Pulverbeschichtung

22.04.2016  |  Text: Penta-Media/Michael Ahlsdorf  |   Bilder: Penta-Media
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Pulverbeschichtung
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Wie funktioniert eigentlich eine Pulverbeschichtung? Um euch das zu erklären, haben wir die Profis von Pulver-Nord besucht
Irgendwann will doch jeder Farbe in sein Leben bringen – zumindest, wenn es ums Motorrad geht. Alles, was nicht zu hohen Temperaturen ausgesetzt ist, lässt sich dann lackieren oder mit Pulver beschichten. Lackieren ist aber nicht immer sinnvoll, denn Lack lässt sich nicht in gleichmäßiger Stärke auf Teile sprühen, die tiefe Reliefs und Kanten aufweisen. Felgen stellen zum Beispiel oft Problemfälle dar. Wir haben uns deshalb von den Profis von Pulver-Nord in Quickborn erklären lassen, wie eine Pulverbeschichtung funktioniert.

Tiefe Reliefs und Kanten sind Problemzonen für normale Lackierungen. Felgen und Rahmenkonstruktionen werden deshalb besser mit Pulver beschichtet – die Farbwahl ist dabei Geschmackssache ...
Tiefe Reliefs und Kanten sind Problemzonen für normale Lackierungen. Felgen und Rahmenkonstruktionen werden deshalb besser mit Pulver beschichtet – die Farbwahl ist dabei Geschmackssache ...

Egal ob Lackierung oder Pulverbeschichtung, in beiden Fällen wird die Oberfläche erst gereinigt, entfettet und anschließend mit Aluminium-Korund abgestrahlt und grundiert. Alte Lacke werden manchmal auch chemisch entfernt. Dem geht immer eine Abwägung des Einzelfalls voraus, denn unsaubere Oberflächen verursachen genauso Probleme wie zu glatte. Nach der Vorbehandlung werden die Objekte nur noch mit sauberen Handschuhen angefasst.

Und jetzt kommt Trick 17, die elektrische Aufladung der Objekte, denn dann lässt sich das Pulver gleichmäßig auftragen. Das Pulver wird positiv aufgeladen und das zu beschichtende Objekt negativ. Beide hängen dafür an einem Draht. Das Objekt hängt mit Metallhaken an einem Gerüst der Beschichtungsanlage, die Sprühgeräte hängen ihrerseits an einem Kabel. Beide werden an ein Kästchen angeschlossen, das die Ladungen verteilt. Und wie in einem platonischen Gleichnis wollen nun Positiv und Negativ wieder zueinanderfinden, um Eins zu werden.
Das funktioniert so gut, dass tatsächlich kein Pulver daneben geht. Es haftet am Objekt wie eine Styroporkugel, die sich nicht vom Pullover streifen lässt. Die pulverförmige Konsistenz bleibt zunächst erhalten. Sie verwandelt sich erst in den glattflächigen Lack, wenn das Objekt im Ofen erhitzt wird. Tropfnasen-Bildung, wie sie beim Lackieren gefürchtet ist, wird mit diesem Verfahren völlig ausgeschlossen.

Vorher und nachher: Pulverbeschichtung erzeugt keine Lacknasen
Dieser gelbe Kasten regelt die gegenpolige Aufladung. Auch hier ist an der Pulverpistole das dritte Kabel für die negative Ladung zu erkennen

Das mit der Pulverbeschichtung versehene Objekt wird in einem 200 Grad Celsius heißen Ofen erhitzt. Chemisch basiert das bei diesem Beschichtungsverfahren verwendete Pulver auf der Basis von Polyesterharzen. Die sind temperaturempfindlich und beginnen in einem Sintervorgang im Ofen oberflächlich zu schmelzen und mit ihrem Untergrund zu verkleben, bis eine schöne, glatte Oberfläche entsteht.
Teile aus Kunststoff verkraften die thermische Behandlung im Ofen nicht immer, sie sind für die Pulverbeschichtung ungeeignet. Auch Metallteile, die mit Spachtelmasse geglättet wurden, sind nicht mehr geeignet.
Pulverbeschichtungen sind nicht so beständig gegen Chemikalien wie Lacke, sie halten aber im fertigen Zustand Temperaturen bis zu 200 Grad Celsius aus. Und im Vergleich zu einer Lackierung, die über längere Zeit noch aushärten muss, ist die Pulverbeschichtung, wenn sie nach Temperaturbehandlung im Ofen abgekühlt ist, fertig und chemisch abgeschlossen.
Eine Stammtischlegende ist das Problem mit den Massekontakten eines pulverbeschichteten Objekts. Natürlich muss der Lack ab, wenn ein Massekontakt erforderlich ist. Aber auch eine Pulverbeschichtung lässt sich abschmirgeln und schon könnt ihr an der blanken Stelle ein Massekabel anlegen. Oder ihr erklärt eurem Lackierer, an welcher Stelle der Massekontakt erforderlich ist, dann kann er sie vor der Beschichtung passend maskieren.

