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Kleiderordnung Sie sind noch immer nicht verreckt, diese alten Knacker. Nach wie vor reden sie mich mit „Junger Mann“ an, obwohl ich selbst schon über 50 bin. Ihrerseits haben sie 50 Jahre lang eisern CDU gewählt, weshalb sie jetzt glauben, …
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Kleiderordnung

Sie sind noch immer nicht verreckt, diese alten Knacker. Nach wie vor reden sie mich mit „Junger Mann“ an, obwohl ich selbst schon über 50 bin. Ihrerseits haben sie 50 Jahre lang eisern CDU gewählt, weshalb sie jetzt glauben, zu jeder Belehrung berechtigt zu sein. Erst blockieren sie mit ihren Spießerkarossen die Straße, und wenn wir endlich mit unserem Motorrad auf der linken Spur sind, geben sie Gas: „So geht das aber nicht, junger Mann!“
Damit gefährden sie die öffentliche Sicherheit. Wenn sie sich in einem Club zusammenschließen würden, könnte man sie verbieten.
Mein psychisches Wohlbefinden gefährden sie sowieso, denn ihr äußeres Erscheinungsbild ist unerträglich: Der Mann in beigem Popeline-Blouson mit Stahlrandbrille und Cordhut. Dann kommt noch seine Gattin dazu – mit ihrer seit 50 Jahren festgemeißelten Betonfrisur.
Auch krawattenbewehrte Manager beeinträchtigen mein psychisches Wohlbefinden. Wie ihr auf dem Bild da oben seht, präsentierten die Männer von BMW ihr lang erwartetes Factory-Custom ausgerechnet in diesem Ornat. Das Bike heißt nun „R nineT“, was ein wenig berufs­jugendlich klingt. Aber die Männer sind Profis in eigener Berufskleidung: Sie verkaufen ein Motorrad und keine Philosophie. Entsprechend perfekt wird ihre Maschine zu fahren sein, das ist sicher. Unsere Kollegen von den Zeitschriften CUSTOMBIKE und REISE MOTORRAD werden euch darüber auf dem Laufenden halten und während der Tests keine Krawatte tragen.
Überhaupt kann man es niemandem verbieten, so auszusehen. Die Richter unseres Rechtsstaats haben das unter Berufung auf unser Grundgesetz jüngst bekräftigt. So geschehen mit Beschluss des Verwaltungsgerichts Weimar. Es hob damit wiederum den Beschluss der Stadt Weimar auf, den Bandidos im Fall eines Besuches des Stadtfestes einen Platzverweis zu erteilen. Die Stadt Weimar begründete ihr Vorhaben damit, dass die clubtypischen Kleidungsgegenstände und Embleme der Rocker das psychische Wohlbefinden der anderen Stadtfestbesucher beeinträchtigen würden. Jawohl, es ging in genau diesem Wortlaut um das „psychische Wohlbefinden“.Michael Ahlsdorf
Wir müssen uns auf der Zunge zergehen lassen, was daraufhin passiert ist: Nicht nur war es den Bandidos gelungen, im Eilverfahren die Einrichtung einer Kuttenverbotszone wieder aufzuheben. Obendrein ist es uns fortan erlaubt – bekräftigt durch das Grundgesetz – scheiße auszusehen. Ja, wir dürfen scheiße aussehen, und wir dürfen damit auch das psychische Wohlbefinden unserer Mitbürger beeinträchtigen. Denn die dürfen das gleiche auch mit uns. Eine Kleiderordnung hat das Grundgesetz nicht vorgesehen.
Ich danke meinem Schöpfer für die große Gnade, in dieser abgedrehten Zeit leben zu dürfen. Und Polizei und Behörden müssen sich zukünftig eine andere Taktik ausdenken, um die innenministerlich angeordnete Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten gegen die Rockerszene umzusetzen. Mehr dazu in unserer Titelstory.


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