Ride Thailand

05.12.2014  |  Text: Biker-Lifestyle TV, Gerd Scheidel  |   Bilder: Biker-Lifestyle TV, Gerd Scheidel
Ride Thailand Ride Thailand Ride Thailand Ride Thailand Ride Thailand Ride Thailand Ride Thailand Ride Thailand Ride Thailand Ride Thailand Ride Thailand Ride Thailand Ride Thailand
Ride Thailand
Alle Bilder »
Rundum-sorglos-Pakete auf der Harley, das gibt’s jetzt auch in Thailand. Nur die Polizei müsst ihr noch selbst schmieren Thailand ist unter deutschen Bikern längst kein Geheimtipp mehr. Wenn im Dezember der Winter in Deutschland …
Rundum-sorglos-Pakete auf der Harley, das gibt’s jetzt auch in Thailand.
Nur die Polizei müsst ihr noch selbst schmieren

Thailand ist unter deutschen Bikern längst kein Geheimtipp mehr. Wenn im Dezember der Winter in Deutschland dräut und alles grau in grau gefärbt hat, pilgern unsere Biker in dieses Land, das 30 Grad und Sonnenschein garantiert.
Drückend schwül kann es in Thailand aber auch sein. Dann ist Nicky’s Handlebar ein gutes Basecamp zum Akklimatisieren. Das Bikerhotel mitten in Patong ist kultig eingerichtet. Motorräder stehen dort auch bereit, und das wildeste Bike mit zwei 360er-Walzen hatten wir in der BIKERS NEWS schon mehrfach vorgestellt.
Phuket wiederum wird allmählich sowas wie der südostasiatische Ballermann. Dort führt Sumon seinen Bikershop. Und dort kriegen wir die Harleys für unseren Trip, denn das Breit­reifenbike aus der Handlebar ist für entspanntes Reisen nicht geeignet. Wir werden auf Sumons Harleys eine Woche lang von der Insel Phuket in Richtung Norden nach Hua Hin reiten. Macht mit Rückweg 1600 Kilometer, und obendrein werden wir in Hua Hin auch noch den größten Fail der Reise erleben.

Wen interessieren diese Buddhas? Schaut euch unsere Harleys an!

Wir schmeißen die Harleys an

Nachdem wir die ersten beiden Tage in Nicky’s Hotel und im Rummel von Patong verbracht haben, ruft endlich die Straße. Mit einer Heritage Softail, einer 105er Jubiläums-E-Glide und einer 105er Fat Boy starten wir frühmorgens in Patong. Auch Patong ist ein Moloch geworden, wir kämpfen uns durch den morgendlichen Verkehr in Richtung Khao Lak. Hinter Phuket werden die Straße und der Verkehr erträglicher. Wir haben Glück und es ist nicht ganz so heiß. Eine angenehme frische Brise Nordwind bläst uns entgegen.
Über die Sarasin-Brücke verlassen wir die Insel Phuket und fahren auf dem Festland nach Khao Lak. Nach einem kleinen Fotostopp an den Traumstränden geht es weiter über Takua Pa nach Ranong, an Kautschukplantagen vorbei. 320 Kilometer haben wir heute hinter uns gebracht und bleiben für 26 Euro eine Nacht in Ranong.
Am nächsten Morgen starten wir früh durch, da ist es noch nicht so heiß, das haben wir nun gelernt. Die Temperaturen liegen bei 25 Grad, gerade angenehm zum Fahren. Nach einem kurzen Stopp an den heißen Quellen in Ranong fahren wir am Pun-Ya-Bun-Wasserfall vorbei über die engste Stelle des Festlandes, den Isthmus von Kra. Nur 22 Kilometer ist das Land hier breit. Die Straße ist gut ausgebaut, trotzdem müssen wir wachsam bleiben, denn die Pick-ups und Trucks überholen mit wenig Rücksicht auf Moped- oder Motorradfahrer. Wir müssen immer wieder nach links ausweichen. Ja, den Linksverkehr dürfen wir auch nicht vergessen.

