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BIKERS-NEWS-Gründer Fips blickt in den Rückspiegel, schildert seinen Werdegang und erzählt von den frühen Tagen der Szene. Dieses Mal erinnert er sich daran, wie seine „Verbrecherkarriere“ begann
Angefangen hatte alles mit Peter, dem Chef unserer Straßengang, mit der wir die Schwulen vermöbelt hatten. Der war schon 18. Für mich, der ich damals gerade die 15 erreicht hatte, ein bewundernswertes Alter. Peter hatte ein Moped, eine angesagte nagelneue Kreidler Florett. Dabei war er gar nicht mal so ein begeisterter Mopedfahrer, während ich ihn um seine Maschine heiß beneidete. Eines Tages kam meine Chance: Das Ding lief nicht mehr. Der Motor sprang zwar an, aber nach ein paar hundert Metern war er wieder aus. Immer wieder dasselbe.
Peter machte mir ein verlockendes Angebot. „Fips, wenn du die reparierst, dann lass ich dich damit fahren.“ Ich überlegte nicht lange und machte mich gleich an die Arbeit, ohne irgendeine Ahnung zu haben. Irgendwann zoppelte ich den Benzinschlauch ab, stellte aber fest, dass Sprit nachlief. Dann schraubte ich die darauffolgende Düse heraus, und da kam ein Sieb zum Vorschein, das verstopft war. Ich reinigte es, schraubte und steckte alles wieder zusammen, probierte und siehe da: Das Ding lief. Ich fuhr und fuhr, bis der Tank dann tatsächlich leer war.
Mein Ansehen wuchs nun gewaltig. Selbst Peter, unser ungewählter „leader of the pack“, konnte da nicht mithalten. Im Nu war ich der Schrauber vom Dienst. Was für mich das Schönste war: Fortan durfte ich Peters Moped fahren, wann immer ich wollte – ohne Führerschein, ich bin dabei nie erwischt worden.

Fips

„Berufskarriere“: Ich werde Maler

Im Frühjahr 1961 wurde ich nach der 8. Klasse aus der Volksschule entlassen und fing eine Lehre als Maler an, denn anders als in meiner Gang galt mein besonderes Talent als angehender Schrauber in der Schule nichts. Nach Ansicht meines Volksschullehrers und auch meiner Mutter taugte ich zu nichts anderem als zum Maler, was im Übrigen dann auch meine Meinung wurde. Ich verdiente zum ersten Mal Geld in meinem Leben: 70 Mark im Monat, die ich vollständig an die Oma für die Haushaltskasse abliefern musste. Das tat ich aber gerne, denn meine Oma war für mich eine Herzensangelegenheit. Ihre Mutterliebe war groß, sie konnte sie nur nie zeigen.
Nichtsdestotrotz reagierte sie oft stur und schroff – auch wenn ihr dabei manches Mal Tränen in den Augen standen. Sie wusste, wie hart das Leben war und was es einem abverlangte. Immerhin hatte sie zwei Weltkriege miterleben müssen.

1962: Führerschein und 4-Gang-Kreidler!

So war ich trotz Lehre ohne Geld, aber verrückt nach einer Kreidler. Ich ließ meiner Mutter keine Ruhe mehr. Genervt versuchte es meine Mutter mit einem Trick: „Wenn du die Anzahlung zusammenkriegst, dann zahle ich den Rest in Raten ab“, versprach sie mir. Da sie der Überzeugung war, dass ich nicht mit Geld umgehen könne, fühlte sie sich auf der sicheren Seite. Niemals würde ich die Anzahlung zusammenbekommen und ihr würde das Theater mit dem Moped erspart bleiben. Aber da hatte sie sich verschätzt. Mein Wunsch nach einer Kreidler war groß und innerhalb kürzester Zeit hatte ich die geforderten 400 Mark durch Schwarzarbeit als Maler zusammen – sie musste wohl oder übel in den sauren Apfel beißen. Und ich erfuhr erstmals, wie leicht Geld zu verdienen ist, wenn man „selbstständig“ ist.
Pünktlich zu meinem 16. Geburtstag am 15. März 1962 hatte ich den 4er-Führerschein bestanden und wurde stolzer Besitzer der ersten 4-Gang-Kreidler der Region. Ein Kleinkraftrad mit 4,2 PS, Fußschaltung, eingetragener Höchstgeschwindigkeit von 72 Stundenkilometer. Ich war der Größte!
Noch an meinem 16. Geburtstag fuhr ich direkt zur Malerfirma, wo ich ohne lang nachzudenken meine Lehrstelle kündigte. Mein Chef sorgte sich um meine Zukunft. „Was willst du denn nun machen“, fragte er spöttisch. Und ich platzte mit der Wahrheit heraus: „Kreidler fahren“, antwortete ich aus vollem Herzen, doch er verstand mich wohl nicht …

