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BIKERS-NEWS-Gründer Fips erzählt von Erich Krafft, Member des Bones MC und einer der Harley-Pioniere Deutschlands
Erich Krafft war mit der Geschichte von Harley-Davidson in Deutschland eng verbunden. Wie kam es dazu? Entscheidend war wohl sein geniales Talent, immer mit Vollgas Spannung zu erzeugen. Wie ein Guru zog er seine Fans in den Bann; ob als Weltenbummler, Technikfreak, Visionär, Naturfreund, Moneymaker oder Cowboy – alles wurde präzise geplant und auf Gedeih und Verderb durchgezogen. Er war zwar manchmal ein Egoist, blieb aber immer bewundernswert und grenzenlos mutig. Erich hat das gelebt, wovon viele Männer träumen. Vielleicht begegneten ihm seine Mitmenschen deshalb oft missgünstig. Viele suchten seine Nähe, bekamen aber nur einen Arschtritt. Die Beziehung zu Erich konnte nur eine unerklärbare Hassliebe sein.

Erster deutscher Member

Schon als Jugendlicher hatte er seine Eltern verloren und musste auf eigenen Füßen stehen. Nach dem Abitur und einer Ingenieursausbildung wurde er bei der Dämmfirma „Grünzweig & Hartmann“ der erfolgreichste Verkäufer und brachte es so zu einem kleinen Vermögen. Privat war er leidenschaftlicher Motorradfahrer und wurde so schon 1969 erster deutscher Member der Mannheimer Bones, kurz nach deren Gründung. Er kam aus dem Dunstkreis des Lost Sons MCs Mannheim, deren President ich war. Auch seine erste Frau Moni, mit der er eine Tochter hatte, fuhr Harley – sie wurde sogar colourtragendes Mitglied und Kassiererin der Mannheimer Bones.

Als auch ich zu den Bones wechselte, war das ideale Team geboren. Die Bones wurden die gefragteste Ordnertruppe im süddeutschem Raum und fast selbst zu Stars. Erich und ich waren dabei die Organisatoren. Der erste Höhepunkt unseres Jobs war das British Rock Meeting auf der Insel Grün in Germersheim, mit Pink Floyd als Headliner und 20 weiteren weltbekannten Bands. Bis weit in die Achtzigerjahre waren die Bones Ordner auf großen Rockkonzerten und vielen Großereignissen – und Erich war mit seinem Organisationstalent unser Kontaktmann zu den Obrigkeiten.

Von Moto Guzzi zu Harley

Zu Anfang fuhr Erich noch Moto Guzzi, aber es dauerte nicht lange, bis er nach Größerem Ausschau hielt – und seine Guzzi konnte nur noch von einer Harley getoppt werden. Etwas Exotischeres als eine Harley hat man sich seinerzeit nicht vorstellen können. Das amerikanische Eisen sah man damals noch äußerst selten und „echte“ Motorradfahrer schüttelten den Kopf, wenn ihnen so ein Schiff begegnete. Fast ausschließlich waren es Amerikaner, die wiederum überhaupt kein Verständnis für uns „Rennfahrer“ aufbringen konnten den Kopf schüttelten, wie verrückt die Deutschen sind. Für Erich wurde Harley-Davidson zum Inbegriff aller Wünsche und so dauerte es nicht lange, bis er stolzer Besitzer seines ersten Bikes aus Milwaukee war.



Der Weg zum Harley-Pionier

Bald lernte Erich einen Harley-Importeur (Eysel Motorsport) kennen, der die Bikes über amerikanische Händler nach Deutschland brachte; und weil die Bones damals noch hauptsächlich aus amerikanischen Membern bestanden, dauerte es nicht lange, bis diese anfragten, ob er ihnen nicht Harleys besorgen könne. Also kaufte Erich Harleys bei Eysel und versorgte damit die Ami-Bones. Er wurde immer bekannter und in der Rocker-Szene entwickelte sich ein reger Handel, sodass Erich unversehens „Harley-Händler“ war. Er wusste natürlich, dass es in Deutschland keine offizielle Harley-Vertretung gab, und so setzte er sich zusammen mit Klaus Zobel, einem neuen Geschäftspartner, ins Flugzeug und flog nach Milwaukee. Weltbürger war er schon durch seine Vertreter-Tätigkeit geworden und hatte deshalb auch keine Berührungsängste. Die beiden wollten mit der Company über eine offizielle Vertretung verhandeln und so entstand – im Detail natürlich etwas komplizierter – die heute noch existierende Niederlassung in Deutschland.