Diese Kulisse konnte noch kein Architekt umgestalten

Der Tourismus zerstört, was er sucht

Sonne und Natur verwöhnen uns. Nächstes Ziel ist Ban Krut. Wir sind jetzt auf der Ostseite Thailands, dem Golf von Siam. Eine kleine Bungalow­anlage direkt am Strand von Ban Krut wartet auf uns. Ban Krut ist noch ein Geheimtipp. Hier ist es sehr ruhig und beschaulich, obwohl sich so langsam auch hier der Tourismus mit Gästehäusern und kleinen Resorts breitmacht. Unsere Nachfolger werden es schon hinkriegen, auch hieraus einen Ballermann zu machen. So ist das nun mal in unserer modernen Welt. Der kluge Hans Magnus Enzensberger hatte das in seiner Tourismuskritik schon vor einem halben Jahrhundert sinngemäß so erklärt: Der Tourismus zerstört, was er sucht –
indem er es findet.
Noch haben wir nur gefunden und nicht zerstört. Wir genießen den Strand und das Meer. Nach 550 Kilometern lassen wir unsere Hintern wieder durchbluten. Am nächsten Tag cruisen wir nur ein bisschen durch die Gegend und besuchen Land und Leute, unter anderem einen schönen Tempel. Der „Wat Thong Sai“ strahlt hoch über Ban Krut in goldenen Glanz. Am Abend bestellen wir feinstes Thai-Food für kleines Geld. Umgerechnet isst man sich hier für drei Euro satt. Das wird nicht mehr lange so bleiben, jedenfalls nach der Theorie von Enzensberger.

Scheiße, Plattfuß! Kein Spaß bei 30° C in der Sonne

Plattfuß ander E-Glide

Am vierten Tag starten wir wieder früh, vorbei an Kautschukplantagen und Bambuswäldern. Plötzlich beginnt unsere E-Glide zu eiern. Ein Blick nach hinten auf den Reifen: Plattfuß!
Im Nirgendwo des Dschungels mit einer Harley eine Panne zu haben, ist gerade nicht witzig. Zum Glück ist die Luft nicht ganz raus, und wir schlingern zur nächsten Mopedwerkstatt. Die findet man in Thailand alle paar Kilometer. Die Thais sind freundlich und hilfsbereit. An der Felge ist kein größerer Schaden zu verzeichnen. Wir pumpen die Pelle voll, und weiter geht die Fahrt in Richtung Norden. Wir haben noch 250 Kilometer bis Hua Hin. Der Reifen verliert zwar weiterhin Luft, aber nur schleichend. Solange wir nicht schlingern, ist alles bestens.
Die letzten Kilometer in die Großstadt müssen wir auf der Autobahn fahren. Das ist auch mal eine Erfahrung, denn hier drängt sich der Schwerlastverkehr. Das heißt in Thailand: Hochbeladene Laster und Pick-ups. Wir überholen schnell, denn bei Seitenwind, fürchten wir, kippen die Fuhren um.
Am Nachmittag kämpfen wir uns durch den Verkehr von Hua Hin zu unserem Hotel ins Zentrum. Die Stadt ist die Sommerresidenz des Königs und überhaupt eine Touristenhochburg. Der sicher beeindruckende Strand ist überfüllt mit Einheimischen und Japanern. Wir haben ja nichts gegen Asien, aber hier gibt es eben zu viele von diesen Asiaten. Das ist kein Ort, an dem wir unseren Urlaub verbringen möchten.

