Starthilfe

14.08.2013  |  Text: Stoll/Ahlsdorf  |   Bilder: Stoll
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Ein Druck auf den Startknopf erweckt das Bike zum Leben. Kein Problem mit der „Aliant“ von Jamparts, auch nicht nach einem halben Jahr Standzeit Kicker ist cool, aber nach der dritten Meniskus-Operation recht mühsam. Und passende Starterbatterien …
Ein Druck auf den Startknopf erweckt das Bike zum Leben. Kein Problem mit der
„Aliant“ von Jamparts, auch nicht nach einem halben Jahr Standzeit


Kicker ist cool, aber nach der dritten Meniskus-Operation recht mühsam. Und passende Starterbatterien gibt’s inzwischen zuhauf. So steht der Biker vor der Qual der Wahl. In den Regalen der Vertragshändler und des Aftermarkets buhlen Blei-Säure-Akkus, Gel- und Vlies-Batterien und neuerdings auch Lithium-Akkumulatoren um seine Gunst. Welchem Kraftpaket soll er den Vorzug geben?

Batterien im  Vergleich

Batterien im Vergleich


Blei-Säure-Akkus kennen wir schon lange. Sie sind die günstigsten auf dem Markt, bedürfen aber einiger Pflege, um ihre Leistung zu erhalten. Die unbefüllte Standardbatterie ist in der Regel trocken vorgeladen. Vor dem Einsatz muss sie mit Batteriesäure befüllt, geladen und dann regelmäßig kontrolliert werden. Bei Bedarf wird destilliertes Wasser nachgefüllt, niemals aber Batteriesäure. Diese Blei-Akkus gibt es auch in zwei wartungsfreien Versionen. Bei der unbefüllten Version wird ein Säurepack mit der exakt benötigten Menge eingefüllt. Danach wird die Batterie für immer verschlossen. Diese Batterien mit dem Zusatz MF für „Maintenance Free“ (wartungsfrei) werden auch bereits befüllt mit versiegelten Verschlussstopfen ausgeliefert. Das Geheimnis der Wartungsfreiheit liegt im geschlossenen Kreislauf. Freigesetzter Sauerstoff und Wasserstoff verbinden sich beim Laden des Akkus wieder zu Wasser, das sich beim Entladen in Sauerstoff und Wasserstoff aufspaltet.
Blei-Säure-Akkus mögen weder Kälte noch lange Standzeiten ohne regelmäßige Ladezyklen. Außerdem müssen sie unbedingt aufrecht stehend eingebaut werden. Weitere Nachteile sind das hohe Gewicht und die großen Abmessungen.

Drei Gene­rationen:  Das ist die Original-Starterbatterie für die Ironhead-Sportster Baujahr 1978. Gut, dass es inzwischen zahl­reiche Alternativen in kleinerem Format gibt …

Gel-, Vlies- und Reinblei-Akkus

Mit dem Aufkommen von Gel- und Vlies-Batterien haben sich für Customizer neue Möglichkeiten eröffnet. Ihr Innenleben besteht immer noch aus Blei und Schwefelsäure, doch die Flüssigkeit wird durch Glasfasermatten bei Vlies-Akkus oder Kieselgur bei Gel-Batterien gebunden. Diese Akkus können auch über Kopf oder liegend eingebaut werden. Sie sind komplett wartungsfrei, allerdings keine Leichtgewichte.
 

Die amerikanische Firma Hawker brachte vor einigen Jahren so genannte „Reinblei-Batterien“ mit AGM-Technologie auf den Markt. AGM steht für „Absorbent Glass Mat“, die Hawker ist also eine Vlies-Batterie. Der patentierte chemische Aufbau besteht aus einer Blei-Zinn-Legierung. Durch diese Legierung sinkt der Innenwiderstand des Akkus, die Batterie gibt bei hoher Stromentnahme nicht so schnell auf wie herkömmliche Startpakete. Außerdem ist sie kältestabiler und verträgt auch hohe Ladeströme. Nachteile sind der höhere Preis und das immer noch deftige Gewicht von mehreren Kilo.

