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Biker sollten sich an gewisse Förmlichkeiten halten. Wir machen das auch. Nur an eine halten wir uns nicht: Ahlsdorf behält das letzte Wort
Wer zum ersten Mal auf eine Veranstaltung der Hells Angels fährt, der wird beeindruckt sein. Vielleicht von den mächtigen Bikes, vielleicht auch von den ebenso mächtigen Typen, vor allem aber von den Begrüßungsritualen. Wer neu dazu kommt, der stellt sich nach festen Regeln vor. Er nennt seinen Namen, seine Funktion, sein Charter, immer mit einem festen Bikergruß: Angewinkelte Arme, die Daumen haken sich ineinander, die Finger umfassen das Handgelenk des anderen. Wenn komplette neue Charter einrollen, dann bilden sich sogar Schlangen und diese Prozedur kann eine Weile dauern. Förmlichkeiten?

Das Logo der Biker UnionDas Logo der Biker Union zeigt den typischen Bikergruß – übrigens mit zwei linken Händen!

Ich hatte die Rockerszene einst aufgesucht, weil mir diese ganzen bürgerlichen Rituale auf den Sack gingen, dieses Händeschütteln, dazu den „Diener“ machen – und dann auch noch in die Augen gucken. Hier, dachte ich, könnte man cooler sein.

Kann man nicht. Klar darf man bei uns die Beine auf den Tisch legen. Ob das Rauchen erlaubt ist, muss man auch nicht fragen. Beides ist schon mal ein großes Geschenk.

Förmlichkeiten und Respekt

Andere Förmlichkeiten aber haben nicht nur was mit Respekt zu tun. Vielmehr geht es um das Praktische. Den Vorreiter im Verfall des zwischenmenschlichen Umgangs macht wie immer Facebook. Keine Sorge, ich will dieses Medium jetzt nicht bashen, obwohl es das immer wieder verdient hat.

Klatschsüchtig waren wir halt schon immer – ganz im Widerspruch zu den Schweige­­gelübden, die man uns nachsagt. Und dieses Medium macht es uns nun so einfach, unserer Klatschsucht nachzugeben. Ein Posting ist viel schneller reingehackt, als man denken kann. Was dann folgt, ist womöglich ein Rockerkrieg, denn jedes Hineingrunzen will ja erst mal richtig verstanden werden. Das betrifft auch uns: Was soll ein Redakteur, der seinen Lesern helfen will, mit zusammenhanglos hereingestammelten Postings anfangen, wie „Scheißblatt!“, „ich auch“ oder „Warum antwortet ihr mir nicht“? Das natürlich ohne Anrede, ohne Absender, ohne Bezugnahme auf irgendwas?

Bei uns potenzieren sich zwei Missverständnisse. In der Bikerszene wie in den elektronischen Medien glauben die Leute plötzlich, es wäre alles erlaubt. In der Bikerszene kassiert man dafür ziemlich schnell eine Quittung, in den elektronischen Medien nicht. Plötzlich dürfen Menschen mitreden, die früher still sein mussten, weil sie nie gelernt hatten, wie man sich in eine Runde einbringt.

Dabei ist es doch so einfach, übrigens auch in einer E-Mail oder über Facebook: Man sagt, wer man ist, wo man herkommt, worum es geht – und schließlich sagt man auch, was man will. Wer fürs nächste Mal angenehm in Erinnerung bleiben will, der wünscht dem anderen einen schönen Tag und verrät vielleicht sogar noch seinen vollen Namen und seine Adresse. Dann helfen wir dem Mann gerne. Anders können wir oft ja auch gar nicht helfen.

Die rettende Auskunft

Wie einen Gott verehre ich den Philosophen Theodor W. Adorno. Als in der linken Szene hoch angesehener Intellektueller stand Adorno nicht im Ruf, Spießigkeit zu predigen. Aber er verfasste mal einen Aphorismus unter der Überschrift „Zur Dialektik des Takts“. Dort bezeichnete er den Takt als „die rettende Auskunft zwischen den entfremdeten Menschen“.

Die rettende Auskunft beginnt bei uns mit einem Bikergruß und der Nennung von Namen, Herkunft und Anliegen. So hat es auf Bikertreffen auszusehen, im Schriftverkehr mit uns, aber auch auf der Autobahn und überhaupt im ganzen Leben. Das sagt euch

Michael Ahlsdorf,
Chefreporter, BIKERS NEWS


Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 03/2018
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