European Bike Week

24.10.2012  |  Text: Horst Rösler  |   Bilder: Rösler / H-D
European Bike Week
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Das größte Biker-Event ist eine gut geölte Showmaschine. Aber ihre Ecken und Kanten sind manchmal ziemlich rundgeschliffen Im Jahr 1998 feierte Harley-Davidson seinen 95. Geburtstag am Faaker See. Damals hieß die Party noch …
Das größte Biker-Event ist eine gut geölte Showmaschine.
Aber ihre Ecken und Kanten sind manchmal ziemlich rundgeschliffen

Im Jahr 1998 feierte Harley-Davidson seinen 95. Geburtstag am Faaker See. Damals hieß die Party noch nicht „European Bike Week“, sondern erst im darauffolgenden Jahr. Seitdem sind fast anderthalb Jahrzehnte vergangen, und die European Bike Week in Faak hat sich zum größten Biker-Event Europas entwickelt, in eine gut geölte Showmaschine, deren Ecken und Kanten ziemlich rundgeschliffen sind. Das ist einerseits schade, andererseits wissen wir, was uns in Faak erwartet. Eine Woche Urlaub vom Alltag, den wir nicht nur auf zwei Rädern verbringen können, sondern müssen. Denn mit dem Auto kommt man nicht mal in Sichtweite des Faaker Sees.

European Bike Week 2012

Die erste Parade

Die erste Parade zum 95. Harley-Geburtstag führte noch rund um den ganzen Wörthersee, durch Klagenfurt und an der Drau zurück. Angeführt von Willie G. Davidson, amerikanischen und europäischen Harley-Davidson-Managern und dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider.

Harley-Design-Guru Willie G. nahm in diesem Jahr seinen Abschied vom Zeichenstift, Haider hat schon etwas früher die letzte Rechtskurve genommen. Die Fahrtrichtung um den See hat sich ebenfalls geändert, damit die Harley-Biker zuerst in der Harley-Village aufschlagen. Und die European Bike Week dauert inzwischen so lange wie eine Daytona Bike Week: zehn Tage.
 

Vor 14 Jahren bezahlte man noch mit Schilling und Lire, und irgendwie hatte man ein Gefühl der Befreiung und des Friedens, denn der Kalte Krieg war grade vorbei und auch auf der Südseite der Karawanken schwiegen die Waffen.

Die erste Parade

Party ohne Randale

Die wilden Zeiten der European Bike Week sind schon lange vorbei, dafür sorgt – ziemlich dezent und unsichtbar, aber dafür mit umso mehr Nachdruck – die österreichische Polizei. Kaum Burnouts, keine Stunts, und nur Italien scheint keinen Auslieferungsantrag für Geschwindigkeitssünder zu haben. Jedenfalls kümmern sich die italienischen Biker nicht um irgendwelche beschränkenden Schilder. Dafür hat sich aber auch die Zahl der Unfälle verringert, es gibt keine Geisterfahrer mehr auf dem temporären Einbahnstraßenkurs rund um den See, und wer trinkt, der nutzt den Shuttle-Service, der sich inzwischen etabliert hat. Man kann also auch ohne Strafzettel und mit Führerschein aus Faak zurückkommen. Jedes Dorffest hat mehr Randale-Potential.

„Best Modified“ auf der  Harley-Davidson Ride-in-Show
„Best Modified“ auf der Harley-Davidson Ride-in-Show

Custom Chrome Europe feiert

Wenig Neues also in Faak? Nicht jedes Jahr wird die Revolution ausgerufen: Evolution ist angesagt! Custom Chrome Europe feierte zehn Jahre Ride-in-Bikeshow auf dem Arneitz-Gelände – und dort liefen auch wieder Motorrad-Stunts. Der Campground besitzt nämlich jetzt ein festes Gebäude und gab mit den Monroes, Kiss Forever und Stahlzeit auch in Sachen Konzert Vollgas.

Auf der Arneitz Custom Show startete die Party schon am ersten Wochenende bei miesestem Wetter und damit ohne großen Besucherzustrom. Erst am Dienstag beruhigte sich die Lage, und die restliche Bike Week war von allerbestem Faak-Wetter gekrönt. Ausnahme: Ein nächtliches Donnerwetter, das den Parkplatz der Harley-Village ein weiteres Mal in einen Sumpf verwandelte, so dass am Donnerstag der niedrig liegende Teil für Motorräder gesperrt werden musste und akuter Parkplatzmangel herrschte. Die traditionelle Harley-Davidson Ride-in-Show am Freitag konnte wie geplant und in trockenen Schuhen ablaufen. Auch in der Harley-Village gab man auf den Bühnen alles: Top-Act 10cc spielten alle ihre Hits aus den 70er Jahren. Nicht unbedingt Biker-Sound, aber man konnte deutlich hören, warum die Jungs mal als Nachfolger der Beatles gehandelt wurden. Wer jetzt nach den Hits grübelt: „Wall Street Shuffle“, „I’m not in Love“, „Dreadlock Holiday“ und „Rubber Bullets“.

