BIKERS NEWS – Die History

31.12.2014  |  Text: BIKERS NEWS  |  
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BIKERS NEWS – Die History
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Wir erzählen die Geschichte der ersten 35 Jahre BIKERS NEWS Der Discjockey, Möbelhändler und Bones-Member Günther Brecht wurde „Fips“ genannt. Denn er hatte nicht die stählerne Figur eines klassischen Rockers. Dafür war Fips …
Wir erzählen die Geschichte der ersten 35 Jahre BIKERS NEWS

Der Discjockey, Möbelhändler und Bones-Member Günther Brecht wurde „Fips“ genannt. Denn er hatte nicht die stählerne Figur eines klassischen Rockers. Dafür war Fips ein Mann der Tat. Anfang der Achtzigerjahre schickte er ein maschinengetipptes Rundschreiben an alle Clubs, die er in seiner Eigenschaft als Bones-Member kannte: Die Szene würde doch eine Zeitschrift brauchen, unzensiert und ohne Bevormundung. Er würde sie machen, wenn genügend Clubs zusammenkämen, um das Projekt zu unterstützen. Das erste Heft stellte er, noch etwas naiv, als „Angel News“ vor.

Fips war in den ersten Jahren Member des Bones MC. Im Gegensatz zu seinen grimmig dreinblickenden Brüdern konnte er lachen. 1980 gründete er die BIKERS NEWS

Welches war die erste BIKERS NEWS?

Das war vor 35 Jahren. Hatte Fips wirklich damit gerechnet, dass wir mal so weit kommen würden? Er hatte einfach nur angefangen. Und so können wir ja nicht mal wirklich sagen, welches eigentlich die erste BIKERS NEWS war. Die allererste Ausgabe war schließlich eine sogenannte „Null-Nummer“, ein Referenz-Exemplar, mit dem zukünftige Leser und Anzeigenkunden schon mal etwas in die Hand bekommen, was demnächst vielleicht regelmäßig erscheinen könnte. Auch die zweite Ausgabe wirkte noch zu unbeholfen, als dass man sie hätte für voll nehmen können, aber sie hieß immerhin schon mal „BIKERS NEWS“. Erst die dritte Nummer, sie trug die offizielle Nummer „2“, zählen wir als unsere erste echte Ausgabe. Auf ihr schmunzelte uns Gene entgegen, der President des Bones MC Mannheim.
Das Blättchen war schwarzweiß, zählte 24 Seiten, und es war im Zeitschriftenhandel nicht zu erwerben. Die Leser mussten es abonnieren, denn es sollte nur unter Insidern kursieren. Damit wollte Fips einem stetig wachsenden Bedürfnis der Rockerszene entsprechen. Auf den damaligen Versammlungen der Club-Presidenten, den sogenannten „Presi-Rallys“, war der Ruf nach einem Forum laut geworden, in dem öffentlich und bundesweit Gerüchte und Missverständnisse geklärt würden. Zu oft hatte es zwischen den Clubs geknallt. Nun konnten die Clubs die BIKERS NEWS ordern und auf diesem neuen Forum miteinander kommunizieren.

