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Der Holzländer MC feierte sein zwanzigjähriges Bestehen
Das Hermsdorfer Kreuz ist der Knotenpunkt von A4 und A9. Hier kommt vorbei, wer nach Frankfurt, München, Berlin oder Leipzig will. Kennt jeder – doch die wenigs­ten fahren hier ab.

Anders Anfang August: Hunderte Gäste besuchten die Party zum zwanzigsten Geburtstag des Holzländer MC. Verwandte, Nachbarn, Freunde und etliche Member befreundeter Clubs feierten mit den Gastgebern. Patches von den kleinsten MFs bis zum bekannten 1%er-Club waren zu sehen. Über das Wochenende verteilt spielten sechs Bands, die Bühne auf dem Clubgelände hätte auch auf einem Festival stehen können.

Volles Haus und voller Campground: die Party zum 20-Jäh­rigen

Das durchwachsene Wetter hatte keinen Einfluss auf die Stimmung. An gelegentliche Regenschauer scheint sich mittlerweile jeder gewöhnt zu haben und Biker sind ja eh etwas schmerzfreier. Ansonsten haben die Member auf Schnickschnack verzichtet und eine schöne Party im Stil der alten Schule auf die Beine gestellt, samt großem Campground zwischen allerlei Bäumen. Es gab Bikerspiele und ein großes Lagerfeuer, Fleisch vom Grill und Bier vom Fass, Stripgirls in der clubeigenen Tabledance-Bar und einen singenden Vice Presi. Und das alles in waldreichem Gebiet – Holzland eben.
 

Der Holzländer MC im Interview

Wir haben uns mit Harry (President), Jörg (Gründungsmember und erster President) und Steve (Vice President) zusammengesetzt, um zu hören, wie die Reise bislang war – und wohin der Weg noch führen wird.

Die Interviewpartner Harry (Presi), Jörg (Gründungsmember und erster Presi) und Steve (Vice Presi)
Die Interviewpartner Harry (Presi), Jörg (Gründungsmember und erster Presi) und Steve (Vice Presi)

BN: Herzlichen Glückwunsch zum runden Geburtstag! Wie seid ihr damals auf euren Namen gekommen?
Jörg: Das ist so gewachsen. Die Gegend hier heißt Holzland und wir wollten keinen englischen Namen. Er sollte deutsch klingen und auch den Bezug zur Region widerspiegeln. Wenn man heute in der BIKERS NEWS blättert, ist ja mittlerweile alles Mögliche dabei, was gar keinen örtlichen Bezug mehr hat – aus diesem Grund nennen wir uns Holzländer.

Es gibt Clubs, die haben Probleme mit ihren Zahlenkombinationen. Da wird immer wieder viel reininterpretiert und hinterfragt.
Harry: Das kann sein. Wir haben da aber Glück, denn es passt nichts so richtig. Aber es ist tatsächlich so, dass auch wir immer wieder mal gefragt werden, was das bedeuten soll. Viele suchen da nach einer tieferen Bedeutung. Dabei haben wir damals einfach unsere Hausnummer ins Colour reingenommen. Das ist die 66. Eine andere Bedeutung hat das nicht.
Steve: Wenn wir schon beim Colour sind: In der Mitte ist ein Wort mit vier Buchstaben dargestellt, das erkennt auch nicht jeder: MUNA. Das Gelände hier, auf dem unser Clubhaus steht, ist ein altes Militärgebiet. Hier wurde Munition montiert und für die Leute der Gegend ist das ein Begriff. MUNA bedeutet nichts weiter als Munitionsanstalt. Unser Colour zeigt also nichts anderes als unsere Adresse: Munitionsanstalt, Hausnummer 66. Unser Club heißt Holzländer MC und wir kommen aus Thüringen – das ist alles.

„Unser Colour zeigt nichts anderes als unsere Adresse: Munitions­anstalt, Hausnummer 66“

Ihr habt euch vor 20 Jahren gegründet. Das heißt, ihr kommt nicht mehr aus der AWO-Szene und auch nicht aus der Aufbruchsstimmung der Wendezeit. Wie kam es zur Gründung?
Jörg: Das ist aus einer losen Vereinigung entstanden. Wir waren damals eine Handvoll Leute, die sich kennengelernt hatten, weil sie Spaß am Motorradfahren haben. Wir sind zusammen ausgefahren und haben Partys besucht. Das war vor der Gründung allerdings noch sehr lose. Da sind immer wieder neue Leute dazugekommen und andere sind gegangen.

