... das letzte Wort

14.05.2018  |  Text: Ahlsdorf  |   Bilder: Ahlsdorf
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Dürfen Biker mit Wunschkennzeichen fahren? Unser Ahlsdorf verkündet dazu das letzte Wort

„GS“, was für ein Schreck. Darf ein Biker unter diesen Buchstaben fahren?


Ich stehe ja nicht nur auf alte Motorräder, sondern auch auf alte Autos. Und so habe ich mir jüngst einen alten Benz zugelegt, so ein richtiges Fossil, das sonst keiner haben will, weil es den doppelten Steuersatz kostet und echte 15 Liter verbraucht. Scheiße sein geht eben nicht nur als Rocker, das kann man auch mit einem passenden Auto.

Aber als die Zulassungsstelle mir mein Kennzeichen zuteilte, rutschte mir das Herz in die Hose. Die hatten mir doch tatsächlich die Buchstaben „GS“ untergejubelt. Ich sollte also unter den Initialen eines Motorrades fahren, auf dem sonst nur Warnwestenträger unterwegs sind. Was für eine Schande! Erst ein Kollege brachte mich auf den Trichter. „Glückwunsch“, meinte der, „damit hast du einem GS-Fahrer sein Wunschkennzeichen weggenommen!“ Seitdem geht’s mir wieder besser.


Was man sich erkämpfen muss

Mit diesen maßgeschneiderten Kennzeichen geht’s mir wie mit den längst legalen kleinen und seitlichen: Was man sich nicht erkämpfen muss, das ist auch nicht interessant. Meine Güte, wie hatten wir früher um alte Erstzulassungen für unsere Chopper gerungen. Nur unter alten Erstzulassungen durften wir ohne Blinker und mit kleinen Kennzeichen fahren. Und wie scheißfreundlich mussten wir vor diesen verwelkten Damen in der Zulassungsstelle buckeln, um uns vielleicht eine von drei Kennzeichenkombinationen aussuchen zu dürfen, die gerade zufällig auf dem Tisch lagen.

Jetzt könnt ihr euch diese Kombinationen so einfach kaufen wie das rostfarbene Bike eines professionellen Customizers, das höllisch illegal aussieht, dessen puppensauberes Soundmanagement aber höchstbehördlich eingetragen ist und an dem alle Alterungsprozesse mit geheimsten Techniken beschleunigt wurden. Gleichzeitig machen Leute sich mit Wunschkennzeichen zu genau dem, was sie doch eigentlich nicht sein wollen: zu einer Nummer – zu einer Nullnummer, um mit einem Begriff aus der Welt der Redakteure genau zu sein.


Alte Knacker im Porsche

Wenn wir der Werbung Glauben schenken, dann drücken Fahrzeuge die Individualität ihrer Besitzer aus. Wenn Zehntausende von Bikern ihre Harleys rund um den Faaker See winden, zweifelt der Beobachter daran, dass jeder von ihnen ein Individualist ist. Dann zählt auch niemand mehr, wie viele von ihnen die Buchstaben „HD“ im Kennzeichen führen.

Was also ist individualistisch daran, wenn ein Kraftfahrzeugbesitzer das macht, was alle machen? Okay, hinter dem Geburtsdatum der Kinder stecken halt die Hormone, hatte ich auch mal, dafür kann keiner was. Aber im fortgeschrittenen Alter sollte ein Mann doch sein Leben im Griff haben und sich nicht noch im Porsche öffentlich entwürdigen. Es fährt doch längst jeder alte Knacker einen Porsche – natürlich mit 911er-Kennzeichen. Und jeder Gymnasiallehrer fährt einen Citroën mit Manufactum-Katalog auf der Rückbank und den Buchstaben „DS“ an der Heckleiste.

Die jüngere Generation ist nicht besser. Ganz peinlich sind da diese freigeistigen Antichristen mit ihren „666“-Kombinationen. Unter dieser Nummer aber fahren sie spießige Kleinwagen, die nicht mal die Hälfte meiner 15 Liter verbrauchen dürfen.


„DS-911“ für ein Motorrad

So viel ist sicher: Für mein nächstes Motorrad beantrage ich die Kombination „DS-911“. Damit hab ich gleich zweien von der Sorte eins ausgewischt. Das mit der „666“ lasse ich lieber, denn unter diesen Zahlen sind ja auch unsere Leser auf Motorrädern unterwegs. Also „666“, in Gottes Namen, das ist dann doch okay. Erst recht, wenn das Kennzeichen eines Zweirades mit dieser dreistelligen Zahl zu einem Kuchenblech wird.

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 03/2016

 
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Stand:16 October 2018 18:09:24/news/redaktion/+das+letzte+wort_18420.html