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BIKERS-NEWS-Gründer Fips erzählt wie er sich erneut als Steilwandfahrer verdingte und der Clubkeller des Mannheimer Motor Sport Clubs zum Treffpunkt für Teenies wurde
Mai 1966: Maimess in Monnem (Kirmes). Wer war da? Die Steilwandfahrer, bei denen ich damals gefahren war. Es gab ein großes Hallo und sie wollten natürlich wissen, wo ich denn seinerzeit abgeblieben sei. Ich erzählte von der Knastzeit und der Widerrufung meiner Bewährung, was danach passierte und natürlich von unserem Mannheimer Motor Sport Club (MMSC), dessen Präsident und Gründer ich nun war. Schnell war klar: Natürlich mache ich wieder mit.

Jeden Morgen fuhr ich nun mit meiner Kreidler zu den Steilwandfahrern auf die Mess und übte unter Anleitung meines „Lehrmeisters“, die steile Wand zu erklimmen – was mir auch mehr und mehr gelang. Meine Show wurde perfekt. Ich konnte stürzen, ohne mir weh zu tun und ohne die Maschine groß zu beschädigen, und es dabei doch noch echt und spektakulär aussehen zu lassen. Für die nächsten drei Wochen war ich wieder der König von Mannheim. Jede Vorstellung war ausverkauft. Allein die Ankündigung „Der verrückte Fips probiert wieder einmal, die steile Wand mit seinem Moped zu bezwingen und bisher ist er jedes Mal gestürzt“ reichte schon aus, um die Massen anzulocken. Am Ende der Show nahm der Boss jedes Mal meine Kreidler – auch er hatte morgens damit geübt – und fuhr mit dem Ding in sechs Meter Höhe ganz nahe an den Zuschauern entlang, die hoch oben über der Rundum-Brüstung lehnten. Ich war immer wieder fasziniert!


In der Steilwand. Fips fuhr sechs Meter weiter unten

Als es mir zu viel wurde, in jeder Vorstellung durch die 6-Meter-Tonne zu fallen, kam der Budenchef auf die Idee, er könnte doch mit meiner Inge in die Wand fahren, sie vorne auf dem Lenker sitzend. Inge – wir waren damals ein Herz und eine Seele – wollte mir in nichts nachstehen, setzte sich vorne auf den Lenker der Indian, machte die Augen zu und ließ das Ganze über sich ergehen. Der Fahrer war hell begeistert von ihr, weil sie sich absolut ruhig verhielt und keinerlei Angst zeigte, sodass er auch mit ihr in sechs Meter Höhe genau an der roten Linienbegrenzung direkt bei den Zuschauern entlangfuhr und die Leute klatschten tosenden Beifall.

Die nächste Stadt, in der die Steilwandfahrer gastierten, war Freiburg. Ich packte meine Kreidler und meine Inge hintendrauf und fuhr nach Freiburg. Auch hier wechselten wir uns 14 Tage lang nach jeder Vorstellung ab. Wie schon in Mannheim bekamen wir pro Vorstellung 10.- DM. Ich als Sturzkamikaze, der lebensmüde immer wieder mit seinem Moped von der Wand fiel. Inge als Akrobatin aus der Zuschauermenge, die vorne auf der Lenkstange der Indian Platz nahm.
Nach diesen zwei Wochen hatte ich die Nase dann aber voll und ging mit Inge wieder heim zu meinem Club.


Leider sollte die Beziehung mit Inge nicht ewig halten

Der Laufpass

Leider sollte die Beziehung mit Inge auch nicht ewig halten. An einem Kappenabend feierten wir mal wieder im Apollo, wo auch Handwerker aus Zünften verkehrten, das waren Kerle in schwarzer Kluft und mit großen Hüten, die absolut sauffest waren. Ich hatte mit denen schon manche Nacht durchgezecht. An diesem Abend tanzte Inge erst verdächtig oft mit einem von denen und bestand dann auf einmal darauf, relativ früh nach Hause zu fahren. Ich blieb noch und mir drängte sich der Verdacht auf, dass der Typ, mit dem Inge getanzt hatte, mich andauernd zum Trinken animierte, er prostete mir immer wieder zu.

