The Lions MC Rhoen

19.06.2017  |  Text: Ansgar Müller  |   Bilder: Ansgar Müller/Archiv The Lions MC Rhoen
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The Lions MC Rhoen
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Der Lions MC Rhoen feierte im Mai sein 45-jähriges Bestehen. Anlässlich des Jubiläums sprachen wir mit President Jones, Ehrenpresident Schlochter und einigen Männern der ersten Stunde …
… BIKERS NEWS: Frage an die Gründungsmitglieder: Ihr wart ja schon ab Frühjahr 1972 als K50-Club unterwegs. Warum folgte dann 1972 die Gründung eines Motorradclubs mit Rückenemblem?
Gaggeles: Die Zeit damals war sehr verrückt und schnelllebig. Die neue Musik aus Amerika, Easyrider und die erste Disco in Ostheim – all das brachte täglich was Neues in die Rhön. Es waren auch viele Amis hier, von den nahen US-Stützpunkten. Wir waren Halbstarke, die der althergebrachten Prägung der Eltern entfliehen wollten. Mit den Mopeds waren wir die Herren. Auf unsere Jeansjacken hatten wir uns mit Nieten „Choppers“ geklopft – sah ganz edel aus.

Söff: Überall sind wir hingefahren. Mit den K50 wurde aber eine Fahrt in die nächste Stadt schon eine Weltreise. Trotzdem waren wir im Sommer 1972 des Öfteren beim M-Club in Kitzingen. Wir hatten die Leute irgendwo kennengelernt. Dort knüpften wir Kontakte zum Ghost Riders MC (schwarz). Wilde Burschen, viele Amis halt – so wollten wir sein. In Kitzingen lernten wir auch den jungen Funk kennen, dessen Familie eine Stickerei für Abzeichen hatte. Da kam dann die Idee auf, ein eigenes Abzeichen zu machen.

Wie kam es zum Clubnamen und zum Logo?
Gaggeles: Beim Namen gab es viele Ideen, aber nichts Konkretes; genauso beim Abzeichen. So wird es bei vielen Clubs am Anfang gewesen sein. Dann fiel uns auf dem Bierdeckel vom Bürgerbräu Ostheim der Löwe auf. Ein Löwe genau wie wir es waren – oder zumindest sein wollten.

Der Name sollte englisch sein

Warum „The Lions“?
Gaggeles: Da der Name englisch sein sollte, wurden aus unserem Löwen-Rudel „The Lions“ und weil wir aus der Rhön um Ostheim herum bis hinunter nach Mellrichstadt waren, war klar, dass da als Ortsbezeichnung „Rhoen“ zu stehen hat – in Englisch.

Söff: Und weil wir uns als Motorradclub verstanden, dann noch das „MC“.

Jones: Später kam dann vorn noch das „Germany“ dazu, weil wir auf verschiedenen Super Rallys für Franzosen von der Rhône gehalten wurden.

Damals in der Anfangszeit wart ihr alle noch sehr jung, wild und ständig unterwegs. Wie habt ihr das organisiert – ohne Handy, ohne Internet und ohne WhatsApp?
Söff: Was wir gemacht haben, das hatte Struktur. Kein ständiges Hin und Her!

Gaggeles: Wir haben Zeiten und Treffpunkte ausgemacht und das hat funktioniert. Die Leute kannten noch die Begriffe Pünktlichkeit und Verlässlichkeit. Was gesagt wurde, das wurde gemacht.

Söff: Wer zu spät kam, der war wirklich zu spät – denn dann waren wir schon unterwegs. Oft wusste keiner wohin, denn es wurde erst kurz vor der Abfahrt festgelegt, wohin es wirklich ging.

Gaggeles: Meist haben wir uns in einer Kneipe getroffen. Das war dann der Ausgangspunkt für Fahrten, wohin auch immer

„In der Nähe war der Zaun
zur DDR – also konnten wir
nur in eine Richtung“


Wie war die Szene 1972 aufgestellt?
Söff: Es gab damals keine Szene bei uns in der Rhön.

Gaggeles: Es gab fast in jedem Ort Tanzveranstaltungen, Bierfeste und in Ostheim die Disco. Überall waren wir. Motorradclubs gab es aber keine. Damals gab es in der Gegend um Bad Neustadt an der Saale 1972 den Diablos MC und ab 1973 die Steppenwölfe. Sonst war damals nichts. Außerdem war in der Nähe, gleich hinter Wilmars, der undurchdringliche Zaun zur DDR – also konnten wir nur in eine Richtung.

Söff: Dann machte nach uns so nach und nach überall und fast in jedem Dorf ein Motorradclub auf.

Gaggeles: Wir waren auch schnell auf eine Mannschaftsstärke von 40 bis 50 Leuten gewachsen. Da ging schon was, wenn wir unterwegs waren.

„Man kannte sich, man feierte miteinander, man prügelte sich“

Gab es damals auch in der Rhön so etwas wie Gebietsansprüche oder lief alles gemeinschaftlich ?
Gaggeles: So was gab es nicht. Man kannte sich, man feierte miteinander, man prügelte sich, ging sich aus dem Weg und traf sich wieder. Oft traf man sich sogar auf der Arbeit, denn Arbeit oder einen Ausbildungsplatz hatte damals jeder von uns. Irgendwo musste das Geld ja herkommen. Nicht von krummen Geschäften.

Söff: Streit wurde geklärt und Probleme wurden nicht lange umhergetragen. Alles wurde gleich erledigt.

Wie sind Clubneugründungen damals abgelaufen?
Gaggeles: Niemand wurde gefragt.