Habt ihr euch gleich als MC gegründet?
Harry: Nein. Der erste Schritt war eine MF. Ab 2005 hatten wir dann ein Clubhaus und waren der Holzländer Thüringen MC. Durch das Clubhaus hatten wir so was wie ein Zentrum. Damit war dann auch Verantwortung verbunden. Von den Gründungsmembern sind heute immer noch sechs dabei.
Steve: Uns wurde schnell klar, dass wir es richtig machen wollen. MFs gibt es genug in Deutschland. Für mich und andere stand fest, dass wir die Prospectzeit nur machen, wenn dabei auch was entsteht – und das bedeutet MC. Da musst du natürlich entsprechend unterwegs sein und alles, was damit verbunden ist, auch leben.
Harry: Das ist ein langer Weg gewesen. Der Status, den wir jetzt haben, ist nicht automatisch gekommen – den haben wir uns hart erarbeitet. Hier im Osten, aber auch anderswo. Wir sind europaweit unterwegs.
Jörg: Ein MC hat den Vorteil, dass die Leute, die es nicht so ernst meinen, das früh erkennen. Da sind bei uns am Anfang auch viele gegangen. Viele merken schnell, dass ein Leben im und mit dem MC nicht ihr Ding ist.

Wie sieht das heute bei euch aus. Habt ihr Prospects?
Harry: Da wir keine Probleme mit zu wenig Anfragen haben, gibt es natürlich auch Prospects. Wir haben nur ein Chapter. Mehr wollen wir auch gar nicht. Für ein Chapter sind wir mittlerweile relativ groß. Das heißt, wir können Prospects auch gut aussortieren. Wir müssen nicht jeden nehmen. Wir lassen uns genügend Zeit, unsere Prospectzeit dauert mindestens zwei Jahre.

Wie habt ihr die Gründung im Detail durchgeführt? Habt ihr das nur mit euch ausgemacht?
Harry: Im Grunde waren wir schon in der Szene bekannt. Die Sommerparty gab es damals schon und wir sind bereits andere Clubs besuchen gefahren. Vor der Gründung sind wir nochmal alle umliegenden Clubs angefahren.
Jörg: Wir hatten damals etwas Schiss, dass wir’s uns für unsere Winterparty mit einigen Gästen verscherzen, wenn wir mit MC-Colour fahren. Das Gegenteil war der Fall. Wir haben viel Respekt bekommen und es kamen eher noch mehr Gäste als vorher.
Steve: Das ist mit Sicherheit auch auf unsere eigenen Partyfahrten zurückzuführen. Wir sind viel unterwegs, da wird man auch bekannt. Es kommt keiner, wenn du hier jedes Wochenende sitzt und keinen besuchst.

Das klingt ja nach einer stressfreien Gründung. Wie sieht euer Alltag aus?
Harry: Wir fahren immer noch weit, also von England bis Italien, haben sechs Pflichtfahrten im Jahr und jeden Freitag cluboffenen Abend, außer wenn wir unterwegs sind. Dazu kommen noch unsere eigenen Partys, im Sommer, im Winter, zu Ostern und im Herbst.

Das klingt schon fast nach Stress. Stemmt ihr das Programm, weil ihr so viele seid? Kommt es da zu Reibungspunkten?
Harry: Der Club lebt von seiner Durchmischung. Reibungspunkte gibt es überall mal. Die Aufgaben sind klar verteilt. Das hat etwas gedauert, bis es so war, aber das passt alles mittlerweile. Tatsächlich.
Steve: Klar gibt das auch Probleme bei einem großen Chapter, aber das ist alles lösbar. Wir haben im Club keinen, der ohne Arbeit ist. Viele Montage-Leute, einige Selbstständige. Zwei sind nach Bayern gezogen, aber die meisten leben in einem Umfeld von 30 Kilometern, was ein intensives Clubleben ermöglicht.

Ihr habt gesagt, dass ihr zur Gründung alles richtig oder gar nicht machen wolltet. Lebt ihr heute das, was ihr wolltet?
Jörg: Vielleicht haben wir lange gebraucht, um zu begreifen, was wir wollten, aber heute leben wir genau das. Seit der MC-Gründung sind viele gute Leute dazugekommen, was uns bestätigt.