Nur noch Kreidler fahren

Das tat ich in den nächsten Jahren dann auch wirklich, wenn auch mit einigen kleinen Zwangsunterbrechungen, wie man noch sehen wird. Ich fuhr nur noch. Dabei konnte ich auch meiner Leidenschaft, dem Singen, ungestört nachgehen. Niemand fühlte sich durch mich gestört und ich konnte singen, so laut und so lange ich wollte. Das war 1962, die ersten Beatles-Lieder kamen auf den Markt. „Love Me Do“, „Skinny Minnie“ … So fuhr ich denn mit meiner Kreidler, ließ mir den Wind durch die Haare wehen und sang aus voller Kehle. Keiner hörte mein nachempfundenes Englisch und ich erkundete die gesamte Gegend zwischen Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen. Ich war absolut glücklich, frei, unabhängig – mehr wollte ich nicht vom Leben.
Mein neuer Besitz stieg mir aber gleich zu Kopf und ich wurde zunehmend übermütiger. Eines Tages fetzte ich mal wieder gnadenlos durch die Mannheimer Innenstadt, die Ringstraße entlang. Ein Stau, ich flitzte durch die Mitte. Dabei übersah ich eine ältere Dame, die mir über den Weg lief, und ich erwischte sie „breitseits“. Die Milchflaschen, die sie bei sich trug, flogen im hohen Bogen durch die Luft, knallten klirrend auf die Straße, meine Kreidler rutschte auf dem Kopfsteinpflaster entlang und bekam dabei einige Schrammen. Ich stürzte wutentbrannt zu der Frau hin, die noch geschockt am Boden lag und gar nicht wusste, was eigentlich geschehen war. Breitbeinig baute ich mich vor ihr auf und schrie sie an. „Schauen Sie mal, was Sie mit meiner Kreidler gemacht haben!“, und wies auf die Kratzer am Tank. Beherzte Bürger halfen ihr indessen auf die Beine. „Was fällt dir eigentlich ein, du Bankert“, beschimpften sie mich, weil ich nur Augen für meine Kreidler hatte. Heute würde meine erste Sorge natürlich dieser Frau gelten, die Gott sei Dank nicht schwer verletzt war, aber ehrliche Erinnerungen zwingen zur gnadenlosen Wahrheit.

Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort!

Kurze Zeit danach kam ich vom Handballtraining zurück. Es regnete, ich war klatschnass und wollte so schnell wie möglich meine durchnässten Klamotten loswerden. Ich stellte meine Kreidler kurzerhand an ihren Platz gegenüber von unserem Mietshaus und schloss sie zum ersten Mal nicht ab. Ich rannte hoch in die Wohnung, um mich schnell umzuziehen, rannte dann gleich wieder runter, um meine Maschine abzuschließen und – sie war weg! Ich konnte es nicht fassen und war nicht mehr zu beruhigen. Meine Mutter dagegen hatte überhaupt kein Verständnis für meine Verzweiflung. „Bin ich froh, dass das Ding endlich weg ist!“, war ihr herzloser Kommentar. „So was kommt mir nicht wieder ins Haus!“

Sie sollte sich noch wundern …

Was sollte ich in meinem großen Kummer nur tun? Ich ging zunächst zu Seppl, der schräg gegenüber in K 2 wohnte und zusammen mit mir bei der gleichen Firma als Malerlehrling gearbeitet hatte. Ihm klagte ich mein Leid und bald waren wir uns einig, dass es nur eine gerechte Lösung geben könnte: Auch klauen und weiterfahren! So zogen wir zusammen los. Vor einem Kino stand eine Kreidler. Wir brachen das Schloss auf und fuhren davon. Fortan gehörte uns diese Kreidler zusammen. Wir versteckten sie über Nacht immer in einer Ruine zwei Häuser neben meinem Mietshaus.
Ungefähr vierzehn Tage lang währte unser gemeinsames Glück. Dann kam die Polizei zu mir nach Hause. Ich befürchtete schon das Schlimmste, Jugendarrest oder so, aber nichts dergleichen. „Wir haben dein Moped wieder gefunden“, verkündeten sie mir. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Sie hatten meine Kreidler nicht unweit von unserem Haus im Neckar gefunden. Allerdings ohne Motor und ohne Hinterrad. Endlich hatte ich meine über alles geliebte Kreidler wieder, zwar ohne Motor samt 4-Gang-Getriebe und Hinterrad, doch die perfekte Lösung stand sozusagen Gewehr bei Fuß zwei Häuser weiter in der Ruine. Den Motor und alle anderen fehlenden Teile baute ich in meine Kreidler und schon konnte ich wieder fahren. Allerdings vorerst mal mit 3-Gang-Handschaltung anstatt der 4-Gang-Fußschaltung – zutiefst entwürdigend für einen Ex-4-Gang-Racer.
Meine Mutter hatte natürlich von all dem keine Ahnung und meinte wohl, ich hätte mir meine Kreidler einfach wieder irgendwie zusammengebastelt. Außerdem war sie plötzlich frei von finanziellen Sorgen, denn die Versicherung bezahlte, ich hatte natürlich nicht verraten, dass nicht abgeschlossen war, und sie konnte von dem Geld die Raten tilgen.


Sofern Fips sich nicht dem aktuellem Geschehen widmet, lest ihr in der nächsten Folge, wie er seinen illegalen Kreidler-Handel ausbaut und in der Erziehungsanstalt landet

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 05/2017
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