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Der Cavemen MC wurde 1968 von US-Soldaten gegründet, die in Zweibrücken stationiert waren. Er zählt damit zu den ältesten Motorradclubs Deutschlands
Vor fünfzig Jahren gründet eine Handvoll GIs in einer Kaserne in Zwei­brücken den Cavemen MC. Es gibt zwei Theorien, wie der MC zu seinem Namen gekommen ist. Die eine besagt, dass er auf die „Tunnelratten“ zurückgeht, die für die US-Army in Vietnam kämpften. Um dem intensiven Bombardement der Amerikaner zu entgehen, hatte der Vietcong im ganzen Land Tunnelsysteme gegraben. Die Tunnelratten waren speziell ausgebildete GIs, die diese Unterschlüpfe ausheben sollten. Doch es gibt auch eine zweite, einfachere Version: Nachdem sich die Soldaten entschlossen haben, einen Club zu gründen, brüten sie bei diversen Bieren lange über ihren zukünftigen Namen. Das dauert so lange, bis eine der anwesenden Ladys sauer meint: „Ihr Arschlöcher benehmt euch gerade wie eine Horde primitiver Höhlenmenschen.“ Das kommt bei der Runde so gut an, dass sie die Namenssuche beendet und sich für „Cavemen“ entscheidet. Fast zeitgleich entsteht auch der Wahlspruch des Clubs: „Born on a mountain, raised in a cave, bikin’ and fuckin’ is all we crave!“ (zu Deutsch etwa: Geboren auf einem Berg, aufgezogen in einer Höhle, Biken und Ficken ist alles, was wir wollen).

Nach der Gründung des Cavemen MC bleiben die amerikanischen Member zunächst unter sich. Die gerade aus dem Vietnamkrieg zurückgekehrten GIs fühlen sich in Deutschland nicht immer willkommen. Also pflegen sie ihre Kameradschaft in kleiner Runde – und machen Party. Die ersten Veranstaltungen des jungen MCs finden auf Army-Gelände statt, ohne dass die Öffentlichkeit groß Notiz davon nimmt. Dort haben die Cavemänner auch einen Heimvorteil, können sie für ihre Feiern doch auf das Equipment von Uncle Sam zurückgreifen und Ausrüstung wie Zelte, Funkgeräte oder Lkw zweckentfremden. 1981 beziehen die Member ihr erstes Clubhaus, nachdem die Garnison in Zweibrücken aufgelöst worden war und alle Soldaten nach Ramstein verlegt wurden. Das Clubhaus ist, wie könnte es anders sein, ein ehemaliger Munitionsbunker auf einem Hügel bei Kaiserslautern. Zuvor hatten die Member ihre Meetings meist in Gasthäusern oder Clubs abgehalten. Doch schon nach rund zwei Jahren macht die Army den Clubbunker dicht, nachdem die Militärpolizei die dortigen Partys oft kontrolliert hatte.

Neben den Bones, den Knight Riders, den Roadrunners aus Wiesbaden, den Wheels aus Frankfurt und anderen deutsch-amerikanischen Clubs wird der Cavemen MC schnell zum Vorbild für die Szene und bringt die amerikanische Biker-Philosophie nach Deutschland

Insbesondere weil die US-Soldaten nur für einen begrenzten Zeitraum in Deutschland stationiert sind, ist die Fluktuation der Member in den ersten Jahren hoch. Erst als sich der Cavemen MC auf der Suche nach Gleichgesinnten öffnet und die Kontakte zu anderen Clubs und in die Szene intensiviert, kehrten stabilere Verhältnisse ein: Ab 1975 dürfen auch amerikanische Zivilisten Member werden, die teilweise Sprösslinge deutsch-amerikanischer Ehen sind und deswegen Deutsch sprechen, ein Jahr später öffnet sich der Cavemen MC dann auch für deutsche Member. Doch im Zuge des moderaten Wachstums und des Austauschs mit der MC-Szene entstehen auch Konflikte. Insbesondere Ende der Siebziger geraten auf Rallys immer wieder Member verschiedener Clubs aneinander. Auch der Cavemen MC hat im Laufe seiner Geschichte die ein oder andere Meinungsverschiedenheit mit anderen Clubs, Ende der Achtziger zeitweise auch mit dem Bones MC, zu dem ansonsten immer gute Beziehungen bestanden. „Grundsätzlich hatten wir schon fast mit jedem Ärger“, meint Heiko, President des Chapters Ramstein – worauf Gelächter durch die versammelte Führungsriege geht. „Es waren eben wilde Zeiten.“ „Und schuld waren immer die anderen“, meint Patric aus Ramstein.

Doch was mit dem heutigen Blick auf die Vergangenheit lustig erscheint, war manchmal blutiger Ernst: Der traurige Höhepunkt ist für die Cavemen im April 1981 erreicht, als auf der ersten Rally der Zweibrücker „Motor Tramps“ Ilona Zimmermann erschossen wird. Ein Member der Devils Advocats trifft die gänzlich unbeteiligte Frau eines Cavemen-Members ins Herz, als es auf der Rally erneut zu Streit kommt. Doch der Cavemen MC reagiert besonnen und vollzieht sogar einen Kurswechsel, indem er sich verstärkt für wohltätige Zwecke einsetzt. Unter dem Motto „Toys for Tots“ sammelt der Club bis heute Spielzeug und Geld für Kinder und auch auf den „Blood Partys“ werden Spenden gesammelt. Beide Veranstaltungen haben eine lange Tradition und waren ursprünglich als Rallys ausgelegt, die schon in den Siebzigern Tausende Biker anlocken. Auf den „Blood Rallys“ sammelt der Club damals direkt vor Ort in von der Army bereitgestellten, großen Zelten Blutspenden – zunächst ausschließlich für US-Soldaten, später auch für deutsche Zivilisten.