Verkehrsgewühl mit Linksverkehr. Eine ganz normale Szene in einer thailändischen Stadt

Schmiergeld für die Polizei

Die Attraktionen der Stadt sind der Nachtmarkt und der berühmte Bahnhof aus dem Jahr 1922. Als wir den am nächsten Tag besichtigen wollen, geraten wir in eine Polizeikontrolle. Der unfreundliche Beamte kassiert gleich unsere Führerscheine, und dann passiert eine halbe Stunde gar nichts. Wir versuchen immer wieder zu erfragen, was denn nun los sei? Der Sheriff klärt uns endlich auf: Unser Roadcaptain sei sein Motorrad mit einem selbstgestrickten Kennzeichen ohne Stempel gefahren. Außerdem seien unsere Harleys zu laut. Der König hätte hier seine Sommerresidenz und möchte keine lauten Motorräder in der Stadt.
Nach einer längeren Diskussion kommen wir um das Schmiergeld von umgerechnet 22 Euro für jeden nicht herum. Da wird der Beamte plötzlich richtig freundlich. Er bedankt sich herzlich und händigt uns die Führerscheine wieder aus. Tja, auch das ist Thailand. Hua Hin braucht keine Biker.

Diese Kulisse konnte noch kein Architekt umgestalten

Eine Straße durch ein Bilderbuch

Schleunigst fahren wir zurück nach Süden, erst einmal über die nervtötende Autobahn. Tagesziel ist der Hat Thung Wua Laen Beach in der Nähe von Chumphon. Kurz vor Ban Krut verlassen wir den chaotischen Highway. Jetzt folgt eine herrliche Strandstraße mit Palmen und frischer Meeresbrise. Das ist die so genannte „Scenic Route“: Eine neu angelegte Küstenstraße mit wenig Verkehr und immer wieder schönen Ausblicken. Wir erreichen Bang Burd, die in Thailand einmaligen Sanddünen. Einige Kilometer weiter können wir mit unseren Maschinen auf einer alten schmalen Pier hinaus ins Meer fahren. Auch das ist ein Erlebnis der besonderen Art.
Unser nächster Stopp ist die Thung-Maha-Bucht. Dort eröffnet sich von einem Tempel am Hügel eine tolle Aussicht auf die Kalkfelsen.
Vorbei an Dörfern und folkloristischen thailändischen Hütten fahren wir durch die schöne Landschaft von Prachuap Khiri Khan. Die Architekten der Scenic Route haben ganze Arbeit geleistet und den Touristen eine Bilderbuchlandschaft hingemeißelt. Einst hatte die letzte französische Königin sich zum eigenen Amusement ein Dörfchen bauen lassen. Dieses „Hameau de la Reine“ mussten ihre Leibeigenen ganz romantisch als „echte“ Bauern ausschmücken. Die Scenic Route ist ein Hameau de la Reine für jedermann.
Am Spätnachmittag erreichen wir Wua Laen Beach, ein ruhiges Örtchen mit einem Resort direkt am Strand, in dem wir übernachten. Ein bisschen Nightlife vermissen wir nach dem Trubel von Hua Hin. Na, dann trinken wir eben ein paar Bierchen an der Strandbar und knallen uns selbst den Trubel in den Schädel.

Leerer Magen fährt nicht gern: Für den kleinen Hunger gibt es immer was am Straßenrand

Im Sattel durch den Dschungel

Unser vorletzter Tag beginnt mit einem aus­giebigen Frühstück, dann geht es ins Landesinnere durch Tropenwälder zum Khao-Sok-Nationalpark. Wir verlassen den Golf von Siam und fahren wieder den Highway No. 4 nach Süden. Der Nationalpark mit tropischem Regenwald und bewachsenen Kalksteinfelsen liegt 80 Kilometer von Khao Lak entfernt. Die Gegend gehört mit Sicherheit zu den spektakulärsten Landschaften Thailands.
Wer genügend Zeit mitbringt, den führen einheimische Guides zu aufregenden Ausflügen in den Dschungel oder auf Kanu-Touren. Wir aber steigen dafür nicht ab. Stattdessen genießen wir die phantastische Landschaft vom Sattel unserer V-Twins, und die Einheimischen winken uns zu. Wir bleiben noch eine Nacht im Cliff & River Jungle Resort, wunderschön gelegen zwischen spektakulären Kalkfelsen.
Unsere letzten 160 Kilometer zurück nach Phuket genießen wir in vollen Zügen, wir stoppen an einsamen Stränden und fahren die letzten 30 Kilometer die Küstenstraße entlang nach Patong Beach. Ihr habt noch nicht genug? Thailand ist Biker­country. Fast jedes Wochenende steigen irgendwo die Bikeweeks. Auch Nicky und Sumon bieten geführte Touren in die nähere Umgebung wie Phang-Nga und Surat Thani.

