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Auf dem Motorrad werden wir schneller nass. Was lernen wir daraus fürs Leben? Hört auf Ahlsdorf und sein letztes Wort
Der Gelegenheitsphilosoph Thomas Kapielski hat einmal eine himmelschreiende Ungerechtigkeit aufgedeckt: Nasswerden geht schneller als Trocknen. Als Biker können wir ein Lied davon singen – fahrt mal drei Minuten ohne Kombi durch einen Regenschauer.
Auf dem Motorrad geht sowieso alles noch schneller, nicht nur das Nasswerden. Wenn euer Hosenstall offen ist, könnt ihr damit im Büro einen ganzen Tag rumlaufen, ohne es zu merken. Auf dem Motorrad merkt ihr es sofort. Und wenn ihr im Sattel mal ein paar Sekunden nicht bei der Sache seid, kassiert ihr die Rechnung ebenso schnell. Dann habt ihr erst im Straßengraben wieder die Zeit, um darüber nachzudenken.

Foto: AFE Walczak / Nass werden sie alle: Polizei und Rocker im Regen

Das Motorrad: ein Gleichnis
Ist das Motorrad nicht ein Gleichnis auf das Leben? Denkt nur an die Schraubereien: „Dummes Fleisch muss ab“, erklärte mir einst Atze, mein alter Zuchtmeister im Schrauben, als ich mir schon wieder in die Hand geflext hatte. Und ein Kollege legte Jahre später eine weitere Weisheit obendrauf: „Schmerz ist der beste Ratgeber.“
Damit wird die Schrauberei wirklich zum Gleichnis auf das Leben. Wer nicht gelernt hat, ordentlich und strukturiert zu arbeiten, der kann auch kein Motorrad zusammenschrauben. Wer es trotzdem versucht, lernt es spätestens dann.
Damit ist man nicht auf alle Lebenslagen vorbereitet. Ich kenne so ein paar Inselbegabte, die schon die cleansten Custombikes zusammengezimmert haben. Aber sie waren nicht in der Lage, beim Bäcker die Brötchen zu kaufen oder termingerecht ihre Kraftfahrzeugsteuer zu überweisen. Am Ende haben sie auch noch ihren Lappen versoffen und mussten als Fußgänger weiterschrauben. Was wiederum beweist, dass auch im echten Leben alles schnell gehen kann.

Wie Rocker leben
Es geht im echten Leben also nicht nur um Technik, sondern auch um Sozialverhalten. Deshalb leben wir Rocker ja nicht nur für, sondern mit unserem Club. In unserer Gemeinschaft lernen wir, uns einzubringen, uns einzuordnen und uns so zu verhalten, dass wir auch noch in der nächsten Woche zur Sitzung antreten können.
Zugegeben, ich habe auch oft erfahren müssen, dass Rocker sich nicht viel anders benehmen als Waschweiber. Sie reden grundsätzlich ausgerechnet den Bruder schlecht, der gerade den Memberraum zum Pinkeln verlassen hat. Gegen dieses Giftverspritzen wurde in manche Clubsatzungen sogar ein eigener „Bad Talk“-Paragraph eingefügt. Alles nicht mehr so schlimm. Wer deshalb oder aus welchem Grund auch immer in einem Club scheitert, dem bieten sich heutzutage viele andere Clubs an, in denen er es neu versuchen kann. Es gibt da Kandidaten, die ich im Lauf der Jahre unter drei verschiedenen Colours gesehen habe. Und wenn sie es in den drei Clubs nicht geschafft hatten, dann gründeten sie eben einen eigenen, vierten Club und ernannten sich selbst zum Presidenten, am besten sogar gleich zum World-Presidenten. Diese Bezeichnung „World President“ stimmt mich immer skeptisch, sie lässt mich ahnen, dass in der Welt sonst niemand auf sie hört – außer ein paar Doofis in Deutschland, die ihnen im Schneeballsystem die ersten Patches abgekauft haben.

Probiert es mit Motorradfahren
Ernüchternd? Eigentlich nicht, denn genau so läuft es ja auch in der Politik; von wem könnten wir also lernen, besser zu sein? Die da oben bringen es uns jedenfalls nicht bei. Aber in unseren Clubs können wir immer wieder aufs Neue probieren, gute Biker zu werden.
So richte ich zum Schluss ein Wort des Trostes an Thomas Kapielski – ihr ahnt es, er ist unter den noch Lebenden einer meiner Lieblingsschreiberlinge. Er sollte es mal mit Motorradfahren probieren. Denn auf dem Motorrad wird man nicht nur schneller nass, sondern auch schneller trocken.

Zuerst erschienen in BIKERS NEWS 11/2016
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