So zechten wir bis morgens um acht Uhr durch. Der Zimmermann wollte angeblich nach Hause und rief ein Taxi. Ich fuhr heimlich hinterher. Unterwegs bestätigte sich dann leider meine Vorahnung, dass er auf dem Weg zu meiner Inge war. Nicht mit mir, dachte ich. Ich überraschte die beiden noch mitten auf der Straße, was mir allerdings nicht viel nützte. Ich stand vor diesem Typ, er meine Inge im Arm, und sah rot und wollte nur noch zuschlagen. Der Typ merkte das natürlich und seine Mundwinkel fingen vor lauter Aufregung an zu zittern. Ich fühlte mich in diesem Moment total überlegen, obwohl vor mir ein ausgewachsener Zimmermann stand und es gab nur noch eines für mich, zuschlagen – oder aber losheulen. Mir kamen die Tränen. Das brauchten dieser Typ und „meine“ Inge aber nicht zu sehen, also drehte ich mich um, lief nach Hause und verkroch mich erst mal für ein paar Wochen.


Genau hingucken: Gerade werden die Haare länger!

Die Jugend muckt auf

Die Jugend hatte sich inzwischen mehr und mehr von der „Spießergesellschaft“ abgewandt und wir hatten gelernt, dass man sein Leben auch in die eigenen Hände nehmen konnte, wenn auch nicht unbedingt so, wie es sich die besorgten Eltern vorstellten. Man war eigentlich orientierungslos. Mein Vater war weiterhin Hitler-Fan und ich verstand seine Welt nicht. Freiheit, Demokratie, das hatte ich begriffen und die lockeren amerikanischen Soldaten waren da unglaublich anziehende Vorbilder. So wollte ich leben: Reich und frei sein, tun und lassen, was ich will und eigene Wege finden.

Inzwischen gab es auch in der Musik revolutionäre Veränderungen. Die Beatles und die Stones waren auf ihrem Zenit und hatten den Rock and Roll und die bisherige deutsche Schlagerwelt bei der Jugend völlig abgelöst. Die rebellische Jugend passte sich dem Outfit der Musikgrößen an und man ließ sich die Haare wachsen und wetteiferte darin, ungepflegt zu sein. Jeans waren nur dann gut, wenn sie nach dem Ausziehen vor Öldreck stehen blieben! Und die Haare waren dann erst richtig, wenn sie länger als die der Rolling Stones waren.


Der Mannheimer Motor Sport Club vor dem Mannheimer Wasserturm

Der MMSC entwickelt sich

Während man in einschlägigen Beatläden als ganz junger Jugendlicher unter achtzehn um 22 Uhr das Lokal verlassen haben musste, hatte ich unseren Clubraum bei Bedarf von freitags bis sonntags oft durchgehend geöffnet. In den Beatlokalen standen monatlich wechselnde Bands auf der Bühne, die sich „Die deutschen Beatles“ oder „Die Wiener Beatles“ nannten, während sich bei mir und meinem MMSC im kuscheligen Kellerclub die Original-Beatles auf dem Plattenteller drehten, ohne Aufsicht und lästige Ausweiskontrollen und wenn auch krächzend, aber laut! Ein Eldorado für die Teeniegirls aus der Nachbarschaft des Clubkellers, die sich neugierig bei den häufigen Dauerpartys des MMSC im Kellerclub, Mannheim Oststadt, Seckenheimer Straße 86, einfanden.

Kam die Polizei doch mal und fragte nach einer Konzession, wurde der Kellerclub geschlossen. Ich sprach dann regelmäßig beim Jugendamt vor und schwupps, war der Laden am nächsten Tag wieder offen. Mit der Zeit kapierten das die Bullen auch und kamen nur noch, wenn es Beschwerden wegen Ruhestörung durch die ständige An- und Abfahrt der Mopeds gab, was auch zur Kündigung des ersten Clubkellers führte. Übrigens war der MMSC absichtlich kein eingetragener Verein, weil wir das unter den Mitgliedern für spießig hielten.

Darüber hinaus pflegten wir weiterhin regen Kontakte in der Region, zum Beispiel zum Kreidler-Club Lorsch, Bensheim und Heppenheim und manches Mal wussten die Mannheimer gar nicht mehr so recht, zu wem sie denn nun Kontakte hatten, zu den Mitgliedern dieser Mopedclubs oder zu deren Mädels. Weil keines unserer Mopedasse schüchtern war, nahm man mit, was sich bot und war nicht nur im Frisieren erfolgreicher als die Konkurrenz. Der Kontakt zu den „Alten Hasen“ in Mannheim ebbte bald ab und der Mopedclub wurde ein Motorradclub, einen entsprechenden Namen gab es ja schon seit 1965: MMSC. Jetzt fuhr man 250er Hondas, Yamahas und Kawasakis; ich hatte mir vom Schrott wegen der Ersatzteile gleich vier Horex Reginas besorgt.

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 06/2018
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