Jubiläums Aktion: 25Jahre TätowierMagazin
Die BIKERS NEWS jetzt 25% günstiger im Printabo! 53€ statt 72€
Der Bandidos MC feierte sein zwanzigjähriges Bestehen in Deutschland – stressfrei im schwäbischen Ulm
Wenn bürgerliche Medien die Anreise von 1800 Bandidos ankündigen, könnte das immer auch ein Grund zur Panik sein. Damit die im schwäbischen Ulm nicht aufkommt, muss die Polizei in den gleichen Medien natürlich einen „Großeinsatz“ versprechen. Der aber scheint eher für die Presse und für die sonst panisch werdenden Bürger inszeniert zu sein. Den Zugang zur Halle des riesigen Eventcenters, in dem normalerweise wohl eher türkische Hochzeiten gefeiert werden, versperren jedenfalls keine Hundertschaften, sondern nur zwei einsame Polizeifahrzeuge mit einem noch einsameren Scheinwerfer und einem Dutzend Beamten.

Die scheinen sich über Abwechslung zu freuen und kassieren – immerhin einer mit Maschinenpistole im Anschlag – die Ausweise einer Handvoll holländischer Bandidos, die sich zu Fuß auf den Weg vom Hotel zur Party gemacht haben. Geduldig und gut gelaunt warten die, bis sie ihre Ausweise wieder zurückbekommen. Ihre Kutten mit dem in Deutschland verbotenen Bandidos-Colour tragen sie zusammengerollt unterm Arm. Jeder tut, was er tun muss. Was gibt es hier zu feiern?


History: Der Übertritt der gelben Ghostrider’s zu den Bandidos war keine Überraschung. Die Ghostrider’s hatten sich vorher schon mit den Bandidos blicken lassen, hier auf dem National Run der Bandidos in Luxemburg (Foto: Pit)
History: Der Übertritt der gelben Ghostrider’s zu den Bandidos war keine Überraschung. Die Ghostrider’s hatten sich vorher schon mit den Bandidos blicken lassen, hier auf dem National Run der Bandidos in Luxemburg (Foto: Pit)


Es war der 19. November 1999. Damals legten die Member des gelben Ghostrider’s MC ihre Colours ab, um geschlossen zum Bandidos MC überzutreten. Das war keine Überraschung, zumal in der Woche davor die Bones zu den Hells Angels übergetreten waren und man nun mit einer schnellen Etablierung des Bandidos MC in Deutschland rechnete.

Die gelben Ghostrider’s aber galten schon lange vorher als mögliche Kandidaten, die eines Tages den Fat Mexican der Bandidos auf dem Rücken tragen. Sie hatten in den Jahren zuvor zwei National Runs der Bandidos besucht, einen in Marseille und einen in Luxemburg. Sie hatten sich dort auch nicht versteckt, sondern für jedermann sichtbar ihre „Oma“ getragen, den Sensenmann des gelben Ghostrider’s MC. Das war ein deutliches Signal. Wie die beiden heute führenden Bandidos Peter und Les es später erzählten, sei durch den viel überraschenderen Wechsel der Bones zu den Hells Angels einfach alles etwas schneller gegangen.

Überraschend war da vielleicht eher die Tatsache, dass es den Bandidos gelungen war, auch noch weitere Clubs ins Boot zu holen, nämlich das Nomads-Chapter des deutschen Road Eagle MC und die Münchener Destroyers. Überraschend auch verschiedene Details am Rande, die erst in späteren Jahren bekannt wurden. Tatsächlich hatten die gelben Ghostrider’s sich schon Jahre zuvor unter den World-Clubs umgeschaut. Anfang der Neunziger pflegten sie enge Freundschaften zu den Outlaws in Florida – und diese Freundschaften waren ausgerechnet über eine Vermittlung der Bones am Rande der Daytona Bike Week zustande gekommen. Auch den ersten Kontakt der gelben Ghostrider’s zu den Bandidos hatten ironischerweise die Bones vermittelt, und zwar im Jahr 1996 auf ihrer Tattoo Convention in Karlsruhe, wo gelbe Ghostrider’s und Bandidos gleichermaßen als Gäste anwesend waren.

Jetzt aber, mit dem November 1999, geriet die Szene ins Bangen. Seit der Gründung des ersten europäischen Bandidos-Chapters im Jahr 1989 in Marseille waren gerade mal zehn Jahre vergangen. Aber der wenig später entbrannte Rockerkrieg in Skandinavien hatte schon Tote gekostet. Was würde auf die deutsche Szene zukommen? In einem ersten Interview mit BIKERS NEWS erklärte Les in der Februar-Ausgabe 2000, dass kein Club Angst haben müsse, auch kein kleiner. Aber das, was auch in der deutschen Boulevardpresse schnell „Rockerkrieg“ genannt wurde, entzündete sich eben doch. Am 26. Mai 2000 wurden deutsche Bandidos, die sich per Fähre auf den Weg zu ihren skandinavischen Brüdern machen wollten, in Kiel überfallen. Kiel, in der Stadt führten die Hells Angels einen Charter, da konnte man sich einen Reim drauf machen.