Schlochter: Es wurden viele Clubs gegründet. Manche hatten nur eine kurze wilde Zeit und haben sich dann so schnell, wie sie gekommen sind, wieder aufgelöst. Manche Leute sind dann in anderen Clubs untergekommen oder haben ganz was anderes gemacht.

Gaggeles: Jeder hat gemacht, was er wollte. Wenn es damit Ärger gab, dann musste jeder zusehen, wie er damit klar kam.

Jones: In der Rhön gab es schon immer die Devise: Wer den Ärger sät, der kann die Ernte gleich mitnehmen!

Gaggeles: Aber trotzdem ging es fair zu; keine Waffen – und wenn jemand am Boden lag, war es fertig. Es wurde nicht nachgetreten und vor allem: Es war danach Ruhe. Oft gingen dann die Kontrahenten zusammen zum Tresen, um die Sache zu bereinigen. So entstanden oft lang anhaltende Freundschaften.

Söff: Es gibt viele Clubnamen, von denen heute niemand mehr etwas weiß. Wir erinnern uns an Namen wie Los Broncos, Dead Flowers, Conioratio, Taks (The almost Kings), Slow Ducks, Tiger, Lost Angels, Smart Angels, Sons of Satan, Heroes, German Lions, Wild Taurus, Hurrikans und wie sie alle hießen.

Schlochter, wieso bist du zu den Lions gegangen. Was war dafür ausschlaggebend?
Schlochter: Nachdem ich die Lions in meinen jungen Jahren, als sie zum Teil noch K50 fuhren, mit circa 20 Mann in Oberelsbach auf einem Bierfest sah, wusste ich, dass ich da mal dazu will. Als ich dann später mein erstes Motorrad kaufte, begann mein Weg als Prospect.


Nachdem es in der Anfangszeit eine starke Fluktuation beim Amt des Presidenten gab, wurdest du 1984 zum Presi und hast dann 25 Jahre lang bis zum Jahr 2009 die Geschicke geleitet. Wie hält man so etwas so lange durch ?
Schlochter: Ich konnte mir nie ein Leben ohne Club und Motorrad vorstellen. Also habe ich es so lange gemacht, bis es zeitlich nicht mehr ging. Wenn richtig, dann richtig.

Von 2009 bis 2012 warst Du Vize. Nun bist du Ehrenpresident (President of Honour). Wie fühlt sich das an?
Schlochter: Es ist Ehre und Ansporn zugleich, diesen Posten mit Leben zu füllen.

„Jeder fährt das Motorrad,
das er fahren will –
aber fahren muss es“


Jones, du bist seit 2009 der President des Lions MC. Ihr seid alle nun schon etwas in die Jahre gekommen. Trotzdem sieht man euch überall in der Szene. Was ist der Grund dafür, dass die Lions immer noch nach wie vor so aktiv sind?
Jones: Ganz einfach. Wir sind Party-People! Wir sind gerne unterwegs, wir fahren gerne Motorrad. Auch wenn wir äußerlich schon etwas älter geworden sind, sind wir innerlich noch lebendig und jung. Ein Manager würde sagen, das ist unser Konzept. Quatsch, wir sind so, weil wir eben so sind, und bei den Lions haben sich halt Leute zusammengefunden, die gleich denken. Aktuell haben wir so um die 25 Mann im Alter von 21 bis 60 Jahren. Wir haben keinen Markenzwang. Jeder fährt das Motorrad, das er fahren will – aber fahren muss es. Boss Hoss, Harley-Davidson, Honda, bevorzugt Gold Wings, Triumph, Suzuki, Kawasaki und Cagiva. Jedes Jahr machen wir eine Clubfahrt mit so gut wie allen Leuten. Da geht es schon mal nach Italien, an den Gardasee, an den Plattensee, zur Pullman City nach Passau. Einzelne Mitglieder oder kleinere Gruppen von uns sieht man auch auf den Super Rallys, in Faro, in Hamburg, am Edersee, in Sturgis oder Daytona. Befreundete Clubs treffen wir im In- und Ausland. Wenn eine Straße zu den Zielen führt, sind wir mit dem Motorrad dort.

1974 seid ihr zum ersten Mal auf eine Rally gefahren. Das war beim Iron Horses MC in Nürnberg. Wie war euer Eindruck beim Erstkontakt zur großen Szene?
Gaggeles: Was dort abging, das war ganz was anderes, als wir es hier aus der Rhön kannten. Dort waren alle Clubs aus dem Fränkischen. Es waren viele Amis dort, weil die ja dort stationiert waren. Die Männer waren schon älter als wir und hatten richtige Motorräder, die wir nur aus der Zeitung kannten. Es gab keinen Stress, denn die Amis wollten genau wie die Franken einfach nur miteinander feiern. Niemand wollte der Größte sein. Wir wurden herzlich aufgenommen und wussten, dass wir mit unserem Motorradclub genau das Richtige gemacht haben.
Allerdings waren wir das Biertrinken gewohnt und dort gab es vorzugsweise Whiskey, von den Amis. Viele Getränke bekamen wir einfach ausgegeben und das bei rund 2 000 Leuten am Platz. Uncle Sam war über die PX großzügig zu seinen Leuten und da waren die Horses auch großzügig zu ihren Gästen.


Söff: Wir haben dann den Whiskey fast genauso getrunken wie das Bier. Mann, war das ein Fest. Weil wir dann am Sonntag noch zu gut drauf waren, sind wir einfach erst am Montag heimgefahren. Dadurch waren wir nicht nur schnell dabei, sondern gleich mittendrin.

Habt ihr eigentlich ein Clubmotto?
Jones: Die Welt zu Gast bei Freunden!   «
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Stand:18 July 2018 05:04:22/motorrad/berichte/the+lions+mc+rhoen_176.html