Courage and Respect

01.07.2016  |  Text: Gau  |   Bilder: Mike
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Courage and Respect
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Ein Bike dieser Klasse zu bauen, erfordert Mut und Respekt – und ein gutes Team
Es war ein deutschstämmiger Amerikaner, der in der Szene den Namen „Big Daddy Rat“ trug. Er richtete auf der Daytona Bikeweek die „Rat’s Hole Custom Bikeshow“ aus. Das hieß nicht, dass auf seiner Show nur Ratbikes standen, aber ein paar befanden sich doch immer darunter. Im Jahr 2011 stellte der Amerikaner Todd Anglani von „After Hour Bikes“ dort ein Bike aus, das den Namen „Lead Sled“ trug. Die Lead Sled war wirklich eine Ratte, aber sie hatte einen sagenhaften Rahmen: Extrem lang und extrem tief – und das sah auch noch extrem schnell aus.
Dieses Bike hatte es dem Österreicher Jürgen angetan. Das rattige Outfit gefiel ihm weniger, aber den Rahmen wollte er haben. Er behämmerte After Hour Bikes mit Mails und Anrufen. Am 16. Oktober 2012 landeten endlich drei Pakete in Jürgens Garage. Sie kamen aus Florida, 5722 South Flamingo Road, Cooper City 33330. Das war der Beginn von vier harten Jahren.
Das Teil sollte auch rollen, ein reines Showbike wollte der Österreicher nicht. Die Vorgabe „fahrbar“ stand also ganz oben auf der Liste. Und so verbrachten Jürgen und seine Kumpel Speedy, Seppi, Hannes, Curd, Curd jr. und Philipp viel Zeit in der Garage. Dazu gesellte sich immer wieder Jürgens Vater, ein gelernter Maschinenschlosser der alten Schule. Mit einem solchen Team war alles zu stemmen.

Vorn verrichtet eine geschobene Schwinge ihren Dienst
Vorn verrichtet eine geschobene Schwinge ihren Dienst

Jürgen hatte schon einige Bikes auf die Räder gestellt. Es war eine Sache des Respekts, niemals ein Bike nachzubauen. So sollte dieses Bike auch nicht rattig, sondern äußerst clean werden. Deshalb wirkt der Rahmen jetzt wie aus dem Ei gepellt.
Hinter dem sauberen Rahmen steckt eine unglaubliche Zahl von Arbeitsstunden und Bierkästen. Das Fahrwerk ist obendrein steiermarktauglich modifiziert, also nahezu über die ganze Länge verstärkt. Im Heck bauten die Jungs sogar zehn Millimeter starke Stahlplatten ein. Auch die Motorhalterung haben sie neu positioniert und ausgerichtet.
Nach dem Rahmen nahm sich das Team Lenker, Kotflügel, Halterungen und Rahmenbleche vor. Klar, die fertigten sie selbst an. Nur Gabel und Schwinge kamen noch von After Hour Bikes.

Die aufwändige Spannmechanik hält eine lange Kette im Zaum
Die aufwändige Spannmechanik hält eine lange Kette im Zaum

Den Motor orderte Jürgen bei „Ultima Engines“ mit dem Hinweis: „Wir wollen das fetteste Ding, das ihr habt.“ Kurze Zeit später stand ein 127-cui-Block mit 140 PS vor Jürgens Tür. Rockerboxen, Zündgehäusedeckel, Stößelstangencover, Getriebedeckel und die Primärgrundplatte vernickelten die Jungs nachträglich. Den Tank bauten sie mit Teilen einer alten Softail neu auf. Die Luftfederung ist „made in Styria“, mit ihr stellten die Hobbyschrauber ihr Können definitiv unter Beweis. Leichter war es für Jürgen, die Minimalelektrik anzufertigen. Er ist nämlich gelernter Elektriker. Die Töpfe von „Misfit Industries“ hatte Jürgen in den USA an einem Bobber gesehen. Die texanischen Tröten sollten auch sein Bike vollenden.
Auf Kompromisse im Geschmack ließ Jürgen sich nicht ein: „Ich bau, was mir gefällt.“ Seine eigenen Werte schaffen und danach leben, das ist Jürgens Grundeinstellung – und die sollte sich auch im Bike niederschlagen. Das Bike trägt deshalb den Namen „Courage and Respect“.

Maria hilf! Mögest du diesen Öltank stets vor Steinschlag schützen
Maria hilf! Mögest du diesen Öltank stets vor Steinschlag schützen

Der „Bar-Bobber“ wurde im Jahr 2016 fertig. Seinen Lohn erhielt Jürgen auf der „Pannonia Custom Show“, wo sein Bike den ersten Platz des „Pannonian Custom Award“ einsackte. Pannonia – das ist ein anderer Name für Ungarn. Wenn die Customshow dicht an der Grenze zu Österreich noch weitere Bikes dieser Art präsentiert, wird sie eines Tages vielleicht so berühmt wie die Daytona Bikeweek – nur ohne Ratten.

Courage and Respect
Die „Courage and Respect“ wurde Sieger des „Pannonian Custom Award“ (www.motomotion.at). Mit Model Jacky Mexx ist sie erst recht ein Hingucker
 

TECHNISCHE DATEN „Courage and Respect“

Motor

Typ: Ultima 127 cui (2100 ccm)
Zündung: Dynatek Dyna Coil
Luftfilter: Eigenbau
Primärantrieb: 2“-Bel
Kupplung: offen
Getriebe: 6-Gang
Auspuff: Misfit Industries

Fahrwerk
Rahmen: After Hours Bikes, modifiziert
Gabel: After Hours Bikes, modifiziert
Gabelbrücke: After Hours Bikes, modifiziert
Lenkerhalter: Eigenbau
Lenker: Eigenbau
Fußrasten: Eigenbau
Schwinge: After Hours Bikes, modifiziert
Räder: Hurst Dragrace Slick 120/50/26
Bremsen
vorn: 13“-Scheibe mit 4 Kolben
hinten: Trommel

Sonstiges
Elektrik: Eigenbau
Scheinwerfer: Eigenbau
Instrumente: Motogadget
Armaturen: K-Tech De-Lux
Griffe: Arlen Ness
Tastergehäuse: Eigenbau
Blinker
vorn: Harley-Davidson, modifiziert
hinten/Rücklicht: Rizoma
Sitz: Eigenbau
Tank: Eigenbau
Tankverschluss: Crime Scene
Airbrush: Hermann Dreier

Kontakt
Besitzer: O. J.
Erbauer: Paps, O. J. and friends
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