so ist der Reinblei-Vlies-Akku bereits deutlich kleiner und leichter

Lithium-Ionen-Technologie


Die ersten Lithium-Ionen-Akkus kamen vor rund 20 Jahren auf. Diese Lithium-Cobaltoxid-Batterien fanden in Digitalkameras, den ersten Handys und Laptops ihre Verwendung. Sie waren bisweilen brandgefährlich, hatten einen Memory-Effekt und waren nach relativ kurzer Dauer reif zur Entsorgung.
Im Fahrzeugbereich hat sich nun der Lithium-Eisenphosphat-Akku durchgesetzt. Er gilt als sicher, da im Betrieb kein Sauerstoff freigesetzt wird. Diese Akkus enthalten keine Säure, können in jeder beliebigen Lage eingebaut werden und liefern hohe Kaltstartströme. Außerdem sind sie ausgesprochene Leichtgewichte und bestechen durch ein kleines Baumaß. Also wie geschaffen für Gewichteinsparer, Pflegemuffel – und für Customizer.
Allerdings reißen die kleinen Kraftpakete ein ziemlich großes Loch in den Geldbeutel. Dazu kommen unter Umständen noch die Anschaffungskosten für ein spezielles Ladegerät. Auch die Auswahl unter den Gehäusegrößen ist noch beschränkt. Immerhin sind die angebotenen Varianten meist kleiner als die ursprüngliche, vom Motorradhersteller eingebaute Batterie. Dr. Koster Customs fertigt diese Lithium-Akkus sogar schon maßgeschneidert nach Kundenwunsch.

Der Lithium-Akku wird vor­­geladen geliefert und kann direkt eingebaut werden

Ironhead-Sportster als Testobjekt

Wir haben an unserer alten Ironhead-Sportster einen Aliant-Lithium-Eisenphosphat-Akku von Jamparts verbaut. Unser erster Eindruck, als wir ihn auspackten: Der kann gar nicht echt sein, der ist ja viel zu leicht! Die Anzeige unserer Waage brachte es gerademal auf gute anderthalb Kilo. Aber die Batterie war echt, denn am Messgerät zeigte sie 13,35 Volt an. Irgendwo mussten die ja herkommen …
So geschehen im kalten, dunklen Winter zu Weihnachten. Mit dem Einbau ließen wir uns Zeit, wir mussten für das neue Format ja erstmal eine neue Halterung basteln. Kurz hatten wir darüber nachgedacht, ob sie den Heilerschen Formgesetzen der Linienführung folgen sollte, dann aber beschlossen, dass an einer alten, ölenden Ironhead sowieso alles scheißegal ist. Also Kasten gebastelt, zusammengeschweißt und unter die Schwinge gehängt.
Ihr wundert euch, warum es trotzdem so lange gedauert hat? Nun, im Februar und im März hatten wir zwei Biker-Messen auszurichten, die GOOD VIBRATIONS und die ERLEBNIS MOTORRAD. Ihr habt keine Ahnung, was da im Vor- und Nachlauf an Überstunden zusammenkommt, wenn wir nebenbei auch noch die BIKERS NEWS pünktlich in den Druck schicken wollen. Und dann kam das Frühjahr, und mit ihm die ersten Testmotorräder, fabrikneu aus den Hallen der Hersteller. Die Tests mussten aktuell sein, da bliebt eine gammelige Ironhead schon mal ein paar Monate liegen.
 