Die Bandidos blieben standhaft. Im ersten halben Jahr waren sie noch mit dem „Probationary“-Bottom-Rocker als angehende Bandidos unterwegs. Aber schon am 3. Juni 2000 erhielten sie den „Germany“-Bottom-Rocker. Dann starteten sie durch. Zur Feier ihres Einjährigen im November 2000 in Aachen stellen sie ihre ersten Support-Chapter vor, die Diablos und die Guerrilleros. Überhaupt krempelten sie die Szene um, denn es waren auch die Bandidos, die zuerst geschlossene Migranten-Gangs in ihre Reihen aufnahmen. Die Auseinandersetzungen in den nächsten Jahren eskalierten, sie kosteten die Bandidos wie auch die Hells Angels mehrere Tote.

Es waren aber auch die Bandidos, die als erste öffentlich ein Umdenken verkündeten. In der BIKERS NEWS vom November 2014 zum Beispiel erklärten sie in einem Interview, aus der Vergangenheit gelernt zu haben und in Zukunft genauer hinzuschauen, wen sie in ihre Reihen aufnehmen würden.

Es nützte nicht mehr viel. Im März 2017 wurde das über den Clubs immer wie ein Damokles-Schwert hängende Colour-Verbot bundesweit amtlich. Das gilt nun auch für die Feier zum zwanzigjährigen Bestehen des Bandidos MC in Deutschland. Die Feier ist mithin eine geschlossene Veranstaltung, auf der die Bandidos ihren seit 2017 unter Verschluss gehaltenen Fat Mexican natürlich tragen.

Auch die holländischen Bandidos ziehen, nachdem sie den Polizeiposten und dann noch die Sichtblenden des Eventcenters passiert haben, ihre Westen über. Jetzt kann die Feier beginnen. Das Chapter Ulm hat sich dafür ins Zeug gelegt, das Buffet ist eröffnet, serviert wird, was Norddeutsche „Nudeln“ nennen würden, es handelt sich aber um schwäbische Spezialitäten mit Spätzle.

Feuershow! Die Bandidos-Presidenten vor der leuchtenden „20“
Feuershow! Die Bandidos-Presidenten vor der leuchtenden „20“

Dann folgt die Feuershow, draußen neben den Supportständen. Der Duft von Brennstoffen steht in der Luft, eine Lady jongliert mit dem heißen Element in allen Formen und spuckt es meterweit in die Lüfte. Schließlich bittet sie die Bandidos-Presidenten zu sich und führt sie zu einer „20“, die Peter entzündet. Unter dem Jubel der Bandidos leuchtet die Zahl des Jubiläums über dem Platz.

Dann bitten Peter und Les, Käse und Kralle und der dänische President Kok zur Bühne. Dort wird das Programm der Ehrungen durchlaufen: die Beförderungen einzelner Brüder in den Prospect- oder Memberstatus, die Vorstellung des neuen Chapters Kamen, die Ehrungen für fünf-, zehn- und zwanzigjährige Mitgliedschaften und schließlich noch die Verlosung einer Kette mit dem goldenen „Fat Mexican“-Anhänger, dem Logo des Bandidos-Colours.

Was auch stattfindet, ist die Verleihung des Wolfpack-Patches mit Schriftzug in roter, schwarzer und silberner Ausführung. Es wird für 15 000, 25 000 und 35 000 Kilometer verliehen, die einzelne Member im Laufe der Saison auf dem Bike abgeritten haben. Es sind nicht wenige Member, die diese Leistung vollbracht haben, mehrere Dutzend werden dafür auf die Bühne gebeten.

Und dann, inzwischen ist es kurz vor zehn, sind die freudigen Pflichten erledigt. Peter gibt die Party frei. „Besauft euch“, ruft er in die Menge, die es mit Jubel quittiert und es ihrerseits krachen lässt, alles zu Ehren des großen Ereignisses: zwanzig Jahre Bandidos MC in Deutschland!    «



Bandidos MC Ulm
Boschstr 16
89079 Ulm
www.bandidosmc.com

 

BIKERS NEWS im Gespräch mit den Bandidos-Presidenten Kralle, Peter, Les und Käse (v. l. n. r.)
BIKERS NEWS im Gespräch mit den Bandidos-Presidenten Kralle, Peter, Les und Käse (v. l. n. r.)​



„Die Zeit war einfach reif“

Vor der Party unterhielten wir uns mit den Bandidos-Presidenten Kralle, Peter, Les und Käse


BN: Les, Peter, Käse und Kralle, warum treffen wir uns in Ulm? Es heißt doch immer, die Bandidos wären ein Ruhrpott-Club?

