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Neues vom Rock Machine MC: Suat ist World-President, und eine wichtige Rolle im Geschehen spielen die Brüder aus Russland BN: Suat, du bist nun World-President des Rock Machine MC...
Neues vom Rock Machine MC: Suat ist World-President,
und eine wichtige Rolle im Geschehen spielen die Brüder aus Russland



BN: Suat, du bist nun World-President des Rock Machine MC. Damit bist du der Erste aus Deutschland, der in einem internationalen MC das Sagen hat. Darüber hinaus gab es im Rock Machine MC bislang keinen Welt-Präsidenten. Die Funktion ist neu. Wie kamst du zu dieser Ehre?

Suat: Als National-President Europa war ich Mitglied im Chapter International. Die Nationals aus Australien, Kanada und USA waren dort ebenfalls Member. In diesem Gremium waren wir einer Meinung, ein offizielles World-Chapter gründen zu müssen, um weiterem Missbrauch vorzubeugen. Zweimal hatten wir den Fall, dass sich Member aus Kanada selbst zum Welt-Präsidenten ernannt hatten, ohne von irgendjemandem gewählt worden zu sein. So etwas geht nicht. Eine solche Position muss mit Zustimmung aller Länder vergeben werden. Und es geht um die notwendige Kompetenz des Mannes in einer solch wichtigen Funktion.

Suat Erköse wurde im Februar 2014 zum World-President des Rock Machine MC gewählt. Vorher war er National von Europa. Seinen ersten Auftritt und Antrittsbesuch als Welt-President hatte er Ende April in Russland, beim Chapter Moskau. Dessen Gründung hatte ein Deutscher eingefädelt

Suat Erköse wurde im Februar 2014 zum World-President des Rock Machine MC gewählt.
Vorher war er National von Europa. Seinen ersten Auftritt und Antrittsbesuch als Welt-President hatte
er Ende April in Russland, beim Chapter Moskau. Dessen Gründung hatte ein Deutscher eingefädelt


„Es fehlte eine Führungs­person, die die Linie des Clubs vorgibt.“



BN: Hat es an der notwendigen Führung im Club gemangelt, weil gerade jetzt ein World-President gewählt wurde?

Suat: Ja, schon. Wir Nationals hatten den Eindruck, manche Member machen ihr eigenes Ding. Unserer Meinung nach fehlte eine Führungsperson, die die Linie des Clubs vorgibt und ihn über die Ländergrenzen zusammenhält. Das kann nur jemand machen, der die Interessen aller Erdteile vertritt.

BN: Wer stand zur Wahl, und wie kamst du zum Zug?


Suat:
Zur Wahl standen die Nationals aus Amerika, Kanada, Australien und ich, kraft unserer Ämter. Wir haben ausgiebig diskutiert, Entscheidungen abgewogen, Konsequenzen besprochen. Schließlich hat mich der Australier vorgeschlagen, die beiden anderen haben zugestimmt. Anschließend wurde ich einstimmig gewählt. Der Kanadier wurde World-Vice-President, der National aus Australien Sergeant World.

BN: Bist du auf eine bestimmte Zeit gewählt?


Suat:
Ich hatte vorgeschlagen, im Turnus von zwei Jahren Wahlen durchzuführen. Die anderen wollten keine Befristung, sondern eine unbestimmte Dauer. Seit 15. Februar 2014 bin ich nun World-President und das so lange, wie ich meinen Job gut mache und die anderen mit meiner Arbeit zufrieden sind.

BN: Bist du in Personalunion weiterhin Europa-President?

Suat: Nein, diese Position ist zur Zeit vakant. Ich hatte zwei Kandidaten angesprochen, die ich für fähig halte. Doch für beide kam die Verantwortung zu früh. Deshalb suche ich weiter, was aber nicht eilt.

BN: Wie hat sich der Club zuletzt entwickelt? Gibt es neue Chapter in Deutschland und weltweit?


