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Zum ersten Mal redet Ahlsdorf über Motorradreifen. Zum ersten Mal behält er darüber das letzte Wort
Mal ehrlich: Wisst ihr, was ein „Einlenkverhalten“ ist? Oder ein „Aufstellmoment“? Die Sprache der Motorrad-Redakteure scheint manchmal nicht geschaffen, um zu erklären, sondern um zu herrschen. Die Juristen machen es nicht anders. Sie erschrecken uns mit Wörtern wie „Abgeltung“, „Unterfertigter“ oder einfach nur „Bringschuld“. Schon sind wir still und gestehen ihnen das unbedingte Recht zu.

Reifen sind schwarz

Reifen sind schwarz und aus Gummi und rund sollten sie auch sein. Mehr gibt’s kaum drüber zu sagen. Umso wichtigtuerischer muss die Sprache sein, in der über Reifen geschrieben wird. Deshalb belästigen Redakteure uns immer wieder mit Reifentests in dieser einschläfernden Sprache.
So jedenfalls meine bisherige Meinung. Ich komme eben aus der Chopperszene. An meinen Stammtischen fahren vier von fünf Jungs eine Harley. Dort reden wir über vieles. Wir reden darüber, wie hoch ein Lenker ist und ob die Kabel und Züge noch passen. Wir reden darüber, ob wir unsere Schalldämpfer wieder aufdrehen dürfen, nachdem der Cop uns gerade ein Ticket verpasst hat. Wir reden sogar darüber, wie gut das Profil eines Reifens aussieht. Wie breit er ist, darüber reden wir auch noch, und in welche Schwinge er passt. Über das Einlenkverhalten eines Reifens aber haben wir noch nie geredet.

Ahlsdorf fährt Harley mit einem 240er Hinterreifen. Marke? Hat er schon wieder vergessen

Ein einziges Mal in dreißig Jahren habe ich mal was zum Fahrverhalten meiner Reifen sagen müssen. Das war Mitte der Neunziger Jahre. Als einer der Ersten fuhr ich mit Avon-Mk-II-Reifen auf meinem Bobber. Die Jungs waren schwer begeistert, wie cool das Profil aussah. Ausgerechnet ich musste ihnen erklären, dass diese Reifen wegen ihres kantigen Profils nichts für Schräglagen sind.
„Ausgerechnet du“, erklärte mir da mein Kollege Jens vom ROADSTER-Magazin, „ausgerechnet du bist jetzt auserkoren, mal zwei verschiedene Reifen zu testen. Sag mir einfach, ob du einen Unterschied merkst.“ Auf einer Harley auch noch, serienmäßig bereift mit Michelin Scorcher 31. Also erstmal mit der Serie losgerollt: Na ja, was hätte ich über diesen Reifen sagen sollen? Dass er Längsrillen formlos wegsteckt, dass er aber schnell das ABS aktiviert, dass er neutral ist, gutmütig in allen Situationen, auch in diesen Kurven im Odenwald, in die ich so unwillig hineinsteche, weil ich meine Harley nur in der Stadt und nur für die Show fahre.

Und dann stand die gleiche Harley mit den neuen Reifen namens Dunlop Roadsmart III vor mir. „Hoppla“, dachte ich noch, als ich auf dieser Harley rückwärts rausrollte, „da hat der Jens den Luftdruck erhöht.“ Hatte er nicht. Es waren einfach nur die besseren Reifen. Und so geschahen Zeichen und Wunder, eines, noch eines und immer noch eines. Präzise wie mit der Schneide eines Messers zog ich über den Asphalt, das ABS klackerte nicht, denn die Reifen blockierten nicht beim Bremsen. Und Kurven? Tja, in die Kurven wollte ich eigentlich gar nicht, denn es zog sich ja so schön nach geradeaus. Aber war ich einmal in den Kurven drin, wollte ich aus denen auch nicht wieder raus. Stattdessen wollte ich noch tiefer rein, denn diese Reifen zogen auch ihre Kreise so exakt und präzise, dass ich immer mehr Vertrauen in sie fasste und mich so tief wie nie zuvor in die Schräglage neigte. Hab ich damit zufällig was zum „Einlenkverhalten“ geschrieben?

Schwammige Amerikaner

Das also waren tatsächlich die besseren Reifen. Es war, als wäre ich von meinem schwammigen 1973er Lincoln auf einen perfekten Neuwagen deutscher Konstruktion umgestiegen. Jetzt könnte ich noch sagen: Es gibt einen Grund, warum ich doch lieber schwammige Amerikaner fahre. Das ist nämlich auch geil. So geil, wie das Fahren einer kurvenunwilligen Harley. Aber würde mich nun ein Händler fragen: „Willst du Reifen von Michelin oder von Dunlop?“ Ich geb’s nicht gerne zu, aber seit dieser denkwürdigen Testfahrt würde ich die von Dunlop nehmen.
Artikel aus der Ausgabe: 6/19
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