Richtig groß ist der Cavemen MC in seiner 50-jährigen Geschichte nie geworden. Zeitweise gibt es neben Chaptern in Mannheim, Grünstadt und Kusel sowie Prospect-Chaptern in Stuttgart und Pirmasens zwar sogar eines auf Sardinien, doch seit vielen Jahren unterhält der Club mit Lebach, Ramstein und Trier lediglich drei Ortsgruppen. „Klasse statt Masse“, kommentiert Heiko die nicht vorhandenen Ambitionen des MCs, weiter zu wachsen. Wenn Anfang Juni das 50-jährige Jubiläum gefeiert wird, werden deshalb natürlich auch einige Alt-Member aus den Staaten ins Clubhaus des Motherchapters Ramstein kommen – denn die meisten von ihnen sind auch nach der Rückkehr in ihre Heimat Cavemen geblieben und durften ihr Colour selbstverständlich behalten. Da sie über das ganze Land verteilt leben, haben sie zwar keine eigenen Chapter auf amerikanischem Boden gegründet, treffen sich aber regelmäßig für Re-Unions, zum Beispiel im Rahmen der Myrtle Beach Bike Week in South Carolina.

Die drei Cavemen-Presis: Udo (Trier), Norbert (Lebach) und Heiko (Ramstein)

Und natürlich hat der Club bis heute Amerikaner in seinen Reihen, auch wenn es nur noch wenige sind. Jarred, ein junger Member, ist gebürtiger Amerikaner und noch bei der Army, während der nicht mehr ganz so junge Robert der Ehe einer deutschen Mutter und eines Soldaten der Air Force entstammt und – da geboren in einem französischen Army-Krankenhaus – ebenfalls die amerikanische Staatsbürgerschaft hat. Ansonsten hat der Club schon immer über seine Interna geschwiegen, auch bezüglich der Mannstärke. Wie viele Member es genau gibt, bleibt also genauso Clubgeheimnis wie der Ablauf von Ritualen wie der Kuttentaufe, die es natürlich auch bei den Cavemen gibt. Nur dass er nie aktiv rekrutiert hat und keine Supporter um sich schart, gibt der Club gern und offen zu – und dass lange bleibt, wer einmal dabei ist, denn es zählt der persönliche Kontakt und die Kameradschaft. „Wir haben auch viele Quereinsteiger, die vorher in anderen Clubs waren – auch ehemalige Presis“, meint Mario, Secretary des Chapters Trier. Das hat Vorteile, wie Hennes, Vize aus Lebach ergänzt. „Denen muss man nichts mehr beibringen.“ Auch wie lange es dauert, ein Cavemen zu werden, bleibt intern. Klar ist nur, dass Anwärter einen Motorradführerschein und ein funktionierendes Bike haben müssen. Alice Cooper zu heißen, hilft jedenfalls nicht. Der fragte einst vor einem Auftritt, ob er eine Cavemen-Kutte anziehen dürfe. Doch Heiko, der damals zum ersten Mal mit anderen Membern als Security arbeitet, erklärt ihm kurz und knapp, warum das leider nicht möglich sei – worauf Cooper eine halbe Flasche Jacky auf ex leert. Noch heute arbeiten einige Cavemen im Security-Bereich, allerdings selbstständig mit eigenen Firmen und nicht als Member des Clubs. Überhaupt ist die überwiegende Mehrzahl der Cavemen selbstständig, hauptsächlich im handwerklichen Bereich.

Doch ob mit vielen oder wenigen, ob mit oder ohne amerikanische Member und Supporter: Der Cavemen MC ist den ursprünglichen Werten seiner Gründerväter treu geblieben. „Saufen, Ficken, Randale und Motorradfahren“, lacht Heiko – wobei Letzteres im Clubleben ganz klar im Vordergrund steht. Die Antwort auf die Frage, ob der Cavemen MC der alten Zeit nachtrauert, als die Szene noch im Rahmen von großen Presi-Rallys zusammenkam, fällt da nur folgerichtig aus: „Wir sind genauso wie damals. Wir fahren viel und haben überall Kontakte“, so Heiko. „Ich persönlich finde es schade, dass es die großen Rallys nicht mehr gibt – aber in die große Clubpolitik wollen wir uns eh nicht einmischen. Außerdem bekommt man es auch so hin, Überschneidungen von Partys und Veranstaltungen zu vermeiden; eben durch viele persönliche Kontakte.“ Fünfmal hat der Cavemen MC die deutschlandweite Presi-Rally ausgerichtet, zuletzt 1996. Vergleichbare Großveranstaltungen organisieren die Member seitdem nicht mehr – vor allem wegen der behördlichen Auflagen, die mit den Jahren immer strenger wurden. Die Kontakte aus den frühen Tagen halten die Member aber bis heute aufrecht. Und so wird sich zum 50-jährigen Jubiläum erneut eine Vielzahl großer und kleiner Clubs auf dem Gelände des Motherchapters ein Stelldichein geben und gemeinsam mit dem traditionsreichen Club feiern.   
 

Cavemen MC Ramstein
Bahnhofstr. 58
66901 Schönenberg-Kübelberg
www.cavemen.de


1.–3. Juni: 50 Jahre Cavemen MC
Livebands, Stripshow, Shuttle-Service; Campground vorm Clubhaus, Wohnmobile und Caravans bitte mit Voranmeldung
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