Suat:
In der Nähe von Stuttgart haben wir ein Chapter Central eröffnet, das Chapter South-End haben wir aufgelöst. Das neue ist ein Probe-Chapter. Ansonsten ist es recht ruhig in Deutschland. In Kanada haben wir innerhalb der letzten sechs Monate drei Chapter aufgemacht, in Amerika zwei und in Australien eines.

Suat über die russischen Rock Machine-Member: „Männer, die bei Wind und Wetter auf dem Motorrad sitzen. Denen es darum geht, gemeinsam Party zu feiern, Motorrad fahren, Spaß haben mit Gleichgesinnten.“

Suat über die russischen Rock Machine-Member: „Männer, die bei Wind und Wetter auf dem Motorrad sitzen.
Denen es darum geht, gemeinsam Party zu feiern, Motorrad fahren, Spaß haben mit Gleichgesinnten.“


„Unser Colour verfälschen – das dulden wir nicht.“


BN:
In Deutschland hat sich ein weiterer Rock Machine MC gegründet. Der Unterschied im Colour ist minimal: Bei euch ist ein roter Halbkreis unter dem Adlerauge, bei den anderen ist er blau. …

 

Suat: … und die schreiben „Rock Machine“ in einem Wort. Es gibt sie nur in Deutschland, sie waren bei uns Member und wurden aus dem Club geworfen. Original Rock Machine wird in zwei Wörtern geschrieben, und unter dem Adlerauge ist die Farbe rot. Wer sich im Urlaub billige, nachgemachte Klamotten mit Markenzeichen kauft, glaubt doch nicht im Ernst, dass der Müll echt ist. Unser Colour kopieren, nachmachen, verfälschen – das alles dulden wir nicht.

BN: Deinen Antrittsbesuch als World-President hattest du in Moskau.

Suat:
Ja, in Russland haben wir ein Voll- und ein Probe-Chapter. Das eine ist in der Hauptstadt, das andere 50 Kilometer außerhalb Moskaus. Zur Season-Open-Party des Vollchapters haben die Russen den neu gewählten World-Presidenten schon erwartet und die Veranstaltung deshalb vorgezogen. Es war zugleich der erste City-Run durch Moskau. Ende April war ich eine gute Woche dort.

BN: Haben dich die Russen problemlos einreisen lassen?


Suat: An deutschen Flughäfen wird man als Kuttenträger gesondert kontrolliert. Das weiß man, und das macht mir nichts aus. In Russland setzte sich diese Spezialbehandlung fort. Alle in normaler Kleidung wurden durchgewinkt, ich als Kuttenträger in einen separaten Raum geführt. Dort wurde ich nochmal äußerst penibel kontrolliert, bevor ich einreisen durfte.

BN: Was sind das für Typen, die russischen Rocker? Beschreib sie doch mal.


Suat: Das sind richtige Rocker, so, wie man sie aus den Anfangszeiten in Deutschland noch kennt. Männer, die bei Wind und Wetter auf dem Motorrad sitzen. Denen es darum geht, gemeinsam Party zu feiern, Motorrad fahren, Spaß haben mit Gleichgesinnten. Die Stimmung dort ist auch nicht so gespannt wie hier, sondern locker, gelöst. Zu der Party kamen mehrere hunderte Gäste auf ihren Maschinen, aus unterschiedlichen Clubs. Wenn in Deutschland große Clubs feiern, sind die meistens unter sich. Ich spreche aus Erfahrung, denn ich war lange in einem solchen, allen bekannten MC. In Moskau waren viele kleine MCs, aber auch Member großer Clubs Gäste.

Rock Machine World.  Chapter in anderen Ländern
Rock Machine World. Chapter in anderen Ländern


„Russland ist ein richtig gefährliches Land.“


BN: Warum meinst du, ist die Rocker-Szene in Russland eine andere als in Deutschland?

Suat: Die Mentalität der Russen ist eine andere. Die wollen feiern und biken. 13 der 14 Member im Moskauer Chapter fahren Harley. Jeder Biker in Russland wird respektiert und nicht nur die von den großen MCs. Klar, dass es auch dort mal Stress gibt, aber die Leute sind nicht auf Stress aus. Doch wenn es kracht, dann richtig. Geboxt wird dann nicht. Russland ist auch ein richtig gefährliches Land.