Für eine 1600-Kilometer-Tour ist das nichts: Die Breitreifen-Harley von Nicky

Das Benzin ist billiger

120 Euro am Tag kostet eine Harley von Sumon’s Ride Thailand. Der Ritt darauf ist ein unvergessliches Erlebnis. Die Kohle holt ihr beim Essen und den Übernachtungen wieder raus. Drei- bis Vier-Sterne-Anlagen kosten umgerechnet 20 oder 30 Euro das Doppelzimmer. Und der Liter Super lag im letzten Winter noch unter einem Euro.

Der Pool in Nicky’s Handlebar. Achtet mal drauf: Auch Biker reservieren ihre Liegestühle mit Handtüchern
 
  Teilen
Topseller im Shop
Technik 3-D-Druck: Druck it yourself

Technik 3-D-Druck: Druck it yourself

 

Der 3-D-Druck eröffnet neue Wege im Customizing. Wir drucken eine Lampenmaske

Bodensatz

Bodensatz

 

Seit 2015 setzen sich in Norddeutschland engagierte Biker für Obdachlose ein. Anfang April setzte die Initiative mit einer Solidaritäts­ausfahrt erneut…

Harley-Davidson Ironhead Sportster: Rolling Chassis

Harley-Davidson Ironhead Sportster: Rolling Chassis

 

Motorcycle Storehouse zeigt mit diesem Rolling Chassis, was geht. Jetzt seid ihr an der Reihe!

Outlaws MC Bergstraße: Jubiläumsparty

Outlaws MC Bergstraße: Jubiläumsparty

 

Vor zehn Jahren gründete sich das Chapter Bergstraße des Outlaws MC – einige Member haben das große Patchover von 2001 mitge­macht

Fahrbericht: Kawasaki Z 900 RS

Fahrbericht: Kawasaki Z 900 RS

 

Die neue Kawasaki Z 900 RS ist ein rollendes Zitat aus unserer Vergangenheit. Und wenn sie rollt, dann faucht sie sogar wie damals

Machine Gun  Preacher

Machine Gun Preacher

 

In einem früheren Leben war Sam Childers ein drogensüchtiger Krimineller. Heute rettet er afrikanischen Kindern das Leben – und greift dafür auch zur …

Indian Scout: Spyke

Indian Scout: Spyke

 

SK-Bikes hat für Custom Chrome eine Indian auf die Räder gestellt. Wir haben die Scout im Nordpfälzer Bergland von der Leine gelassen

50 Jahre Cavemen MC

50 Jahre Cavemen MC

 

Der Cavemen MC wurde 1968 von US-Soldaten gegründet, die in Zweibrücken stationiert waren. Er zählt damit zu den ältesten Motorradclubs Deutschlands

Daytona Bike Week: Die Siebenundsiebzigste

Daytona Bike Week: Die Siebenundsiebzigste

 

Im Zentrum des größten Motorradtreffens der Welt sind Kuttenträger nicht gerne gesehen, Einprozenter absolut unerwünscht

70 Jahre Hells Angels MC

70 Jahre Hells Angels MC

 

Im März feierte der Hells Angels MC sein 70-jähriges Bestehen. Die offizielle Europa-Party stieg in Berlin

Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt

Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt

 

Rund um den Globus ist der Rote Baron ein beliebtes Thema für Customizer. Wir zeigen eine Auswahl der besten Bikes

Roter-Baron-Special: Manfred von Richthofen

Roter-Baron-Special: Manfred von Richthofen

 

Der Rote Baron war der erfolgreichste Jagdflieger des Ersten Weltkriegs – nach seinem Tod vor 100 Jahren wird er in Popkultur und Customszene zum Über…

Topseller im Shop
Stand:19 June 2018 14:11:27/motorrad/reisen/ride+thailand_1411.html