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Ist „Back to the Roots“ der einzig richtige Weg?
Vor zwei Jahrzehnten, im Jahr 1997, vermeldete die BIKERS NEWS gleich zweimal hintereinander das noch schwächliche Signal „Back to the Roots“. In der Juni-Ausgabe berichteten wir über die „Back to the Roots“-Party des Midnight Prayer MC Saterland und im Juli stellten wir einen Club vor, der unter dem Namen „Back to the Roots MC Eberswalde“ fuhr. Den Artikel hatte sogar ich verfasst – und der President des Back to the Roots MC erklärte mir seinerzeit: „Meine Schwiegermutter muss endlich begreifen, dass Clubleben nicht unbedingt aus dem Erpressen von Schutzgeldern besteht.“
War die Gegenwart denn damals schon so schlimm? Sie war es. Der Gremium MC umwarb in ausgedehnten Beutezügen die ostdeutschen Clubs, natürlich nur die härtesten. Die anderen, also die nicht ganz so harten, fürchteten das Schlimmste neben derart umgepatchten Nachbarn. Renommierte Ost-Clubs wechselten in ihrer Not zu weniger verrufenen West-MCs. Sie waren das geringere Übel. Denn in Lauchhammer schien der Black Unicorns MC gar zu den Bones hinüberzufirmieren. Den Südwesten von Deutschland hatten die Bones da längst im Griff. Jeder wusste, wie die Stimmung einer Party auf den Tiefpunkt sackte, wenn dort die Bones einrollten. Und die angehenden Bones von Lauchhammer traten im Osten nicht anders auf.
Aber machen wir uns nichts vor: Wer Rocker war, der wollte ja eigentlich selbst zum Gremium, zu den Bones oder zu diesen ganz entfernten Hells Angels gehören. Wir alle, die wir irgendeine Vorstellung vom Rocker-Sein hatten, tragen mithin Schuld an den Verhältnissen, in denen wir mitspielen,denn das war das ganz normale Rockergeschäft der Neunzigerjahre. Und nein, in den Achtziger- oder Siebzigerjahren war es auch nicht besser. Die Hells Angels waren nur noch weiter weg, weshalb die meisten von uns gar nicht wussten, wovon sie redeten.

„Ich hab mir schnell einen Vokuhila mit Schnauzbart wachsen lassen. Back to the Roots!“

Und heute? Alt gewordenen Rockern, die einst selbst Angst und Schrecken verbreiteten, widerfährt auf ironische Weise Gerechtigkeit. Sie spüren nun am eigenen Leib, wie Angst und Schrecken sich anfühlen, wenn sie kampfsportgestählten rockerähnlichen Gruppierungen gegenüberstehen. Im Zeitalter von Streetgangs und Migrantenclubs schließen die Seniorenrunden sich zu Männergesangsvereinen zusammen und singen sich in „Back to the Roots“-Chören Mut zu.
Das anstehende Colour-Verbot zeugt davon: Wir haben uns bis jetzt noch jede Suppe selbst eingebrockt, denn wir waren schon immer scheiße. Wir alle haben die Szene in die falschen Bahnen gelenkt, aber heute will es niemand mehr gewesen sein. Sogar die Hells Angels tragen jetzt „Old School“-Patches. Und wir wissen gar nicht mehr, aus welcher Schule wir welche Verirrten denn eigentlich abholen sollen, um sie zurück zu den Wurzeln zu bringen. Oder ist das alles nur ein Kindergarten?
Wir Rocker sind nicht allein. Ein paar Jahre vor unserem „Back to the Roots“ haben schon die Hipster „Oldschool“ gepredigt. Sie ließen sich Bärte wachsen und bauten echte Chopper der reinen Lehre. Customizer zogen nach und plötzlich ging’s unter diesen Slogans auch ums Geld. Eine Menge Biker-Stuff wird seitdem unter diesen Parolen verkauft, jetzt auch von uns. Meine Kollegen haben auf unserer CUSTOMBIKE- SHOW in Bad Salzuflen sogar eine „Save the Choppers“-Show ausgerichtet, sie zeigte natürlich nur echte Oldschool-Chopper, garantiert back to the roots. Da muss ja früher wirklich alles besser gewesen sein. Ich hab mir deshalb schnell einen Vokuhila mit Schnauzbart wachsen lassen. Sehe ich damit nicht genau so aus, wie all die Typen, die wir in den ersten Ausgaben der BIKERS NEWS abgebildet haben? Back to the Roots!

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 01/2017
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