Gehört euch das Clubhaus?
Harry: Wir haben einen Mietvertrag mit der Gemeinde. Mit der Zeit haben wir uns das Haus samt Gelände nach unseren Vorstellungen umgebaut. Ich denke, wir müssen uns da keine großen Gedanken machen. Die Gemeinde hat uns mittlerweile gut kennengelernt. Das ist hier etwas, was wir sehr lange nutzen können.

Das heißt auch, dass ihr ein gutes Verhältnis mit der Gemeinde habt.
Harry: Ja. Ich denke, wir machen gute Öffentlichkeitsarbeit. Und wir gehen auf die Gemeinde oder die Polizei zu, um von vornherein Ärger zu vermeiden. Auf unseren Partys gibt es keinen Stress. Zu uns kommen auch 1%er-Clubs, die Spaß haben, feiern und nicht nur in der Ecke stehen.
Steve: Wir haben hier ein sehr gutes Verhältnis zu den Clubs in der Nachbarschaft. Die ostdeutsche Szene hat allgemein ein sehr gutes Verhältnis zueinander. Auch durch die Entwicklung der letzten Jahre mit den großen 1%-ern ist die ostdeutsche Szene noch einmal viel enger zusammengerückt. Und wir feiern noch wie früher. Das heißt, wenn wir irgendwohin fahren, sind wir da nicht bloß für den Abend, sondern nehmen Zelte mit und bleiben über Nacht. Mit allen Clubs, die in Thüringen ihre Heimat haben, sind wir im Kontakt und kommen mit ihnen sehr gut klar.
Harry: Mit dem Verhältnis zu den MFs und MCs sind wir sehr zufrieden. Auch mit den 1%-ern haben wir ein gutes Verhältnis. Die wollen natürlich auch wissen, wie du tickst. Für uns ist es wichtig, dass wir uns in ganz Deutschland frei bewegen und hinfahren können, wohin wir wollen. So wie man auftritt, wird man auch empfangen. Die Verschärfung des Vereinsrechts hat mit Sicherheit auch dazu geführt, dass die Szene heute enger zusammensteht.
Jörg: Wir fahren gemeinsam oder gar nicht. Und wenn wir fahren, dann bleiben wir auch. Nicht wie mancher Club, der nur eine Showrunde dreht. Das kann auch schon mal über mehrere Tage sein.
Harry: Eine sehr schöne Tradition ist unsere Abschlussfahrt am Ende der Saison. In den letzten Jahren haben wir befreundete MCs besucht und mit denen das komplette Wochenende in deren Clubhaus gefeiert.
Steve: Das ist etwas, das unheimlich was bringt. Man lernt sich in aller Ruhe kennen, anders als auf einer Party. Wir haben da noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Die Jungs zeigen uns dann immer auch ihr Gebiet.
Jörg: Wir bringen normalerweise alles mit. Mannschaftszelt, gutes Thüringer Bratgut und reichlich Bier. Wir wollen uns nicht einfach so einladen und keine Last für den besuchten Club sein.
Harry: Das haben wir jetzt fünf mal gemacht und das ist immer sehr gut angekommen.
Steve: Wir haben eine enge Freundschaft zu einem Club aus Österreich. Deswegen tragen wir auch einen Brotherhood-Patch an der Kutte. Das ist die letzten sechs Jahre gewachsen und über meine Band entstanden, in der ich singe. Wir sind damals gebucht worden zu deren 25-Jährigem. Danach haben unsere Clubs angefangen, sich gegenseitig zu besuchen. Das erste Mal sind wir schon fast vollzählig nach Mühlheim gefahren. Im Gegenzug sind die dann zu unserer Winterparty gekommen. Das hat alles gepasst und ist im Laufe der Jahre gewachsen – da haben wir nichts forciert.
Harry: Das ist was Besonderes, wenn sich zwei MCs mit so einer großen Entfernung treffen, die gleich ticken.

Das klingt doch alles sehr gesund. Als wenn ihr euch eigene Traditionen er­schaffen habt. Stand der Club irgendwann mal auf der Kippe?
Jörg: Für uns stand der Club zu keiner Zeit infrage oder auf der Kippe. Wir haben genügend Nachwuchs und ich glaube, der Holzländer MC wird noch lange Bestand haben.

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 10/2017
 

Holzländer MC Thüringen
Jugendwaldheim 66
07639 Bad Klosterlausnitz
www.holzlaender.de
Jeden Freitag Open House
 
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