BN: Wie unterhaltet ihr euch, sprechen die Russen gut Englisch?

Suat: Drei aus dem Moskau-Chapter sprechen sehr gut Englisch. Einer von ihnen ist der Pfälzer-Franky, ein Deutscher, aus einem ehemals großen deutschen Club, der seit mehreren Jahren in Moskau lebt.

BN: Hat er die Gründung des Rock Machine MC in Russland eingefädelt?

Suat: Ja, er hat bei mir Interesse bekundet, dass er einen Club kennt, der gerne zum Rock Machine MC wechseln würde. Das war der Syndicat MC. Den Club gab es damals neun Jahre, die Leute waren schon eine eingeschworene Gruppe. Im Januar 2014 war das Patch-over. Drei Mann wurden sofort Vollmember, die anderen haben den Status als Member oder Prospects auf Probe. Franky ist einer der drei Vollmember.

BN: Warst du in Moskau und hast dir die Leute angeschaut, bevor ihr sie aufgenommen habt?

Suat: Nein, an zwei langen Wochenenden war jeweils eine Delegation unterschiedlicher Zusammensetzung an Leuten bei mir in der Gegend von Ulm. Wir haben viel geredet und uns kennengelernt. Erzählen kann man viel, nach Moskau bin ich auch deshalb geflogen, um mich von dem zu überzeugen, was sie mir gesagt haben. Vor Ort war ich positiv überrascht: Was ich vorfand, war besser, als in den Erzählungen angekündigt.

BN: Als Welt-Präsident wirst du viel unterwegs sein. Kriegst du das in deinem bisherigen Leben unter?

Suat: Es ist kein Geheimnis, dass ich auf Bewährung aus dem Knast entlassen wurde. Eine Auflage für mich ist, einer geregelten Tätigkeit nachzugehen und mich aus dem Nachtleben zurückzuhalten. Meine Brüder müssen akzeptieren, dass ich mich an Regeln halte, nicht einfach ein, zwei Wochen irgendwohin fliegen kann. Es nützt unserem Club ja nicht, wenn ich eingesperrt bin.

Suat zum Zerwürfnis in Deutschland:  „Original Rock Machine wird in zwei Wörtern geschrieben, und unter dem Adlerauge ist die Farbe rot.“

„Heute sind wir ein reiner Motorradclub, ohne kriminelle Geschäfte.“


BN: Wie zufrieden bist du mit dem Neuaufbau des Rock Machine MC bislang und wie geht es weiter?

Suat: Wir wurden 1985 gegründet. Dass wir zu den Bandidos wechselten und wieder austraten, ist genauso bekannt wie der Krieg mit den Hells Angels in Kanada, auch dass wir einige Jahre aus der Szene verschwunden waren. Jetzt haben wir uns neu gegründet. Wir halten die gefallenen Brüder in allen Ehren, vergessen unsere Historie auch nicht. Wir sind aber ein anderer Club, mit neuer Philosophie und Tradition.
Der Rock Machine MC war auch früher ein Motorradclub, nur waren dessen Member – wie es die Polizei formulierte – unabhängige Drogendealer. Heute sind wir ein reiner Motorradclub, ohne kriminelle Geschäfte. Wir haben aus der Geschichte gelernt.

BN: Was sagen die Alten dazu?

Suat: In Kanada wurden einige aus dem Knast entlassen, die die alten Zeiten miterlebt haben. Die wollen weiterhin ein Teil vom Rock Machine MC sein. Und wovor ich allergrößten Respekt habe: Die kommen nicht nach Jahren aus dem Gefängnis frei und wollen bestimmen, wo es lang geht. Die ordnen sich ein.
So besteht unser Club aus einer Mischung weniger Originalen und überwiegend Neuen. Gemeinsam versuchen wir nun, in die neue Richtung zu gehen.
 
 

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