Vorher und nachher: Pulverbeschichtung erzeugt keine Lacknasen
Das unscheinbare Pulver, bevor es verschossen wird

Motorenteile, Krümmer und Auspuffanlagen sind besonders hohen Temperaturen ausgesetzt. Für sie ist die Beschichtung mit Keramik die beste Lösung. Bei Pulver-Nord werden jährlich über 5000 neue und gebrauchte Auspuffanlagen in Erstausrüsterqualität beschichtet.
Die Oberflächen werden auch für dieses Verfahren zunächst gereinigt und mit Aluminium-Korund abgestrahlt. Dann erfolgt die „Cerakote“-Beschichtung. Bekannt ist diese Technik von der Beschichtung von Schusswaffen. Für Cerakote stehen mehrere Schwarz-, Silber-, Grau-, und Goldtöne zur Verfügung. Je nach Farbton sind diese Keramikbeschichtungen von 650 bis 1100 Grad Celsius temperaturstabil und äußerst hart, abriebfest und bieten trotz ihrer geringen Schichtstärke von gerade einmal 25 my (Mikrometer) einen hervorragenden Korrosionsschutz. Selbst auf Dichtflächen und Gewinden ist die Beschichtung deshalb möglich.
Ablösungen, Rissbildungen oder Auskalken kommen weder bei konstant hohen Betriebstemperaturen noch bei Temperaturschwankungen vor. Das liegt daran, dass die Cerakote-Beschichtung eine Verbindung auf molekularer Ebene eingeht. Ihre Basis aus flüssigem Harz bildet während des Härtungsprozesses eine 3-D-Keramikmatrix aus. Die Beschichtung wird wie ein Nasslack aufgesprüht. So kann sie auf verschiedenste Untergründe, wie Stahl, Edelstahl, Titan, Aluminium sowie auf einer Vielzahl von Karbon- und Kunststoffoberflächen, aufgetragen werden.
Die keramischen Beschichtungen sind extrem haltbar. Trotzdem gibt es Grenzen. Wenn ein beschichteter Krümmer direkt dem Steinschlag des Vorderrades ausgesetzt ist, kann es zu Abplatzungen führen. Das hält keine Beschichtung auf Dauer unbeschadet aus.

Die Keramikbeschichtung wird auch zur Oberflächenbehandlung verwendet. Hier ist es sogar möglich, Schriften und Motive aufzutragen
Die Keramikbeschichtung wird auch zur Oberflächenbehandlung verwendet. Hier ist es sogar möglich, Schriften und Motive aufzutragen

Motorteile und Auspuffanlagen können auf Wunsch sogar mit Motiven oder Schriftzügen in einer Kontrastfarbe beschichtet werden. Da geht in der normalen Lackierung und Pulverbeschichtung natürlich noch mehr.
Die den Herstellern vorbehaltenen Originalfarbtöne können allerdings nicht immer sofort getroffen werden, da Zulieferfirmen die Hersteller mit entsprechenden Lacken und Pulvern exklusiv bedienen. Das KTM-Orange gibt’s eben nur für KTM und ein Lackierer muss lange probieren, um diesen Farbton zu treffen. Im Fall von Harleys ist das nicht ganz so kompliziert, da die Company selten neue Farbtöne entwickelt. Stattdessen tauscht sie ihre vorhandenen Farbtöne aus – und die kann auch ein Lackierer inzwischen aus dem Regal ziehen.

Kontakt:
PBN – Pulverbeschichtung-Nord GmbH
Max-Weber-Straße 41
25451 Quickborn
Tel. 04106 71929
www.pulver-nord.de
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