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Am 10. Juli hat das Innenministerium zum ersten Mal eine der sogenannten „rockerähnlichen Gruppierungen“ verboten; also eine jener Gruppen, die sich organisieren und kleiden wie Rocker, aber nicht Motorrad fahren.


Getroffen hat es die hauptsächlich von türkischstämmigen Membern geprägten Osmanen Germania, deren „BC“ im Colour für „Boxclub“ steht und denen die Behörden beste Verbindungen zu Autokrat Erdogan nachsagen.

Das Verbot ist aus mehreren Gründen von Interesse für die MC-Szene. Es könnte nicht nur als Fingerübung für bundesweite Verbote international aufgestellter großer Clubs dienen, es offenbart auch einmal mehr die Probleme, die mit der Verschärfung des Vereinsgesetzes und dem Colour- Verbot verbunden sind.

Abgesehen davon ist es unsere journalistische Pflicht, Politikern mit nervigen Nachfragen auf den Sack zu gehen. Denn die unterscheiden aus populistischem Kalkül oft genug nicht zwischen „Rocker“ und „rockerähnlich“. So sprach auch der hessische Innenminister Peter Beuth vor und nach dem Verbot von „der Rockerszene“ oder „den Osmanen-Rockern“. Unsere mehrfache Nachfrage, ob seine Wortwahl bewusst von Polizei und Staatsanwaltschaft abweicht, blieb – Überraschung – unbeantwortet.

Vor diesem Hintergrund hatten wir natürlich bereits zeitnah, unmittelbar am Tag des Verbots, eine entsprechende Meldung auf unserer Internetseite und auf Facebook veröffentlicht. Doch anscheinend hat ein Teil der Szene die größeren Zusammenhänge leider noch immer nicht richtig im Blick. Anders jedenfalls können wir uns die erzürnten Kommentare im Internet nicht erklären, die genauso zahlreich ausgefallen sind, wie wir es befürchtet hatten.

Natürlich zielte die Kritik auch auf uns, die „Biker Bravo“, die sich besser in „Box News“ umbenennen solle. Und selbstverständlich fehlte im allgemeinen Shitstorm auch die Drohung nicht, dass jetzt das Abo gekündigt werde.

Dass einige Leser der Meinung sind, Streetgangs wie die Osmanen gehörten nicht zur MC-Szene, ist bestenfalls kindisch. Als wären es nicht die großen Clubs selbst gewesen, die diese Geister riefen, als sie genau in dem Milieu neue Member rekrutierten, dem auch die Streetgangs entstammen. Viele heutige MC-Member waren zuvor Mitglied in einer dieser Gruppierungen oder umgekehrt. Wer das nicht weiß, lebt vermutlich in einer fränkischen oder pfälzischen Idylle, hat mit Sicherheit aber selten BIKERS NEWS gelesen – und deswegen auch kein Abo, das zu kündigen wäre.

Weitaus schlimmer und womöglich Ausdruck eines ernsthaften psychischen Problems wäre es allerdings, wenn die Nörgler diese Realitäten schlicht nicht wahrhaben wollen. Und ich befürchte, das trifft auf einen Großteil zu. Nur so lässt sich schließlich erklären, warum die Entwicklung der Szene nicht bei denen kritisiert wird, die sie zu verantworten haben, sondern bei uns, der BIKERS NEWS.

Und noch einen weiteren Denkanstoß möchte ich in Richtung derjenigen geben, die sich offensichtlich nach Zeiten zurücksehnen, die es nie gegeben hat. Selbst wenn es keinerlei Überschneidungen zwischen der MC-Szene und den „rockerähnlichen Gruppierungen“ gäbe und sie hermetisch voneinander getrennt wären: Liegt es da nicht erst recht auf der Hand zu fragen, warum diese Gruppierungen nicht nur die Kutten, sondern auch die Strukturen von MCs kopieren? Die Frage zu stellen, heißt sie zu beantworten.

Tilmann Ziegenhain, Chefredakteur
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