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Wie schafft es ein richtiger Biker, auch im Regen gut auszusehen? Ahlsdorf denkt drüber nach und spricht das letzte Wort
Ein Foto vom Bikertreffen des Boozefighters MC im französischen Mécrin stimmte mich sentimental. Es zeigt Biker, die bei schlechtem Wetter alles tragen, nur keine vernünftige Regenkleidung. Perfekt. Da sieht sogar ein Ritt im Regen gut aus!

Das erinnert mich an ein Bikertreffen am Rande von Berlin zu Beginn der Neunzigerjahre. Auch da war Scheißwetter. Schatz, was also sollten wir anziehen? Regenkombis gab es schon, aber sie waren orange. Und das war das Problem. Orange ging natürlich nicht, Reflexionsstreifen schon gar nicht. Goretex war gerade erst erfunden und deshalb sackteuer.

Ich trug damals die schwarzen Wachs­jacken von Belstaff. Es waren noch die echten Belstaff-Jacken, nicht die dünn genähte Haute Couture von heute. Sie waren schwer zu kriegen. Weil ich zu der Zeit mit dem Motorrad oft nach England fuhr, konnte ich mich dort eindecken. Eine weitere Errungenschaft der Briten waren die „Toots“, Überziehstiefel aus dünnem Gummi, schwarz natürlich. Es dauerte lange, bis ich eine Technik entwickelt hatte, sie über die Knobelbecher zu ziehen, ohne mir die Fingernägel einzureißen.

Mülltüte statt Tourenkombi
Auf diesem Treffen am Rande von Berlin jedenfalls beeindruckte mich ein Biker, der sich einfach Mülltüten über die Stiefel gezogen hatte, fixiert mit dicken Lagen Paketklebeband. So simpel, man hätte längst selbst drauf kommen müssen. Das wasserfeste Schnürpaket an den Beinen war zwar blau und braun, aber wenigstens nicht orange. Vor allem aber zeugte es vom lässigen Scheißegal, das nur die Coolsten von uns ausstrahlen.

Was tut man nicht alles, dachte ich mir damals, um so lässig, wenn nicht nachlässig auszusehen? Mir war es nie gelungen, derart den Lockeren zu spielen. Stattdessen fragte ich mich, ob der Mann nun auch noch eine Rolle Paketband und eine Tüte mit weiteren Mülltüten mitführen musste – für den Fall, dass es auf seiner Reise zweimal regnet.

Das ist wohl der Preis, wenn man nicht wie ein Motorradfahrer von der Stange aussehen will, der sich beim Vertragshändler mit leuchtender und obendrein perfekter Konfektionsware eindeckt. Es ist wirklich nicht leicht, ein echter Biker zu sein.

„Wer schön sein will, muss leiden“, hätte jede meiner in den Jahrzehnten wechselnden Freundinnen mir dazu erklärt. Klar. Aber noch viel mehr leidet, wer – wie wir – nicht schön sein will.

Antikleder-Blousons. Der vergessene Stil
Die Hipster finden heute selbst bei Tante Louise alles, was nicht aussieht, als wäre es fertig gekauft. Meistens in künstlicher Alterung, von der Jeans mit Kevlarfutter bis zum Holzfällerhemd mit versteckt eingenähten Protektoren. Alles für den lumbersexuell orientierten Biker. Damit stehen sie ohne es zu wissen in der Tradition der Antikleder-Blousons. Ist vielleicht auch besser, es nicht zu wissen.

Eine Belstaff-Jacke habe ich noch immer im Schrank. Für den Fall, dass ich auch mal wieder lumbersexuell aussehen will. Aber ich hab’s mit der Haut, von diesen Wachsjacken habe ich immer Ausschlag bekommen.

Mein Tipp fürs Scheiße-Aussehen im neuen Jahrtausend sind deshalb die Goretex-Jacken und -Hosen der zahllosen Armeen unseres Planeten. Gibt’s in den entzückendsten Tarnmustern, sieht immer lässig und nachlässig aus – und ist vor allem nicht orange.
 

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 08/2017
Artikel aus der Ausgabe: 8/18
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