Inzwischen gibt es sogar maßgeschneiderte Lithium-Akkus.  Zu beziehen bei:  Dr. Koster Customs,  Cosimastraße 158,  81927 München,  www.dr-koster-customs.com

Ideal für Schönwetter-Biker


Das war auch der Sinn der Übung. Denn Jamparts preist die Aliant-Akkus als punktgenau passend für eine ganz besondere Zielgruppe aus unserer Leserschaft an: Alte Biker, die kaum mehr fahren, im Winter sowieso nicht. Schönwetter-Biker, die alle halbe Jahre ihren Ofen rausholen – und die dann erwarten, dass die Mühle nach dieser langen Standzeit auch noch klaglos anspringt.
Und, was glaubt ihr, ist nach diesem halben Jahr passiert, in dem wir den Aliant-Akku von Jamparts nicht mal ans Ladegerät hängten? Nichts. Als wir die Batterie endlich eingebaut hatten, machte es beim Druck aufs Starterknöpchen einfach nur „Rumms“! Die Sportster polterte gierig drauflos, um in ihre erste Frühjahrsausfahrt getrieben zu werden.
Jamparts hat uns nicht enttäuscht. Jetzt können wir die Sporty wieder ein halbes Jahr stehen lassen. Wir vertrauen drauf: Auch zum Saisonabschluss wird die Aliant von Jamparts uns nicht im Stich lassen.

Versteckte Technik: In dem kleinen Kasten unter der Schwinge verstauen wir den Akku. Elegant ist das nicht, aber die kleine Aliant von Jamparts passt immerhin genau da rein
Versteckte Technik: In dem kleinen Kasten unter der Schwinge verstauen wir den Akku.
Elegant ist das nicht, aber die kleine Aliant von Jamparts passt immerhin genau da rein

Welches Ladegerät?

Bleibt zum Abschluss die offene Frage nach einem geeigneten Ladegerät. Das sofortige Lospoltern unserer Ironhead-Sporty war ein wundersames Zusammentreffen glücklicher Ereignisse, und mehrere Startversuche nach langer Standzeit können auch den leistungsstärksten Akku in die Knie zwingen.
Braucht der Biker zum neuen Akku also auch ein spezielles Ladegerät, das die Portokasse mit noch einmal rund 80 Euro belastet? Die Techniker von Jamparts importieren die Lithium-Batterien der Marke Aliant. Sie erklären, dass für ihre Lithium-Batterien die meisten handelsüblichen Ladegeräte verwendet werden können. Ihr solltet nur beachten, dass euer Ladegerät keine Desulfatierungsfunktion hat. Und wenn es eine hat, sollte sie sich abschalten lassen. Ansonsten können die Lithium-Zellen Schaden nehmen. Bei einer Desulfatierung wird die Ladespannung auf einen niedrigen Wert gesetzt und ein spezieller Ladelogarithmus angewandt. Und der funktioniert nur bei den Blei-Säure-Batterien.

Die Techniker von Jamparts können folgende Ladegeräte für Lithium-Akkus empfehlen
Die Techniker von Jamparts können folgende Ladegeräte für Lithium-Akkus empfehlen

Eine hilfreiche Tabelle

Die netten Leute von Jamparts haben uns noch eine Tabelle mitgegeben. Die darin aufgeführten Ladegeräte sollen alle für Lithium-Eisenphosphat-Akkus geeignet sein. Falls ihr euch nicht sicher seid, solltet ihr die Betriebsanleitung eures Ladegerätes zur Hand nehmen. Seriöse Hersteller weisen die Lithium-Ladefunktion aus.
Überhaupt solltet ihr bei allen Batterien auf Ladegeräte von renommierten Herstellern zurückgreifen, die auch hinreichend getestet wurden und zertifiziert sind. Bei Billiganbietern drohen immer gewisse Gefahren: Die Batterie kann explodieren, weil das Ladegerät nicht funkengeschützt ist. Herkömmliche Blei-Säure-Batterien verbreiten oft ätzende, entzündbare Gase. Außerdem können Ladegerät, Batterie und Fahrzeugelektronik beschädigt oder zerstört werden, da die Geräte oft nicht kurzschluss- und verpolungsgeschützt oder elektroniksicher sind.
Tja, Leute, all das ist bei modernen Motorrädern mit viel Elektronik ziemlich wichtig. Heutige Harleys laufen mit programmierten Zündmodulen und Canbus-Verkabelungen, und nicht einfach nur mit Plus und Minus, wie unsere gammelige Ironhead-Sporty.



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Stand:23 June 2018 00:54:06/motorrad/test+und+technik/starthilfe_137.html