Peter: Nicht ganz, von den Gründungschaptern sind noch acht übrig, davon fünf in Gelsenkirchen, Dortmund, Duisburg, Essen und Dinslaken im Pott, aber mit Ulm und Kaiserslautern sind auch zwei in Süddeutschland, und in Hessen haben wir noch Kassel. Und die Ulmer Brüder haben sich sofort gemeldet, um dieses Event auszurichten.

Käse: Aber es stimmt schon, die meisten Chapter waren im Pott beziehungsweise in der direkten Umgebung.


Ausgerechnet von den Ulmern hatten ein paar den Wechsel von den Ghostrider’s zu den Bandidos nicht mitgemacht. Das war’s aber auch schon, alle anderen traten zu den Bandidos über. So einmütig funktioniert ein Übertritt nicht immer. Was war euer Geheimnis?

Peter: Klar, so ein Wechsel läuft nicht immer reibungslos und sorgt für Irritationen. Aber wir waren gut vorbereitet. Es gab im Vorfeld nicht nur viele interne Gespräche, sondern auch mit den Bandidos, die wir schon länger teilweise sehr gut kannten. Sehr viele von uns wollten auch einem Weltclub angehören.

Les: Vielleicht war auch die Zeit damals einfach reif für so einen Schritt.


Nach zwanzig Jahren kann man ja Dinge erzählen, die man damals noch nicht so rausgerückt hätte. Zum Beispiel, warum Les in seinem ersten Interview für BIKERS NEWS gar keine Bandidos-Kutte trug. Es soll so schnell noch gar keine Patches für euch gegeben haben?

Les: Da gibt es eigentlich nicht viel zu erzählen. Natürlich war es am Anfang sehr spannend, unter neuen Farben zu fahren. Viele haben schon gestaunt, wenn plötzlich ein Weltclub wie die Bandidos auf den Straßen zu sehen war. Dass ich im ersten Interview noch keine Bandidos-Kutte trug, lag einfach daran, dass die Herstellung der Patches damals noch etwas komplizierter war als heute. Aber wir haben ja dann unsere Colours feierlich überreicht bekommen.


Klingt wie eine ungewollte Vorübung zum späteren Colour-Verbot. Inzwischen wisst ihr, dass es auch ohne geht, aber damals muss es doch trotzdem geschmerzt haben, den Fat Mexican nicht gleich zu tragen?

Les: Wie gesagt, es lag einfach daran, dass es damals mit der Herstellung der Patches noch nicht so schnell ging. Dass das Fahren ohne Kutte ein Vorgeschmack auf die heutige Zeit werden würde, konnte man nicht ahnen. Aber was soll’s, das Gefühl einem weltweiten Motorradclub anzugehören, war und ist auch heute noch ein tolles Gefühl und darauf sind wir alle auch stolz.


Wie kamen denn die Patches zu euch? Direkt aus Dänemark, womöglich in einer gepanzerten Limousine?

Peter (lacht): Die kamen mit der Air Force One direkt aus den USA!


In eurem ersten BIKERS-NEWS-Interview erklärte Les, dass niemand Angst haben müsse, vor allem nicht die kleinen Clubs. Am Ende zog das, was man später „Rockerkrieg“ nannte, eine ganze Szene fast in den Abgrund. Ihr wart die Ersten, die öffentlich ein Umdenken verkündeten. Wie schwer ist es nach all den Jahren, sowas zu bekennen?

Peter: Tja, mit dem Alter wird man klüger und lernt aus seinen Fehlern. Wir waren damals noch jung und wahrscheinlich auch etwas naiv.

Käse: Dazu haben sich die Zeiten geändert. Damit sind auch die Rahmenbedingungen gemeint, die der Gesetzgeber stellt. Man kann schon fast sagen, was heute strafbar ist, war damals noch eher ein Lausbubenstreich.

Les (lacht): Oder Brauchtum!


Kam der neue Kurs an, ist der Umgang mit den kleinen Clubs jetzt entspannter?

Peter: Na, ganz so schlimm war es auch wieder nicht. Wir haben immer schon gute, respektvolle Kontakte zu vielen kleinen Clubs. Jetzt sind es nur noch mehr.


Ihr habt nach den zwanzig Jahren ein paar Tote auf dem Konto, sie sind für euren Club gestorben. War es das wert?

Kralle: Wenn jemand stirbt, ist es immer furchtbar und sorgt für Entsetzen. Es gibt nichts, was einen Tod rechtfertigt.