Andreas Bergerforth von Thunderbike hat gut lachen seine „PainTTless“ wurde in diesem Jahr World Championship-Sieger in Sturgis
Andreas Bergerforth von Thunderbike hat gut lachen seine „PainTTless“ wurde in diesem Jahr World Championship-Sieger in Sturgis

Harley-Dealer im Village

Die offiziellen Harley-Dealer im Village werden immer mehr – und hier müssen sie schon etwas Besonderes bieten. Highlight in diesem Jahr war natürlich der World Championship-Sieger „PainTTless“ auf dem Stand von Thunderbike. Mit mehreren Kundenbikes und Projekten war das Team von Andreas Bergerforth auch auf den Bikeshows erfolgreich. Gleich nebenan zeigte H-D Baden-Baden neue Rick’s-Teile und ein halbes Dutzend neue Bikes. Siegerbike der Harley-Davidson Bikeshow war ein Privataufbau der zugleich auch Gewinner der 10. CCE Bike Show Championship Klasse wurde: Darin drehten sich zwei 26-Zoll Rick’s „Rodder“ Räder!

In diesem Jahr war die Village einmal nicht die erste Anlaufstation, wenn man aus Drobollach kam. Mit einigem Aufwand stampften vor dem Waldstück nach Faak Triumph und KTM ein neues Eventgelände aus der Parkschleife: Clocktower Harley-Davidson. Während für die auf Straßenniveau gelegenen Stände aufwändige Pfahlbauten errichtet wurden, versanken die tiefer gelegenen Teile natürlich im Regensumpf und mussten, wie in der Village, mit Holzschnitzeln aufgefüttert werden. Der mangelnde Zuschauerandrang lässt Zweifel an einer Wiederholung des Experiments aufkommen.
 

Nicht so richtig lebendig ging es auch am „Stockerl“ auf der Höhe bei Egg zu: Mit bestem Blick auf den See und die Karawanken standen die drei Party-Zelte der Hells Angels eher einsam auf der Höhe. Angesichts laufender Polizeiaktionen hatten es die Member wohl vorgezogen, diese European Bike Week anderswo zu verbringen.

Ziel der Boss Hoss-Parade: Die Kodlin-Show im Casino von Velden

Customizer überall

Die European Bike Week ist zugleich auch die erste Messe der nächsten Schraubersaison, weshalb wir uns natürlich bei den zahlreichen Ständen in der H-D-Village und auf der Arneitz Custom Show umgesehen hatten. Bei letzterer werden die Karten in jedem Jahr neu gemischt: In diesem Jahr vermisste man den Stand von W&W Cycles, und der Standort von RRC wurde von Victory und Boss Hoss belegt. Die V-8 Big Bikes waren mit über drei Dutzend Motorrädern am See und paradierten am Donnerstag nach Velden, wo Fred Kodlin im Casino seine neusten Bagger und Custom-Kreationen vorstellte. Aus den USA war Custom-Prominenz angereist und checkte die Szene aus: Angeführt von Holger Mohr, jetzt MAG, kamen MAG-Europamanager Robert Brinkmark, Küryakin Director of Sales Marc Wolfram und der neue J&P-Cycles-Chef Zach Parham nach Faak.
Auch nach anderthalb Jahrzehnten rollen durch Faak noch jedes Jahr neue Bikes. Und wer nach 15 Jahren behauptet, schon alle Routen nach und von Faak gefahren zu sein, der ist noch nicht weit genug gefahren. Es kann also weitergehen. Die nächsten fünf Jahre European Bike Week sind lauf HOG-Director Nigel Villiers auf jeden Fall schon gesichert.
Wer sich nach dem Trubel alles noch mal in Ruhe ansehen will: Die Event-DVD von „Studio1-Scheidel“ wird auf unserer CUSTOMBIKE-Messe am ersten Dezember-Wochenende ihre Premiere haben.

Info: Nächste European Bike Week: 3. - 8. September 2013
Nächste European Bike Week: 3. - 8. September 2013


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Stand:23 June 2018 00:56:55/motorrad/events/european+bike+week_1210.html