mit Aufschrift durch die Meute Plau am See MC überreicht wurde, zeigte Blume sich mit seinen Männern nicht verzagt. Die gute alte Hanomag-Raupe aus den 50ern verrichtete souverän ihren Dienst. Der Hinkelstein verzierte kurz darauf das gut präparierte Festzelt.

Text: Jens St.

Gäste des Road Eagle MC Arnsdorf:
Black Saxon MC, Büffel MC, Delirium Germanicum MC, Dotsch Riders MC, German Brother MC, Gremium MC Wismar, Harley Owners Group Dresden, Kaktus MC, L.A.Thunder MC, Los Locos MC, Markbrothers MC, Meute MC, Nightbiker MC, Nightwolves MG, Road Holder MC, Rolling Wheels MC, Rotsteinadler MC, Seth Typhon MC, Stahlpakt MC, Tanks MC, Trachops MC, Vampires MC, Wheels of Steel MC, Wild Boars MC, Bikerclub Krumhermsdorf, Simple Biker
 


Road Eagle MC Arnsdorf
Wallrodaer Str. 88b
01477 Kleinwolmsdorf bei Arnsdorf
Tel 035200 – 206 40
Fax 035200 – 237 40
http://www.roadeagle-arnsdorf.de

Postanschrift
PSF: 1126
01477 Arnsdorf

Der Artikel steht auch in der BIKERS NEWS 7/06.
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Stand:19 June 2018 23:49:21/motorrad/berichte/road+eagle+mc+arnsdorf_066.html