Desert Racer

17.03.2017  |  Text: Michael Ahlsdorf  |   Bilder: Frank Luger
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Desert Racer
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Wüstensöhne sind ausdauernd. In der Karawane von Iwan-Bikes fahren die Victorys weiter
Es begann im letzten Jahr, als es Victory noch gab. Damals hatte die Polaris-Tochter den muskulösen Sportcruiser „Octane“ rausgebracht, motortechnisch ein kleines Brüderchen der Indian Scout aus dem gleichen Hause. Um das Marketing der Octane ins Rollen zu bringen, rief Victory ausgewählte Vertragshändler in der ganzen Welt dazu auf, sich mit einem Customprojekt an der Aktion „Operation Octane“ zu beteiligen. Insgesamt 26 Händler aus Amerika, Australien, Asien und Europa folgten dem Aufruf – vier davon aus Frankreich, je drei aus Deutschland und der Schweiz sowie je einer aus Großbritannien und Portugal.

Foto: Victory-Motorcycles/ Zum Vergleich das Original
Zum Vergleich das Original (Foto: Victory-Motorcycles)

Den Sieg der drei Wochen währenden Online-Abstimmung trug ein Adventure Bike aus Deutschland davon. Es war der „Desert Racer“ aus Pfaffenhofen an der Ilm. Bernie Peintner und sein Team von Iwan-Bikes hatten die Octane in ein neues Gewand gesteckt. Sie verpassten ihrem Desert Racer grobe Stollenreifen, Motocross-Fußrasten und einen Bobtail-Heckfender. Die Telegabel versahen sie mit Faltenbälgen und Lederhülsen, den Kühler und sein Schutzgitter schweißten sie selbst. Die Nachrüstschalldämpfer kamen von Penzl. Ein Gepäckträger aus dem Victory-Zubehörprogramm und seitliche Abstandsbügel am hinteren Kotflügel dienen der Befestigung von Packtaschen sowie einer Gepäckrolle.
Ein Wüstenkrieger also. In der weiten Szene der Russen- und BMW-Gespanne wird dieses Thema immer wieder durchgekaut. Natürlich immer sandfarben und oft mit einer Palme des Afrikakorps auf dem Seitenwagen.
Iwan-Bikes aber gehört nicht dazu. Bernie distanziert sich von allem Braunen, auch wenn er die Octane tatsächlich mit dem originalen Wehrmachtsfarbton des Afrikakorps lackiert hat. Ihm ging es um die Ästhetik. Der Kunstharzlack muss nämlich mit dem Pinsel aufgetragen werden, in mehreren Schichten, denn das gibt ihm die historisch wirkende Oberfläche.

Hier auf dem Tank sind die Maserungen gut zu erkennen. Das muss so sein, die Farbe wurde mit dem Pinsel aufgetragen
Hier auf dem Tank sind die Maserungen gut zu erkennen

Und okay, auch aus einer Indian Scout hat Iwan-Bikes schon ein Gespann gebaut. Das liegt aber nicht daran, dass man dort nur Gespanne im Kopf hat. Bernie hat vor allem ein Herz für Victory und seine Motorräder. Das Octane-Triebwerk ist ein enger Verwandter des Scout-Triebwerks und so kam beim Desert Racer beides zusammen: Die Erfahrung mit der Scout und das Herz für Victory.
Die Einstellung der Victory-Produktion schmerzt Bernie ziemlich: „Ich bin begeistert von diesen Motorrädern. Wir haben einen Kunden, dessen Victory hat in sechs Jahren 300000 Kilometer runtergespult und wir mussten immer nur die üblichen Verschleißteile austauschen. Und wir von Iwan-Bikes fahren regelmäßig durch die Alpen. Wenn ich dann auf einer Victory Magnum oder Cross Country sitze, kommt von den anderen kaum einer mit!“

Die Fotostrecke absolvierte die brünette Lady auf unserer CUSTOMBIKE-SHOW im Dezember. Sie wird sich also keinen Sonnenbrand geholt haben
Die Fotostrecke absolvierte die brünette Lady auf unserer CUSTOMBIKE-SHOW im Dezember. Sie wird sich also keinen Sonnenbrand geholt haben

Was am 4. Juli 1998 in Spirit Lake, Iowa, begann, das fand mit einer Pressemeldung vom 10. Januar ein trauriges Ende: Die Produktion der Victory-Motorräder wurde eingestellt. Seit 2009 gab es Victory in Deutschland, in knapp acht Jahren brachte die deutsche Tochter es auf gerade mal 2000 verkaufte Motorräder. Vielleicht auch deshalb, weil die Konzernmutter Polaris mit Indian eine weitere Marke aufgemacht hatte, deren Name sich als viel verkaufsträchtiger erwies.
Aber Wüstensöhne sind ausdauernd, die Karawane von Iwan-Bikes zieht weiter. Die Bikes von Victory wird es immer noch geben, die Ersatzteilversorgung ist für die nächsten zehn Jahre gesichert. Da kann Bernie also locker an seinen Lieblingsmotorrädern weitermachen. Und Indians vertreibt er ja auch noch: „Ich hoffe, dass wir demnächst noch einiges, was Victory an technischen Lösungen in der Schublade hatte, an den nächsten Indians wiederfinden.“    «
 

TECHNISCHE DATEN „Desert Racer“
Basis: Victory Octane, Bj. 2016

Motor
Typ: V2, wassergekühlt
Hubraum: 1179,3 ccm
Ventile pro Zylinder: 4 OHC
Steuerung: Kette
Zündung: digital
Ölsystem: Nasssumpf
Gemischaufbereitung: digitale Einspritzanlage mit CAN-Bus-System
Luftfilter: unterm Tank
Auspuff: V2 Speed, Penzl
Kupplung: Nasskupplung
Getriebe: 6-Gang
Sekundärantrieb: Belt

Fahrwerk
Rahmen: Aluguss, mehrteilig
Fahrwerk: Telegabel konventionell, zwei Federbeine
Lenker: Dragbar, Victory
Räder: vo. 18 x 3,5/hi. 17 x 4,5
Reifen: Continental TKC 80 vo. 140/80-18/hi. 180/55-17
Bremsen: Scheibe OEM
Gewicht: 245 kg

Sonstiges
Lack: RAL 7008, gepinselt
Tank: OEM
Elektrik: Blinkerkreis aus CAN-Bus herausgenommen
Lampe: H-D-Style
Rücklicht: Bates LED
Sitz: Audi-A8-Leder, gewendet
Fußrasten: Moto Cross
Schutzblech hinten: Zubehör, Stahlblech, Iwan-Bikes
Kühlergrill: Iwan-Bikes
Zubehör: Gepäckträger, abnehmbare Überwurftaschen

Kontakt
Iwan-Bikes
Raiffeisenstraße 24
85276 Pfaffenhofen an der Ilm
Tel 08441 - 279 95 08
www.iwan-bikes.de
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