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BIKERS-NEWS-Gründer Fips erzählt von den frühen Tagen. Dieses Mal erinnert er uns daran, dass einst nur Gesetzeshüter uniformiert waren
Jeansjacken von Levi’s waren früher unsere ständigen Begleiter. Sie waren Ausdruck absoluter Verweigerung gegenüber der akzeptierten Kleiderordnung und dadurch wiederum ein Symbol der Ablehnung überhaupt jeder Ordnung – je älter und zerfetzter sie waren, desto besser. Unser Vorbild war James Dean, wir wollten Motorrad-Rebellen sein wie er.

Wir nahmen uns die Freiheit, wirklich frei zu sein und ließen uns nicht in gesellschaftliche Normen pressen. Nichts hassten wir mehr als Uniformen, das war Sache des Gegners: der Polizei mit ihren Waffen und der Spießer mit ihren Arschkriecher-Anzügen. Damit wollten wir nichts zu tun haben – vor allem nichts mit Waffen!

Club-Kutten durften in den ersten Jahren auch mit Patches befreundeter MCs bestickt werden
Uniformen trug man, um sie zu parodieren

Noch bevor wir an ein Colour dachten, rissen wir die Ärmel unserer Jeansjacken ab – das war die Geburtsstunde der Kutte! Eine derart behandelte Jacke galt damals als kaputt und nicht mehr tragbar. Schon alleine dadurch waren wir aufmüpfig und stießen auf völliges Unverständnis bei unseren Mitmenschen.

Hängte man sich auch noch irgendein Hakenkreuz aus Opas oder Omas Schatulle an die Jacke, dann lag man richtig daneben und fiel noch mehr auf. Ich zum Beispiel hatte jahrelang ein Mutterkreuz an meiner Kutte, ohne dessen Bedeutung zu kennen – als mich dann mal jemand aufklärte, habe ich es schnell wieder abgeschnitten ... Als man anfing, sich Colour auf den Rücken zu nähen, kam dafür natürlich auch nur die heilige Kutte infrage – und schon war der deutsche Ur-Rocker komplett. Damals nannte man uns Halbstarke, aber nach und nach wurden wir ganz Starke. Erst fuhren wir Kreidler, später Horex, NSU Max, BMW, Honda oder Kawa – und am Ende Harleys.

„Rocker“ gab es nur in Deutschland, die Gleichgesinnten aus anderen Ländern nannten sich „Patchholder“ oder benutzten andere umständliche Umschreibungen. Nur die deutsche Szene hatte sich gleich die richtige Bezeichnung gegeben: „Rocker“ war kurz und bündig und jeder versteht bis heute, was gemeint ist. So gut wie alle trugen früher eine Levi’s und nähten oder nieteten ihre Abzeichen auf die Rückseite.

Trotzdem sah jede Kutte anders aus, denn man schmückte sie mit Patches von vielen verschiedenen Clubs – nur das große Abzeichen auf dem Rücken war bei allen Membern eines MCs das gleiche. Natürlich gab es auch MCs wie die Bones, die nur ganz selten Patches von anderen Clubs trugen, dann zum Beispiel die des Cavemen MC, also einem wirklich eng befreundeten MC.

Patches, Patches, Patches. Das ist die typische Kutte eines Freebikers
Auf der rechten Brustseite seht ihr das 1%-Symbol in der klassischen Rautenform

Das 1%-Symbol

Fast alle Rocker trugen das 1%-Patch. Warum? Weil es etwas Mystisches hatte und verschiedene Legenden darum kreisten – zum Beispiel, dass es etwas mit der Unterwelt zu tun hätte. Für uns war es ein Symbol dafür, dass wir zu unserer Freiheit standen. Ein Zeichen gegen die Mehrheitsgesellschaft, die wir verachteten. Wir lebten nach unseren eigenen Gesetzen – und auch die Biker, die nicht Member eines Clubs waren, fühlten und dachten so. Die gängigste und am weitesten verbreitete Legende zum Ursprung des 1%-Patches ist, dass die American Motorcyclist Association – so etwas wie der amerikanische ADAC – verlautbaren ließ, dass nur ein Prozent der Biker wirklich böse Jungs seien. Diese angebliche Stellungnahme bezog sich auf die Krawalle, die es 1947 auf einer Veranstaltung der Organisation im kalifornischen Hollister gegeben hatte. Im Anschluss hätten sich dann viele Biker mit einem Augenzwinkern ein 1%-Patch auf die Jacke genäht. Aber diese Version ist nur eine von vielen – und es lässt sich kein Beleg für sie finden.

Eine weitere und viel wahrscheinlichere Theorie ist, dass es das Abzeichen schon viele Jahre zuvor gab, nämlich bereits in den Dreißigerjahren. Damals ließ Ford seine Autos erstmalig am Fließband herstellen, wodurch sie so billig wurden, dass auch ganz normale Arbeiter sie sich leisten konnten. Wer nach wie vor Motorrad fuhr, galt als Abschaum – eben jemand, der sich selbst jetzt noch kein Auto leisten konnte. Außerdem wurde man damals beim Motorradfahren viel dreckiger, war ölverschmiert und schmutzig. Die Mehrheit verstand damals nicht, dass Motorradfahren eine Leidenschaft sein kann – außer die Biker selbst natürlich und weil sie selbstbewusst genug waren, nähten sie sich schon damals das rautenförmige 1-%-Patch auf ihre Motorradjacken.


Frühe Rally-Patches aus dem Jahr 1977

Frühe Rally-Patches aus dem Jahr 1977

Die Rally-Patches

Früher fuhren die Clubs riesige Strecken, um andere MCs zu besuchen. Es war eine Selbstverständlichkeit, dass es auf Rallys ein Veranstaltungspatch gab, das viele Biker sich im Anschluss auf ihre Kutte nähten. Je mehr Patches ein Biker hatte, desto weiter war er gereist – und das wurde stolz gezeigt. Traf man auf einen anderen, der auch auf irgendeiner Rally gewesen war, wurden Erinnerungen und Anekdoten ausgetauscht. Schnell war man im Gespräch und ging an die Theke, um zusammen ein Bier zu saufen – manchmal wurden daraus auch zwanzig und man hatte wieder neue Freunde gefunden, lud sich gegenseitig ein und die Szene wuchs immer mehr zusammen. Jeder kannte jeden, man musste nur hinfahren, die anderen waren sicher auch da. Dort war rund um die Uhr feiern angesagt.

Es gab äußerst selten unliebsame Clubs und wenn’s doch mal Streit gab, war meist schnell wieder Ruhe, weil alle so viel Ehre und Stolz hatten, dass sie dazwischen gingen und die Streithähne aus dem eigenen Club beruhigten. Bis in die heutige Zeit hinein machte man seine Probezeit und bekommt danach sein Full-Member-Colour – zum Selbstkostenpreis versteht sich, denn der Club wollte ja kein Geld an seinen neuen Brothers verdienen, das wäre unmoralisch gewesen. Heute sieht das bei einigen Clubs anders aus. Was damals jeder wissen durfte, ist deshalb heute ein wohlgehütetes Geheimnis – ist ja auch besser, denn so was muss im Club bleiben. Buchhaltung ist spießig und könnte nur den Bullen helfen. Und außerdem brauchen echte Brothers ja sowieso keine Kontrolle …

Zuerst veröffentlicht in der BIKERS NEWS 12/2015
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