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Unser erster Chefredakteur Doc Baumann blickt in den Rückspiegel auf die lange Vorgeschichte der Biker Union
Von einer Leiter spricht Doc Baumann während der großen Demo von 1986 zu rund tausend Bikern über die Notwendigkeit, einen Dachverband der Rocker und MCs zu gründenAm 14. September 1986 stand ich mit einem Mikrofon in der Hand auf einer wackligen Haushaltsleiter und sprach zu etwa tausend Bikern, die sich auf den Bonner Rheinauen versammelt hatten. Zur Erinnerung: Bonn war damals noch die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland und damit Sitz des Innenministeriums. Und eben dieses Ministerium hatte kurz zuvor, gemeinsam mit den Innenministerien der Länder, jenes unselige Plakat mit der Überschrift „Sind Sie sicher vor Gewalt?“ verbreitet, auf dem vier halbwüchsige Kuttenträger mit Baseballschläger, Morgenstern und Schlagkette den erschreckten Betrachter einschüchterten. Das Plakat „Sind Sie sicher vor Gewalt?“Kurz zuvor hatte die Frankfurter CDU in einem Wahlkampffilm Rocker bereits als schlimme Bedrohung präsentiert – dem folgte umgehend ein MC-Verbot in der Stadt.

Ein MC-Verbot war es auch gewesen, über dessen politische Bedeutung ich drei Jahre zuvor auf der Presi-Sitzung des Gremium in Mannheim gesprochen hatte; und ich hatte einen dringenden Vorschlag angehängt: „,Gemeinsam sind wir stärker‘ läuft letzten Endes darauf hinaus, dass ich vorschlagen würde, trotz der ganzen Schwierigkeiten, die wir miteinander haben, etwas Ähnliches zu versuchen wie einen Bundesverband der deutschen Biker und Rocker …“ (BIKERS NEWS, November 1983, S. 21)

Im Sommer 1983 waren die Hamburger Hells Angels verhaftet worden, dann wurde der MC nach dem Vereinsrecht als kriminelle Vereinigung verboten – mit anderen Worten: Auf dem Verwaltungsweg, noch bevor ein Gericht darüber urteilen konnte, ob dieser Vorwurf überhaupt zutraf (der Prozess endete Jahre später mit dem Ergebnis „keine kriminelle Vereinigung“). Bei dieser Begründung für ein Verbot war zu erwarten, dass es bald auch andere Clubs treffen könnte.

Da die Medien fast einhellig unhinterfragt das wiedergaben, was die Pressestellen der Behörden herausgaben, war eine Unterrichtung der Öffentlichkeit über die Hintergründe kaum möglich; wer las schon die BIKERS NEWS, die damals noch nicht am Kiosk zu kaufen war, sondern nur im Abonnement von MCs bezogen werden konnte?

Die MCs hätten also eine eigene Organisation gebraucht, die sich um solche Fragen kümmert und auch fundierte Gegendarstellungen veröffentlicht. Nötig war zudem ein Informationsaustausch in einem Rahmen, der frei sein musste von den Rivalitäten innerhalb der Szene.

Kurz danach fand die oben erwähnte Presi-Sitzung in Mannheim statt, auf der ich diesen Gedanken ausführlich erläuterte. Dass ausgerechnet ein Verbot der Hells Angels Anlass zu dieser Initiative gegeben hatte, machte viele MC-Vertreter misstrauisch. Sie wollten sich nicht vor deren Karren spannen lassen, wie sie sagten. Sie selbst würde es schon nicht treffen. Und überhaupt, ein Dachverband von MCs! Da würde man sowieso von den Großen untergebuttert, das habe alles ohnehin keine Chance.

Presisitzung 1986: Ein Polizei-Plakat sorgte für schlechte Laune
Presisitzung 1986: Ein Polizei-Plakat sorgte für schlechte Laune

Immer wieder erinnerte ich nun in der BIKERS NEWS zu passenden Gelegenheiten an die Notwendigkeit eines solchen Zusammenschlusses. Bei den Presi-Sitzungen 1984 und 1985 wiederholte ich die Argumente in ausführlichen Ansprachen. Und es geschah … nichts. Es bedurfte also der unfreiwilligen Hilfestellung des Innenministeriums und seines Plakates, dass ich schließlich im September 1986, auf jener Haushaltsleiter auf den Rheinauen stehend, tausend Bikern verkünden konnte, dass sich nun endlich, nach drei Jahren fruchtloser Predigten, gewisse Perspektiven abzeichneten, die zur Gründung eines solchen Verbandes führen könnten. (BIKERS NEWS Oktober 1986, S. 40)

Anlässlich der Presi-Sitzung wenige Wochen später fasste ich schließlich die Argumente noch einmal zusammen, die für einen solchen „Dachverband“ sprachen. Und in der Tat wurde er kurz darauf gegründet. Übrigens ausschließlich von MC-Vertretern – Karl, der als einziger kein Member war, wurde ausdrücklich als „Vertreter der freien Biker“ integriert. Als Aufgabe des künftigen Verbandes wurde festgelegt, gemeinsam gegen Diskriminierung von Rockern und Bikern und gegen Vereinsverbote vorzugehen.