die ersten hefte

Den Dingen auf der Spur

Die BIKERS NEWS wäre vielleicht ein schmieriges Blättchen mit ein paar Nacherzählungen von Bikerpartys und einem jährlich angehängten Treffen-Kalender geblieben, wenn Fips sich nicht wenig später einen promovierten Kunstwissenschaftler namens Dr. Hans D. Baumann ins Boot geholt hätte. Die damals üblichen Tanklackierungen hatten sein künstlerisches Interesse geweckt, und er arbeitete seitdem für das AME-Magazin.
Als „Doc Baumann“ brachte er nun ein anspruchsvolleres Profil ins Blatt. Er recherchierte als Erster das Clubverbot des Hells Angels MC Hamburg von einer anderen Seite und legte dessen Hintergründe offen. Das Ergebnis seiner Recherchen: Ausgerechnet ein Paragraph aus dem Vereinsgesetz musste zur Begründung des Verbotes herhalten. Es hatte sich zum Ärger der Staatsanwaltschaft herausgestellt, dass kein anderes Gesetz gegen die Hells Angels juristisch greifen konnte.
Auch anderen Missständen und Unverhältnismäßigkeiten der Behörden kam Doc Baumann auf die Spur. Darüber hinaus engagierte er sich im „Komitee“, einem der ersten Zusammenschlüsse von großen colourtragenden MCs. Und legendär wurde sein Engagement gegen ein Plakat der Polizei, das Biker als mit Knüppeln und Morgensternen bewaffnete Schläger diskriminierte. Es führte zur Gründung der Biker Union, der ersten Interessenvertretung der Biker und Rocker in Deutschland – und Doc Baumann wurde deren erster Pressesprecher.
Die BIKERS NEWS wurde unter seiner Feder zu so etwas wie dem „Spiegel“ der Bikerszene. Einzelne Artikel bekamen ein Niveau, das so gar nicht der Erwartung gegenüber einem schmierigen Rocker-Magazin entsprach. Und überhaupt mauserte die BIKERS NEWS sich so prächtig, dass die Zeitschrift im Jahr 1989 erstmalig freiverkäuflich am Kiosk auslag.
Die ersten Aufschreie aus der Szene folgten prompt, die Leserbriefseiten quollen über: Wir seien kommerziell geworden und hätten unsere Glaubwürdigkeit als Szene-Magazin verloren.
Diese Kritik sollte uns in immer neuen Variationen über Jahre und Jahrzehnte bis zum heutigen Tag begleiten. Der Kollege eines Boulevardblattes erklärte uns jüngst, genau das kenne er von den Redakteuren der linken Tageszeitung „TAZ“. Die müssten ihr Blättchen auch gegen alle Fronten aus den eigenen Reihen verteidigen. So sei das nun mal in Subkulturen. Warum sollte es uns besser gehen?

BIKERS NEWS 06/91. Zum ersten Mal gibt Doc Baumann der Rubrik „Mein Senf“ ein Gesicht. Nach 15 Jahren verlieh er es der BIKERS NEWS 12/05 zum letzten Mal

Gesichter der BIKERS NEWS

Die BIKERS NEWS hatte mit ihrem frei verkäuflichen Auftritt immerhin ein Gesicht bekommen. „Mein Senf“, die Rubrik auf der ersten Seite, war ursprünglich mal von Fips, mal von Doc, mal aber auch von Oluf Zierl oder irgendeinem anderen Mitarbeiter verfasst worden. Anfang der 90er Jahre verfasste sie nur noch Doc, im Juni 1991 erstmalig mit seinem Bild über der mittleren Spalte. Der bärtige Mann mit Sonnenbrille wurde unser Markenzeichen. „Mein Senf“ war Doc Baumann, und Doc Baumann war die BIKERS NEWS.
Professionell waren wir damit noch lange nicht. Nach wie vor fehlte ein Mann für die tägliche Arbeit in der Redaktion. Denn es stellte sich immer wieder heraus, dass Reporter, die aus der Rockerszene kamen, nicht in der Lage waren, seriöse Pressearbeit zu leisten. Und umgekehrt wagte sich kaum ein seriöser Pressemann in die Rockerszene.
Mitte der 90er Jahre war Dr. Michael Ahlsdorf als freier Journalist in Berlin tätig, auch er ein promovierter Geisteswissenschaftler, diesmal mit Abschluss in Philosophie. Für die BIKERS NEWS hatte er immer wieder Storys geschrieben. Er hatte Erfahrungen mit den ersten Reibungen zwischen westdeutschen und ostdeutschen MCs gewonnen, und er hatte bei anderer Gelegenheit die Machenschaften eines Berliner Polizisten in dessen ganz persönlicher Hetzjagd auf umgebaute Harleys aufgedeckt.
So war er kein unbeschriebenes Blatt, als er 1997 nach Mannheim zog, um dort den Posten in der Redaktion zu übernehmen. Innerhalb von einem Jahr übernahm er deren Leitung und zeichnete verantwortlich für den Umfang und die Inhalte aller Storys. Als Doc Baumann sich im Jahr 2005 auch von der ersten Seite der BIKERS NEWS verabschiedete, wurde der „Ahlsdorf“ das neue Gesicht der BIKERS NEWS. Ein Übergang im redaktionellen Konzept war kaum zu spüren.

