Panhead – Das nächste Leben

09.04.2014  |  Text: Christian Heim  |   Bilder: Christian Heim
Panhead –  Das nächste Leben
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Der Panhead-Motor ist der schönste Motor, den Harley je gebaut hat. Aber wie ein schönes Geschenk steckt er voller Überraschungen Er folgte dem Knucklehead. Ab 1948 baute Harley-Davidson den Panhead-Motor. …
Der Panhead-Motor ist der schönste Motor, den Harley je gebaut hat.
Aber wie ein schönes Geschenk steckt er voller Überraschungen


Er folgte dem Knucklehead. Ab 1948 baute Harley-Davidson den Panhead-Motor. Seinen Namen verdankte er den pfannenförmigen Zylinderkopfdeckeln. Die Zylinderkopfdeckel des Knuckleheads waren – auch der Name sagte es – knöchelförmig wie die Knöchel einer Hand.
Beim Panhead handelte es sich um eine Weiterentwicklung des Knuckleheads. Der Panhead setzte zwar weiterhin auf Grauguss-Zylinder, trug allerdings Zylinderköpfe aus Leichtmetall. Auch waren die Ölleitungen jetzt innenverlegt, um den Motor sauber zu halten. Das Erscheinungsbild des Panheads war damit cleaner und massiver. Er prägte das klassische Bild einer typischen Harley. Auch die Bikes des Films „Easy Rider“ waren Panhead-Harleys.
Der Panhead wurde von 1948 bis 1966 gebaut. Seine Kurbelgehäuse wurden noch weitere vier Jahre für die sogenannten „Early Shovel“-Motoren verwendet, bis der Shovelhead-Motor vollständig fertig war.

Nach der Revision: Der Panhead erstrahlt in neuem Glanz
Nach der Revision: Der Panhead erstrahlt in neuem Glanz

Schwer verbastelt

Inzwischen sind gut erhaltene Exemplare schwer zu bekommen und zudem nicht gerade billig. Die noch verfügbaren Panheads haben ein bewegtes Motorleben und zahllose Umbauten und Umbauversuche hinter sich. Oft genug sind sie gar schwer verbastelt. Dieses Schicksal teilen fast alle Panhead-Triebwerke nach über einem halben Jahrhundert. So auch das Exemplar, das jetzt bei SinCity Cycles auf der Werkbank steht und auf seine Restauration wartet.
Die Motornummer, die auf dem Gehäuse eingeschlagen ist, weist das Baujahr 1954 aus. Somit handelt es sich um einen ursprünglichen 73-cui-Motor, also mit umgerechnet knapp über 1200 ccm Hubraum und einer Leistung von bis zu 55 PS. Was genau in dem V2 steckt, kann niemand sagen, ohne ihn geöffnet zu haben, denn sehr wahrscheinlich wurde auch dieser Motor modifiziert.

Der Panhead sieht auf den ersten Blick nicht schlecht aus. Aber welche Überraschungen lauern drinnen? Zügig wird der Motor zerlegt
Der Panhead sieht auf den ersten Blick nicht schlecht aus.
Aber welche Überraschungen lauern drinnen? Zügig wird der Motor zerlegt

Die Schäden im Innern

Als Ralf und Manfred sich ans Zerlegen machen, wird schnell klar, dass es sich hier um ein verbasteltes Aggregat handelt. Die Rockerboxen lassen sich nur schwer abnehmen, da die Korkdichtungen eingeklebt sind, um Undichtigkeiten in den Griff zu bekommen. Auch unter den Rockerboxen offenbaren sich Schäden. Die Kipphebel sind beschädigt und müssen getauscht werden. Zudem finden sich am Motor immer wieder metrische Gewinde, wo eigentlich zöllige sein sollten. Damit bestätigt sich schnell der erste Eindruck: Der Motor ist mehrfach modifiziert worden. …
 

Dann kommen die Köpfe runter, und das Staunen geht weiter. Die Ventilsitze waren ursprünglich mal aus Messing, sind jetzt aber aus Stahl. Auch hier hatte jemand bereits Hand angelegt. Das Einlassventil ist „Oversize“ und stammt vermutlich von einem Shovelhead-Motor. Auch Stößelstangen und Tappets sind in einem bescheidenen Zustand. Nachdem die Zylinder runter sind steht auch fest, dass bei diesem Panhead der Hubraum vergrößert wurde. Die Kolben haben inzwischen das siebte Übermaß, und obwohl die Kurbelwelle vom 1200er stammt, sind die Zylinder selbst von einem 1000er Panhead entnommen. Deshalb auch die Verwendung von „Stroker Plates“. Sie verschaffen dem Kolben Luft nach oben, da die verbauten Zylinder ganz einfach etwas zu kurz sind. In dieser Konfiguration wurde kein Panhead je ab Werk ausgeliefert. Hier haben Bastler genommen, was sie gerade zur Hand hatten.