Wie Fips schon betont hatte, konnte die BIKERS NEWS einen solchen Verband nicht aus der Taufe heben (und ich schon gar nicht). Wir konnten der Szene nur unsere Hilfestellung anbieten, die in den folgenden Jahren auch tatkräftig erfolgte: Durch Fips in Form von Organisationsunterstützung, durch mich viele Jahre lang in der Funktion des Pressesprechers der BU (gleichzeitig übrigens auch interessanterweise als der des Komitees).

Jahrelang schaute ich mit wachsendem Missmut zu, wie sich Leute an der BU bereicherten; es gehörte zur journalistischen Aufgabe der BIKERS NEWS, diese Machenschaften irgendwann zu benennen – doch das wurde als Nestbeschmutzung kritisiert. Irgendwann trat ich dann von meinem beratenden Vorstandsposten zurück, auch, weil sich der Verband immer weiter von den ursprünglichen Zielsetzungen entfernte. Nicht, dass Leitplankenummantelungen oder Streckensperrungen keine wichtigen Themen für Biker wären, aber dagegen sind andere Verbände nicht weniger erfolgreich vorgegangen. Ein Biker-ADAC war jedenfalls nicht das, was wir 1986 hatten gründen wollen.

Nach etlichen Machenschaften des Verbandes, über die Fips schon in der BN 05/16 geschrieben hat, kühlte das Verhältnis weiter ab und beschränkte sich auf das unbedingt Notwendige. Und so ist es während meiner Zeit bei der BIKERS NEWS auch geblieben. Typisch für den Umgang der BU mit der BIKERS NEWS war zum Beispiel die Entstehung des Verbandslogos. Habt ihr euch schon mal gefragt, warum sich da zwei Linkshänder begrüßen? Ich hatte die nebenstehende Grafik in Anschluss an meine Ansprache auf der Presi-Rally 1984 als Emblem entworfen, das die Verbundenheit innerhalb der Szene symbolisieren sollte; so erschien das Logo auch im Februar 1985 auf der Titelseite unseres Heftes und danach etliche Monate lang auf jeder Seite neben der Seitenzahl. Als die BU zwei Jahre später ein Logo brauchte, wurde mein Entwurf einfach geklaut, ohne mich überhaupt zu fragen – und, vielleicht damit ich es nicht merke, seitenverkehrt gespiegelt, sodass sich nun seit 30 Jahren zwei linke Hände zum Gruß schließen.

Im letzten Jahr fand ich in einer Umzugskiste einen Ordner mit rund tausend Unterschriften der Biker, die 1986 bei der Bonner Demo gegen das „Sind Sie sicher vor Gewalt?“-Plakat mitgefahren waren. Ich übergab sie einem örtlichen BU-Mitglied mit der Bitte, dieses für die Vorgeschichte des Verbandes wichtige Dokument beim nächsten Treffen mit ins Zentralbüro zu nehmen. Ein Wort des Dankes dafür habe ich bis heute nicht gehört.
 

Doc Baumann

Doc Baumann war der erste Chefredakteur und Herausgeber der BIKERS NEWS und ist Autor etlicher Bücher über die MC-Szene. Seit 15 Jahren ist er Herausgeber von DOCMA, einer Fachzeitschrift für digitale Bildbearbeitung. In seinem Roman, an dem er seit 1991 arbeitet und der in ein paar Jahren erscheinen soll, knüpft er auch an seine Erfahrungen aus der Szene an – zentrale Figuren sind zwei bibelfeste Zwillingsbrüder mit MC-Vergangenheit, die früher als Leibwächter eines US-amerikanischen Erweckungspredigers gearbeitet haben.
 
Fips

Günther Brecht aka „Fips“ hat vor 35 Jahren die BIKERS NEWS ins Leben gerufen und ist Besitzer unseres Verlags – ein paar Buchprojekte hat er mittlerweile auch umgesetzt, die ihr hier bekommt.

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 06/2016
 
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