Erich eröffnete eine Gebietsvertretung in Ludwigshafen-Edigheim, Harley-Krafft war der erste Vertragshändler und gleichzeitig Großhändler in Deutschland. So konnte er die Bikes sehr günstig nach Deutschland holen und seine Firma wurde, anfänglich vor allem durch die amerikanischen Soldaten, ein gut laufender Betrieb. Vor allem MC-Mitglieder waren Erichs Kunden, weil er in der Club-Szene sehr bekannt war. Es dauerte nicht lange und Harley-Krafft war der größte Harley-Händler Deutschlands – ein Name, den man bundesweit kannte. Erich hatte seinen Traum, einmal Harley zu fahren, x-mal getoppt.

Vom Händler zum Pilot und Cowboy

Erich hatte sich im Laufe der Zeit ein exzellentes Team zusammengestellt. Sein großer Trumpf war Thomas Gärtner, ein gelernter Motorrad-Schlosser-Meister und Techniker mit Visionen. In den frühen Achtzigerjahren hatte er für den Rest seines Lebens ausgesorgt und Abenteurer, wie er nun mal war, übergab er seine Firma an sein Team mit Meister Thomas an der Spitze. Von da an konzentrierte er sich auf neue Abenteuer, nicht mehr zu Lande, sondern in der Luft: Er machte den Pilotenschein und flog Heißluftballon. Dabei verband er das Schöne mit dem Nützlichen, verkaufte Werbeflächen auf seinem Ballon und fuhr damit zu vielen Großveranstaltungen in aller Welt. Er war immer da, wo gerade was los war, ob Olympische Spiele, Formel-1-Rennen oder Weltmeisterschaften populärer Sportarten. Es dauerte nicht lange und auch die Bones hatten ihren eigenen Heißluftballon. Auch die Member Blacky und Gigi machten den Pilotenschein und so fuhren die drei Rocker per Ballon durch Deutschland, wohin der Wind sie auch trieb.



Irgendwann kam Erich zusammen mit Formel-1-Fahrer Jochen Mass auf die Idee, mit einer Rozière (einer Mischung aus Gas- und Heißlustballon) über den großen Teich zu fliegen und die beiden stürzten sich in das Abenteuer. Schon ziemlich weit gekommen, wurde es kalt, und Wasser fror am Ballon, sodass er immer schwerer wurde und in die Tiefe sank – die beiden wurden schließlich gerade noch rechtzeitig in höchster Seenot gerettet. Das ging damals natürlich weltweit durch alle Nachrichten. Nachdem er bei einem zweiten Absturz seine damalige Lebensgefährtin verloren hatte, brach er alle Zelte in Deutschland ab und zog nach Amerika. Dort kaufte er eine Ranch, lebte als „Cowboy“ und brachte es sogar bis zum Hilfssheriff.

Zurück zu den Wurzeln

Irgendwann flog er mal wieder nach Good Old Germany und als er wieder zurückkam, hatte seine neue Frau einen anderen Mann im Haus. Daraufhin zog er wieder zurück nach Deutschland. Um die Jahrtausendwende fing ein seiner neuen alten Heimat ein weiterer Lebensabschnitt an. Er kaufte sich ein Haus mit großem Grundstück gegenüber der Altriper Sandrennbahn in der Nähe Mannheims. Bald lernte er seine spätere zweite Frau Ela kennen und wurde auf seine „alten Tage“ noch einmal stolzer Vater eines Jungen. In der unmittelbaren Nachbarschaft seiner Bones-Freunde aus den alten Tagen, Blacky, Pablo und Uwe Sommer, fühlte er sich wieder richtig wohl. Kurz nach seinem 74. Geburtstag schloss er im Sommer 2013 für immer seine Augen.



Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 10/2017
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