Nachdem Rockerbox und Zylinderkopf abgenommen sind, offenbaren sich die ersten Überraschungen. Sichtkontrolle der Zylinder: Das ist nicht mehr  original! Mit dem siebten Übermaß werden  neue Zylinder und Kolben fällig
Nachdem Rockerbox und Zylinderkopf abgenommen sind, offenbaren sich die ersten Überraschungen.
Sichtkontrolle der Zylinder: Das ist nicht mehr original! Mit dem siebten Übermaß werden neue Zylinder und Kolben fällig


Lack macht dicht

Auch das Motorgehäuse hält ein paar Überraschungen bereit. Es ist innen rot lackiert. Mit diesem Verfahren hat man früher versucht, die schlechte Gussqualität auszugleichen und die Undichtigkeiten in den Griff zu bekommen. Das Öl diffundierte oft einfach durch die Poren. Die Farbe sollte das verhindern.
Und um das zusätzliche Markierverhalten des ehrwürdigen Motors abzustellen, hat man ganz einfach die Motorgehäuseentlüftung zugelötet. Was nicht entweichen kann, tropft auch nicht auf den Boden. Bestechende Logik und dennoch sinnlos. Dass die Nockenwellen beschädigt sind, verwundert schließlich niemanden mehr.
Alles das war irgendwie zu erwarten. Schließlich dürfte der betagte V2 aufgrund seines Alters unzählige Kilometer auf dem Buckel haben. Laufleistungen von 500.000 Kilometern und mehr sind bei manchen Exemplaren keine Seltenheit. Das müssen heutige Triebwerke erst einmal nachmachen.

Jetzt ist der Motor bis auf das Gerippe gestrippt
Jetzt ist der Motor bis auf das Gerippe gestrippt

Erste Bestandsaufnahme

Nach der vollständigen Demontage erfolgt die Bestandsaufnahme der defekten Teile. Vieles wird im Haus SinCity Cycles wieder aufbereitet und restauriert, doch etliche Parts müssen nachbestellt werden. Zum Glück bietet der Aftermarket noch ausreichend Ersatzteile für alte Harley-Motoren.
Bis alle Parts in Sinsheim eintreffen, gibt es noch einiges zu tun. So müssen sämtliche Deckel und Gehäuse gestrahlt werden, um die Spuren der Zeit zu beseitigen und dem Material neuen Glanz zu verpassen. Viel Zeit nimmt das Nachschneiden der Gewinde in Anspruch, die durch die Behandlung in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Schließlich sollen die Schrauben wieder richtig fest sitzen, ohne chemische Hilfsmittel.
Da der komplette Motor schon zerlegt ist, wird auch gleich das Kurbelwellenspiel überprüft und die Kurbelwellenscheiben werden nachgemessen. Zu viel Spiel verursacht unangenehme und vor allem unerwünschte Vibrationen. Durch Ausrichten der Kurbelwellenscheiben wird der Rundlauf wieder hergestellt.

Prüfen des Kurbelwellenspiels. Der Rundlauf wird durch Ausrichten der Kurbelwellenscheiben wiederhergestellt
Prüfen des Kurbelwellenspiels. Der Rundlauf wird durch Ausrichten der Kurbelwellenscheiben wiederhergestellt

Das zweite Leben

Nachdem die bestellten Ersatzteile bei SinCity Cycles eingetroffen und die vorhandenen Parts aufbereitet sind, kann der Zusammenbau beginnen. Auch das geht ruhig und konzentriert vonstatten. Das bezeugt die Erfahrung, über die Ralf und Manfred verfügen. Zusammen kommen sie auf gut 50 Jahre. Das macht sich bei Motorrevisionen und -restaurationen schnell bezahlt, denn jeder Handgriff sitzt. Das Motorgehäuse ist schnell zusammengefügt, die Kolben sind ein- und die Zylinder aufgesetzt. Die Köpfe erhalten neue Ventilsitze aus Edelstahl, die allerdings noch ein wenig eingeschliffen werden müssen, damit die Ventile auch sauber schließen. Mit dem richtigen Werkzeug ist das kein Problem. Schließlich sitzen die Köpfe, sind die Stößelstangen wieder an ihrem Platz. Neue Kipphebel sorgen für das korrekte Öffnen und Schließen der Ventile. Als auch die polierten Rockerboxen und Gehäusedeckel festgeschraubt sind, strahlt der Panhead beinahe in fabrikneuem Glanz.
Das ist kein Vergleich mehr zu dem betagten V2, der am Anfang auf der Werkbank auf seine Wiederbelebung wartete. Doch nicht nur optisch, sondern vor allem technisch ist der Harley-Motor jetzt bereit, sein zweites Leben anzutreten.

Das Kurbelgehäuse ist wieder zusammengefügt, der Deckel des Steuergehäuses poliert
Das Kurbelgehäuse ist wieder zusammengefügt, der Deckel des Steuergehäuses poliert

Motor-Restaurierungen sind teuer

Wie lange eine Restauration und Revision dauert und wie teuer der Aufwand wird, lässt sich mit einem kurzen äußeren Blick kaum vorhersagen. Alte Motoren sind wie Geschenke: Verpackt und voller Überraschungen. Was an Kosten auf einen zukommt, ist erst klar, wenn alle Teile zerlegt auf dem Tisch liegen. Deshalb solltet ihr keiner schnellen Diagnose trauen.
Tröstend ist nur eines. Mit dem Panhead habt ihr den schönsten V2, den Harley je gebaut hat.
 


 Die Revision ist fast abgeschlossen. Letzte Handgriffe, und dann nochmal drüberwischen
 Die Revision ist fast abgeschlossen. Letzte Handgriffe, und dann nochmal drüberwischen

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In der Au 1
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Tel 07261 - 949 52 38
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Stand:21 June 2018 21:27:35/motorrad/test+und+technik/panhead+-++das+naechste+leben_143.html