Und irgendwie kehrt einfach keine Ruhe ein. Im Ruhrpott sorgen die Namen der Bandidos und der Freeway Rider’s noch immer für Schlagzeilen. Gibt’s dazu ein Wort – oder keinen Kommentar?

Peter: Da laufen die Ermittlungen der Behörden. Das möchten wir nicht kommentieren.


Im Lauf des neuen Jahrtausends haben der ursprünglich texanische Bandidos MC und die europäischen Bandidos ihre Bindungen gelöst. Das führte sogar dazu, dass die amerikanischen Bandidos sich ein neues Colour zulegten. Inzwischen heißt es, amerikanische Bandidos würden sich auch wieder auf deutschen Veranstaltungen blicken lassen. Sind amerikanische Brüder hier?

Peter: Ganz gelöst waren diese Verbindungen nie. Zwar tragen unsere Brothers in den USA – aber auch in Südamerika – seit Jahren einen anderen Fat Mexican, aber in den USA gelten halt andere Gesetze als im Rest der Welt. Zumal eine Einreise von uns in die USA auch nicht mehr so einfach ist.

Les: Was zählt, ist die Brotherhood, die uns alle zusammenhält.

Käse: Heute sind keine Brothers aus den USA hier. Aber der National Run dieses Jahr fand in Spanien statt – und da hatten wir eine hohe Anzahl von Brothers aus den USA zu Gast.


Jetzt sollte die Party aber beginnen. Wir haben lange nicht mehr erlebt, dass ein Rocker-President sich hemmungslos besäuft. Wie feiert ihr nun so ein wichtiges Datum mit nüchternem Kopf?

Peter: Alle können ja nicht betrunken sein. So ein Event muss nicht nur gut organisiert sein, sondern auch laufen. Nachher haben wir zum Beispiel eine festliche Patchverleihung – unter anderem für die Brüder, die genau die zwanzig Jahre dabei sind, die wir jetzt feiern.
Artikel aus der Ausgabe: 12/19
Bikeporträt: Harley-Davidson Panhead „Bob-Job“ 06.12.2019
Bikeporträt: Harley-Davidson Panhead „Bob-Job“
Roadstory: Zombie’s Elite MC Mallorca 29.11.2019
Roadstory: Zombie’s Elite MC Mallorca
Clubporträt: War Lords MC Germany 24.11.2019
Clubporträt: War Lords MC Germany
Interview: Zwischen Bikes und Büchern 22.11.2019
Interview: Zwischen Bikes und Büchern
Fahrbericht: Indian Chieftain Dark Horse 17.11.2019
Fahrbericht: Indian Chieftain Dark Horse
Rocker im Visier: Alles Verbrecher? 15.11.2019
Rocker im Visier: Alles Verbrecher?
Ausgabe 4/20 erscheint am 13. Mär
Bandidos MC in Niederlanden verboten 20.12.2017
Bandidos MC in Niederlanden verboten

Der Bandidos MC ist von einem niederländischen Gericht wegen Gefährdung der öffentl …

Bandidos MC Menden 14.02.2018
Bandidos MC Menden

Das 50-jährige Jubiläum des Bandidos MC nahm das Chapter Menden zum Anlass, di

Aus der Presse: Mongols und Bandidos auf der Reeperbahn 17.11.2015
Aus der Presse: Mongols und Bandidos auf der Reeperbahn

Mongols und Bandidos lassen sich in Hamburg auf der Reeperbahn blicken lassen. Die

Bandidos MC Dortmund East 13.11.2017
Bandidos MC Dortmund East

Der Bandidos MC Dortmund East hat sein Clubhaus eröffnet …

Bandidos MC Deggendorf 12.02.2018
Bandidos MC Deggendorf

Der Bandidos MC Deggendorf/Forest Gate hatte zur Jahresparty geladen, die immer im

Bandidos Jubiläen 08.10.2016
Bandidos Jubiläen

Die Bandidos-Chapter Hamm, Münster und Osnabrück feierten ihr 15-Jähriges …

Bandidos MC Recklinghausen 11.02.2018
Bandidos MC Recklinghausen

Bereits zum dritten Mal organisierte der Bandidos MC Recklinghausen eine heiße

Bandidos MC: Teamwork 05.12.2018
Bandidos MC: Teamwork

Die drei Bandidos-Chapter Hamm, Münster und Osnabrück richten ihre Jahrespart …

15 Jahre Bandidos MC Munich 20.06.2019
15 Jahre Bandidos MC Munich

In Zeiten, da andere Motorradclubs 40 Jahre oder mehr feiern, erscheint ein 15-jä

Hochzeit beim Bandidos MC 01.09.2016
Hochzeit beim Bandidos MC

In Bad Königshofen heirateten Secretary Arni und PBOL Irina …

Magazine des Huber Verlages