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Stürzende Götter Es muss berauschend sein, Götter zu stürzen. Nietzsche hatte dazu vor über hundert Jahren aufgerufen, und jetzt hat sich das bis zu unseren Bürgern durchgesprochen. Gerade besaufen sie sich daran. Einen Bundespräsidenten …
checkpoint März 2014

Stürzende Götter

Es muss berauschend sein, Götter zu stürzen. Nietzsche hatte dazu vor über hundert Jahren aufgerufen, und jetzt hat sich das bis zu unseren Bürgern durchgesprochen. Gerade besaufen sie sich daran. Einen Bundespräsidenten haben sie schon erledigt.
Mit dem ADAC werden sie es nicht so einfach hinkriegen. Aber wenn sie schon in Schwung sind, können sie an dessen Fundament wenigstens ein bisschen rütteln. Ganz wichtig ist dann natürlich, dass die Boulevard-Medien immer neuen Brennstoff in den öffentlichen Scheiterhaufen werfen.
Und was ist mit unseren Göttern? Die erledigen das mit dem Sturz von sich aus. Jüngst hat der ehemalige President des Satudarah MC sich zum Kronzeugen aufgeschwungen und all seine ehemaligen Brüder zum Austritt aufgefordert. Vielleicht hatte er sich zuvor auch zu schnell zum Gott seines Clubs aufgeschwungen. Aber woran sollen wir da noch glauben?
In unserer überalterten Szene habe ich Neuzugänge immer begrüßt, erst recht die aus anderen Kulturen. Und es ist das Vorrecht der Jüngeren, sich die Hörner abzustoßen – wenn das auch gelegentlich zu schlechter Öffentlichkeitsarbeit für die ganze Szene führt.
Der Satudarah MC ist hierzulande ein junger Club. Vielleicht findet er noch den richtigen Weg. Denn die Idee, viele Völker zu einer Bruderschaft aus einem Blut zusammenzubringen, ist ja schon mal ganz gut. Der fremdländische Name des Clubs bedeutet schließlich nichts anderes.
Polizei, Staatsanwälte und Innenminister knöpfen sich derweil die nächsten vor. Auch das erfolgt stets im Schulterschluss mit den Boulevard-Medien. Die müssen nur ein paar Namen groß rauskommen lassen – wie zum Beispiel den fälschlich immer wieder als Deutschland-Presidenten verkauften Hells Angel Frank Hanebuth.
Das Volk braucht Lichtgestalten oder Fürsten der Finsternis. Und schon hat es damit seine Götter, die mit Hilfe der richtigen Schlagzeilen auch wieder gestürzt werden können. Die Behörden arbeiten dann deren Namen wie auf einer Liste ab. Am Ende liest sich die Geschichte der gestürzten Götter wie die derMichael Ahlsdorf Zehn kleinen Negerlein.
Wir saßen im Gerichtssaal, als der Urteilsspruch über Ingo gesprochen wurde, den Hells Angel aus Reutlingen. Der bleibt nun wegen einer ihn ehrenden, aber ansonsten ziemlich dummen Geschichte für Jahre im Knast. Wohlgemerkt nicht im Zeugenschutzprogramm und ohne seine Brüder zum Austritt aufzufordern. Das kostet seinen Preis.
Mögen unsere Leser sich einen Reim drauf machen. Wer nun wieder meint, er hätte es schon immer gewusst, wir seien parteilich und stünden auf der Seite der Hells Angels, dem sagen wir: Auf’s Standing kommt es an, nicht auf die Farben.
Wir wollen keine unserer Rocker zu Göttern küren. Aber wir können wenigstens über unsere Ideale nachdenken. Nicht alle Ideale sind fragwürdig, und nicht alle Götter müssen gestürzt werden.
Uff, das war jetzt aber ein Rundumschlag. Das Bild da oben zeigt mich, nicht gerade gottgleich, nachdem mir in der Nacht die Kupplungshydraulik abgekackt war. Wir alle brauchen mal ein bisschen Pannenhilfe. Oder ist der ADAC für sonst noch was gut?
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