Frontmann ist jetzt Michael Ahlsdorf

Die Kritik unserer Leser

Und so soll es auch bleiben. Denn die Kritik, die Leser an uns üben, hat sich über die Jahre nicht geändert: Die einen beschweren sich, weil wir zu viel über die großen Clubs berichten, die anderen beschweren sich, weil wir zu viel über die kleinen Clubs berichten. Die einen beschweren sich, weil wir zu viel über japanische Motorräder berichten, die anderen beschweren sich, weil wir zu viel über Harleys berichten. Und seitdem wir auch noch einen gewissen Generationenwechsel verzeichnen, beschweren sich die einen, weil wir den Neulingen aus der Migranten-, Streetgang- und Hooligan-Szene ein Forum geben, die andern beschweren sich, weil wir nur über vergreiste Biker berichten, die zunehmend an vorzeitiger Altersschwäche sterben.
Jenseits dieser öffentlichen Kritik klingelt bei uns auch immer wieder das Telefon. Dann melden sich die Clubs, die meinen, dass sie in der Berichterstattung zu kurz kommen und nur die jeweils anderen Clubs die Berichte mit Poster und vielen Seiten kriegen. Und dann melden sich auch noch die Customizer, die meinen, dass sie in der Berichterstattung zu kurz kommen und nur die jeweils anderen Customizer die Berichte mit Poster und vielen Seiten kriegen. Auch hier ist alles gut verteilt. Die Beschwerden kommen von allen Seiten. So wissen wir, dass wir noch immer gut in der Mitte liegen, und deshalb müssen wir uns über unsere Neutralität keine Gedanken
machen.
Um es mal wieder klar zu sagen: Wir verstehen uns nicht als die Richter der Szene, auch nicht als ihr Sprachrohr. In beiden Fällen hätte die Szene ja nur eine Wahrheit und nur eine Stimme. Wer sich aber in der Szene umschaut, der weiß, wie viele Stimmen wir haben. Für diese Vielzahl der Stimmen sind wir das Forum. Wir verweigern niemandem den Zutritt. Bei uns kommt jeder zu Wort, und deshalb können unsere Artikel einander auch immer mal widersprechen.

BIKERS NEW mittendrin. Auf dem Boden liegt unser Chefredakteur, er wurde im Mai 2011 festgenommen, als er zwischen die Fronten einer Auseinandersetzung unter Rockern geriet

Die Polizei liest mit

Immerhin werden wir auch von bürgerlicher und behördlicher Seite gelesen, weil wir nämlich nicht das Sprachrohr eines einzelnen sind. Aber Achtung: Die Tatsache, dass auch die Polizei zu unseren aufmerksamen Lesern gehört, macht unseren Job nicht leichter. Seitdem sitzen wir nicht nur zwischen den Stühlen verfeindeter Clubs. Und deshalb können wir die wissbegierigen Leser nur um Verständnis dafür bitten, dass wir eben nicht über alles berichten. Das schädigt gelegentlich auch unsere journalistische Qualität. Und mit schöner Regelmäßigkeit klopft der Staatsschutz bei uns an, weil wir in irgendeinem Bild ein mikroskopisch kleines Hakenkreuz übersehen haben, das in den USA jeder Biker trägt, das wir aber natürlich hätten schwärzen müssen. Bei anderen Zeitschriften rutscht sowas locker durch, wir aber müssen presserechtlich noch sauberer sein als die anderen.
Als das Insider-Magazin der ersten Jahre musste die BIKERS NEWS sich um das Presserecht kaum scheren. Am öffentlich zugänglichen Zeitschriftenmarkt ist das anders. Auch deshalb singen viele Leser das ewige Lied davon, dass früher alles besser war. Von Korruption der BIKERS NEWS ist dann die Rede, vom Verlust der Glaubwürdigkeit als Szene-Magazin, und ganz Schlaue lassen das Wort „Biker Bravo“ fallen.
Stimmt. Wir sind bunt geworden. Wir sind dicker geworden. Wir sind teurer geworden. Dafür sind wir aber auch besser geworden. Und wir wollen noch besser werden. Die nächsten Herausforderungen liegen nicht in der Clubpolitik, sondern in den neuen Medien. Wir haben längst damit angefangen: Ihr findet uns im Internet, wir zeigen Filme, und unser Magazin wird auch als App verkauft. Wie lange wir noch auf Papier erscheinen? Wir wissen’s nicht. Aber die nächsten 35 Jahre können kommen.

die ersten hefte
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Stand:24 June 2018 08:48:05/motorrad/specials/bikers+news+-+die+history_1412.html